IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 15/16/2002, Seite 18 f


VERBÄNDE AKTUELL 


 Bayern


Bayerisches Handwerk fordert fairen Wettbewerb

Demonstration in München

Am 19. Juli dieses Jahres demonstrierten auf dem Münchner Odeonsplatz 1000 Handwerker mit über 500 Firmenfahrzeugen für die Erhaltung der Arbeitsplätze des bayerischen Handwerks, für Tariftreue am Bau und gegen die anhaltend hohe illegale Beschäftigung.

Unter der Führung der Münchener Innung für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik hatten insgesamt acht Innungen aus verschiedenen Ausbaugewerken (SHK, Ofen- und Luftheizungsbau, Maler, Zimmerer, Elektro, Raumausstatter, Metall, Dachdecker) zu einer Sternfahrt mit anschließender Kundgebung aufgerufen. Während der Sternfahrt war der Verkehr in der gesamten Münchener Innenstadt nahezu zum Erliegen gekommen, was die Breitenwirksamkeit der Aktion eindrucksvoll verstärkte. Einige Teilnehmer, die durch den Fachverband SHK Bayern eingeladen worden waren, hatten selbst weite Anfahrtswege aus dem gesamten Freistaat nicht gescheut. Lautstark unterstrichen wurde der Protest durch die Trillerpfeifen der Demoteilnehmer.

Handwerksrepräsentanten: v.l. Präsident Heinrich Traublinger, OM Peter Mönner und LIM Werner Obermeier.

"Es trifft nicht nur einzelne, es trifft inzwischen viele. Und es trifft letztendlich unsere ganze Region. Denn die kleinen und mittleren Unternehmen sind das Rückgrat der bayerischen Wirtschaft. Sie stellen im Freistaat 77 Prozent der Arbeitsplätze und sogar 85 Prozent der für die Jugend so wichtigen Ausbildungsplätze. Die Pleitewelle, die derzeit über das Land rollt, geht uns ganz schön an die Substanz", so SHK-Obermeister Peter Mönner.

Die zentrale Forderung lautete "Wir wollen einen fairen Wettbewerb". Der Protest richtete sich vor allem gegen die Benachteiligung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Der Kampf um die Tariftreue - die Bezahlung der am Bau Beschäftigten nach Tarif - stand im Mittelpunkt der Anklage. Der Neubau des Fußballstadions für die Bundesligisten FC Bayern und 1860 München wird die Nagelprobe für die von der Politik im Vorfeld einer Bürgerabstimmung über die Realisation der Baumaßnahme abgegebenen Versprechen. "Unmut und Zweifel" wurden seitens der Innungen geäußert, ob das Versprechen von 8000 zusätzlichen Arbeitsplätzen durch den Stadionneubau auch den kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben der Region zugute kommen wird.

Etwa 1000 Teilnehmer demonstrierten in München.

"Ein fairer Wettbewerb" so lautete auch die Forderung von Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Bayern "wir brauchen unbedingt gerechtere Rahmenbedingungen". Einerseits steigen die Kosten am Standort Bayern und die Lohnnebenkosten. Andererseits werden die kleinen und mittleren Betriebe bei der Vergabe von öffentlichen und privaten Großaufträgen nicht angemessen berücksichtigt. Vor allem Großobjekte wie der Münchner Flughafen oder die Messe München belegen dies in beeindruckender und trauriger Weise.

Die Demonstration fand in weiten Teilen Bayerns Beachtung

Die Aufträge beispielsweise beim Flughafen Terminal II, so hatte Obermeister Mönner bereits zuvor festgestellt, sind überwiegend an große Unternehmen gegangen, die osteuropäische Subunternehmer und Kontingentarbeiter beschäftigen. "Ein Installateur aus München verdient - tariflich - rund 15 Euro pro Stunde. Ein sächsischer Betrieb zahlt seinen Leuten - auch laut Tarif - nur 8 Euro 43 Cent. Logisch, dass der Kollege aus dem Osten gerne den weiten Weg zu uns in Kauf nimmt. Unfair nur, dass er unseren qualifizierten Betrieben die Arbeit wegnimmt. Noch billiger arbeiten polnische und tschechische Kontingentarbeiter. Für Stundenlöhne von 4 Euro 32 Cent bis 3 Euro 55 Cent.", so Mönner.

und auch in den Medien wurde erstaunlich umfassend darüber berichtet.

Traublinger forderte "politische Signale für den Mittelstand". "Die Schmerzgrenze ist längst überschritten". Die Politik müsse für eine konsequente Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung sorgen: "Das sind keine Kavaliersdelikte, sie erschüttern das Vertrauen in unseren Rechtsstaat und unterhöhlen die Basis unseres Sozialstaates." Das Handwerk hat es nach seinen Worten satt, die Melkkuh der Nation und der verlängerte Schreibtisch der Bürokratie zu sein. Auch könne es nicht angehen, dass das ohnehin gebeutelte Handwerk von den öffentlichen Auftraggebern als Kreditgeber missbraucht werde.

Sollte sich die Situation der bayerischen Handwerksbetriebe nicht bald bessern, "dann stehen wir im Herbst wieder auf dem Odeonsplatz und kämpfen für einen gerechteren Wettbewerb".

Am Autokorso beteiligten sich Handwerker aus acht Innungen mit ihren 500 Fahrzeugen.

Die Resonanz der Medien - Print, Radio und Fernsehen - auf die Demonstration war insgesamt gesehen äußerst positiv. Selten zuvor hat das Handwerk in Bayern eine derartige Presseaufmerksamkeit erzeugt. Es beweist sich wieder das alte Sprichwort: "Klappern gehört zum Handwerk".

 


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]