IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 12/2003, Seite 56 ff.


BARRIEREFREI WOHNEN


Für individuelle Ausstattungs- und Dienstleistungswünsche der Käufer oder Mieter bietet Turm 12 allen erdenklichen Freiraum. Die rollstuhlgerechte Montage aller Bedienelemente verursacht keine Mehrkosten. Im Bild zu sehen: das optische Signal für die Türklingel. Bei Bedarf kann problemlos und ohne bauliche Veränderungen eine rollstuhlgerechte Küche installiert werden.

Barrierefrei in allen Lebenslagen

"Barrierefrei Wohnen" ein Thema nur für Alte und Kranke? Weit gefehlt: Ein barrierefrei erstelltes Gebäude bietet auch den nicht Gehandicapten große Vorteile. Beispielsweise dann, wenn durch einen Unfall eine zeitlich befristete Beeinträchtigung von Körperfunktionen verursacht wird. Sanitärräume spielen bei dieser Betrachtungsweise eine ganz besondere Rolle, da sie als Nassräume ein größeres Gefahrenpotenzial aufweisen als andere Wohnräume.

Leider noch viel zu selten berücksichtigen Bauherren und Bauträgergesellschaften, Architekten und Planer, Fachhandwerker und Wohnungseigentümer den Gedanken des barrierefreien Wohnens bei der Umsetzung von Bauvorhaben. Und das, obwohl das Bundesgleichstellungsgesetz laut Artikel 11 fordert "...die Benachteiligung von behinderten Menschen zu beseitigen und zu verhindern sowie die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen".

Wie schon zuvor erwähnt geht es aber bei weitem nicht nur um behinderte und/oder alte Menschen. Auch Kindern oder Erwachsenen, die z.B. durch einen Unfall zeitlich befristet gehandicapt sind, fällt die Benutzung von öffentlichen Einrichtungen oder häuslichen Installationen häufig schwer, da sie für sie z.B. nicht oder nur sehr schwer erreichbar sind.

Das barrierefreie Bad verfügt über eine bodengleiche Dusche mit Klappsitz, rollstuhlgerechte Ausführung des WC- und Waschtischbereichs (höhenverstellbar). Entsprechend der Käufer- oder Mieterwünsche kann darauf auch verzichtet werden. Allerdings ist die nachträgliche Montage durch entsprechende Vorinstallationen gewährleistet.

Stellt sich die Frage, warum bei der Umsetzung von Bauvorhaben solche Nachteile billigend in Kauf genommen werden. Als Argument wird häufig der erheblich erhöhte finanzielle Aufwand angeführt. In der heutigen wirtschaftlich schwierigen Zeit, in der meist über den Preis die Ausstattung von Gebäuden festgelegt wird; eine vermeintlich harte Nuss die es zu knacken gilt. Bei einer differenzierten Betrachtungsweise bei weitem kein unlösbares Problem.

Natürlich trifft es zu, dass bei der Umgestaltung bestehenden Wohnraumes die Kosten für einen Umbau zu einer behindertengerechten Wohnung immens sein können. Allein das Badezimmer schlägt dann schnell mit 20.000,- bis 30.000,- Euro zu Buche. Die Ursachen dafür liegen einerseits in den meist zu kleinen Badezimmern und andererseits in den nur schwierig zu ändernden Installationen.

Auch der Balkon ist ohne Stufe an den Wohnraum gekoppelt.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wie die IKZ-HAUSTECHNIK in der Ausgabe 6/2003 gezeigt hat, können geschickte Planungen Umgestaltungen in Sanitärräumen vereinfachen und damit individuelle Raumkonzepte bei geringem finanziellen Aufwand ermöglichen. Erst recht gilt das dann, wenn vom Neubau und nicht von Renovierung die Rede ist. Zwingend erforderlich ist dazu allerdings die frühzeitige Berücksichtigung der Anforderungen bei Architekten, Planern und Fachhandwerkern.

Der Leiter des Techauer Pflegezentrums Aloe Architekt Toben und der beratende Ingenieur Putscher zeigen, wie angenehm ein Pflegebad sein kann.

Barrierefrei in Wohnung und Altenheim

Ein Thema, dem sich die Nebot Bauträger GmbH in Ratekau gestellt hat. Konsequent hat Architekt Bernhard Toben in enger Zusammenarbeit mit allen Gewerken das Mehrfamilienhaus "Turm 12" in Pansdorf barrierefrei umgesetzt.

Die Wohnanlage mit insgesamt 14 Wohneinheiten in einer Größenordnung von 54 - 76 m2 sind barrierefrei gestaltet und komfortabel geplant. "Bequemes Wohnen" war die Zielsetzung des Architekten. Bernhard Toben: "Nicht nur das Gebäude wurde den Bedürfnissen angepasst, es kann auch zusätzlicher Service in Anspruch genommen werden. Im Bedarfsfall kann ein bevorzugter Platz im Pflegeheim in Anspruch genommen werden, da Koalitionsverträge mit dem in der Nähe befindlichen Pflegeheim existieren."

"Bequem Wohnen" heißt im Turm 12:

Leichtere Orientierung für die Bewohner durch Farbgestaltung, Wandbilder und Straßennamen statt Zimmernummern.
 
Die Tische im Pflegezentrum bieten höchste Flexibilität und sind dennoch behindertengerecht.

Selbstverständlich ist es für Toben, den Bewohnern bei Bedarf weiterreichende Service-Leistungen anzubieten. Dazu gehört neben betreutem Wohnen auch Essen auf Rädern, Einkaufs-, Reinigungs-, Wäsche-, Friseur-, Krankengymnastik-, Apotheken- und Behörden-Service.

Für die Bewohner hält Toben damit ein kostengünstiges und umfangreiches sowie individuell nutzbares Angebotspaket bereit.

Ein Angebot und ein Wohnumfeld, wie es der am Projekt beteiligte beratende Ingenieur Manfred Putscher generell als selbstverständlich ansieht. "Bei frühzeitiger Berücksichtigung der Anforderungen zum bequemen Wohnen bereits in der Planungsphase und konsequenter Umsetzung können die zusätzlich anfallenden Kosten beinahe vernachlässigt werden", so Putscher. Außerdem müsse barrierefrei Wohnen keinesfalls den Verzicht auf ansprechende Optik bedeuten. Nur wenn in der Bauphase die Grundlagen für barrierefreies Wohnen vernachlässigt werden, entstehen ausgesprochen hohe Kosten bei der Umgestaltung, erklären Toben und Putscher weiter.

Barrierefrei Wohnen ist im Turm 12 auf unterschiedlichen Grundrissen ebenso möglich...

...wie im Altenpflege-Zentrum in Techau.

Gleiches gilt nach Meinung der Planer auch bei der Umsetzung in Altenheimen. Bewiesen haben sie das im Altenpflege-Zentrum in Techau. Ein Zentrum mit insgesamt 94 Betten. Zehn Wohneinheiten sind als Doppelzimmer konzipiert, der Rest sind Einzelzimmer mit einer Gesamtgröße von 25m2, einschließlich Badezimmer und Vorraum.

Gemeinsam mit dem Leiter des Pflegezentrums Aloe wurde ein Konzept entwickelt und umgesetzt, das für die Bewohner ein höchstmögliches Maß an Eigenständigkeit garantiert.

Die Besonderheiten:

Fazit

Die norddeutschen Beispiele zeigen, dass bei frühzeitiger Berücksichtigung barrierefreier Anforderungen, bequemes Wohnen kein Fantasiegebilde ist. Durch das enge Miteinander von Architekt, Planer, Fachhandwerkern, Bewohnern und Heimleitung ist bequemes und sicheres Wohnen in allen Lebensstufen kostengünstig realisierbar.


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