IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 5/2003, Seite 42 ff.


AUSSTELLUNG


Bau 2003

Schwache Baukonjunktur hinterässt Bremsspuren

Aussteller und Besucher dennoch zufrieden

Die 15. Internationale Fachmesse für Baustoffe, Bausysteme und Bauerneuerung - kurz Bau 2003 genannt - ging am 18. Januar nach sechstägiger Dauer in München zu Ende. Mit dem Anspruch angetreten, als europäische Leitmesse der Baustoffbranche zu fungieren, informierte die Bau 2003 umfassend über Produkte, Werkstoffe, Normen, neue technische Systeme und Verfahren im Bauwesen. Die Nomenklatur umfasste die Bereiche: Baustoffe und -chemie, Fliesen, Sanitärkeramik, Roh- und Ausbau, Fertigbauelemente und -bauten, sonstige Bauteile und Zubehör sowie Nebenprodukte des Ausbaus etc.

Das Besucherminus von 8% hielt sich in Grenzen, wurde aber in den Gängen deutlich.

Mehr ausländische Besucher

Ihrer überregionalen Bedeutung wurde die diesjährige Veranstaltung durchaus gerecht. Die BAU hat auf Seiten der Besucher international weiter an Bedeutung gewonnen. Während der sechs Messetage kamen über 30.000 ausländische Besucher aus mehr als 100 Ländern (2001: 90 Länder) nach München, um sich über die neuesten Trends und Innovationen der europäischen Bauwirtschaft zu informieren. Die Zahl der ausländischen Besucher ist damit um mehr als neun Prozent angestiegen. Deutlich erhöht hat sich insbesondere die Zahl der außereuropäischen Besucher. Erhebliche Zuwächse gab es unter anderem aus China, Japan, den USA, Israel, der Türkei und Russland.

Starke Zuwächse waren auch aus Spanien und Großbritannien zu verzeichnen, beides Länder, in denen die Baukonjunktur derzeit eine dynamische Entwicklung nimmt. Weniger Besucher kamen dagegen aus Österreich, Italien und der Schweiz - in diesen Ländern befindet sich die Bauwirtschaft, ähnlich wie in Deutschland, in einer schwierigen, nahezu desaströsen wirtschaftlichen Lage. Bedingt durch die bereits seit Jahren anhaltende schwache Baukonjunktur in Deutschland, ist die Zahl der deutschen Fachbesucher zurückgegangen. Die teilweise große Leere in den Gängen während der Messe, ließ befürchten, dass der Rückgang noch stärker ausgefallen wäre.

Spezielle Angebote für hoch qualifizierte Besucher

Die Qualität der Fachbesucher und insbesondere der Entscheidungsträger ist jedoch gestiegen und die Anzahl der besuchenden Unternehmen aus Deutschland nur geringfügig gesunken. Mit insgesamt rund 180.000 Fachbesuchern (-8% zur BAU 2001) ist daher der Besuch in der gegenwärtigen Lage und im Vergleich mit anderen Messen als relativ stabil zu bewerten.

Rund 18 Prozent der BAU-Besucher waren Architekten und Bauingenieure. Für diese hoch qualifizierte Zielgruppe bot die BAU in diesem Jahr erstmals ein spezielles Informationsprogramm. Im Internationalen Congress Center München (ICM) fanden Kongresse zu Themen wie "Integriertes Planen und Bauen", "Clima Design", "Zukunftsfähig Bauen" oder "Industrie- und Gewerbebau mit Holz" statt. Unter den Referenten waren renommierte Experten wie die Architekten Christoph Ingenhoven und Michael Zimmermann sowie Professor Gerhard Hausladen, Ordinarius des Lehrstuhls für Bauklimatik und Haustechnik an der TU München.

Auch der Sanitärbereich war auf der Messe vertreten.

Weniger Aussteller trotz Leitmessencharakter

Bereits im Vorfeld der Messe zeichnete sich eine geringere Ausstellerbeteiligung ab. Nach 1824 im Jahr 2001 meldeten sich zur diesjährigen Veranstaltung noch 1780 Unternehmen zur Teilnahme an. Im Gegensatz zum steigenden Internationalisierungsgrad der Besucher, nahmen deutlich weniger ausländische Aussteller (495 gegenüber 627) an der BAU 2003 teil. Auch die Anzahl beteiligter Länder sank von 42 auf 39. Die Bruttoausstellungsfläche konnte mit ca. 160.000 m2 gegenüber der letzten Ausstellung konstant gehalten werden. Wobei die FKM geprüften Zahlen, die erst in einigen Wochen vorliegen werden, darüber Aufschluss bringen, ob die Werte der vorangegangenen Veranstaltung wieder erreicht wurden. Die lockere Hallenaufplanung und die großzügig eingestreuten Sitzecken und Ruhezonen, sprachen in diesem Zusammenhang eine deutliche Sprache.

Aufgrund ihrer schieren Größe ist die BAU eindeutig eine der Leitmessen der Baubranche in Europa, auf der es sich die Marktführer nicht leisten könnten, mit einem kleinen Stand aufzutreten oder sogar ganz fern zu bleiben, und eine der umfänglichsten Veranstaltungen der Münchener Messe (MMG). Einer der Marktführer im Bereich Aluminiumsystemprofile hatte eine ganze "Stadt" mit rund 1.300 m2 errichtet, in der seine Produkte in Funktion gezeigt wurden.

Übersichtliche Aufplanung

In übersichtlichen Segmenten, gegliedert nach Werkstoffen, belegte die BAU 2003 sämtliche Hallen der Neuen Messe München. Die Bereiche Holz, Stahl und Bauchemie erhielten wegen der gestiegenen Nachfrage mehr Platz. Die ca. 30.000 m2 Ausstellungsfläche für den Baustoff Holz waren erstmals in die Gruppen Fenster, Türen, Boden, Dach und Wand sowie Komplettbau eingeteilt. Dies verschaffte dem Besucher einen ausgezeichneten Überblick. Im Stahlsektor legten Beschläge- und Sicherheitstechnik flächenmäßig zu. Die zunehmende Verunsicherung der Verbraucher spiegelt sich hier deutlich wider. Der Wunsch nach Sicherheit in einer zunehmend unsicheren Umwelt nimmt zu und führte in diesem Messesegment zu einer gesteigerten Ausstellungsfläche.

Innovatives aus der Glasszene.

Baustoff Glas gewinnt weiter an Bedeutung

Kein anderer Baustoff hat in der jüngsten Vergangenheit einen derart enormen Nachfrage- und Innovationsschub erlebt wie Glas. Ein großes Spektrum neuer Glasanwendungen hat sich aufgetan. Bestimmte zunächst die technische Seite der Anwendungen die Entwicklung, so steht nun zunehmend das gestalterische Element im Vordergrund. Reizvolle Fassadenkonstruktionen rücken immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses und ermöglichen der Architektur völlig neuartige Perspektiven. Durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten erweist sich der Baustoff Glas als innovativer denn je. Die Freude am Experimentieren ist überall zu sehen. Grenzen werden ausgelotet, alte Sehgewohnheiten infrage gestellt, neue Materialien und Konzepte erprobt. In deutschen Städten wachsen derzeit ungezählte Bauvorhaben mit äußerst filigranen und ausgefallenen Glashüllen in den Himmel.

Fliesen in allen Formen und Strukturen bestimmten in vielen Bereichen das Messegeschehen.

GlasKon - Sonderschau und Kongress

Diese Entwicklung wurde auf der BAU aufgegriffen und in einem parallel durchgeführten Kongress vertieft. Im Mittelpunkt stand das Thema "Neue Materialien/Neue Technologien" mit Beiträgen über den neuartigen Einsatz von Glas in der Konstruktion, über die so genannten "Smart Materials" und über Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie.

Die GlasKon, eine kleine, aber feine Messe in der Messe, bot der Glas produzierenden Avantgarde ein geeignetes Schaufenster. Zum zehnten Mal fand die GlasKon als Innovationsforum Glas, Architektur und Technik statt. Auf der BAU hat sie nunmehr ihre Heimat gefunden und soll auch in der Zukunft stets gleichzeitig zur BAU in München abgehalten werden. Zielgruppen dieser beeindruckenden Sonderschau sind Architekten, Bauingenieure, Fassadenfirmen, Glashersteller, Glasverarbeiter, Metallbauer, Dichtstoffhersteller und Designer. Als ungünstig in der sonst schlüssigen Besucherführung muss die Lage der GlasKon gelten. Ihre Verlagerung in eine Halle nahe dem Kongresszentrum ist aufgrund der zugehörigen Tagung zu begrüßen. Die Unterbringung der anderen Aussteller, die ebenfalls der Baustoffgruppe Glas zugeordnet werden, in die diametral entgegengesetzte Geländeecke, ist als ungeschickt und für den Besucher als ärgerlich zu bezeichnen, da die Wege der Neuen Münchener Messe trotz des Laufbandes im ersten Obergeschoss extrem lang sind.

Mit zahlreichen Sonderschauen sowie mit den erstmals eingerichteten Innovation-Points stärkte die BAU ihr Profil als Informations- und Kommunikationsplattform. Die neuen Innovation-Points, an denen sich die Besucher einen ersten Überblick über die Innovationen der Aussteller verschaffen konnten, wurden grundsätzlich gut angenommen, nur hätte man sich hier und da eine übersichtlichere Präsentation und eine klarere Beschilderung gewünscht.

Berührungspunkte: Um Architekten und Planer gezielt anzusprechen, hat Keuco die "Kommunikationsinitiative Edelstahl/Aluminium" gegründet. Neben Keuco sind die Firmen Gira (Lichtschalter/Elektro-Kommunikationssysteme) und FSB (Design-Klinker) beteiligt. Gemeinsam gestaltet die Initiative-Partner auf der Bau 2003 den Stand "Berührungspunkte"

Aussteller insgesamt zufrieden

Die Vielzahl der Kontaktgespräche mit qualifizierten Fachbesuchern sowie die guten Kontakte zu ausländischen Besuchern führten dazu, dass sich die überwiegende Mehrheit der Aussteller trotz der schwachen Binnenkonjunktur zufrieden mit dem Messeverlauf zeigte. Mehr als 70% der Aussteller erklärten, neue Geschäftsbeziehungen geknüpft und Folgegeschäfte vorbereitet zu haben. 84% nutzten die Messe, um bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen. 79% der Aussteller, etwa ebenso viele wie vor zwei Jahren, bestätigten den Führungsanspruch der BAU als Leitmesse der internationalen Baustoff-Branche. Neben der Internationalität und der Qualität der Besucher wurde dabei besonders das erheblich erweiterte Rahmenprogramm hervorgehoben. Unter den einzelnen Ausstellungsbereichen schätzten die Aussteller das Angebot in den Bereichen Ziegel/Dachziegel, Steine/Erden, Glas/Glasbaustoffe sowie Bauchemie/Putze/Farben als besonders gut ein.

Besucher bestätigen guten Ruf der BAU

Trotz der schwierigen konjunkturellen Lage liegt die BAU bei den Fachbesuchern nach wie vor hoch im Kurs. 89% der Besucher, exakt so viele wie vor zwei Jahren, bewerteten die Messe mit "ausgezeichnet bis gut". Für den Ruf der BAU als Innovationsplattform der Branche spricht, dass 76% (+4%) der Besucher bei der Suche nach Neuheiten fündig wurden. 87% erklärten, ihr Ziel, sich einen allgemeinen Überblick über den Markt zu verschaffen, voll erreicht zu haben.

Insgesamt gelang es der MMG erneut, eine informative und vielseitige Messe auf die Füße zu stellen. An der einen oder anderen Ecke gilt es, noch kleine Verbesserungen vorzunehmen. Ein Fossil ist der "Mammut" BAU unter den deutschen bzw. europäischen Baumessen beileibe nicht! Die Chancen stehen gut, bei einer leicht positiven Baukonjunkturentwicklung, die EUROCONSTRUCT für das Jahr 2004 ff. prognostiziert, die Spitzenstellung dieser Veranstaltung weiter auszubauen.

Wer dieses Jahr keine Zeit hatte, die BAU persönlich in Augenschein zu nehmen, kann dies auf den ansprechend gestalteten Internet-Seiten der Fachmesse tun. Unter www.bau-muenchen.de findet man viele interessante Informationen rund um die BAU 2003. In zwei Jahren findet die BAU vom 17. bis 22. Januar 2005 wieder in München statt.