IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 19/2003, Seite 68 ff.



Navigationssysteme nach den eigenen Ansprüchen auswählen

Unterwegs mit der Beifahrerin, die sich perfekt auskennt

Ein bekanntes Szenario: Sie erhalten einen Notruf, dass Sie schnellstmöglich einen Wasserrohrbruch beseitigen müssen, wissen aber noch nicht, wie Sie am besten zum Einsatzort gelangen sollen. Oder: Ihr Lehrling soll auf dem Rückweg von einem Kunden noch schnell Ersatzteile beim Großhändler besorgen, er hat aber gerade nichts zum Schreiben zur Hand. All das lässt sich heutzutage mit einem Navigationssystem beziehungsweise dem damit verbundenen Flottenmanagement lösen. So wird nicht nur der direkte und schnellste Weg angesagt, sondern die Zentrale kann auch mit den einzelnen Fahrzeugen in Kontakt treten und Aufträge direkt weitergeben.

Fahrzeug-Navigation ist ein marktbeherrschendes Thema. Experten prognostizieren dem elektronischen Pfadfinder europaweit eine weitere positive Marktentwicklung. So sollen bis zum Jahr 2005 an die 9,6 Millionen elektronische Beifahrer ihre Besitzer durch Deutschland und ganz Europa lotsen. Auch im Bereich der Nutzfahrzeuge werden Navigationssysteme oder ein komplettes Flottenmanagement immer häufiger eingesetzt.

Grundsätzlich muss sich der Nutzer zunächst einmal darüber Gedanken machen, was er mit dem Navigationssystem alles machen möchte, bevor er sich für ein Modell entscheidet.

Festeingebaute Navigation

Es gibt die fest eingebauten Navigationssysteme, deren Monitor in der Regel auf dem Armaturenbrett oder in der Mittelkonsole montiert wird, während der dazugehörige Navigationsrechner mit CD-ROM oder DVD-Laufwerk im Kofferraum oder unter dem Beifahrersitz seinen Platz findet. Sie können sowohl Richtungspfeile als auch Umgebungskarten mit Topografie sowie wichtige Einrichtungen auf ihrem Display darstellen und Staus auf der Route mit Ausweichstrecken anzeigen. Diese Wegweiser gibt es leider, wie die Nachfragen bei den Autoherstellern ergaben, für Nutzfahrzeuge nur selten ab Werk.

Das Navigationssystem Traffic Pro High Speed von Becker ist das wenig veränderte Nachfolgemodell des Traffic Pro. Der Neue verfügt allerdings über einen schnelleren Rechner und mehr Speicherkapazität (Bild: Becker).

Eine einfachere Variante sind die fest eingebauten Navigationsradios, die nachträglich in den normalen Radioschacht der Servicefahrzeuge eingepasst werden. So kann der Fahrer über eine Grafikanzeige im vergrößerten Display des Autoradios anhand von Richtungspfeilen sehen, wie er fahren muss. Kreisverkehre werden dabei übrigens durch Piktogramme dargestellt. Ganz automatisch verfügt das Navigationsradio über einen CD-Player, denn darüber werden die elektronischen Straßendaten auch wieder per CD-ROM oder DVD eingelesen. Last but not least können diese Geräte über TMC automatisch einen Stau erkennen und umfahren.

Mobile Zielführung

Neben den zwei Varianten der fest eingebauten Systeme gibt es noch die mobilen Navigationsgeräte, die je nach Bedarf in verschiedenen Fahrzeugen genutzt werden können. Hierbei handelt es sich um GPS-Empfänger mit Kartenmaterial und Navigationssoftware, jedoch ohne Anschluss an Tacho und Gyroskop. Mangels dieser Korrekturgeräte wird der Fahrer etwas ungenauer ans Ziel geführt. Anweisungen zur Strecke erhält er über die Sprachausgabe sowie die Richtungspfeile und Kartenanzeige.

Wer sowieso viel mit dem Laptop unterwegs ist und damit beispielsweise Badplanung direkt beim Kunden durchführt, für den rentiert sich das mobile Laptop-Softwaresystem. Dieses besteht neben dem stabilen Laptop aus der Navigationssoftware und einer GPS-Antenne und wird meist von seinen Benutzern auf dem Beifahrersitz provisorisch montiert. Die etwas wackelige Angelegenheit hat allerdings den Nachteil, dass sie ungenauer als ein fest eingebautes System ist und zudem den Blick des Fahrers immer wieder von der Straße auf den Bildschirm lenkt. Das Navigationssystem funktioniert im Übrigen auch nur dann, wenn der Laptop mit einer Soundkarte für die Sprachausgabe der Fahranweisungen über den Laptoplautsprecher ausgestattet ist.

Wesentlich praktischer sind da schon die mobilen Organizer-Systeme, sprich die PDA’s. Diese können mit spezieller Software als onboard- oder offboard-Navigationssystem eingesetzt werden und führen nur gelegentlich zu kleinen Ungenauigkeiten. Die onboard-PDA-Systeme werden in eine Halterung auf dem Armaturenbrett gesteckt und mit der GPS-Antenne verbunden. Die gewünschte Software für die Route muss aber bereits im Vorfeld vom PC im Büro aus (oder unterwegs vom Laptop) auf den Speicherchip überspielt werden. Ein Nachteil der PDA‘s ist ihre geringe Speicherkapazität, die meist nur für das Straßennetz eines einzigen Bundeslandes reicht. Für den durchschnittlichen SHK-Betrieb ist dieses Kartenmaterial aber durchaus ausreichend.

Wenig rentabel ist dagegen das offboard-Navigationssystem, bei dem jedes Mal das Wunschziel und die Fahrzeugposition über Mobilfunk an einen Telematikdienstleister übertragen werden muss, der dann die Route errechnet und via Mobilfunknetz ins Auto zurücksendet. Zwar entfallen die Anschaffungskosten für Software und regelmäßige Updates der Straßendaten, dafür muss aber jede einzelne Routenberechnung bezahlt werden.

Weitere Varianten, die es seit diesem Jahr auf dem Markt gibt, sind das so genannte onboard- beziehungsweise das offboard-(Symbian-)Navigationshandy, die jedoch nicht unbedingt für den professionellen und täglichen Einsatz in einem SHK-Unternehmen geeignet sind.

Fazit

Die Entscheidung für ein bestimmtes Navigationssystem ist letztendlich auch eine Preisfrage. Im Prinzip funktionieren alle jedoch gleich: Sie empfangen über eine kleine Antenne im Fahrzeug Signale von amerikanischen GPS-Satelliten, mit deren Hilfe die zu fahrende Strecke berechnet wird. Wie genau diese dann ausfällt, hängt davon ab, ob das System noch vom Tacho und Gyroskop korrigiert werden kann. Dies ist nur bei Festeinbauten der Fall.

Die notwendigen Straßendaten, die der Sanitärhandwerker für seine Touren benötigt, sind je nach Anbieter auf einer CD-ROM oder DVD gespeichert. Bei mobilen Navigationssystemen werden diese auf eine Speicherkarte übertragen. Der Monteur sollte aber in jedem Fall darauf achten, dass sein Wegweiser für eine gute Sprachausgabe der Fahranweisungen verfügt, damit Fehler und Ablenkungen vermieden werden. Zeit sparen und Staus umgehen ist ein weiteres wichtiges Argument für die Käufer. Daher werden von den Herstellern so genannte dynamische Systeme mit TMC oder Mobilfunk-Telematikdiensten angeboten, die Staus automatisch erkennen und umfahren sowie Verkehrsgefahren auf der Fahrtroute anzeigen. Ist ein Käufer noch unentschlossen, welches Gerät das Geeignete für seine Werkstattfahrzeuge ist, kann er sich die meisten Navigationssysteme im Fachhandel vorführen lassen und die Bedienung ausprobieren.

Der von den Nutzfahrzeug-Herstellern empfohlene Travel Pilot DX-R70 von Blaupunkt zeichnet sich durch einfache Handhabung und genaue Zielführung aus (Bild: Blaupunkt).

Wer sich für ein Displaysystem entscheidet, sollte darauf achten, dass der Bildschirm übersichtlich gestaltet ist und die Pfeil- und Entfernungsanzeigen leicht abzulesen sind; am besten sollte optional eine Kartendarstellung vorhanden sein.

Bei der Wahl der Straßendaten - ob auf CD-ROM oder DVD - lohnt es sich auch, einmal näher hinzuschauen. Denn gerade Deutschlandkarten, die auch Straßen in den kleinsten Orten anzeigen, also eine 100%-Abdeckung bieten, sind nicht für jedes System erhältlich. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass sich der Installateur über die Updatekosten der Straßendaten informiert und Anbieter vergleicht.

Das empfehlen die Hersteller der Nutzfahrzeuge

Eine Umfrage bei den Herstellern der Nutzfahrzeuge für die SHK-Branche ergab, dass die Autos alle nachträglich mit einem Navigationssystem ausgestattet werden können. So empfehlen beispielsweise Ford, Hyundai und Iveco Radio-Navigationssysteme der Firma Becker, während VW mit Blaupunkt zusammenarbeitet. Nissan und Opel setzen auf die Lösungen von Siemens VDO, die sich außer als Wegweiser auch noch als Organisator bestens eignen. Besonders beliebt sind Radio-basierte Navigationssysteme und Bildschirm-Lösungen. Unter den Radio-Navigationssystemen wären beispielsweise das Becker DTM und TRAFFIC PRO zu nennen, die auch beide bei einem Navigationssystem-Test der Zeitschrift "Auto Connect" dieses Frühjahr mit der Auszeichnung "gut" bestanden hatten und für die es bereits schon wieder verbesserte Nachfolger gibt. Das Dynamic Traffic Management (DTM)-System gibt Auskunft über die Verkehrslage, berechnet nennt Routen und nennt Tankstellen im Umkreis. Außerdem führt es selbst bei schwierigen Straßenlagen genau ans Ziel und unterstützt die Wegerklärung durch Pfeildarstellungen auf dem Display.

Das Herz des Flottenmanagements von VDO ist der Onboard-Computer FM 200 PLUS, der die zahlreichen Daten von Fahrer und Fahrzeug protokolliert (Bild: VDO).

Zu den meistverkauften Navigationssystemen gehört der bereits seit 1999 auf dem Markt erhältliche TRAFFIC PRO von Becker. Das zuverlässige System hat nun einen Nachfolger (TRAFFIC PRO HIGH SPEED) bekommen, der sich durch einen größeren Arbeitsspeicher und einen noch leistungsstärkeren Prozessor auszeichnet. Damit kann das System Streckenänderungen, Ausweichmanöver oder ein zusätzliches Zwischenziel in mehr als der doppelten Geschwindigkeit berechnen. Und in einem Staufall wird der Fahrer dank Doppeltuner und TCM automatisch um Staus und Straßensperrungen herumgeführt.

Bei beiden Varianten können nach dem Einlesen der ausgewählten Straßenkarten wieder Musik-CDs im Player abgespielt werden. Außerdem zeichnen sie sich durch Übersichtlichkeit und einfache Bedienung aus. So lassen Softkeys und zwei mehrfach belegte Drehregler die Zielwahl flott von der Hand gehen. Dazu verfügt TRAFFIC PRO HIGH SPEED über eine Lexikonfunktion - dabei wird die Eingabe mit jedem neuen Buchstaben logisch und sinnvoll ergänzt - sowie die Möglichkeit der Zieleingabe über Postleitzahlen und einen Routenspeicher für bis zu 100 Ziele. Zudem bietet das Radiogerät weitere Features wie beispielsweise die Wiedergabe von Telefongesprächen über die Bordlautsprecher, Telefonanschluss vorausgesetzt.

Blaupunkt setzt auf Benutzerfreundlichkeit

Als neues, nachrüstbares Radio-Navigationssystem für die SHK-Branche empfiehlt Blaupunkt den TravelPilot DX-R70. Dieser verfügt serienmäßig über die dynamische Zielführung, ein ansprechendes Design und ein vereinfachtes Bedien- sowie Einbaukonzept. Der Nutzfahrzeugfahrer wird über gesprochene Abbiegehinweise und optische Richtungsangaben zum Ziel geführt. Dabei berücksichtigt das Gerät bei der Routensuche automatisch die aktuelle Verkehrslage anhand der von den Rundfunkanstalten gebührenfrei ausgestrahlten Daten des TMC. Hat der Autofahrer TMC aktiviert, berechnet das dynamisierte System Verkehrsfluss, Staulängen sowie mögliche Fahrtgeschwindigkeiten auf potenziellen alternativen Routen. Danach wird der Autofahrer vom TravelPilot DX-R70 voll dynamisch navigiert.

Dies kann bedeuten, dass das System ein großräumiges Umfahren eines Staus einer nahe liegenden örtlichen Umleitung über kleine Nebenstraßen bevorzugt. Das System schickt das Fahrzeug aber auch mal in eine eher unerhebliche Verkehrsbehinderung, wenn eine Alternative einen zu großen Umweg und Zeitaufwand erfordert.

Das Blaupunktsystem ermöglicht aber auch individuelle Anpassungen an die gewünschte Fahrtroute. Außerdem gibt es einen Tourenspeicher mit bis zu zehn Zwischenzielen, die automatisch nacheinander angefahren werden können.

Neben zahlreichen Funktionen des Autoradios, die hier keine wichtige Rolle spielen, können bis zu vier Verkehrsnachrichten gespeichert und jederzeit wieder zu Gehör gebracht werden. Außerdem ist der Anschluss einer Telefon-Freisprecheinrichtung möglich. Last but not least kann der hilfreiche Wegweiser noch mit einer KeyCard ausgestattet werden, die vor einem Diebstahl schützen soll.

Guter Kontakt zwischen Zentrale und Fahrern fördert Kundenzufriedenheit

Bei SHK-Firmen mit vielen Service- und Werkstattfahrzeugen gehört das intelligente Flottenmanagement längst zum alltäglichen Geschäft. Doch auch für mittelständische Unternehmen werden derartige Lösungen angeboten, um in kleinen Fuhrparks die Effizienz zu erhöhen, die Kosten zu senken und die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Gerne genutzt wird bei den Sanitärfirmen beispielsweise das Flottenmanagement von (Siemens) VDO. Ein aktuelles und geeignetes Modell wäre hiervon der Onboard-Computer FM 200 PLUS, der die zahlreichen Daten von Fahrer und Fahrzeug protokolliert. Durch die entsprechende VDO-Software können wichtige Daten wie Verbrauch, Geschwindigkeit, Betriebsstunden, Achslasten und sogar der Fahrstil des Mitarbeiters analysiert werden.

Besonders effizient arbeitet das Flottenmanagementsystem von VDO in Verbindung mit einem Navigationssystem. So führt der elektronische Pfadfinder "VDO Dayton PC 5510 pro" (DVD-Navigation) oder "VDO Dayton PC 5400 pro" (CD-Rom Navigation) nicht nur auf dem schnellsten Weg zum Ziel, sondern umfährt auf Wunsch auch jeden Stau. Des Weiteren hält er über eine Mobilfunkverbindung auch den Kontakt zur Zentrale. So weiß der Chef im Büro per Mausklick sofort, wo sich seine Fahrzeuge gerade befinden und kann damit seine Flotte mühelos disponieren. Sogar die Ankunftszeit des Monteurs beim Kunden lässt sich auf Wunsch ablesen und dem Kunden mitteilen.

Ein weiteres Plus für das Flottenmanagement ist die verbesserte Kommunikation zwischen Schreibtisch und Lenkrad. Neue Aufträge oder Nachrichten für die Fahrer können als SMS auf das Display der Bordrechner geschickt werden. Selbst Adressen lassen sich so vom Büro aus direkt ins Navigationssystem einspielen. Der Fahrer kann sich dabei auf die Straße konzentrieren und muss nicht mehr mitschreiben. Umgekehrt ist es ihm möglich über sein Navigationsterminal vorgefertigte oder frei formulierte Mitteilungen zurück in die Zentrale zu schicken, um dort etwa sofort Ersatzteile zu bestellen oder erledigte Aufträge zu quittieren.


Begriffe rund ums Navigationssystem:

CD-ROM: Auf einer CD gespeicherte geographische Daten, die einen Straßenatlas ersetzen. Die Strecken liegen in digitalisierter Form vor. Allerdings reicht die Kapazität nur für das Straßennetz eines Landes aus.

DVD: Die recht teure Digital Versatile Disc enthält neben dem gesamten westeuropäischen Straßennetz viele Sonderziele.

DVD-Navigation: Navigation der Zukunft, da die Daten von ganz Europa auf einen Datenträger passen

Dynamische Zielführung: Das Navigationssystem wertet Verkehrsinformationen aus und leitet bei Stau vollautomatisch um.

GPS: Global-Positioning System. Für das US-Militär ursprünglich entwickeltes Satelliten-Navigationssystem, das aus 27 Satelliten besteht. Es erlaubt auch dem zivilen Benutzer mit Hilfe seines Empfängers, seine eigene Position auf bis zu fünf Metern genau zu bestimmen.

Gyroskop: Misst in den Kurven die Drehung des Fahrzeugs und führt zusammen mit dem Tacho bei fest eingebauten Navigationssystemen zu genauen Angaben

PDA: Personal Digital Assistant, persönlicher digitaler Assistent. Portabler Mini-Computer, auch Organizer, Handheld oder Palm-Pilot genannt.

Sensor: Bei fest eingebauten Navigationssystemen werden neben GPS weitere Sensoren zur Positionsbestimmung herangezogen - zum Beispiel das Geschwindigkeitssignal der ABS-Sensoren oder ein Trägheitssensor, der in den Kurven die Drehung des Fahrzeugs misst.

TMC: Der Traffic Message Channel (TMC) ist ein digitaler UKW-Verkehrsfunkdienst, der seit 1998 Deutschland flächendeckend versorgt. Mit speziellen UKW-Empfängern wie dem TMC-(Navigations-)Radio oder der TMC-Box für Navigationssysteme kann der von vielen Rundfunksendern in ganz Deutschland und in weiten Teilen Europas ausgestrahlte kostenlose Nachrichtendienst empfangen werden. Durch seine ständige Aktualität können viele Staus zeitsparend umfahren werden.

 

Internetinformationen:
www.Becker.de
www.blaupunkt.de
www.vdo.de/vdo


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