IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 10/2003, Seite 3


EDITORIAL


Inkompetenz

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Inkompetenz wir es heute bei den wechselnden Beratern der Bundesregierung zu tun haben. So zitierte z.B. der Spiegel in einem Artikel der Ausgabe 15/2003 einen Clement-Berater mit der Feststellung, dass der Klempner-Beruf innerhalb von einem 1/4 Jahr erlernbar sei und sich auf einfache Tätigkeiten beschränkt. Soweit die Chefberater ihre Kenntnisse vom Volksmund ableiten, der in der Tat den Klempner als Gattungsbegriff für einfache Tätigkeiten mit Rohrzange sieht, mag das so sein, fachlich allerdings ist es Unsinn.

Ein Blick in die vom Bundeswirtschaftsminister selbst verordnete Meisterprüfungsverordnung für das Klempnerhandwerk würde rasch eines Besseren belehren. Tatsächlich ist dieses Handwerk fast ausschließlich damit beschäftigt, anspruchsvolle Neubauten und historische Gebäude mit handwerklich kunstvoll gestalteten Metallen aus Kupfer, Zink, Edelstahl und Aluminium zu versehen.

Die Paläste der Potentaten in aller Welt verlassen sich insoweit auf die Kunstfertigkeiten des deutschen Klempnerhandwerks, das nach einer Ausbildungszeit von 31/2 Jahren seine Könnerschaft unter Beweis stellen muss. Die Spitzenplatzierungen Deutscher Klempner im internationalen Berufswettbewerb stehen für die hohen Anforderungen an diesen Beruf, der leider in der Öffentlichkeit völlig verkannt wird. Schade nur, dass selbst die Experten aus dem BMWA so wenig davon wissen. Es ist immer dasselbe Ritual. Wenn die Theoretiker und Wirtschaftsplaner mit ihrem Latein am Ende sind, werden die alten Vorurteile gegen das Handwerk aus der Kiste geholt, die im Ergebnis nichts anderes sind als eine Beleidigung für den Qualitäts- und Leistungsstand des deutschen Handwerks.

Wenn der Monopol- und der Deregulierungskommission und den Strategen aus dem Ministerium nichts mehr einfällt, muss mal wieder die Handwerksordnung herhalten. Ich finde das fantasielos.

Wie wäre es denn, wenn die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem in Deutschland durch eine Approbation langjähriger Krankenschwestern für einfache ärztliche Tätigkeiten gemeistert würden oder aber die Probleme der Justiz durch die Befähigung zum Richteramt für langjährige Bürovorsteher gelöst würden? Zunächst jedoch sollten all die Kommissionen und Ausschüsse, die bislang nur sich selbst Arbeit beschaffen, nicht aber anderen, schleunigst abgeschafft werden. Das wäre für uns alle ein überzeugender Beitrag zur Deregulierung, Entbürokratisierung und Kosteneinsparung. Was die Schaffung einer Anlage C zur HwO angeht, ist die Folgenabschätzung eindeutig: blühende Handwerke werden zerschlagen und ein handwerkliches Proletariat geschaffen, das im Dunstkreis zweifelhafter Ich-AGs und Schwarzarbeit ein bescheidenes Dasein fristet - mehr Arbeit wird dadurch in Deutschland auf jeden Fall nicht geschaffen.

Zentralverband
Sanitär Heizung Klima
Hauptgeschäftsführer
RA Michael von Bock und Polach


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