IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/2002, Seite 44 ff.


PRAXIS


Sicherer Halt

Dübelauswahl für Standard- und Problemuntergründe

Alfons Güss*

Jeder Sanitärinstallateur und jeder Heizungsbauer hat fast täglich etwas an Wänden und Decken zu befestigen. Seien es nun Heizungs- oder Wasserrohre, Waschtische, Handtuchhalter oder Gasgeräte und Gasleitungen. Dabei hat er es mit unterschiedlichsten Verankerungsgründen zu tun. Im Neubau trifft er oft auf Beton, beim Dachausbau und in der Altbausanierung sind es Wände aus Wandbauplatten (Rigips). Mit welchem Baustoff er es auch zu tun hat: Es stellt sich die Frage nach dem richtigen Dübel.

Kein Dübel kann höhere Lasten aufnehmen, als das Mauerwerk, in dem er verankert wird. Trotzdem kommt dem Dübel eine entscheidende Bedeutung zu, denn er überträgt und fixiert die Last des Werkstücks (z.B. Waschtisch, Lufterhitzer) auf die Wand/Decke. Das Haltevermögen eines Dübels kann also nicht zwingend auf alle Baustoffe übertragen werden. Ein Dübel für Massivwände ist für Gipskarton ungeeignet, da hier seine Lastaufnahme bereits bei mehr als 7 Kilogramm versagt. Ebenso ist ein spezieller Gipskartondübel für Porenbeton (Gasbeton) völlig ungeeignet, da er darin sein Wirkungsprinzip nicht entfalten kann.

Bild 1: Ein Allzweckdübel erreicht in Gitter- und Lochziegeln durch seine dreigeteilte Spreizung hervorragende Haltewerte. Er ist aber auch in Beton- oder Vollmauerwerken einsetzbar - dies kennzeichnet seinen "Allzweckcharakter". Spezielle Ausführungen sind auch in Wandbauplatten (Rigips) einsetzbar.

Im täglichen Umgang mit anzubringenden Lasten muss daher zuerst die Art und Tragfähigkeit des Verankerungsgrunds geprüft werden. Darüber hinaus kommt es auf die Größe und Art der Belastung (das zu montierende Werkstück) an. Erst danach kann je nach Wirkungsprinzip des Dübels eine Auswahl an Befestigungsprodukten vorgenommen werden.

Grundsätzlich sind Fliesen, Putz sowie Mörtelfugen kein geeigneter Verankerungsgrund. Die Stärke (Dicke) dieser Stoffe sind bei der Bestimmung der Dübellänge zu berücksichtigen, damit sie überbrückt werden. So ist gewährleistet, dass die erforderliche Verankerungstiefe eines Dübels im eigentlichen Mauerwerk eingehalten und die maximale Lastaufnahme erzielt wird.

Befestigung in Loch- und Hohlkammersteinen

Für Lochsteine und Hohlkammersteine (auch Hohlblocksteine genannt) eignen sich Allzweckdübel. Je nach Lage der Stege im Stein spreizt er sich (Bild 1) oder er verknotet sich beim Anziehen der Schraube. Bei dickwandigen Hohlkammersteinen sollte vorzugsweise hinter dem äußeren Steg verankert werden. Hierzu eignet sich ebenfalls ein Allzweckdübel.

Ein wichtiger Faktor für die Haltewerte in Lochsteinen ist das Bohrverfahren. Es sollte grundsätzlich im so genannten "Drehgang" (ohne Schlag- bzw. Hammerwerk) gebohrt werden. So wird vermieden, dass die Bohrung zu groß wird bzw. die Baustoffstege ausbrechen. Zu groß geratene Bohrlöcher lassen den Dübel gegebenenfalls beim Eindrehen der Schraube mitdrehen, wodurch keine bzw. kaum Haltewerte erreicht werden.

Auch die Schraubenlänge muss bei Montagearbeiten am Lochkammerstein mit Sorgfalt gewählt werden, um das Verknoten bei Allzweckdübeln und damit den sicheren Halt zu gewährleisten:

Dübellänge
+ Durchm. d. Schraube
+ eventuell nicht tragender Putz (oder Fliesen)
+ Anbauteil
= Schraubenlänge

Bild 2: Der Super-Allzweck-Federspiraldübel: Er verknotet sich auf der Rückseite von Trocken- und Wandbauplatten sowie in Loch- und Hohlkammersteine. Darüber hinaus ist er nicht nur für alle gängigen Wandbaustoffe geeignet, sondern auch für die meisten Schraubenarten (Spanplatten-, Holz-, Mehrbau-, Universal- und Dübelschrauben). In der Langversion ist er auch für Porenbeton (Gasbeton) geeignet.

Allzweckdübel sind in diesen Mauerwerken den (zweigeteilten) Standard-Spreizdübeln generell vorzuziehen. Sollte dennoch ein Spreizdübel verwendet werden, muss seine Länge entsprechend so gewählt werden, dass die Verankerungstiefe (seine Spreizung) in mindestens 2 Stegen gegeben ist.

Bild 3: Der Metall-Hohlraumdübel nimmt hohe Lasten auf. Das Setzen des Dübels erfolgt durch einen Schraubendreher oder mit einem Akku-Schrauber in niedriger Umdrehung. Er kann auch mittels einer speziell dafür vorgesehenen Montagezange gesetzt werden.

Befestigung in Platten und Wandtafeln

Gipskartonplatten sind dünnwandige Baustoffe und haben meist eine geringe Festigkeit (Gipskern). Sie werden entweder direkt auf eine Wand gebracht, als Vorsatzschalung auf Lattung (zum Ausgleich unebener Mauerwerke in der Altbausanierung) oder im Ständerwerk verarbeitet. Für alle gängigen Standardbefestigungen empfehlen sich drei Dübelarten: Allzweckdübel, spezielle Metall-Hohlraumdübel und Gipskartondübel (für leichte Befestigungen). Während sich die Allzweckdübel auf der Rückseite der Bauplatte verknoten, verankern (Hintergreifen) sich die Metall-Hohlraumdübel direkt an der Plattenrückseite im Hohlraum und erreichen gegenüber den Allzweckdübeln bis zu 40% höhere Haltewerte (Bilder 2, 3 und 4).

Bild 4: Federklappdübel zählen zu den Metall-Hohlraumdübeln. Sie lassen sich nicht nur wie hier in Decken einsetzen, sondern auch in doppelbeplankten Wänden für schwerere Lasten (z.B. Urinal).

Für die Befestigung an Decken sollten grundsätzlich Metall-Hohlraumverbindungen gewählt werden. Diese haben neben den höheren Haltewerten auch noch den Vorteil, dass nach Herausdrehen der Schraube der Dübel seinen festen Halt in der Platte beibehält und jederzeit das Werkstück sicher wieder aufnehmen kann. In einigen Landesbauordnungen sind zudem Metallverbindungen im Deckenbereich vorgeschrieben (z.B. Schulen, Kindergärten, Ladeneinrichtungen etc.). In Bereichen, in denen Brandschutzbestimmungen (F30, F60, F90) berührt werden, müssen generell dafür geeignete Metallverbindungen verwendet werden.


Zum Unterschied zwischen Spreiz- und Allzweckdübel

(Zweigeteilte) Kunststoffspreizdübel erzielen ihre hohen Haltewerte durch Anpresskräfte (Spreizung) in festen Mauerwerken (Beton und Vollmauerwerke). Da sie auf eine hohe Verdichtung des Wandbaustoffs angewiesen sind, sind deren Einsatzfähigkeit auch nur darauf beschränkt. Kunststoff-Allzweckdübel sind nicht nur in Beton und Vollmauerwerken einsetzbar, sondern auch in Loch- und Hohlkammersteinen sowie in allen bekannten Wandbauplatten (Gipskarton, Gipsfaser, Sperrholz). Die Dübelkonstruktion (Verknotung) macht dies möglich.


Internetinformationen:
http://www.tox.de


B i l d e r :   TOX-Dübel-Werk, Bodmann-Ludwigshafen


*) Alfons Güss, Technischer Berater der Fa. TOX-Dübel-Werk, Bodmann-Ludwigshafen