IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/2003, Seite 28 ff.


HEIZUNGSTECHNIK


Ein Heizsystem mit Zukunft

Die Wandheizungen für Alt- und Neubau

Ulrich Stahl*

Immer mehr Bauherren und Modernisierer entscheiden sich für eine Wandheizung. Für das SHK-Fachhandwerk wird diese Technik daher auch unter dem Aspekt des höheren Umsatzpotenzials im Vergleich zu Radiatoren zunehmend interessant. Obwohl es für dieses Heizsystem noch keine verbindlichen Normen und Regelwerke gibt, ist die Realisierung meist kein Problem. Hierzu leisten auch praxisgerechte Lösungen der Industrie einen wichtigen Beitrag. Am Beispiel der "Hypoplan"-Wandheizung von KME wird deutlich, dass Planung, Montage und Inbetriebnahme auf einfachste Weise erfolgen können.

Der nach Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 nochmals erheblich verbesserte Dämmstandard in Neubauten und sanierten Altbauten begünstigt Flächenheizsysteme wie die Wandheizung. Denn diese sind für die niedrigen Vorlauftemperaturen einer modernen Brennwert-Zentralheizung, aber auch für den Betrieb mit innovativen Systemen wie z.B. Solaranlagen oder Wärmepumpenheizungen besonders gut geeignet.

Bei der Wandheizung erfolgt die Wärmeabgabe z.B. über mineralische Heizflächen an Wand oder Decke.

Die Wandheizung erzeugt im Gegensatz zu herkömmlichen Radiatoren einen hohen Anteil langwelliger Strahlungswärme, was durch die Ähnlichkeit zur natürlichen Sonnenstrahlung als besonders behaglich empfunden wird. Zudem werden praktisch keine Staubpartikel durch umgewälzte Luft aufgewirbelt, wovon vor allem Hausstauballergiker profitieren.

Zugleich kann die Raumluft bei gleichem subjektiven Wärmeempfinden 2 bis 3 K niedriger temperiert werden als bei Beheizung durch Radiatoren. Pro Kelvin wird etwa fünf Prozent weniger Heizenergie benötigt. Hieraus resultiert als weiteres Nutzenargument auch eine Entlastung bei den Energiekosten.

Die Rohrregister aus Kupferrohren werden wahlweise durch Löten oder Pressen verbunden.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Neu- und Altbauten

Vor diesem Hintergrund ist seit Inkrafttreten der EnEV ein deutlich zunehmendes Interesse bei Bauherren zu beobachten. Doch auch Modernisierer lassen sich immer öfter von den Vorteilen dieses Systems überzeugen, zumal sich die Wandheizung in Altbauten meist einfacher realisieren lässt als z.B. eine Fußbodenheizung. Die KM Europa Metal AG schätzt den Marktanteil der Wandheizung in Deutschland aktuell auf fünf Prozent.

Wandheizungen spielen ihre Systemvorteile nicht nur in Wohnhäusern, sondern auch und gerade in Gebäuden mit großen und hohen Räumen wie Kirchen, Museen und Tagungsstätten aus. Denn die Erwärmung eines großen Luftvolumens mit Konvektionsheizungen ist gerade hier mit erheblich höherem Energieaufwand verbunden als die Erzeugung eines angenehmen Raumklimas mit Strahlungswärme.

Die Befestigung der Kupferrohrregister erfolgt mit einem Dübelclipsystem, das die Montage auf verschiedensten Untergründen ermöglicht.

Planung (Neubau und Sanierung)

Auch wenn es für Wandheizungen noch keine verbindlichen Normen gibt und auch die EnEV keine expliziten Vorgaben macht, sind Auslegung, Planung und Ausführung einer Wandheizung kein Buch mit sieben Siegeln. Die Wärmeabgabe beim System Hypoplan erfolgt über mineralische Heizflächen an Wand oder Decke, in die Kupferrohrregister eingebettet sind. Diese lassen sich in Leistung und Abmessungen an beliebige Raumsituationen anpassen. Umfassende Auslegungsunterlagen ermöglichen auf Basis der Wärmebedarfsberechnung eine schnelle, exakte und sichere Planung. Stehen Platzierung und Anordnung der Heizflächen fest, können die benötigten Register in Abstimmung auf die vorgesehene Vorlauftemperatur und die gewünschte Raumtemperatur zusammengestellt werden.

Der Montagesatz enthält alle Materialien, die zur Installation einer Wandheizung benötigt werden: anschlussfertige Kupferrohrregister in den gewünschten Höhen- und Breitenmaßen sowie Ventil- und Regelungseinheiten.

Der auf das System abgestimmte Heizputz ist ein rein mineralischer Innenputz nach DIN 1168 auf Naturrohstoffbasis, der speziell für die Herstellung von Heizwänden mit blanken Kupferrohren entwickelt wurde. Es können aber auch handelsübliche Putze auf Gips- oder Gips/Kalkbasis sowie Lehmputze eingesetzt werden.

Grundsätzlich muss eine Wand, auf die eine Wandheizung angebracht werden soll, folgenden Voraussetzungen entsprechen:

Wo erforderlich, kann durch einfaches Ablängen ein problemloser Ausgleich von Dachschrägen, Nischen etc. erfolgen.

Beheizte Wandflächen optimal platzieren

Sofern bereits vor Planung der Wandheizung feststeht, wie die Möblierung des Raumes aussehen soll, kann dies bei der Platzierung der Register berücksichtigt werden. Denn Regale, Schränke etc. können die Leistung von Wandsystemen beeinträchtigen. Insbesondere sollten die Heizflächen nicht durch hohe und/oder sehr massive Möbelstücke verdeckt werden. Leichte, luftig gefüllte Regale sind hingegen unproblematisch.

Wandbefestigungen, z.B. zum Aufhängen von Bildern, sind durchaus möglich. Denn Kupferrohrregister sind einfach mittels Metallsuchgerät oder einem digitalen Sekundenthermometer zu orten.

Wärmedämmung

Wandheizungen können sowohl auf Außen- als auch auf Innenwänden angebracht werden. Bei Wänden zu Räumen mit eingeschränktem Heizbetrieb oder zu fremden Bereichen mit Heizbetrieb (Nachbarwohnung, Nebenhaus etc.) ist daher ggf. der Einbau einer Wärmedämmung zu empfehlen.

Bei der Außenwand eines Neubaus muss der Wärmedurchgangskoeffizient der Bauteilschichten zwischen Wandheizung und Außenluft der Energieeinsparverordnung entsprechen. Bei Bestandsrenovierung sollte ein Uw = 0,5 W/(m2 K) nicht überschritten werden, andernfalls wird der Einbau einer Wärmedämmung empfohlen.

Schaltschema der Einzelraumregelung mit Raumthermostaten und zentralem Verteiler.

Schnelle Verarbeitung

Da der Hypoplan-Montagesatz bereits alle erforderlichen Elemente enthält, brauchen die Teile auf der Baustelle nur noch zusammengesteckt, mit Pressfittings oder Löten verbunden und an der Rohwand befestigt werden. Wo erforderlich, kann durch einfaches Ablängen ein Ausgleich von Dachschrägen, Nischen etc. erfolgen. Die Befestigung der Kupferrohrregister erfolgt mit einem Dübelclipsystem für verschiedenste Untergründe.

Zum System gehört eine Einzelraumregelung, die als komplette Einheit im Wandeinbaukasten für die UP-Montage geliefert wird. Das in sechs Stufen voreinstellbare Thermostatventil dient neben der Einregulierung auch dem hydraulischen Abgleich der Gesamtanlage.

Dichtigkeitsprüfung

Bevor der Putz aufgebracht wird, ist eine Dichtigkeitsprüfung erforderlich. Sie ist nach VOB/C DIN 18380 vom Installationsunternehmen durchzuführen. Demzufolge muss mit einem Druck geprüft werden, der das 1,3-fache des Gesamtdrucks der Anlage beträgt.

Aufbringen des Heizputzes

Der Heizputz wird in der Regel von einem Putzunternehmer einlagig in zwei Schichten (frisch in frisch) aufgebracht. Die Putzstärke sollte ca. 20 Millimeter betragen, eine Überdeckung der Rohre von ca. fünf Millimeter ist ausreichend. Das Oberflächenfinish ist frei wählbar: alle üblichen Beschichtungen wie Feinspachtel, Tapeten und Farbbeschichtungen sind zulässig.

Funktionsheizen

Nach Fertigstellung der Anlage erfolgt die Inbetriebnahme durch das so genannte Funktionsheizen. Hierfür muss der Putz vollständig getrocknet sein. Das Funktionsheizen beginnt mit einer Vorlauftemperatur von 25C, die drei Tage gehalten wird. Danach wird die maximale Vorlauftemperatur eingestellt und vier Tage gehalten. Über das Funktionsheizen sollte ein Protokoll erstellt werden.

Heizen und Kühlen

Mit entsprechender Zusatztechnik kann die Wandheizung im Sommer auch zur Raumkühlung eingesetzt werden. Im Kühlbetrieb zirkuliert Wasser mit einer etwas niedrigeren Temperatur als die Raumtemperatur in den Rohren. Der größte Wärmeaustausch findet durch Strahlungsaustausch statt.


*) Ulrich Stahl, Vertrieb Installationsrohre und Systeme bei der KM Europa Metal AG, Osnabrück


B i l d e r :   KM Europa Metal AG, Osnabrück


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