IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 1/2/2003, Seite 23 f


VERBÄNDE AKTUELL 


 Bayern


Nikolausempfang:

Eiszeit im Handwerk

Alljährlich lädt der Fachverband SHK Bayern am 6. Dezember zum traditionellen Nikolausempfang ein. Der letzten Einladung folgten gut 220 Gäste aus Handwerk, Industrie, Handel und Politik.

Landesinnungsmeister Werner Obermeier (l.), Hauptgeschäftsführer Dr.Wolfgang Schwarz.

Einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des SHK-Handwerks im Jahre 2002 präsentierten Landesinnungsmeister Werner Obermeier und Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Schwarz, anlässlich einer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Festakt. Demnach ist die Zahl der Mitgliedsbetriebe in den 60 bayerischen Innungen mit 5300 zwar unverändert geblieben. Die Zahl der Beschäftigten nahm dagegen um 2,1 Prozent auf 57.700 ab. Als unerfreulich bezeichnete Schwarz die Entwicklung auf dem Ausbildungssektor. Zwar konnte der Hauptgeschäftsführer noch keine detaillierten Zahlen nennen, da die Auswertungen des Statistischen Bundesamtes noch nicht vorlagen, doch erwarte man einen weiteren deutlichen Rückgang zum Vorjahr. Bereits in 2001 sank die Zahl der Ausbildungsverträge im SHK-Handwerk um 4,8 Prozent auf knapp 8800. Dazu ein Vergleich: In Spitzenzeiten in den 90er-Jahren wurden etwa 12.000 Ausbildungsverträge jährlich abgeschlossen.

Ebenfalls keinen Grund zum Jubeln liefere die gegenwärtige Auftragslage: Der Auftragsbestand verringerte sich gegenüber dem Vorjahr (5,4 Wochen) erneut auf nunmehr 5,3 Wochen. Kein Wunder also, dass rund 62 Prozent der Mitgliedsbetriebe in einer Repräsentativumfrage des bayerischen SHK-Landesverbandes die wirtschaftlichen Aussichten des Betriebs mit "schlecht" beurteilten. Lediglich sechs Prozent der Befragten äußerten eine positive Erwartungshaltung in den kommenden sechs Monaten.

Rund 220 Gäste aus Handwerk, Industrie, Handel und ­Politik konnte der Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Bayern zum traditionellen Nikolausempfang am 6. Dezember vergangenen Jahres in der bayerischen Metropole begrüßen.

Dunkle Wolken am ­Branchenhimmel

Infolge dieser düsteren Aussichten war die Rede des Landesinnungsmeisters Werner Obermeier mehr von dunklen Wolken als von Sonnenschein geprägt: "Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos", so das nüchterne Fazit. Beschönigen wollte er allerdings nichts, denn seit Jahren schon gehe es kontinuierlich bergab, und selbst im konjunkturell starken Herbst seien viele Betriebe nicht ausgelastet gewesen. Obermeier selbst habe im eigenen Betrieb den "schlechtesten Herbst seit Beginn der Selbstständigkeit 1964" erlebt. Wer allerdings glaube, dass es nur noch aufwärts gehen könne, der dürfe sich wohl gewaltig täuschen, so der Branchenkenner.

Unterstützung von der Bundesregierung sei indes nicht zu erwarten. Zum einen, weil die steuerentlastenden Gesetze zugunsten des Mittelstands dank Bundesfinanzminister Eichel um ein Jahr verschoben wurden. Zum anderen, weil die im Koalitionsvertrag gesteckten Ziele wie der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung oder die Verdopplung der installierten Solarkollektorflächen mit den bereitgestellten Förderungen nicht zu schaffen seien. Obermeier dazu: "Die Politik hat die Kohle und die Atomenergie begleitet und mit Milliarden gefördert, man solle jetzt bei den alternativen ­Energiekonzepten keine Ausnahme machen".

Von den Marktpartnern erwartet der Landesinnungsmeister eine bestmögliche Begleitung in Bezug auf Bedienung und Lieferung. "In schlechten Zeiten glaubt uns keiner, dass Materialien nicht greifbar sind." Obermeiers Appell an den Fachgroßhandel: "Ihr müsst besser sein als sonst. Eure wichtigste Aufgabe ist eine angemessene Lagerhaltung."

Kritik übte der Landesinnungsmeister gegenüber einigen Energieversorgungsunternehmen, die Handwerkskunden zuerst abwerben und dann gegen Provision wieder an das Handwerk übertragen würden. Eine Unart, die leider Schule macht. Die Stadtwerke München beispielsweise würden diese Vorgehensweise im großen Stil praktizieren und dem Handwerk fertige Konzepte vorlegen, die es dann absegnen solle. Bei Neubauten der Stadtwerke München werde das örtliche Handwerk sogar überhaupt nicht mehr berücksichtigt und in der Kundenzeitschrift der Stadtwerke gebe es den Partner SHK-Handwerk überhaupt nicht mehr.

Dennoch sieht Obermeier nach wie vor Chancen und Marktnischen, die gemeinsam geschultert werden sollten. Dazu bedürfe es allerdings einer ansprechenden Außendarstellung. Zu diesem Zweck wird der Fachverband im Frühjahr 2003 im Hörfunk eine Image-Kampagne starten, so Obermeier abschließend. 


Erasmus-Grasser-Preis an Obermeier

Die 2. Bürgermeisterin der Stadt München, Dr. Gertraud Burkert, verlieh im Rahmen einer Feierstunde den 10. Erasmus-Grasser-Preis. Unter den fünf Preisträgern befindet sich auch Landesinnungsmeister Werner Obermeier, Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Bayern.

Mit dem Preis werden Münchener Handwerkerinnen und Handwerker ausgezeichnet, die sich um die berufliche Ausbildung besonders verdient gemacht haben. Insbesondere die Ausbildung von Behinderten, Lernbeeinträchtigten, ausländischen Jugendlichen und Mädchen in Männerberufen wird honoriert. Daneben werden die Dauer der Ausbildungstätigkeit, die Anzahl der Ausgebildeten, der Ausbildungserfolg und die im Zusammenhang mit der Ausbildung ausgeübten ehrenamtlichen Tätigkeit beachtet.

Dr. Burkert würdigte in einer Ansprache Obermeiers überdurchschnittliches Engagement in der Ausbildung ausländischer und schwer vermittelbarer Jugendlicher.

 

Landesinnungsmeister Werner Obermeier.