IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 20/2002, Seite 48 f


REPORT


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Diskussionsrunde deckt Mängel in der Aus- und Weiterbildung auf

Auf Einladung des Dortmunder Pumpenherstellers Wilo kamen Anfang September dieses Jahres hochrangige Vertreter aus Industrie, Forschung und Lehre in Frankfurt/M. zusammen, um über den Stand der beruflichen Qualifikation im SHK-Handwerk zu diskutieren. Hintergrund sind die Neuheiten und Weiterentwicklungen von Produkten, die die Industrie in immer kürzeren Zeitabschnitten auf den Markt bringt. Dazu zählen beispielsweise Heizungsregelungen mit drei Bedienebenen oder Umwälzpumpen mit mehreren einstellbaren Betriebsweisen. Überlagert wird diese Welle von der Vielzahl an Herstellern, die alle ihre eigenen Bedienphilosophien verfolgen. Kann da der SHK-Handwerker noch Schritt halten oder muss er eines Tages kapitulieren?

Der Schulleiter vom Ausbildungszentrum der Innung Köln, Wolfgang Schlüter, beurteilt die Lage so: "Ich stelle die Fähigkeit der SHK-Monteure, diese High-Tech-Produkte einzubauen, einzustellen, zu bedienen und zu warten, in Frage." Er begründet seine Einschätzung mit der zurückgehenden schulischen Vorqualifikation der Auszubildenden. Dies deckt sich tatsächlich mit den Ergebnissen einer Studie, die Ursachen einer wachsenden Durchfallquote bei Gesellenprüfungen im SHK-Handwerk untersucht hat (s. IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 14/02, "Das Fundament bröckelt"). Danach wird der Grundstein, der über den Erfolg oder Misserfolg bei der Gesellenprüfung entscheidet, bereits in der vorgelagerten Bildungseinrichtung gelegt (Hauptschule, Realschule, Gymnasium).

Einige Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.): Udo Brincker, Hans-Peter Sproten, Marc Stiebing,

Hans-Peter Sproten geht sogar noch einen Schritt weiter. Er sieht Mangelerscheinungen bei der Aus- und Weiterbildung nicht nur im Handwerk, sondern in der gesamten SHK-Branche. Selbst im Studium der Versorgungstechnik entdeckt der technische Geschäftsführer des nordrhein-westfälischen SHK-Handwerksverband Lücken. Beispielsweise würden die Studierenden viel zu spät oder gar nicht mit den Inhalten des Vertragswerks "VOB" vertraut gemacht.

In die gleiche Richtung weisen die Wortbeiträge von Udo Brincker, Inhaber eines Handwerksbetriebs in Nordrhein-Westfalen. Er hat beispielsweise in seiner Kundendienstabteilung ausschließlich Meister beschäftigt. Erst eine fundierte Grundausbildung ergänzt mit permanenter Weiterbildung schaffen die Voraussetzungen, Wartungs- und Einstellarbeiten sowie Fehlersuche an versorgungstechnischen Anlagen qualifiziert und kundengerecht durchzuführen, so seine Meinung.

Frank Weimann, Werner Gerwin, Wolfgang Schlüter,

Untersucht man die Struktur der handwerklichen Erstausbildung, stellt man eklatante Mängel fest, die keineswegs motivierend auf den Auszubildenden wirken, so die einhellige Meinung der Diskussionsrunde. Dazu stellte Frank Weimann die provozierende Frage: "Welchen Hintergrund haben die ersten überbetrieblichen Sanitär- und Heizungslehrgänge, in denen das Feilen, Sägen und Bohren von Flach-, L- und U-Stahl geübt wird?" Zwar konnte keine befriedigende Antwort gefunden werden, die Diskussionsrunde stellte aber den ausbildungspolitischen Hintergrund heraus: Der SHK-Beruf ist den Metall verarbeitenden Berufen untergeordnet und ihm daher in der ersten Phase der Ausbildung sehr angeglichen. Was vor Jahrzehnten vielleicht gut und richtig war, deckt sich nicht mehr mit den Anforderungen der heutigen Zeit. Weimann plädiert deshalb auch für eine gänzlich neue Struktur der Ausbildung. Der Wissens- und Fertigkeitsvermittlung von Einzelspektren müsse der Methodikvermittlung weichen, also der Darstellung von Gesamtzusammenhängen. Wolfgang Gerwin sieht da einen weiteren positiven Effekt: "Bei den Schulabgängern steigt das Image und damit die Attraktivität des SHK-Berufs." Danach könnte die rückläufige Ausbildungsbereitschaft gestoppt und sogar umgekehrt werden. Und motivierte Jugendliche, die während ihrer Ausbildung eben mehr Leistung erbringen als zum Gesellenbrief notwendig, sind der Weg in eine sichere Zukunft.

Manfred Hoppe, Jürgen Resch, Dietmar Defiebre.

Resümee: Ob das SHK-Handwerk nun tatsächlich vor den zukünftigen Techniken resignierend dasteht oder aber die Herausforderung anpackt, konnte während der Diskussion nicht eindeutig herausgearbeitet werden. In weiten Strecken ging es eher darum, die Ursachen für ein Absinken des Qualitätsstandards im SHK-Beruf aufzudecken. Einhellige Meinung war aber, dass die Struktur des Aus- und Weiterbildungssystems im SHK-Beruf auf den Prüfstand gehöre und auf die heutigen Anforderungen zugeschnitten sein müsse. Ein erster Schritt ist mit der Einführung der neuen Meisterprüfungsordnung getan, die am 1. Januar des kommenden Jahres in Kraft treten soll. Dann nämlich rückt nicht mehr das einzelne Meisterstück in den Vordergrund der Prüfer, sondern die ganzheitliche Abwicklung eines Bauauftrages, angefangen von der Angebotsabgabe über die Projektierung bis zum Bau und Inbetriebnahme der Anlage. Darüber hinaus ist auch der Sektor der Erstausbildung in Bewegung geraten. Durch die Zusammenlegung der beiden Berufe Gas- und Wasserinstallateur und Zentralheizungs- und Lüftungsbauer muss auch die Ausbildungsordnung neu geschrieben werden. Bleibt zu hoffen, dass die Zeichen der Zukunft erkannt werden.


Teilnehmer der Diskussionsrunde

Udo Brincker, Brincker GmbH
Dietmar Defiebre, Ing.-Büro IBV
Werner Gerwin, BIBB (Bundesinstitut für berufliche Bildung)
Manfred Hoppe, Prof. an Uni Bremen
Jürgen Resch, Wilo AG
Wolfgang Schlüter, Ausbildungszentrum der Innung Köln
Hans-Peter Sproten, Fachverband SHK Nordrhein-Westfalen
Marc Stiebing, Wilo AG
Frank Weimann, Berufsbildende Schulen Oldenburg


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