IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/2003, Seite 27 ff.


SANITÄRTECHNIK


Der moderne Ansatz

Ganzheitliche, regenerative Regenwasserbewirtschaftungs- und Energiekonzepte am Beispiel des Sportstättenbaus

Dipl. Wirtsch.-Ing. Andreas Amft*

Funktionsschema einer Regenwassernutzungsanlage für ein Einfamilienhaus. Schema: Elwa

Die Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser im privaten und gewerblichen Bereich entwickelte sich in den letzten Jahren zum Stand der Technik. Mehr und mehr nimmt die professionelle Regenwasser-Nutzung Einfluss in Bereiche des öffentlichen Lebens, wie Kindergärten, Schulen, Werkstätten etc. So sind moderne Konzepte auch im Bereich des Sportstättenbaus nicht mehr wegzudenken.

Das Umweltbewusstsein vieler Bürger ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen: "Umweltschutz-Techniken liegen voll im Trend"

Damit jedoch nicht genug, die Nutzung von Regenwasser stellt nur einen kleinen Beitrag im nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser dar. Wer heute Ökologie und Ökonomie ernst meint, der sieht die ganzheitliche Regenwasser-Bewirtschaftung in seiner Verantwortung.

Regenwasser-Bewirtschaftung

Der ressourcenschonende Umgang mit dem Lebensmittel Wasser stellt hierbei kein nationales sondern vielmehr ein internationales Thema dar. Studien wie die weltweit angelegte Delphistudie zeigen auf, wie stark in Zukunft das Thema Wasser an Bedeutung gewinnen wird. Hierbei ist es nicht bedeutsam, ob die Wasserver- oder Entsorgungsseite Beachtung findet. Das Ergebnis ist gleich! Die Verantwortung für den ökologischen Umgang mit Wasser wird mehr und mehr in die Hände eines jeden Individuums gelegt. Dies wird mittelfristig zu einer Dezentralisierung der Aufbereitungsstandorte führen, natürlich unter dem Anspruch, die Technologie, die zum Einsatz gelangt, den allgemein gültigen Standards zu unterwerfen.

Neben den Themen der Trinkwassereinsparung durch den Einsatz modernster Techniken, der Weiterentwicklung von Trinkwasseraufbereitungstechniken, der Grauwasser-Nutzung sowie ökologischer Abwasseraufbereitungsanlagen ist es gerade das Thema der Regenwasser-Bewirtschaftung welches aktuell weltweit diskutiert wird und von dem sich die Fachwelt positive Effekte auf den globalen Wasserhaushalt verspricht.

Regenwassernutzung

Die Regenwassernutzungsanlage im Jahr 2002 funktioniert automatisch, ist kompakt und so leise, dass sie sich problemlos in nahezu jedes Gebäude- bzw. Flächennutzungskonzept integrieren lässt.

Sie ist dazu richtig dimensioniert, um das Waschmaschinen-, Toiletten- und Gießwasser für eine Familie ebenso zuverlässig zu liefern, wie das Wasser bedarfsgerecht einer Autowaschstraße, einer industriellen Anwendung oder einem Bewässerungssystem zuzuführen.

Professionelle Systeme sind so konzipiert, dass nur noch zwei kompakte Module für eine sichere Regenwassernutzung benötigt werden. Eins für die Filter- und Speicherfunktion und ein zweites für die Regenwasserversorgung sowie Nachspeisung des Systems mit Trinkwasser. Von Bausätzen, bestehend aus einer Vielzahl von Einzelkomponenten rät die Fachwelt aufgrund der hohen Fehlerquote dringend ab. Hilfestellung in der Auswahl der richtigen Module erhält man durch das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung RAL. Die von diesem Institut zertifizierten Module garantieren ein Höchstmaß an Produkt- sowie Fertigungsqualität und sind untereinander funktionssicher zu kombinieren.

Experten-Tipp: Nur abgestimmte Komplettsysteme bieten dauerhafte Betriebssicherheit. In der Planung und Auslegung nicht nur auf DIN sondern darüber hinaus auf RAL-Konformität bestehen!

Regenwasser-Tankanlage mit Zulauffilter.

Regenwasserrückhaltung

Regenwasser-Anstauspeicher puffern bei Starkregen das anfallende Niederschlagswasser von Dach- und Hofflächen, Straßen und Plätzen, bevor es gedrosselt und zeitverzögert in die Kanalnetze oder Vorfluter abgeleitet wird. Sie werden dort eingesetzt wo eine Versickerung wegen ungünstiger Bodenbeschaffenheit nicht möglich ist und Kanalnetze und Kläranlagen überlastet sind. In der Erschließung von Bebauungsgebieten ergeben sich durch die Installation von dezentralen Rückhaltespeichern erhebliche Kosteneinsparungen. Erschließungskanäle sowie zentrale Regenrückhaltebecken können geringer dimensioniert oder in Teilen kompl. eingespart werden. Die Rückhaltung wird darüber hinaus in einigen Bundesgebieten bereits vorgeschrieben.

Chance: Die Regenrückhaltung auf Grundstücken und gerade auch im Bereich des Sportstättenbaus lässt sich problemlos mit der Nutzung, Versickerung oder Anhebung von Regenwasser kombinieren.

Experten-Tipp: Das Interesse von Bauherren als auch das der Kommunen wird im Punkt Regenwasserrückhaltung gleichermaßen abgedeckt. Daher sollte man es unbedingt mit in die Planung aufnehmen.

Regenwasserversorgungs-/Steuermodul.

Regenwasserversickerung

Mit einer fachgerechten Versickerungsanlage entfallen die Einleitergebühren für versiegelte Flächen, die Jahr für Jahr bis zu 2,5 Euro/m2 betragen können. Viele Kommunen schreiben darüber hinaus bereits die dezentrale Versickerung von Regenwasser in Erschließungsgebieten vor. Moderne Versickerungssysteme verknüpfen alle Vorteile der herkömmlichen Versickerungsarten und lassen jede gewünschte Versickerungsleistung einfach und preiswert realisieren. Der Einsatz kompakter Module reduziert die anfallenden Erdarbeiten auf ein Minimum und eine Amortisation des Systems ist bereits nach wenigen Jahren erreicht. Dem Vorzug sind heute den Systemen zu geben welche eine flächenhafte Versickerung zulassen. Hierzu bieten sich vor allem moderne Block-Versickerungssysteme als Hohlkörper mit einer Bauhöhe von nicht mehr als 40 cm an. Neben dem 3fachen Speichervolumen der Blocksysteme ist es gerade der Erdaushub welcher sich um bis zu 70% beim Einsatz der Blocksysteme gegenüber herkömmlichen Rohr-/Kiesrigolen reduziert.

Vielfach lassen erst moderne Versickerungssysteme eine flächensparende und wirtschaftliche Regenwasserversickerung zu.

Experten-Tipp: Auch gerade nachträglich ist die Versickerung wirtschaftlich sinnvoll und schlägt sich positiv auf das Budget nieder. Unbedingt den Stand der Technik beachten und auf den Einsatz von modernen Block-Versickerungssystemen bestehen! Auch hier gibt die Konformität zu den RAL Güteanforderungen die letztendliche Sicherheit für einen langjährigen problemlosen Einsatz der Produkte.

Bauteil eines Block-Versickerungssystems.

Ökologie und Ökonomie in ganzheitlichen Regenwasserver- und Entsorgungskonzepten oder neue Wege im Stadionbau

Die WM 2006 in Deutschland ist in aller Munde. Neue Stadien mit unterschiedlichster Architektur und Technik werden gebaut. Führende Hersteller im Bereich moderner Konzepte für innovatives "Gebäude- und Grundstücksmanagement", entwickelten neue Ideen für den Stadion- und Sportplatzbau.

Nicht nur die neuen High-Tech-Arenen, sondern gerade auch die lokalen Sportstätten lassen die Herzen von Planern, Betreibern, Sportlern und Fans höher schlagen. Doch in Anbetracht dieser immer größer werdenden Begeisterung sollte man die ökologischen und ökonomischen Defizite nicht aus den Augen verlieren und nach neuen innovativen Konzepten suchen.

In nahezu keinem anderen Bereich lassen sich die Ansätze der ganzheitlichen Regenwasserbewirtschaftung so nachhaltig darstellen wie im Bereich des Sportstättenbaus. Gerade das Erfordernis einer intensiven Grünflächenbewässerung unter dem Anspruch einer ganzjährigen Nutzungsperiode stellt ein großes Potenzial für die Regenwasserbewirtschaftung bzw. deren Integration in die Gesamtkonzeption dar.

Neben den bekannten Verfahren zur Nutzung des Regenwassers innerhalb des Gebäudes für Maßnahmen der Substitution von Trinkwasser bei der Toilettenspülung bzw. für die Reinigung von Kleidung sowie Böden und Flächen jeglicher Art, lässt sich die Regenwasserbewirtschaftung ideal in ganzheitliche Konzepte der technischen Freiflächenorganisation einbinden.

Der Gedanke hinter den neuen Konzepten besteht darin, durch den Einsatz moderner Systemtechnik unter der gesamten Spielfeldfläche alle ökonomischen und ökologischen Ver- und Entsorgungsbedürfnisse in kompakter Bauweise in Einklang zu bringen. Hierzu gehören:

- Rasenheizung
- Rasendrainage
- Drainage-/Regenwassernutzung
- Drainage-/Regenwasserversickerung
- Erdkollektor Wärmepumpe
- Solarunterstützung

Versickerungsanlage Sportplatz Düsseldorf.

Falls der Einsatz einer Rasenheizung vorgesehen ist, wird unter der Rasentragschicht eine wasserdurchlässige Reflektionsdämmung vorgesehen. Hierdurch wird erreicht, dass die Wärme nur nach oben geleitet wird und man so kaum Wärmeverluste in Kauf nehmen muss ("One-Way-Heating-Concept").

Unter der wasserdurchlässigen Reflektionsdämmung wird dann eine Drainagefolie mit Gefälle nach außen verlegt. Das dort abgeleitete Drainwasser wird mittels Sammelleitung einem Erdspeicher zugeführt, der sich unterhalb der Drainfolie befindet. Dieser Flächenspeicher setzt sich aus Hohlkörpern zusammen, die einlagig unter der gesamten Rasenfläche in einer PE-Wanne wasserundurchlässig eingebaut werden. Der Flächenspeicher zeichnet sich durch seine sehr geringe Bauhöhe von nur 0,40 m aus und ist mit bis zu 10 t/m2 belastbar.

Hierdurch wird ein Brauchwasservolumen von ca. 3000 m3 unter einer Standard-Sport- bzw. Spielfläche gespeichert, welches dann für die Beregnung oder die zuvor beschriebenen Anwendungen im Gebäude (Reinigungszwecke, WC-Anlagen) genutzt werden kann.

Das Brauchwasser, welches für Beregnungsvorgänge benötigt wird, befindet sich somit in einem Teilkreislaufsystem und kann dadurch häufiger verwendet werden. Selbst im Fall von Übernässung versickert das Wasser nicht ungenutzt sondern wird durch Rückführung in den Speicher für zukünftige Bewässerungsvorgänge wieder bevorratet.

Der Einsatz von Brauchwasser bei WC-Anlagen kann darüber hinaus als ergänzende ökologische Maßnahme zur Trinkwassereinsparung und Unterstützung der Frischwasserversorgung erfolgen, oder aber auch zur Löschwasserbevorratung herangezogen werden.

Unterhalb des Flächenspeichers wird in gleicher Größe und Bauart eine Versickerungsanlage gemäß ATV A-138 sowie gemäß der RAL Güterichtlinien installiert. Auch hier finden moderne Hohlkörper ihre Anwendung, diesmal nicht als Speicher-, sondern als Versickerungssystem. Die Kommunikation der Systeme erfolgt über die Überläufe des Flächenspeichers welche das überschüssige Wasser der Versickerung zuführen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Niederschlagswasser von anderen versiegelten Flächen und Tribünendächern dem Speicher bzw. direkt der Versickerungsanlage einzuleiten.

Die Wärmepumpe mit Erdkollektor unter der Versickerung/Drainage der Rasenfläche übernimmt die Beheizung der Rasenfläche sowie die der Räumlichkeiten der Sportstätte.

Sportstätten 5plus-Konzept. Schema: Elwa

Die Bauhöhe von Brauchwasserspeicher und Versickerungsanlage beträgt lediglich 0,8 m, die Bauhöhe des Gesamtkonzeptes einschließlich der Erdkollektoren sowie der Rasenträgerschicht beträgt ca. 1,20 m. Die Folge, nur geringe Aushubarbeiten werden für dieses integrative Gesamtkonzept notwendig.

Bei einem Einsatz einer solchen Anlage sind bemerkenswerte Einsparpotenziale zu erzielen. Besonders der Bedarf an Frischwasser wird drastisch gesenkt. Auch im Bereich der sog. "Pflastersteuer" für versiegelte Flächen können erhebliche finanzielle Einsparungen erzielt werden.

Für Betreiber von Sportanlagen sollte dieses Konzept von großem Interesse sein, da die Unterhaltung von Sportanlagen bekanntlich mit hohen Kosten verbunden ist.

Der Grundgedanke besteht darin, neue Konzepte zu entwickeln, die Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen. Nur der Einsatz von aufeinander abgestimmten Komponenten und Konzepten unter Einhaltung der Anforderungen aus DIN, ATV und vor allem auch RAL bietet dem Planer und letztendlich dem Betreiber höchste Sicherheit.

Gesetzgebung

Für den Bau und Betrieb von Regenwasserbewirtschaftungsanlagen gibt es bisher keine spezifische Gesetzgebung. Wenn Regenwassernutzungsanlagen in der Gebäudetechnik eingesetzt werden, handelt es sich um Eigenwasserversorgungsanlagen. Gemäß AVB Wasser V. 3 sind diese genehmigungsfrei und gegenüber dem Wasserversorger lediglich anzeigepflichtig. Der Wasserversorger hat daraufhin eine Teilbefreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang zu erteilen.

Normen

Die DIN 1989 "Regenwassernutzungsanlagen" wurde in Teilen fertiggestellt. Sie fasst die im Punkt der Regenwassertechnik bisher wenig aufeinander abgestimmten existierenden Normen sowie die technischen und hygienischen Erfahrungen der letzten Jahre zusammen. Sie gilt für Anlagen zur Nutzung von Regenwasser in Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben sowie in öffentlichen Einrichtungen, in denen es z.B. für Toilettenspülung, Kühlzwecke, Wasch- und Reinigungsanlagen und zur Bewässerung von Grünanlagen genutzt wird und besteht aus:

- Teil 1: Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung (bereits veröffentlicht), - Teil 2: Filter, - Teil 3: Regenwasserspeicher, - Teil 4: Bauteile für die Steuerung und Überwachung.

ATV A-138

Das Arbeitsblatt ATV-DVWK-A 138 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.: Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser wurde ebenfalls überarbeitet und im Januar 2002 verabschiedet. Es gibt Behörden, Planern und Bauherren einen Überblick über die derzeit anerkannten Anlagen und Maßnahmen zur Versickerung von Niederschlagswasser, welche sich in der Vergangenheit bewährt haben (siehe hierzu auch Artikel ATV-DVWK-A 138).

RAL Gütezeichen

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht nur in der Lebensmittelindustrie zeigen ganz deutlich, dass es notwendig ist, dem Planer, Installateur als auch im Besonderen den Endgebraucher von Produkten der Regenwassertechnik ein Gütezeichen bereitzustellen, an dem man sichere und hochwertige Produkte mit gleichbleibender Qualität erkennen kann.

Aussagen, Prüfsiegel, Warenkennzeichnungen und Signets von Herstellern oder sonstigen Organisationen sind heute vom Verbraucher nicht mehr nachvollziehbar.

Pseudokennzeichen vermitteln nur Teileigenschaften unbekannter Gegebenheiten, Testanforderungen werden nicht veröffentlicht.

Nur das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung RAL darf in Deutschland Gütezeichen vergeben. So wurden die Qualitätskriterien für Produkte der Regenwassertechnik unter Federführung des RAL gemeinsam mit Herstellern, Verbraucherverbänden, staatlichen Behörden und Prüfinstituten erarbeitet und festgelegt.

RAL zertifizierte Produkte der Regenwassertechnik garantieren ein Höchstmaß an Produkt- sowie Fertigungsqualität und sind untereinander funktionssicher zu kombinieren.  

Internetinformationen:
www.elwa.de
www.fbr.de


* Dipl. Wirtsch.-Ing. Andreas Amft, Geschäftsleitung Marketing/Vertrieb, ELWA Wassertechnik GmbH, Lingen


B i l d e r   u n d   G r a f i k e n :   ELWA Wassertechnik GmbH, Lingen


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