IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 17/2002, Seite 29 ff.


REPORT


Schwimmsporthalle Berlin:

"Unsichtbare" Großsportanlage für internationale Wettkämpfe

Die mit der Wende begonnene architektonische Neugestaltung Berlins verändert mehr und mehr das Bild der Stadt. Bekannte Beispiele dafür sind der Potsdamer Platz, das Regierungsviertel und die Neue Mitte im Zentrum der Hauptstadt. Im Zuge der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 entstand ein weiteres städtebauliches Highlight: der Europa-Sportpark mit Velodrom* sowie Schwimm- und Sprunghalle. Bei internationalen Wettbewerben messen sich hier Spitzensportler aus aller Welt. Schwerpunkt dieses Berichtes über das neue Sportgelände im Osten Berlins ist die für rund 140 Millionen Euro errichtete Schwimm- und Sprunghalle mit ihren sanitären Einrichtungen.

Für internationale Sportwettbewerbe ausgerichtete Stadien und Hallen sind meist gewaltige, unübersehbare Gebäudekomplexe, die ihre Umgebung dominieren. Diese Feststellung gilt nicht für den Europa-Sportpark im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Der Besucher findet zunächst nur eine mit Hunderten von Apfelbäumen bewachsene Wiese. Die Überraschung ist dann groß, steht man doch bereits neben dem rechteckigen, über 10.000 m2 großen Dach der Schwimm- und Sprunghalle. Die gesamte Baumasse, einschließlich des benachbarten Velodroms, wurde einfach in der Erde versenkt.

Entwurf von Dominique Perrault

Eine verblüffende Idee, mit der Dominique Perrault den 1992 ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewann. Zuvor hatte der Franzose bereits mit dem Bau der Nationalbibliothek in Paris internationales Ansehen erworben. Nach Ansicht der Jury entsprach sein Entwurf der "unsichtbaren Hallen" den architektonischen, städtebaulichen und politischen Anforderungen für erneute Olympische Spiele in Deutschland. Nach der monumentalen Berliner Olympiade 1936 und den heiteren Spielen von München (1972) wurde der Entwurf den Besonderheiten der deutschen Olympiageschichte gerecht. Die großen Gebäude drücken eine angemessene Zurückhaltung aus und verzichten auf vordergründige Selbstdarstellung. Ihre — trotz der gescheiterten Olympiabewerbung — erfolgte Realisierung verdanken die Sportstätten dem damaligen Bausenator und seinem Senatsbaudirektor.

Gesamtansicht Schwimmhalle / Velodrom
(Foto: Die Neuen Architektenführer, Stadtwandel Verlag, Berlin).

Das insgesamt 10 Hektar große Sportgelände liegt im Berliner Osten, an der Schnittstelle von drei architektonisch und sozial unterschiedlichen Stadtbezirken. Der kleine, aber bevölkerungsreiche Arbeiterbezirk Friedrichshain, der durch Plattenbauten gekennzeichnete Bezirk Lichtenberg und der derzeitige "Trend"-Wohnbezirk Prenzlauer Berg bilden das Umfeld der Sportstätten. Außerdem befand sich bis 1991 in unmittelbarer Nachbarschaft ein großer Schlachthof, der jahrzehntelang wegen der hygienischen Anforderungen als abgeschlossenes "verbotenes Terrain" die Stadtbezirke voneinander trennte. Einige der Schlachthofhallen blieben als erhaltenswerte Denkmäler ebenso stehen wie zwei Wohnblocks aus der Gründerzeit und die markante Bauruine der "Landsberger Arkaden" des verstorbenen italienischen Architekten Aldo Rossi. Diese heterogene städtebauliche Architektur sollte nicht durch weitere Solitärbauten erhöht werden und war ein weiterer Grund für die Verlegung der Sportanlagen unter einen riesigen grünen Deckel. Mit einer umlaufenden Treppenanlage bilden der Apfelbaumhain und die Sportstätten eine große Parkanlage in einem mit Grünflächen unterversorgten Bezirk.

Auf den Tribünen der Schwimmhalle finden 4200 Zuschauer Platz. Die wie ein Regal aufgebaute Sprunganlage bietet optimale Trainingsmöglichkeiten für das olympische Synchron-Springen (Foto: Keramag).

Erfreulicher Nachlass der Olympia-Bewerbung

Bei der zwischen 1995 und 1999 erfolgten Errichtung der Schwimm- und Sprunghalle waren umfangreiche Tiefbauarbeiten notwendig, um die Baugrube auszuheben und nach und nach wieder verschwinden zu lassen. 900.000 Tonnen Erde wurden per Bahn in Restlöcher des Lausitzer Braunkohletagebaus transportiert.

Im Gegensatz zu den Baumaßnahmen am Potsdamer Platz traten keine Probleme mit dem Grundwasser auf. Die Sohle des Bauwerks liegt knapp einen Meter über dem Grundwasserspiegel. Eine besondere Herausforderung stellte die Ermittlung der Höhenlage des Bauwerkes gegenüber dem Niveau des Parks dar. Es galt, die normierten Raumhöhen internationaler Wettkampfhallen mit dem Niveau der angeschlossenen S-Bahn-Trasse und dem Grundwasserspiegel in Einklang zu bringen. Der Erfolg dieser komplizierten und langwierigen Berechnungen ist messbar: Das Dach der Schwimmsporthalle ragt nur 98 Zentimeter aus der umgebenden Wiese heraus.

Hauptattraktion der mit 40.9211 m3 Bruttorauminhalt großen Schwimmhalle ist die große Profi-Schwimm- und Sprunghalle. Über ihr beeindruckt die völlig stützenfreie, 5000 Tonnen schwere Stahl-Fachwerkträger-Überspannung. Um aufwendige Stützkonstruktionen und Gerüste beim Einbau einzusparen, wurden die bis zu 60 Meter langen Träger am Rande der Baustelle zusammenmontiert und dann über die Baugrube geschoben.

Eine unmittelbar darunter umlaufende Galerie bietet nach innen einen eindrucksvollen Blick in die 13,8 Meter hohe Halle und nach außen auf die Parklandschaft. An der Stirnwand befindet sich eine imposante 10 Meter hohe Sprungturmanlage mit stufenlos verstellbaren Sprungbrettern. Die aus grauem Stahlfachwerk gefertigte Anlage ist einem Regal nachempfunden und bietet durch doppelte Sprung-Plattformen weltweit einzigartige Trainingsmöglichkeiten für die olympische Disziplin des Synchronspringens.

Die große Halle mit einem Fassungsvermögen von 4200 Zuschauern wird durch eine Einschwimm-Halle mit 50-Meter-Bahnen und 15 Meter langem Hubboden ergänzt. Dieser Bereich steht, ebenso wie ein Lehrschwimm-, Plansch- und Therapiebecken, auch den Freizeitschwimmern zur Verfügung. Mit einer Wasserfläche von insgesamt 3391 m2 ist die Anlage das größte Schwimmbad in Europa.

Sanitäranlagen für bis zu 4200 Besucher

In öffentlich zugänglichen Großgebäuden mit großem Besucherandrang kommt der Gestaltung der Sanitärräume besondere Bedeutung zu. Aus Sicht der Besucher steht zeitgemäße Hygiene ganz oben auf der Anforderungsskala. Der Bauherr, die OSB Sportstättenbau Berlin, achtete darüber hinaus auf Komfort, Pflegeleichtigkeit, Robustheit, Funktionalität und eine ansprechende optische Gestaltung.

Die im öffentlichen und gewerblichen Bau eingesetzten Urinale "Aller" erfüllen auch als Reihenanlage die hohen Ansprüche an Hygiene, Pflegeleichtigkeit und Robustheit. Mit einem Wasserverbrauch von nur zwei Liter pro Spülvorgang entlasten sie die Umwelt und die Betriebskosten (Foto: Keramag).

Die Waschräume der Schwimmhalle wurden mit formschönen "Preciosa"-Waschtischen von Keramag ausgestattet (Foto: Keramag).

Den Besuchern der Schwimmhalle stehen insgesamt 46 Wasch- und Toilettenräume zur Verfügung. Eingebaut wurden u.a. "Preciosa"-Waschtische und "Aller"-Urinale des Sanitärausstatters Keramag. Klaus Reisinger von dem installierenden Sanitär-Fachhandwerksbetrieb Stangl aus Deggendorf dazu: "Mit dem Reiheneinbau der Urinale Aller bleiben die Betriebs- und Abwasserkosten im wirtschaftlich gebotenen Rahmen. Das platzsparende Urinal benötigt aufgrund seiner Strömungseigenschaften nur 2 Liter Wasser pro Spülgang."

Die mit einem Einhandmischer ausgestatteten "Preciosa"-Waschtische gelten wegen ihrer klaren Formgebung nicht nur in Fachkreisen als Design-Klassiker. Dies wird auch international anerkannt, wie die Ausstellung eines "Preciosa"-Waschtisches im New Yorker Museum Of Modern Art zeigt.

Hallenleiter Andreas Kath von der Betreibergesellschaft Berliner Bäder Betriebe zieht eine durchweg positive Zwischenbilanz: "Die Sanitäranlagen müssen bei uns sowohl den hohen alltäglichen Belastungen dauerhaft standhalten als auch bei Veranstaltungen große Besucherzahlen bewältigen. Diese Anforderungen erfüllen die installierten Waschtische und Urinale. Außerdem haben wir darauf geachtet, dass die äußere Erscheinung der Schwimmhalle mit der Innenausstattung im Sanitärbereich harmoniert."

Internetinformationen:
http://www.keramag.de


* Velodrom = Radrennbahn