IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 15/16/2002, Seite 3


EDITORIAL


Hundstage im Handwerk

Als Hundstage bezeichnet man die Sommerzeit vom 23. Juli bis 23. August, wegen des Sonnenstandes im Sternbild des Großen Hundes. Hundstage sind die unangenehmen und von der Sommerhitze geprägten Tage. Der "Kessel" der SHK-Branche scheint schlecht gewartet und daher zu überhitzen, man hat wohl ein Hundsjahr erwischt. Denkt man an die in diesem Jahr aufgelaufenen Minusrekorde bei vielen Sanitär- und Heizungsherstellern, die Großhandelspleiten, die Insolvenzen der Fachbetriebe, die Stornierung der VDS-Werbekampagne oder den Austritt der Fördermitglieder aus der Kampagne "Solar - na klar!"..., wird einem hundselend.

Entwicklungen, die bereits einige Jahre zurückliegen, greifen nun in die Handlungsfähigkeit von Handwerksunternehmen, aber auch Branchenverbänden ein. War man zu Beginn der 90er-Jahre noch froh, neue Betriebe in die SHK-Handwerksreihen aufzunehmen, so stellt sich heute der Stand von 57.000 Betrieben eher als "Boom-erang" dar. Ein deutliches Überangebot an Betrieben bei einem zweistelligen Auftragsrückgang in der Bauwirtschaft führen zu immer miserableren Marktbedingungen.

Konzepte in den zurückliegenden Jahren waren von Wachstum oder zumindest Stagnation ausgegangen. Heute prägen die Planungen der Unternehmen und Verbände Aussichten nach dem Motto: "Kommt man übern Hund, kommt man übern Schwanz". Die Baukonjunktur lahmt. So ist z.B. im jüngsten Baukonjunkturbericht der Bauindustrie im Wohnungsbau ein Auftragsminus von 13% zu verzeichnen.

Eklatanter Auftragsmangel sowie Margen-Einbruch einhergehend mit Mitarbeiterschwund und deutlichem Ausbildungsrückgang scheinen etliche Betriebe auf den Hund kommen zu lassen. Hier sei nur an die Insolvenzsituation des Verbandes Thüringen erinnert, oder an die Auseinandersetzung der Innung Bremen mit den Stadtwerken sowie aktuell die Reibereien in Kiel. Die Handwerksdemo in Düsseldorf im Jahre 1999 hatte das nordrheinwestfälische Handwerk auf den Plan gerufen, gegen die Konkurrenz aus Stadtwerken und Gemeindebetrieben.

Dass diese Situation auch einmal das vielgelobte Bayern mit seiner in Deutschland noch stabilen Bauwirtschaft erreichen würde, hatte wohl niemand für möglich gehalten. Doch dass auch hier ziemliche Missstimmung herrscht, wurde allen klar, als die Demonstration in München "Fairer Wettbewerb! Bayern braucht sein Handwerk", bundesweit von sich reden machte (lesen Sie dazu unter Verbände Aktuell "Demonstration in München", Seite 18f).

Die Globalisierung hat wohl auch andere Aspekte als Vollversorgung, Billigprodukte und grenzenloses Reisen sowie Aktienschiebereien, oder weshalb wehren sich die Handwerker in Deutschlands Süden gegen unfairen Wettbewerb. Metropolen-Löhne können eben nicht gegen Billiglöhne aus Tschechien und Polen mithalten. Großen Frust haben die Bayern aber auch wegen der Vergabepraxis öffentlicher Aufträge. Wie sagte vor kurzem Landesinnungsmeister Werner Obermeier: "Wenn Sie auf einer Großbaustelle in München die bayerische Sprache hören wollen, sind Sie geleimt. Tschechisch, Russisch, Polnisch und Portugiesisch sind die Sprachen auf dem Bau."

Es geht im regionalen Interesse nicht mehr "den Hund (Vergabeverfahren) an der langen Leine zu führen", das Handwerk zeigt Flagge und positioniert sich gegenüber der Politik. Und das mit Recht, denn allein auf das bayerische Handwerk bezogen sprechen die Zahlen für sich: größter Arbeitgeber mit 999.000 Beschäftigten, dazu 99.744 Ausbildungsplätze.

Gerade den Münchenern steht weiteres Ungemach ins Haus. Vielleicht als Antwort, kam vier Tage nach der Kundgebung die Meldung der Stadt "München ist pleite". Oberbürgermeister Ude wies darauf hin, dass nun der Mangelhaushalt regiere und nur noch Zahlungen erfolgten, zu der die Stadt gesetzlich verpflichtet sei. Und dazu zählen sicherlich nicht die offen stehenden Rechnungen der Handwerker.

Vom anstehenden Stadionneubau in Fröttmaning erwartet das bayerische Handwerk eine spürbare Konjunkturbelebung. So wurde in Gutachten zum Stadionneubau eine zusätzliche stolze Zahl an Arbeitsplätzen genannt. Auch dafür stehen die aktuellen Forderungen der bayerischen Innungen und des Verbandes nach "Tariftreue", "Arbeitsplatzsicherheit" und nach "Beendigung illegaler Beschäftigung". Kann man nur hoffen, dass die gezielte Lobbyarbeit für alle Früchte trägt und bei ausbleibenden Effekten nicht "der Hund in der Pfanne verrückt wird".

Volkmar Runte
stellv. Chefredakteur
IKZ-HAUSTECHNIK


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