IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/2003, Seite 66 f.


REPORT


Sauberer, aber noch nicht rein

Ergebnisse einer Umfrage zur Hygiene in öffentlichen Toiletten

Die Sauberkeit in öffentlichen Waschräumen hat sich in den letzten fünf Jahren spürbar verbessert. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Tork Infocenters für Hygiene und Sauberkeit, die in Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung durchgeführt wurde.

33 Prozent der 983 befragten Männer und Frauen ab 14 Jahren empfinden eine deutliche Verbesserung insbesondere dort, wo man saubere Toiletten eigentlich ohnehin voraussetzen würde: in Restaurants. Mehr als die Hälfte der Befragten honoriert die Anstrengungen der Autobahnraststätten. Unverändert kritisch wird die Hygienesituation auf Bahnhofstoiletten (61 Prozent), an Autobahnparkplätzen (57,1 Prozent) sowie bei Sportveranstaltungen und Volksfesten (45 Prozent) gesehen. Ebenfalls Nachholbedarf besteht nach Ansicht der Probanten bei Schul-WCs (45,6 Prozent) und in Stadtzentren (45 Prozent).

Bewusst oder unbewusst - 92,7 Prozent der Befragten zieht Rückschlüsse vom Zustand der Toiletten auf den Betreiber - sei es Unternehmer oder Gastronom. Ein sauberer, gut ausgestatteter Waschraum bedeutet für 61 Prozent der Befragten, man legt Wert auf sein Wohlbefinden. 58,9 Prozent zieht Rückschlüsse auf den Gesamtbetrieb und nimmt an "der Rest des Betriebes ist auch hygienisch und sauber" bzw. sieht dies als Kriterium für einen Wiederbesuch und behauptet "da gehe ich gerne wieder hin". Insbesondere Frauen legen Wert auf hygienisch einwandfreie und gut ausgestattete WCs.

Insbesondere Frauen legen Wert auf hygienisch einwandfreie und gut ausgestattete WCs - nicht nur im Privatbereich (Quelle: SCA Hygiene Products GmbH, Mannheim).

39 Cent für einen Toilettenbesuch

Jeder zweite Deutsche (53,4 Prozent) ist bereit, für einen Toilettenbesuch zu zahlen. Durchschnittlich liegt die Zahlungsbereitschaft bei 39 Cent und ist bei Frauen generell häufiger (57 Prozent) als bei Männern (46,4 Prozent) sowie abhängig von Alter (ab 40 Jahre) und Bildungsgrad. Prinzipiell spielt der Ort und die "Größe des Geschäfts" die ausschlaggebende Rolle für die Zahlungsbereitschaft der Befragten. An Bahnhöfen, Autobahnraststätten, in Stadtzentren und an Autobahnparkplätzen sind mehr als ein Drittel der Deutschen bereit zu bezahlen. Hingegen liegt die Zahlungsbereitschaft unter zehn Prozent in Verwaltungsgebäuden, Bars/Cafés und Restaurants. Hier wird die kostenlose Benutzung als Selbstverständlichkeit angesehen.

Drei Viertel aller Frauen haben Angst vor Ansteckung

Die Angst vor Ansteckung bei der Benutzung öffentlicher Toiletten ist mit 66 Prozent sehr hoch. 45 Prozent haben Angst vor Geschlechtskrankheiten, 42 Prozent vor Haut- und 33 Prozent vor Magen-Darm-Erkrankungen. Unter Frauen ist die Angst vor Ansteckung mit 75 Prozent besonders groß, was u.a. im Zusammenhang mit dem (Haut-) Kontakt zur Toilette interpretiert werden könnte.

Erwartungen an die Ausstattung öffentlicher Toiletten

Die Mehrzahl der Befragten wünscht sich die Ausstattung öffentlicher Toiletten mit Seifenspender und Abfallbehälter für Damenhygiene sowie Beutel für Damenhygiene und weißen Einmal-Papierhandtücher. Einmal Toilettensitzauflagen aus Papier befürworten immerhin noch 48 Prozent. In einem engen Zusammenhang zu den Erwartungen steht die Ansicht der Befragten, was eine Toi-lette noch attraktiver machen könnte. Nach Meinung der Deutschen sind dies lufterfrischende Düfte (71 Prozent), größere Toilettenkabinen (46,5 Prozent), Musik (40 Prozent) oder hochwertige weiche Papierprodukte (39,2 Prozent). Nicht wichtig sind demnach Ganzkörperspiegel, ausgefallenes Design, Blumen oder Bilder.

Händehygiene unzureichend: Aufklärungsbedarf

Die regelmäßige Händehygiene ist Grundvoraussetzung für eine effiziente Gesundheitsvorsorge. Oftmals lässt der Zustand der öffentlichen Toiletten eine gute Händehygiene jedoch nicht zu, insbesondere dann wenn Seifen und Händetrocknungsvorrichtungen nicht vorhanden oder nicht funktionstüchtig sind. In der vorliegenden Studie wurden die Befragten auch nach ihren Gewohnheiten beim Händewaschen befragt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Deutschen durchschnittlich fünf bis zehn mal täglich die Hände (61 Prozent) waschen. Häufigeres Waschen findet man in erster Linie bei Frauen.

Für Frauen ist Händehygiene bedeutender als für Männer. 91 Prozent der Deutschen waschen sich nach dem Toilettengang die Hände, 81 Prozent vor und 74 nach dem Essen. Nur 29 Prozent halten Händewaschen nach dem Niesen oder Husten für wichtig und nur 21 Prozent waschen sich nach der Berührung mit Geld bzw. 20 Prozent nach der Nutzung öffentlicher Automaten (Telefonzellen etc.) die Hände.

Nach Einschätzung von Hygiene-Experten zeigt die vorliegende Umfrage, dass es im Bereich der Gesundheitsvorsorge in Deutschland durchaus Aufklärungsbedarf gibt. Studien haben gezeigt, dass eine gründliche Händehygiene die Ansteckungsgefahr bei Erkältungskrankheiten zum Beispiel in Grundschulen um 50 Prozent reduzieren kann. "Überall dort, wo viele Menschen zusammen kommen, ist die Ansteckungsgefahr hoch, das heißt zum Beispiel in Unternehmen, in Schulen, bei Veranstaltungen etc. In öffentlichen Waschräumen ist diese nicht höher als an vorhergenannten Orten. Hier spielt uns unser subjektives Sauberkeitsempfinden oftmals einen Streich", so Prof. Dr. Henning Rüden, Leiter des Hygieneinstituts der Freien Universität Berlin. "Händehygiene ist ein wirksamer Schutz. Es ist deshalb umso erstaunlicher, wie wenig dieses Thema zum Beispiel in Unternehmen eine Rolle spielt." So lasse sich der Krankenstand in Firmen spürbar verringern, wenn auch dort auf die Waschraumausstattung geachtet und die wichtigen Hygienemaßnahmen von den Mitarbeitern eingehalten würden.

Fazit fürs Handwerk

Vor dem Hintergrund der Umfrage-Ergebnisse erscheint es wichtig, das Image der öffentlichen Toiletten ins rechte Licht zu rücken. Fachplaner und -handwerker sind aufgefordert, den genannten Bedürfnissen nach gut ausgestatteten WCs Rechnung zu tragen. Eine auch unter hygienischen Gesichtspunkten optimal gestaltete Toilettenanlage sollte das gemeinsame Ziel sein. Dass sich dadurch unter Umständen auch größere Umsätze für das Fachhandwerk generieren lassen, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung.

Internetinformationen:
www.tork.de


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