IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/2002, Seite 3


EDITORIAL


 

Falsch sparen kann teuer kommen 

Es ist nicht immer Unwissenheit, sondern oft Nachlässigkeit oder falsch verstandene Sparsamkeit, die in unserem Gewerbe zu hohen Folgekosten führt. Dies gilt auch für den Schall- und Brandschutz. Der wirtschaftliche Wert einer Immobilie und der Wohlfühlfaktor für den Bewohner werden zunehmend von akustischen Daten bestimmt. Ein Beispiel: In einer 2001 fertiggestellten Wohnüberbauung mussten alle Sanitärschächte der 28 Eigentumswohnungen gründlich saniert werden, weil sich die Bewohner über unhaltbare Geräusche beschwerten. Die Rechtslage war eindeutig, da im Werksvertrag mit dem Architekten die Schallwerte definiert waren. Die Sanierung, bei der Wände aufgespitzt und Leitungen neu verlegt und befestigt werden mussten, kostete die stolze Summe von EUR 350000, also durchschnittlich EUR 12500 pro Wohnung. Die gerichtlich festgestellte Fehlerzuweisung und Kostenübernahme betraf zu je einem Drittel den Architekten als Generalunternehmer, den Planer und den Installateur.

Was war schiefgelaufen? Der Planer hatte bauaufsichtlich zugelassene Vorwandsysteme vorgesehen, aber zu geringe Dämmwerte vorgeschrieben. Um Kosten zu sparen, ließ der Architekt das vorgesehene Vorwandsystem durch eine behelfsmäßig zusammengeschweißte Rahmenkonstruktion ersetzen. Angesichts dessen waren die Installateure nicht sonderlich motiviert und durch unsorgfältige Arbeit entstanden reihenweise Körperschallbrücken.

Leider ist dies keiner der seltenen Fälle, in denen "Murphys Law" zugeschlagen hat. Oft wird dies für die Betroffenen zu einem betriebswirtschaftlichen Risikofaktor. Und es ist zu erwarten, dass Schallschutz im Wohnungsbau zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Brandschutz ist ein weiterer Bauaspekt mit weitreichendem Haftungsrisiko. Hier geht es um vorbeugenden baulichen Brandschutz, der die Übertragung von Feuer und Rauch von einem Brandabschnitt zum nächsten wirksam verhindert. Trotz umfangreicher gesetzlicher Vorschriften, Verordnungen und technischer Regeln bestehen nach wie vor große Unsicherheiten bei Planung und Ausführung.

Angesichts dieser Herausforderungen haben Hersteller Produkte, Einzel- oder Gesamtsysteme entwickelt, die auch bezüglich Schall- und Brandschutz optimiert sind. Doch nur bauaufsichtlich geprüfte und zugelassene Komplettsysteme bieten dem Architekten, Planer und Installateur Gewähr für sichere und verbindliche Aussagen.

Da einmal erlerntes Fachwissen rasch veraltet, ist Weiterbildung auch der Mitarbeiter absolut notwendig. Sonst kann eine perfekte Planung durch Pfusch am Bau zunichte gemacht werden. Verantwortungsbewusste Hersteller und die Fachverbände bieten Schulungen an - und führen, wie wir im September, Symposien durch, an denen Länder und Gewerke übergreifend Kenntnisse vertieft, Gedanken und Probleme diskutiert werden.

Nutzen Sie diese Möglichkeiten, denn Unwissenheit oder Nachlässigkeit können nicht nur einmalig teuer zu stehen kommen, sondern schaffen nachhaltig unzufriedene Kunden.

Randolf Hanslin
Mitglied der Konzernleitung
Geberit International AG


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