IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/17/2003, Seite 58


LESER-SERVICE


Leser fragen - Experten antworten

Tipps und Ratschläge für die SHK-Praxis

In loser Folge beantworten wir an dieser Stelle Ihre Fragen aus der Praxis.

Fülldruck bei Solaranlagen

Sehr geehrte Redaktion, neulich konfrontierte mich ein Handwerkskollege mit der Aussage, eine Solaranlage müsse mit einem höheren Druck gefüllt werden als eine konventionelle Heizungsanlage. Ist das richtig? Wenn eine statische Höhe von z.B. 9,5 m vorliegt, müsste doch ein Druck von 2 bar mehr als genug sein!?
Frank Schürzel, via E-Mail

Egbert Tomaszewski von Stiebel Eltron beantwortet die Frage so: Es ist richtig, dass eine Solaranlage von den Druckverhältnissen her wie eine konventionelle Heizungsanlage behandelt wird - indem man einen Vordruck im Ausdehnungsgefäß in Höhe des statischen Druckes der Anlage herstellt. Zur Realisierung einer Wasservorlage im Ausdehnungsgefäß wird die Anlage beispielsweise so gefüllt, dass der Druck um 0,5 bar über dem statischen Druck liegt.

Wir von Stiebel Eltron haben uns entschlossen, für durchschnittliche Anlagen mit bis 10 Meter statischer Höhe den Ausdehnungsgefäß-Vordruck mit 3 bar und den Anlagendruck mit 3,5 bar vorzugeben, um so den Punkt der Verdampfung zu höheren Temperaturen hin zu verschieben. Bei der Bildung von Dampfblasen kommt es durch den höheren Druckverlust zu Umlaufstörungen. Das können wir durch den höheren Anlagendruck fast vollständig verhindern.

Darüber hinaus sind unsere Ausdehnungsgefäße mit diesem Vordruck bis zu einer statischen Höhe von etwa 25 Meter ohne Änderung des Vordruckes einsatzfähig.

Um Verdampfungen der Solarflüssigkeit zu vemeiden, muss der Anlagendruck ausreichend hoch sein. Hier ist er viel zu niedrig.

Die Antwort von Dr. Gerhard Meier-Wiechert von den Viessmann-Werken weicht nur sehr geringfügig von der vorherigen ab, zielt also in die gleiche Richtung: Grundsätzlich ist es richtig, dass eine Solaranlage mit einem höheren Druck als eine Heizungsanlage zu befüllen ist.

Normalerweise ist der Kollektor der höchste Punkt der Solaranlage. Hier sollte ein bestimmter minimaler Betriebsdruck vorhanden sein - wir empfehlen 1,5 bar. Dieser Druck hat zur Folge, dass das Solarmedium erst bei einer Temperatur von ca. 120 - 130C verdampft. Für den normalen Anwendungsfall einer Solaranlage zur Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung ist dieses hohe Temperaturniveau allerdings nicht mehr nutzbar, da die Temperatur des vom Kollektor kommenden Mediums üblicherweise nur 8 - 15 K oberhalb der Speichertemperatur liegt. Diese Temperaturen können aber durchaus auftreten - im Gegensatz zu Heizkesseln.

Der Anlagenfülldruck und der Stickstoffvordruck des Solar-Membran-Ausdehnungsgefäßes müssen entsprechend den anlagenspezifischen Gegebenheiten angepasst werden! Der einzustellende Stickstoffvordruck ist nach folgender Formel zu berechnen:

Kollektorbetriebsdruck (1,5 bar) + 0,1 bar/m x stat. Höhendiff. zwischen MAG und Kollektor = einzustellender Stickstoffvordruck.

Bei dem genannten Beispiel:
1,5 bar + 0,1 bar/m x 9,5 m = 2,45 bar.

Bei dem Befüllen der Anlage ist außerdem darauf zu achten, dass die erforderliche Sicherheitsvorlage (min. 3 Liter) im MAG entsteht. Da dies beim Befüllen allerdings schlecht messbar ist, sollte der Anlagenfülldruck (im kalten Zustand) ca. 0,3 - 0,5 bar über dem eingestellten Stickstoffvordruck liegen, sodass ein Teil des MAG auf jeden Fall mit Flüssigkeit gefüllt ist. Dies würde für die beschriebene Anlage zu einem Fülldruck von 2,75 - 2,95 bar führen.

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