IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/2002, Seite 79 ff.


INTERVIEW


Neue Kessel braucht das Land

Schätzungen zufolge müssen aufgrund der Kleinfeuerungsanlagenverordnung bis Ende Oktober 2004 noch nahezu 870000 Heizkessel mit zu hohen Abgasverlusten nachgebessert oder ersetzt werden. Die neue Energieeinsparverordnung beschert darüber hinaus spätestens bis Ende 2006 das Aus für viele Heizkessel, die vor Oktober 1978 in Betrieb genommen worden sind*. Insgesamt gelten gut zwei Millionen Heizkessel aufgrund ihres Alters von mehr als 20 Jahren als sanierungswürdig. Ein ungeheures Potenzial also, welches sich dem Heizungsbauerhandwerk bietet. Über den Einfluss beider Verordnungen auf die Technik- und Marktentwicklung in der SHK-Branche sprachen die IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteure Volkmar Runte und Markus Sironi mit Werner Dingel, Geschäftsführer der Rapido Wärmetechnik GmbH.

IKZ-HAUSTECHNIK: Herr Dingel, wie beurteilen Sie die derzeitige Lage der SHK-Branche?

Werner Dingel: Es herrscht allgemeine Verunsicherung, und die Investitionsbereitschaft fehlt. Das gilt gleichermaßen für den Privatbereich als auch z. B. für Kommunen, die ja unter enormen Einbrüchen bei der Gewerbesteuer leiden. Dazu kommt, dass die Modernisierung in den neuen Bundesländern bereits zu 90 Prozent abgedeckt ist. Durch die Flutkatastrophe in Sachsen und Sachsen-Anhalt wird dort sicherlich der Bedarf kurzfristig steigen, ein neuer Boom ist im Osten allerdings nicht in Sicht. Und ein Austauschgeschäft wie es in den westlichen Bundesländern bereits vorhanden ist, ist im Osten frühestens im Jahr 2005 zu erwarten.

In den Räumlichkeiten des Strobel-Verlags diskutierte Werner Dingel (o.), Geschäftsführer der Rapido Wärmetechnik GmbH, mit den beiden IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteuren Volkmar Runte (r.o.) und Markus Sironi (r.u.) über den Einfluss der Kleinfeuerungsanlagenverordnung und der EnEV auf die Technik- und Marktentwicklung in der SHK-Branche.

IKZ-HAUSTECHNIK: Von den Auswirkungen der Kleinfeuerungsanlagenverordnung und der neuen Energieeinsparverordnung sind Schätzungen zufolge gut zwei Millionen Heizungsanlagen betroffen. Müsste dieses Potenzial der Branche nicht Auftrieb geben?

Werner Dingel: Die EnEV spielt in den Köpfen der Hausbesitzer und Bauherren leider noch eine geringe Rolle. Das liegt unter anderem daran, dass Heizungsanlagen in der Regel recht stiefmütterlich behandelt werden. Die Heizung wird erst dann wahrgenommen, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert. Das Dilemma: Viele Heizungen funktionieren schon über 20 Jahre und werden es noch zehn weitere tun. Die Kunden denken aber erst über eine Modernisierung nach, wenn der alte Kessel kaputt ist.

Zur Kleinfeuerungsanlagenverordnung sei angemerkt: Auch wenn der Schornsteinfeger sagt, dass die Heizung noch gute Werte hat, lohnt sich der Austausch veralteter Heizkessel. Denn der Schornsteinfeger betrachtet nur den feuerungstechnischen Wirkungsgrad. Der anlagentechnische Wirkungsgrad dagegen wird nicht beachtet.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie sehen Sie die Entwicklung von Brennstoffzellen? Können sie einen Beitrag leisten, um der Branche aus der Misere zu helfen?

Werner Dingel: Brennstoffzellen haben momentan noch keine Marktbedeutung. Ein Problem dabei ist, dass der Wasserstoff, den man als Brennstoff braucht, nicht zur Verfügung steht. Wir haben einen hohen Bedarf an Heizkesseln, die ersetzt werden müssen. Brennstoffzellen können diesen Bedarf kurzfristig nicht ausfüllen. Zudem: Der Marktpreis ist noch viel zu hoch, die Betriebssicherheit und Lebensdauer sind unklar. Auf eine effiziente Nutzung der Brennstoffzelle müssen wir sicherlich noch sechs bis acht Jahre warten, wenn sie sich denn überhaupt durchsetzt.

IKZ-HAUSTECHNIK: So lange bleibt aber keine Zeit, denn das Jahr 2004 rückt näher und damit auch das Ende der Nachrüstfrist nach der Kleinfeuerungsanlagenverordnung.

Rapido bietet auf alle Wärmeerzeuger eine erweiterte Garantie von bis zu neun Jahren. Voraussetzung ist eine regelmäßige Wartung durch das SHK-Fachhandwerk. Dokumentiert wird die Durchführung in einem speziellen Inspektionsheft.

Werner Dingel: Richtig, deshalb sollte auch nicht die Entwicklung von alternativen Heizungssystemen, wie beispielsweise die Brennstoffzelle, abgewartet werden. Die heutige Heiztechnik wird auch noch in zehn Jahren modern sein. Vor allen Dingen aber ist sie beherrschbar, betriebssicher und sofort verfügbar.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie könnten die Kunden überzeugt werden, dass es sich lohnt, jetzt in eine neue Heizungsanlage zu investieren?

Werner Dingel: Heizungsbauer und Schornsteinfeger sollten den Kunden gemeinsam aufklären und beraten. Sie wissen schließlich am besten, wann eine Heizungsanlage technisch veraltet ist. Gerade vor dem Hintergrund gestiegener Brennstoffkosten ist es notwendig, den Kunden über das Einsparpotenzial und den Komfort einer neuen Heizungsanlage aufzuklären. Ein Heizkesseltausch verspricht eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent. Auch der Aspekt des Umweltschutzes muss stärker mit einbezogen werden. Neue Geräte sind nicht nur einfach zu bedienen, auch die Verbrennung ist noch effizienter, und sie stoßen weniger Schadstoffe aus. Die Aufforderung an den Kunden ist denkbar einfach: Warte nicht bis zuletzt, dann gibt es wieder einen Engpass und die Preise gehen hoch. Jetzt kannst du es in Ruhe machen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie sieht es mit der Wartung und Pflege der Heizungsanlage aus? Bietet dieser Service nicht ein großes Potenzial für Installateure?

Werner Dingel: Ja. Gerade die Wartung sollte schon beim Verkauf einer Heizungsanlage herausgestellt werden. Der Installateur kann beispielsweise über Wartungsverträge in die regelmäßige Inspektion der Heizungsanlage mit eingebunden werden. Beim Kunden muss dafür allerdings Akzeptanz geschaffen werden, wie bei der Autoinspektion. Diese Akzeptanz kann aber nur durch eine Gegenleistung erzielt werden. Deshalb bietet beispielsweise Rapido schon seit 1998 die "3 x 3 = 9 Jahre-Garantie"** an.

Frist für Heizkessel mit hohen Abgasverlusten läuft ab
Veraltete Öl- und Gaskessel in Deutschlands Haushalten geht die Puste aus: Nach der Kleinfeuerungsanlagenverordnung müssen bis Ende Oktober 2004 noch nahezu 870.000 Heizkessel mit zu hohen Abgasverlusten nachgebessert oder ersetzt werden.
Was für die Umwelt gut ist, zahlt sich nach Angabe des TÜV Rheinland Berlin Brandenburg auch für den Hauseigentümer aus. Denn durch die Sanierung der Heizungsanlage sinkt neben den Heizkosten auch die Belastung durch die Ökosteuer.

IKZ-HAUSTECHNIK: Was hat es mit dieser Garantie auf sich?

Werner Dingel: In erster Linie ist sie ein Leistungsversprechen, ein Produkt-Mehrwert bei Rapido-Produkten. Die ersten drei Jahre gilt eine uneingeschränkte Vollgarantie auf alle Geräteteile, auch auf die beweglichen oder Elektroteile. Nur Verschleißteile wie zum Beispiel Brennerelektroden sind - wie bei allen Herstellern - davon ausgenommen. Eine Vollgarantie auf die Gussteile, Wärmetauscher und Durchrosten der Speicherbehälter von innen nach außen wird darüber hinaus auch noch vom vierten bis sechsten Jahr nach dem Kauf gewährt. Vom siebten bis neunten Jahr gibt es eine eingeschränkte Garantie auf Gussteile, Wärmetauscher und Durchrosten der Speicherbehälter von innen nach außen. In diesem Fall gewährt Rapido einen Nachlass auf die Materialkosten. Um in den Genuss dieser umfassenden Garantie zu kommen, ist allerdings die regelmäßige Wartung durch einen SHK-Fachbetrieb zwingend erforderlich.

IKZ-HAUSTECHNIK: Also ist der Endkunde mit der "3 x 3 = 9 Jahre-Garantie" auf der sicheren Seite?

Werner Dingel: Ja, und zwar mit folgender Begründung: Durch die neunjährige Garantie hat er für einen langen Zeitraum keine hohen Reparaturkosten zu befürchten. Außerdem erhält er jederzeit fachliche Unterstützung durch den Installateur, der unser Partner und Mittler für unser Garantieversprechen ist. Die Garantieleistung betrifft übrigens alle Produkte von Rapido, wobei die regelmäßige Wartung in einem Wartungsheft dokumentiert wird.


Zum Unternehmen:

Die Rapido Wärmetechnik GmbH, ansässig in Viersen und mittlerweile 105 Jahre alt, wurde ursprünglich als Gießerei gegründet. Bald darauf konzentrierte man sich auf die Fertigung von Heizkesseln, sowohl im kleinen als auch im Großkesselbereich. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 57 Mitarbeiter. Die Vertriebsschwerpunkte liegen in Westdeutschland, insbesondere Nordrhein-Westfalen, Saarland, Raum Hamburg, teilweise Ostdeutschland; Europa: Belgien, Griechenland, Österreich, Slowakei.

 


*) Eine verlängerte Frist bis Ende 2008 wird gewährt, wenn der Altkessel nach dem 1. November 1996 mit einem neuen Brenner nachgerüstet worden ist. Außerdem sind Altanlagen in selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern vom Modernisierungszwang ausgenommen.


**) Ausführliche Informationen zur "3 x 3 = 9 Jahre-Garantie" gibt es bei der Rapido Wärmetechnik GmbH, Rahserfeld 12, 41748 Viersen, Fax: 02162/3709-67 oder online unter www.rapido.de.