IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/2003, Seite 58 ff.


REPORT


Teure Sünden

Von Rohrsanierungen und dem Verzicht auf Wasseranalysen

Bei der Schadensbesichtigung auf der Baustelle spendete Anlagenbauer Mario Stange den Bauherren schwachen Trost: "Es hätte noch schlimmer kommen können. Gott sei Dank hatten die Handwerker damals in den Etagen bereits Kunststoffleitungen verlegt. Da müssen wir nicht ran." Seine Kolonne ersetzte ausschließlich die verkrusteten Keller-Verteilleitungen aus verzinktem Stahl nebst den Steigeleitungen zu den Bädern und Küchen der Neubauten des Jahrgangs 1995. Den Eigentümern war das freilich Belastung genug. Warum diese frühe Teilsanierung, was war geschehen?

Teltow grenzt südlich an Berlin. Die Gemeinde mit knapp 20.000 Einwohnern gehörte schon zu DDR-Zeiten zur bevorzugten Wohngegend. Eingebettet in die grüne Mark Brandenburg verlor der Ort auch nach der Wende nichts an dieser Attraktivität. Die gute Verkehrsanbindung an die Arbeitsplätze der neuen Bundeshauptstadt und die moderaten Grundstückspreise säten in den 1990er-Jahren eine Bürgeridylle, die mehr Wohnraum verschlang, als die Renovierung der morbiden Häuser und Häuschen aus sozialistischer Vergangenheit bereitstellte. Also stampften Investoren und Bauwirtschaft eiligst familienfreundliche Eigenheim-Karrees aus dem sandigen Boden der Ausläufer des Flämings.

Im Keller Striewitzweg, Teltow: Von den drei Strängen warm, kalt und Zirkulation der Keller-Verteilleitung sind bereits zwei in JRG Sanipex MT erneuert. Der Anschluss der dritten wird gerade vorbereitet. Der Pappkarton auf dem Rohr wird später zur Fixierung über die Dämmung des Zirkulationsreglers geschoben.

Schädliche Hast

Diese Eile tat einer Vielzahl der Gebäude nicht gut. In und um den Striewitzweg etwa stellten italienische Architekten und Baufirmen, offensichtlich ohne größere Rücksichtnahme auf die Inhaltsstoffe der örtlichen Trinkwasserversorgung, in kurzer Zeit Reihenhäuser mit rund 140 Wohnungen hin. Die trieben und treiben auch heute noch einige Bauherren an den Rand des Ruins. Denn in beinahe sämtlichen Warm- und Kaltwassernetzen aus verzinktem Stahl nagt sich der Lochfraß durch die Wandungen, oder aber fingerdicke Ausblühungen in den Leitungen lassen nur noch ein Rinnsal zu den Zapfstellen durch. Chemische und elektronenmikroskopische Untersuchungen entdeckten: Eisen, Mangan, Nitrat, Chlor, Desinfektionsmittelreste und anderes.

Was im einzelnen Schuld an den Rohrbrüchen trägt, die bereits 1997/98 ihren Anfang nahmen, untersuchte deshalb niemand eindeutig, weil die potenziell Schuldigen ohnehin nicht mehr greifbar sind. Die für Metallrohre ungeeignete örtliche Wasserqualität u.a. aufgrund hoher Eisen- und Mangangehalte war und ist jedoch kein Geheimnis.

Bereits drei Jahre nach Bezug der Wohnungen traten die ersten Rohrbrüche am verzinkten Stahlrohr auf. Heute, sieben Jahre nach der Inbetriebnahme, sieht ein Großteil der Rohre so aus.

Inwieweit schon Anfang der 1990er-Jahre in den wilden Jahren der Nachwendezeit konkrete Auflagen zu den einzelnen Werkstoffen bestanden, weiß heute keiner der Beteiligten mehr mit Bestimmtheit zu sagen. "Wasseranalysen waren damals hierzulande allerdings ein Fremdwort", erinnert sich Baubetreuer Roland Schlott von Schlott Bauregie aus dem Nachbarort Kleinmachnow. Indes kumulierten offensichtlich am Striewitzweg verschiedene Ursachen. Schludrige Verarbeitung eingeschlossen, stellte das Gericht im Dezember vergangenen Jahres fest und sprach den Bauherren auf der Basis eines Beweis-Sicherungsverfahrens den Sicherheitseinbehalt zu. Der deckt allerdings nicht die entstandenen Sanierungskosten. Die unzähligen Reparaturen ab 1998 hatten dieses Geld bereits aufgebraucht und den Italienern den Konkurs beschert.

Die engen Schächte erschwerten das Arbeiten zwar erheblich. Dank der Schraubverbindungen konnte der Austausch der Rohrleitungen dennoch zügig vorgenommen werden.

Radikalkur mit Mehrschicht-Verbundrohr

Zu Beginn wähnten die Auftraggeber die Rohrbrüche als Einzelfälle. Bis dann das ganze Schadensmaß sichtbar wurde. Im Striewitzweg 6 a-c, ein etwa 50 m langer Trakt mit einem durchgehenden Kellergang, entschieden sich die Besitzer deshalb für die Radikalkur: sämtliche Keller- und Steigeleitungen aus verzinktem Stahl raus und JRG Sanipex MT rein.

Für dieses Mehrschicht-Verbundrohr hatte das beauftragte Berliner Installationsunternehmen Brasst Bau plädiert. Stange sen. und Stange jun. verarbeiten seit zehn Jahren sowohl im Neubau als auch in der Sanierung PE-x-Rohre und Armaturen von JRG Gunzenhauser. Mario Stange, der Junior, bescheinigt den Schweizern eine gute Qualität. "In 3000 bis 4000 Wohnungen hatten wir bisher lediglich zwei Schäden, und die waren mehr auf Montagefehler zurückzuführen. Gut, in den früheren Objekten setzen wir natürlich noch das bewährte Sanipex ein. MT ist ja eine neue Entwicklung. Aber wir sind uns sicher, damit genauso richtig zu liegen."

In einem zur Werkstatt umfunktionierten Kellerraum wurden die einzelnen Abschnitte für die Weiterverarbeitung vorbereitet. Hier das Aufmuffen der Endstücke. Für jeden Durchmesser liefert JRG Gunzenhauser ein eigenes Werkzeug mit einer eigenen Farbe. Diese Farbe wiederholt sich auf Aufklebern auf den Armaturen, Form- und Verbindungsstücken, sodass der Installateur ganz automatisch zur richtigen Maschine greift.

Warum er denn angesichts der positiven Ergebnisse mit Sanipex "Classic" auf Metallverbundrohr umgestiegen sei? "Wegen der Längenänderung und den Durchbiegungen. Beim einfachen Kunststoffrohr als zig Meter lange Kellerverteilleitung müssten wir Durchhänger auffangen, also Tragschalen zur Unterstützung installieren, darüber hinaus Kompensatoren einplanen. Das hätte einen bestimmten Mehraufwand bedeutet, zumal wir die alten geraden Eisenstränge rausreißen und durch neue gerade Stränge ersetzen mussten. Neuer Platz stand uns ja nicht zur Verfügung." Das Metallverbundrohr "löst die Aufgabe bestens, weil es sich so starr verhält wie Metall und so korrosionsresistent ist wie Kunststoff."

Ihr Übriges tat die Schraubverbindung des Systems. Denn in die geöffneten Installationsschächte mit vorhandenen Abwasser- und Lüftungsleitungen wäre mit der Presszange nur sehr schwer hineinzukommen gewesen. So aber konnten die einzelnen Rohrstücke auf Maß vorbereitet und mussten im Schacht nur noch verschraubt werden.

Die Verbindung kommt ohne Flachdichtung aus.

Schonendes Sanierungsverfahren

Damit sich die Belästigung der Mieter auf ein Minimum beschränkte - immerhin müssen die neuen Steigeleitungen ja bis ins Bad und in die Küche hi-nein - ließen sich Brasst Bau und das Ingenieurbüro Brandes & Kopp (Berlin), das mit der Sanierungsplanung beauftragt wurde, eine Nerven schonende Vorgehensweise einfallen. Bekanntlich bestand jeder Strang aus den drei Kreisen Zirkulation, Warmwasser, Kaltwasser. Die Installateure schnitten deshalb im Keller zuerst den inkrustierten eisernen Zirkulationsstrang heraus und ersetzten ihn durch die neue Rohrleitung. So stand den Bewohnern während des Tauschs nach wie vor Warmwasser zur Verfügung, nur eben nicht mit dem gewohnten Komfort; sie mussten etwas länger zapfen, bis die richtige Temperatur ins Waschbecken floss.

Wasseranalyse 1998: Beim Einsatz von Messing-, Kupfer- und verzinkten Materialien können Probleme auftreten…

Danach demontierten und ersetzten die Handwerker die Warmwasserverteilleitung. Nach gleichem Muster wurde kurzzeitig das Warmwasser- zum Kaltwassernetz umfunktioniert. So spürten die Bewohner eigentlich nie so richtig, dass sie wenige Minuten kein Warm- oder Kaltwasser hatten. Auf ähnliche Weise schlossen die Monteure Wohnung für Wohnung an die Steigeleitungen an. Die Planung ging auf. Nicht ein einziger Bewohner beschwerte sich. Schließlich hatte ja auch das Korrosions-Chaos der Jahre zuvor genug genervt. Damit sollte jetzt Schluss sein.

Internetinformationen:
www.jrg.de


T e x t   u n d   B i l d e r :  JRG Gunzenhauser GmbH, Dortmund