IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/2003, Seite 56 ff.


EDV


Aktuelle Pläne im Datenaustauschfach

Kommunaler Dienstleister setzt auf CAD-Expertensystem

Bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben setzt man zur Bauplanung auf moderne CAD-Systeme von DDS. Foto: BSR

Planungsbüros für Gebäudetechnik bearbeiten die einzelnen Gewerke häufig mit unterschiedlichen CAD-Planungssystemen. Die Folge: hohe Anschaffungskosten, Schnittstellenprobleme, mehrfache Arbeit bei der Planerstellung und aufwendige Abstimmung der Gewerke untereinander. Wirtschaftlicher ist der Einsatz nur eines Systems für alle Gewerke: Heizung, Sanitär, Klimatechnik, Lüftung und Elektro, wie es beispielsweise die Berliner Stadtreinigungsbetriebe nutzen.

Für Dipl.-Ing. Ulrich Jörn bedeutet die technische Planung mit CAD rationelleres Arbeiten und einen großen Fortschritt zum papierlosen Büro. Foto: Hägele

Die alljährlich in Berlin stattfindende Love Parade macht nicht nur Fun, sondern auch Müll. Wenn das Technospektakel zu Ende geht, folgt im wahrsten Sinn des Wortes die Kehrseite: Hundertschaften an Putzprofis, Kehrmaschinen, Müllwagen, Spülfahrzeuge und eine generalstabsmäßige Einsatzplanung der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) sorgen wieder für Sauberkeit in der bundesdeutschen Hauptstadt. Die BSR sorgt aber auch für die alltägliche Sauberkeit und Verkehrssicherheit Berlins. Dafür beschäftigt das Unternehmen nicht nur rund 6600 Mitarbeiter, sondern unterhält auch den nötigen Fuhrpark, Betriebshöfe, Müllverbrennungsanlage, Hausmülldeponien und Kfz-Werkstätten.

Erster Schritt der Planung mit DDS SHK Partner ist die Übernahme als DXF/DWG möglich bzw. die Erstellung der Grundrisszeichnung.

 

Eine Berechnung ermittelt den Raumwärmebedarf. Alternativ können Sie auch die Werte manuell vorgeben.

 

Die Auslegung der Heizkörper erfolgt entsprechend der Wärmebedarfsberechnung und einer vorher festgelegten Raumdefinition.

 

Kessel, Speicher, Ausdehnungsgefäße usw. werden in die Zeichnung eingefügt.

Im Zuge der Neuausrichtung hin zum modernen Dienstleister wurde im Unternehmen die Geschäftseinheit "Immobilienmanagement" aufgestellt, deren Abteilung "Bau- und Projektmanagement" für die Instandhaltung und Instandsetzung vorhandener Gebäude und für Neubauprojekte zuständig ist: "Gegenwärtig entstehen einige Neubauten, die wir großteils selbst planen und abwickeln", weist der Dipl.-Ing. für Versorgungstechnik, Ulrich Jörn, auf aktuelle Aktivitäten hin. In den letzten drei Jahren konnten einige neue Recyclinghöfe, Bürogebäude, Sozialgebäude und Kantinen ihren Bestimmungen übergeben und technische Anlagen modernisiert werden.

Die fotorealistische Darstellung kann der eindrucksvollen Präsentation einer Planung dienen.

Es liegt auf der Hand, dass die Fachingenieure der BSR zur rationellen Planung, Projektierung und Abwicklung der Projekte moderne Zeichnungs-, Berechnungs- und Ausschreibungsprogramme nutzen. So hatte man sich schon vor sechs Jahren für die Planungssoftware SHK-Partner mit den Modulen Heizung/Sanitär und Klima/Lüftung von Data Design System (Ascheberg) entschieden: "DDS bot damals schon neben 2D- auch 3D-Zeichen- und Konstruktionsfunktionen sowie eine integrierte Wärmebedarfsrechnung an", begründet Ulrich Jörn die Entscheidung. Seit etwa vier Jahren setzt man darüber hinaus auch das DDS-Programm ElektroPartner zur Elektroplanung ein.

Papierlos planen

Der Einstieg in die Planung mit CAD war für die Mitarbeiter der BSR eine Herausforderung, wie Jörn erzählt: "Mitten in der Neustrukturierung des Unternehmens, neben all den anderen Anforderungen, lernten wir mit der neuen Software umzugehen." Dies gelang nicht zuletzt dank intensiver Schulungen. Ein lohnenswerter Aufwand, wie sich herausstellte. Vor der Einführung der CAD zeichneten Jörn und seine Kollegen die Grundrisse meist noch selbst. Dafür bietet DDS durch das Basis-Modul ArchPartner mit intelligenten Wand- und Raumfunktionen und Symbolen für Tür-, Fenster-, Konstruktions- und Einrichtungselementen gute Voraussetzungen. Inzwischen haben aber auch die Architekten bei der BSR auf CAD umgestellt und arbeiten mit dem namhaften Architektursystem von Nemetschek. Somit stehen für die technische Planung Grundrisse in digitaler Form zur Verfügung: "Unser Ziel, papierlos zu planen, haben wir fast erreicht", weist Jörn auf die erfolgreiche Umstellung hin.

Die aktuellen Bearbeitungen für Architektur, Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen sowie auch für den Tiefbau werden in einem "Datenaustauschfach" des Servers abgelegt. Darauf können alle Mitarbeiter zugreifen, um die Pläne weiter zu bearbeiten, Daten z.B. für Ausschreibungen zu nutzen oder um Arbeitspläne zu plotten.

Problematisch gestalten sich nach wie vor fremd vergebene Planungsaufträge: "Die Büros arbeiten mit den unterschiedlichsten Systemen und liefern nicht immer optimal strukturierte Dateien", erklärt Jörn. Deshalb setzt man bei der BSR auf eine einheitliche Objekt- und Folienstruktur und die Möglichkeit, Pläne im DWG- bzw. DXF-Format zu übernehmen. Auch hierzu bietet DDS einen speziellen Konverter, der objektorientiert arbeitet. Es können Details entfernt, 2D-Zeichnungen in die 3. Dimension erhoben, Räume definiert und unendlich viele Folien verwaltet werden.

Die Planung des Rohrnetzes wird durch verschiedene Hilfsfunktionen unterstützt, wie z. B. definierte Anschlusspunkte für Vor- und Rücklauf.

Eine integrierte Rohrnetzberechnung hilft automatisch bei der Auswahl der Rohrnennweiten.

Die Planung der Sanitäranlage erfolgt nach demselben Prinzip wie die Heizung. Durch Einblenden der unterschiedlichen Folien entsteht ein komplettes Objektmodell.

Isometrische Darstellung

Nach der Grundrissaufnahme beginnt die eigentliche Planungsarbeit. Mit Hilfe von Symbolen werden Heizkörper, Kessel, Speicher usw. in die Zeichnung eingefügt. Die Auslegung geschieht automatisch: "Früher musste man extern eine Wärmebedarfsberechnung durchführen; bei DDS ist diese integriert und kontrolliert während der Planung die richtige Auslegung", stellt Jörn einen Vorteil heraus, den er besonders schätzt. Die nötigen Daten hierzu liefert eine Raumdatenbank, in der die Abmessungen von Wänden, Decken, Fußboden, Fenster, Türen sowie deren U-Werte definiert sind. Da die platzierten Symbole dreidimensionale Körper mit Original-Artikeldaten sind, werden bei der Rohrnetzinstallation Anschlusspunkte und Fließrichtungen automatisch erkannt und ausgeführt. Die richtige Dimensionierung der Rohre gewährt eine integrierte Rohrnetzberechnung. In der Funktion "Strangschema" lässt sich schließlich die komplette Isometrie einer Heizungsanlage dreidimensional darstellen.

Nach ähnlichem Muster werden Sanitär- und Lüftungsanlagen geplant. Schließlich bietet DDS die automatische Erzeugung von Stücklisten. Dabei werden bei der Rohrinstallation nicht nur die Längen erfasst, sondern auch alle nötigen Winkel, Bögen, T-Stücke usw.: "Bei der Planung von industriellen Großbauten, wo die üblichen Vergabe-Pauschalen nicht gelten, ist diese Funktion sehr hilfreich", hebt Jörn hervor und ergänzt: "Per Mausklick erhalten wir exakte Stücklisten; das ist eine enorme Erleichterung gegenüber der Handauszählung."

Im isometrischen Gebäudemodell lassen sich die Planungen aller Etagen in einer Zeichnung darstellen.
 

Nach erfolgter Planung generiert DDS SHK Partner auf Mausklick eine Stückliste, die sich in diversen Programmen weiterverarbeiten lässt.

Die Stücklisten im ASCII-Format lassen sich in Textverarbeitungssystemen, in einem Kalkulationssystem oder AVA-Programm weiterverarbeiten. Dabei können die integrierten Artikeldaten verschiedener Hersteller und Großhändler ebenfalls genutzt werden. Verfügt das System nicht über eine CAD-Schnittstelle oder verwendet es andere Artikeldaten, besteht die Möglichkeit, die Mengenliste im GAEB-Format auszulesen.

An sieben Arbeitsplätzen wird bei der BSR inzwischen mit SHK Partner bzw. mit ElektroPartner gearbeitet. Zu den Zukunftsentwicklungen bei der BSR gehört die Pflege und Weiterentwicklung des Managements mit durchgehendem Datenaustausch. Eine wichtige Basis hierzu bilden die mit SHK Partner und ElektroPartner erstellten Pläne. Über die vorhandene IFC-Schnittstelle, die auch das vorhandene Architektur-System besitzt, können alle relevanten Daten ausgelesen werden.


Komplette Planung

Data Design System hat sich auf die Planung der kompletten Gebäudetechnik spezialisiert und bietet seit über zwei Jahrzehnten CAD-Lösungen für die Gewerke Elektrotechnik, Heizungs-, Sanitär- und Lüftungstechnik an. Wichtige Leistungsmerkmale sind: 32-Bit-Technologie, objektorientierte Programmierung, grafische Benutzeroberfläche, 3D-Funktionen, bidirektionale Verarbeitung im DXF- und DWG-Format und neuestens auch eine IFC (Industrie-Foundation-Classes)-Schnittstelle für den Datenaustausch.

Nützlich ist die programmierte Verknüpfung zwischen einer Artikeldatenbank und der üblichen Symbolbibliothek. Mit der Platzierung der grafischen Symbole während des Planungsablaufs, z. B. der Heizkörper, stehen sofort auch die produktspezifischen Eigenschaften der Artikel für automatisch ablaufende physikalische Berechnungen und die Generierung von Stücklisten zur Verfügung. Automatismen und Rechenprogramme versprechen eine sichere und schnelle Projektierung der Anlagen. 

Internetinformationen:
www.ddsv.de
www.bsr-online.de