IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/2003, Seite 3


EDITORIAL


Kampf den Markenpiraten, Abkupferern und Ideendieben!

Die Feststellung, dass der Sanitärmarkt sich schwer tut in Deutschland, ist fast eine Binsenweisheit. Jeder Partner - sei er Hersteller, Großhändler oder Installateur - versucht, mit Pfiffigkeit oder eisernem Willen, mit Kreativität oder im Schulterschluss mit Gleichgesinnten über die derzeitige Durststrecke zu kommen.

Ein Marktsegment aber blüht wie die Opiumfelder im Goldenen Dreieck: Markenklau und Raubkopien made in China. Sprunghaft vermehren sich z.B. die Produkte des chinesischen Schattenmarkts, überschwemmen Fachmessen mit gefälschten Markenartikeln, nähren obskure Zwischenhändler mit dicken Gewinnmargen, gaukeln dem Endverbraucher ein lukratives Spiel vor mit falschen Etiketten und vermeintlichen Schnäppchen.

Das Abkupfern zieht sich durch alle Branchen, immer mehr auch beim Erzeugermarkt für Armaturen und Brausen, Sanitärtechnik und Badausstattung. Wir haben bei Hansgrohe in Original-Umverpackungen billige Kopien unserer Premiumbrausen aus dem Reich der Mitte entdeckt, hochwertige Armaturen kommen als 1:1-Plagiate wie Lockvögel in die Regale.

Die von Politik, Verbänden und Handelsorganisationen verbreitete Darstellung, mit dem lange umstrittenen Beitritt der Volksrepublik China in das Welthandelsabkommen WTO ging die Produktpiraterie zu Ende, erwies sich als ein Trugbild.

Eines scheint sicher: die ISH als Leitmesse der internationalen Sanitärwirtschaft wird auch wieder eine Bühne sein für gefälschte Sanitärtechnik aus dem Fernen Osten. Wenn es schon nicht gelingt, die Schmuddelkinder aus den asiatischen Kopierfabriken im Vorfeld der ISH außen vor zu halten, so sollten sich die betroffenen Markenartikler gemeinsam gegen die Flut von billigem Abklatsch stemmen. Man kann doch vor der Tatsache, dass gefälschte Markenartikel die deutsche Wirtschaft allein pro Jahr 29 Milliarden Euro Schaden und etwa 70.000 Arbeitsplätze kosten, nicht einfach die Augen schließen. Verbände und Einzelfirmen müssen über die Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz der Bundeszollverwaltung, über das Clement-Ministerium in Berlin, über die entsprechenden EU-Instanzen in Brüssel, durch Individualklagen gegen graue Importeure alle Register ziehen, um dem Krebsgeschwür den Garaus zu machen.

Die in Fernost aktiven Produzenten aus Europa sollten sich zusammenschließen, um ihre Qualitätsmarken sauber zu halten; sie sollten ihre Geschmacksmuster in den jeweiligen Ländern anmelden, bevor sie vor Gericht gehen müssen.

Abmahnungen und Unterlassungsklagen sind die ersten Waffen gegen Plagiate, denn Rechtsstreitigkeiten in den Fälscherländern auszutragen, ist teuer, der Ausgang ungewiss.

Wenn alles nicht hilft, ist eine Grenzbeschlagnahme durch den deutschen Zoll eine hilfreiche Aktion, um Plagiatschrott abzuwehren und Öffentlichkeit herzustellen. Zur Not hilft es auch, den Produktpiraten auf der Messe selbst durch einstweilige Verfügungen, den Stand mit abgekupferten Markenprodukten abräumen zu lassen. Das ist auch noch mehr wert, denn eine solche Aktion hilft auch gegen mögliche unberechtigte Ansprüche aus der Produkthaftung.

Wie die Wirtschaftspresse Anfang des Jahres berichtete, hat der dänische Lego-Konzern einen Prozess gegen Produktpiraten vor dem obersten Volksgerichtshof in Peking gewonnen. Eine chinesische Firma hatte jahrelang Plastikbausteine von Lego nachgestellt; dagegen hatte Lego 1999 Klage im Land erhoben und nun obsiegt. Dieses Beispiel macht Mut!

Otto Schinle
Vorstandsmitglied Hansgrohe AG