IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 1/2/2003, Seite 32 ff.


SANITÄRTECHNIK


Wasserrecycling im Haushalt

Innovation für die Haustechnik

Erwin Nolde*

Wasserrecycling im Haushalt - zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten - sah vor 40 bis 50 Jahren anders aus als heute. Damals haben ­unsere Großmütter das Salatwaschwasser nicht einfach weggeschüttet, ­sondern zur Gartenbewässerung genutzt und samstags gab es den Familienbadetag. Warmwasser wurde in großen Töpfen auf dem Holz­ofen erhitzt und die Kinder - einer nach dem anderen, immer der Größe nach - in der mobilen Zinkwanne, die eigens zu diesem Zweck in die warme Küche gebracht wurde, abgeschrubbt. Das Badewasser wurde nicht getauscht - es wurde lediglich Warmwasser nachgefüllt, wenn das Bad zu kalt wurde.

Öko ohne Technik - Badetag in der Zinkwanne in der Küche um 1955.

Aus rein ökologischer Sicht ist Wasserrecy­cling im Haushalt also nichts grundsätzlich Neues, aber die Komfortansprüche haben sich seitdem stark geändert. Wir genießen das Duschbad heute - am liebsten zweimal täglich - auch wenn wir nicht schmutzig sind. Sich unter der Dusche von den Strapazen des Alltags zu entspannen, wird von vielen als ein Stück Lebensqualität empfunden und auf diese Form der Entspannung möchte keiner mehr verzichten.

Funktionsschema der ­Hauswasser-Recycling-Anlage.

Öko ohne Technik - Badetag in der ­Küche der 60er

Als in den 80er- und 90er-Jahren an den ersten Grauwasser-Recycling-Anlagen gebastelt wurde, waren die Erinnerungen an die 60er-Jahre noch gegenwärtig. Nicht nur den eingefleischten Gegnern von Wassersparmaßnahmen kam das Grauen, wenn sie nur an Grauwasser dachten. Auch ökologisch engagierte Menschen, die anfangs mit sehr viel Elan ihr Dusch- und Badewasser nicht oder nur unzureichend aufbereitet für die Toilettenspülung nutzten, hatten früher oder später keine Lust mehr, dreckige Badewannen oder stinkende Tanks und Spülkästen regelmäßig zu reinigen. Wissenschaftliche Untersuchungen aus Hannover und Berlin machten deutlich, dass Wasserrecycling im Haushalt - unabhängig davon, ob Experten darin ein gesundheitliches Risiko sehen oder nicht - von der Bevölkerung heute nur dann angenommen wird, wenn die Nutzer gegenüber dem gewohnten Komfort keine Abstriche machen müssen.

Allwater-Waschmaschinen sind ein idealer Partner für alle, die an die Zukunft denken und ihre ­Wäsche umweltschonend waschen möchten. Die Maschine verfügt über einen zweiten Wasseranschluss, der entsprechend an die "Klarwasser-Leitung" montiert werden kann.

Insofern ist der Hansgrohe-Firma Pontos mit der AquaCycle 900 in der Tat eine beachtenswerte Innovation gelungen. Das ausschließlich mechanisch bio­logisch - ohne Zusatz von Chemikalien - aufbereitete Dusch- und Badewasser, welches Klarwasser genannt wird, hat diesen Namen durchaus verdient. Allein nach dem Aussehen beurteilt, ist das Klarwasser kaum vom Trinkwasser zu unterscheiden. In Pilotanlagen wurden bisher über 2,2 Mio. Liter Klarwasser hergestellt. 60 Anlagen haben bisher den Feldtest bestanden und konnten einen sicheren Betrieb des Systems nachweisen. Messtechnische Untersuchungen, die seit 1995 an den nach dem gleichen Prinzip arbeitenden Anlagen durchgeführt wurden, zeigen sogar, dass die Hygieneanforderungen, wie sie an Badegewässer gestellt werden in der Praxis meist um den Faktor 10 bis 100 unterschritten werden.

Öko-Technik heute: Hat Platz im Keller, ist schnell installiert, leise und geruchfrei.

Vielen Kunden erschien es von Anfang an nicht nachvollziehbar, warum derartig hochwertiges Klarwasser nur zur Toilettenspülung genutzt werden soll. Mittlerweile stehen auch namhafte Hersteller wie Miele, Kärcher und Gardena dem Anliegen der Mehrfachnutzung positiv gegenüber - sofern das "Nicht-Trinkwasser" eine Qualität aufweist, wie Kunden es von haustechnischen Anlagen gewohnt sind.

Einmal in Betrieb genommen, muss man sich dank der weitestgehenden Automatisierung kaum noch um die Anlage kümmern. Die ersten mit Bakterienkulturen besiedelten Schaumstoffwürfel in den Reinigungsbehältern sehen nach den sieben Jahren noch genauso aus, wie nach sieben Wochen Betriebszeit. Abnutzungserscheinungen sind nicht festzustellen. Bakterien und Schaumstoffwürfel reinigen nicht nur das Wasser sondern nebenbei auch die Behälterinnenwände. Der Filter im Anlagenzulauf wird, bevor er überhaupt verstopfen könnte, automatisch mit Klarwasser gespült und die sich am Behälterboden bildenden Sedimente werden regelmäßig - ohne Zutun des Betreibers - in den Schmutzwasserkanal abgeleitet. Für den Anlagenstrom wird bei 0,6 kWh pro Tag - das ist nicht mehr als ein kleiner Kühlschrank benötigt - mit jährlichen Energiekosten von etwa 30,- € gerechnet.

So funktioniert das Hauswasserrecycling

Die Kunden der ersten Versuchsanlagen schätzen ferner den kompakten Aufbau, welche kaum hörbar das Haushaltswasser ganz ohne Chemikalienzusatz und völlig unabhängig von Regenereignissen im Sommer und Winter Tag für Tag zu einem hochwertigen Klarwasser aufbereiten. Durch die geschlossene Bauweise treten weder Geruchs- noch Feuchtigkeitsemissionen auf. Bei dem ansprechenden Design der Anlage - so geht aus einer Kundenbefragung hervor, ist es vielen fast zu schade, die Anlage im Keller zu "verstecken".

Öko-Technik heute

Für den qualifizierten Fachhandel aus der Sanitärbranche entfaltet sich dank Wasserrecycling - ähnlich wie mit der Solartechnik - ein zusätzliches interessantes Betätigungsfeld. Die ganze Anlage wird in zwei vor Ort zu verschraubende Anlagenteile auf einer Europalette geliefert. Für die Aufstellung und den Anschluss an das vorbereitete Leitungsnetz benötigt der geschulte Installateur etwa eine Arbeitsstunde. Anschließend wird die Anlage über ein übersichtlich gestaltetes Display mit Folientastatur gestartet. Bei der erstmaligen Inbetriebnahme wird den schmutzfressenden Bakterienkulturen eine Adaptationszeit von ca. 2 bis 3 Wochen gegeben. Danach ist die Einfahrphase beendet, die Anlage geht automatisch in den Normalbetrieb über und produziert für viele Jahre hochwertiges Klarwasser.

Viele Planer die bereits seit Jahren ein zweites Leitungsnetz zur getrennten Haushaltswassererfassung und Klarwasserverteilung installieren ließen, warten schon lange auf eine professionelle Haushaltswasser-Recycling-Anlage. Bei dem System schätzen sie insbesondere den modularen Aufbau. Bei einem Gesamtbehältervolumen von 900 Litern kann eine Anlage - ohne jegliche Erweiterungen in Abhängigkeit von der Verschmutzung des Haushaltswassers - problemlos den Klarwasserbedarf für zwei bis drei Familien aufbereiten. Für Reihenhäuser und Wohnanlagen können alle drei Stufen durch baugleiche Zusatztanks, den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, erweitert werden. Durch die Modultechnik ist das System auch für den gewerblichen Einsatz - z.B. für Hotels und Pensionen, Sportstätten und Campingplätze - geeignet. Bei einem größeren Klarwasserbedarf wird das System mit einer Doppelpumpenanlage ausgestattet, was die Versorgungssicherheit im Gewerbe und im Mehrfamilienhausbereich erhöht. Die Modultechnik trägt ganz wesentlich dazu bei, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Die Amortisation ist dort, wo gleich mehrere Familien an ein System angeschlossen werden können, am besten. Im Gegensatz zur Regenwassernutzung, können Planer und Endkunden bei vergleichbaren Investitionskosten bei diesem System ganz sicher davon ausgehen, dass nicht nur die Trinkwasserkosten deutlich sinken, sondern zusätzlich auch die meist noch höheren Abwasserkosten gesenkt werden.

Die Modultechnik arbeitet weitestgehend automatisch. Im Hinblick auf Wartung und Betrieb ist sie vergleichbar mit einer Zentralheizungsanlage. Ein wichtiger Wartungspunkt ist die UV-Desinfektionsanlage. Hier muss nach spätestens 6000 Betriebsstunden ein Strahler ausgetauscht werden, wo­rauf der Kunde durch das Display hingewiesen wird. Bis dahin hat die Anlage allerdings bereits bis zu 1,4 Mio. Liter biologisch gereinigtes Haushaltswasser desinfiziert. Für den Austausch des Strahlers steht dann natürlich der qualifizierte SHK-Handwerker mit Rat und Tat zur Verfügung. Für die Behälter gilt eine zehnjährige und für die übrigen Komponenten eine zweijährige Gewährleistung.

Ausblick

Bisher sieht es fast so aus, als ob es beim Wasserrecycling nur Gewinner geben würde. Langfristig gesehen, ist davon auszugehen. Anfangs werden einzelne Wasserver- und -entsorger noch klagen, wenn die ersten Kundenrechnungen deutlich niedriger ausfallen. Später werden sie erkennen, dass sie durch die dezentralen Anlagen selbst - sowohl bei der Trinkwasseraufbereitung und -verteilung als auch bei der Abwasserreinigung - Kosten einsparen können, da so manche Investition durch das ökologische Wasserrecycling nicht mehr erforderlich sein wird.


B i l d e r   u n d   G r a f i k :
Hansgrohe, Schiltach
Miele & Cie. GmbH & Co., ­Gütersloh
Erwin Nolde Fa. Nolde & Partner Mitentwickler des Systems
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