IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 5/2002, Seite 48 ff


REPORT


Doppelspitze: Dr. Johannes Haupt (links) und Wolfgang Göck halten seit dem 1. Januar 2002 bei Duscholux Deutschland gemeinsam die Fäden in der Hand.

Duscholux Deutschland

Management will Tempo machen

Über Analysen, Strukturen, Konsequenzen und Schwerpunkte der "neuen Offensive" informierte die neu formierte Duscholux-Doppelspitze die Fachpresse Anfang Januar. Aktueller Anlass: die ab 1. Januar 2002 wirksame Ressortverteilung innerhalb der Geschäftsführung der D+S Sanitärprodukte GmbH.

Im Gewinner-Ranking 2002 der Sanitärindustrie will Duscholux Deutschland eine führende Rolle spielen. "Wir haben das magere 2001 abgehakt und die Weichen für eine positive Firmenkonjunktur gestellt", fasst das wieder mit einer "Doppel-Spitze" besetzte Management des Badausstatters den Weg zum Erreichen des erklärten Nahziels zusammen.

Wie gemeldet, wird das Unternehmen gemeinsam von Dr. Johannes Haupt und Wolfgang Göck geleitet. Beide sehen in der "ausgewogenen Aufgabenverantwortung" eine wichtige personelle, organisatorische und inhaltliche Erfolgsbasis der künftigen Duscholux-Entwicklung. So gehören die Strategie-, Budget- und Erfolgsplanung, das Handelsmarkenmanagement sowie Key-Account-Funktionen zu den Ressort übergreifenden Bereichen der Gesamt-Geschäftsführung.

Dr. Haupt selbst ist u.a. - auch in seiner Eigenschaft als Generalbevollmächtigter des Verwaltungsrates der Duscholux Holding AG mit Sitz im schweizerischen Thun - für Koordination und Reporting innerhalb der internationalen Firmengruppe zuständig. In Deutschland übernimmt er ferner die Ressorts Controlling/Finanz- und Rechnungswesen/IT sowie E-Business. Gleiches gilt für die Kooperation zwischen Vertrieb und Produktion sowie die Vertriebsleitung. Unterstützt wird er dabei von Ingo Traskalik, der ab dem 1. April 2002 die Gesamtvertriebsleitung übernimmt.

Zu den Geschäftsfeldern von Göck zählt die komplette Marketingleitung, die sich z.B. auf die Fachgebiete Information/PR, Werbung/Verkaufsförderung und Schulung/Weiterbildung erstreckt. Außerdem sind ihm im Inland der Kundendienst, die Logistik und das Qualitätsmanagement zugeordnet.

Das bekannt starke Branchenengagement des Markenproduzenten werde ebenfalls "paritätisch auf beide Schultern" verteilt. Dr. Haupt ist etwa im IndustrieForum Sanitär (IFS), als Vorsitzender des IT-Ausschusses der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und als Vorstandsmitglied der ARGE Neue Medien der deutschen SHK-Industrie aktiv. Göck wiederum führt u. a. den Arbeitskreis Duschabtrennungen (ADA) als Vorsitzender und in gleicher Funktion den PR-Ausschuss der VDS. Außerdem vertritt er die Duscholux-Farben im Arbeitskreis Badewannen (abw). Das gemeinsame Management-Motto: "Als Tandem Tempo machen und dadurch schneller ans Ziel kommen."

Keine Export-Kompensation

In seinem Rückblick auf 2001 räumt Göck ein, dass es "für uns mehr Schatten als Licht gab". Per Saldo stehe bei D+S Sanitärprodukte insgesamt ein Umsatzminus im "knapp zweistelligen Bereich" zu Buche. Bei einem Vergleich mit anderen Industriezahlen sei aber zunächst zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Duscholux-Wert ausschließlich um eine "deutsche Bilanz" handele. Häufig werde übersehen, dass publizitätspflichtige Hersteller nur deshalb relativ gut abschnitten, weil sie ihre ebenfalls mehr oder minder kräftigen Inlandseinbußen 2001 durch einen wachsenden Export "kaschieren" konnten. Bei der dezentral strukturierten Duscholux-Gruppe seien dagegen die einzelnen Ländergesellschaften eigenständig, sodass deren meist nach wie vor "gute bis sehr gute Entwicklung" als "Kompensationsfaktor" fehle.

Auch die deutsche Duscholux-Bilanz bedarf einer differenzierten Betrachtung, betont Göck. So gebe es im abgelaufenen Jahr im Acrylsektor, der mit einem Umsatzanteil von rund 30% die zweite tragende Säule des Geschäftes sei, keine unternehmensspezifische Sonderkonjunktur. Vielmehr lägen die Schriesheimer hier im Rahmen des abw-Durchschnitts.

Prioritäten und ein ernstes Problem

Von einer "anderen Situation" spricht Göck dagegen bei Duschabtrennungen. Nehme man die bisher verfügbaren ADA-Zahlen als Orientierungspunkt, befinde sich Duscholux eher am unteren Ende der Skala. Die Ursachen dafür seien vielfältiger Natur und zum Teil, wie es offen heißt, "von uns selbst zu vertreten". Schwächen in der jüngeren Vergangenheit etwa bei Produkteinführung oder EDV-Umstellung seien zwar inzwischen de facto beseitigt, hätten jedoch die Geduld der Vertriebspartner mitunter "offenbar überstrapaziert". Das mache sich selbst dort bemerkbar, wo es objektiv keine Kritikpunkte gebe. Die Konsequenz: "Zuverlässigkeit, Betreuungsintensität und Serviceorientierung stehen ganz oben auf unserer Prioritätenliste, um angeknackstes bzw. verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen."


Es tut sich was bei Duscholux

Bei Duscholux in Schriesheim scheint ein neues Zeitalter angebrochen zu sein. Diesen Eindruck vermittelten die Geschäftsführer Dr. Johannes Haupt und Wolfgang Göck in der Pressekonferenz am 9. Januar. Exclusiv für die Leser der IKZ-HAUSTECHNIK erläuterte Wolfgang Göck die Hintergründe.

IKZ-HAUSTECHNIK: Offenbar haben Sie bei Duscholux nicht nur die Geschäftsführungsebene neu geordnet. Verstehe ich die Erklärungen richtig, dass Sie auch im Bereich Forschung und Entwicklung, Service und Kundendienst Veränderungen vornehmen wollen?

Göck: Mit diesen Themen haben Sie den Finger in die Wunde gelegt. Wenn man über Strategien spricht, muss man mit den Basics anfangen. Genau das geschieht bei Duscholux. Neben dem Qualitätsmanagement, zu dem auch der Service und der Kundendienst gehören, wurde bereits im vergangenen Jahr entschieden, den Bereich Forschung und Entwicklung in Deutschland zu etablieren. Einer meiner Kollegen hat europaweit die Koordination und die Verantwortung für diesen Bereich übernommen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Zu den Basics zählen sicher auch die Produktion und das Produktmanagement....

Göck: Hand in Hand mit dem Qualitätsmanagement arbeiten wir intensiv an allen Fragestellungen rund um Produktion, Vertrieb und Kundenbetreuung. Das Produktmanagement wurde personell verstärkt. Das gilt speziell für den Bereich Sicherheitsglas, den wir bisher etwas stiefmütterlich behandelt haben. Sicher schaffen wir es nicht, alle Problembereiche innerhalb weniger Tage zu lösen. Duscholux wird daher vorübergehend "etwas leiser" agieren, bis die Problemfelder beseitigt sind.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wird man in der Art und Weise der Kundenbetreuung etwas ändern?

Göck: Bisher war die Kundenbetreuung auf die personell unterschiedlich besetzten Bereiche Kundendienst, Technischer Verkäufer, Gebietsleiter und Aufmaß- und Montageservice verteilt. Also für die Kunden im Extremfall vier verschiedene Ansprechpartner im Hause Duscholux . Wir arbeiten intensiv an einem Verschmelzungsprozess, obwohl sicher jeder Mitarbeiter auch bisher seine ganze Kraft in die Kundenbetreuung investiert hat. Leider ist dabei das erforderliche vernetzte Denken etwas verloren gegangen. Hier wollen wir eine größere Verdichtung mit dem Ziel der optimalen Kundenbetreuung herbeiführen.

IKZ-HAUSTECHNIK: Sie nannten in der heutigen Pressekonferenz Ingo Traskalik als neuen Gesamtvertriebsleiter. Liegt die beschriebene Aufgabenstellung in seinem Kompetenzbereich?

Göck: Ingo Traskalik wird vorrangig die Großkunden betreuen und die Vertriebsleiter und deren Mitarbeiter coachen. Wir benötigen im Vertrieb auf allen Ebenen eine wesentlich verbesserte Vorgehensweise.

IKZ-HAUSTECHNIK: Ingo Traskalik wechselt aus einem ausgedehnteren Kompetenzbereich bei seinem bisherigen Arbeitgeber als Gesamtvertriebsleiter zu Duscholux. Sind seine zukünftigen Aufgaben weitreichender?

Göck: Das kann man so sehen.


Das bisher von Duscholux nicht bediente, in rezessiven Perioden vom Großhandel aber besonders forcierte Handelsserien-Segment sowie die wachsende Direktbezugs-Mentalität im Fachhandwerk nennt Göck als weitere wichtige Ursachen der "unerfreulichen Vorjahres-Tendenz". Gerade das zweite Phänomen habe die "Peanuts- und Kavaliersdelikt-Phase" längst hinter sich. Es sei stattdessen speziell im Duschabtrennungs-Segment schon in materieller Hinsicht ein ernstes Problem. Denn: ADA-Untersuchungen zufolge liefen inzwischen jährlich über 40 Mio. Euro auf der direkten Schiene Hersteller/Fachhandwerk. Solidarität kann keine Einbahnstraße sein, mahnt deshalb Göck. Gleichzeitig weiß er aber auch: "Wir müssen viel offensiver informieren und konkrete Nutzenpakete vermitteln, damit u. a. die Abweichler Duscholux wieder als Marke Nr. 1 erleben."

Als zentrale Kompetenzfelder auf der Sortimentsebene definiert Dr. Haupt primär: den gesamten Kleinbad-Sektor mit dem "Piccolo-Alleinstellungsanspruch" der umfassendsten Angebotspalette; innovative Raumkonzepte wie das "Fantastic"-Programm; den in Deutschland im Hinblick auf die tatsächliche Marktdurchdringung nach wie vor nur "angekratzten", von Duscholux komplett abgedeckten Fitness-/Wellnessbereich sowie das Gebiet der rahmenreduzierten bzw. -losen Echtglas-Duschwände mit den Serien "Magic Top" und "Collection". Schon an diesen Beispielen werde deutlich, dass es bei der konsequenten "Anti-Billig-Linie" des Badausstatters bleibe. Denn: Sie seien ausschließlich in den mittleren und oberen Marktsegmenten angesiedelt.

Gleiches treffe auch für den Zukunftsmarkt "Barrierefreie Bäder" zu, dessen Potenzial im Übrigen bislang "viel zu eng definiert wird". Die immer noch weit verbreitete Assoziation des Begriffes mit "rein funktionaler und unästhetischer Krankenhausatmosphäre" ist, so Dr. Haupt, fehl am Platze. Die Duscholux-Konzeption ziele deshalb letztlich auf die gesamte "50plus-Generation", die - wie zahlreiche Studien belegten - nicht nur quantitativ permanent wachse, sondern auch so kaufkräftig, qualitäts- und markenbewusst, komfort- und zugleich sicherheitsorientiert sei wie keine andere Zielgruppe. Das neue, zur "SHK Essen" erstmals präsentierte Duschwand-Programm "BellaVita" entspreche diesen Kriterien und markiere damit den "professionellen Einstieg" in ein weiteres Kompetenzfeld.

"Nein" zu Billig-Klassen

Strategisches Neuland betrete man darüber hinaus bei großhandels-spezifischen Eigenserien. Obwohl Duscholux ein konsequenter Markenverfechter bleibe, sei die Tatsache nicht zu ignorieren, dass sich die Handelsprodukte als feste und tendenziell eher zunehmende Marktgröße bei den Ausstattungssortimenten vor der Wand etabliert hätten. Hinzu kommt, konstatiert Dr. Haupt, dass die Lieferanten von Hausmodellen auch Zugang zum klassischen Markengeschäft erhalten. Daher gebiete es die unternehmerische Verantwortung für Duscholux, sich künftig in begrenztem Umfang für diese Produktkategorie zu öffnen. "Aber nicht um jeden Preis, denn die Billig-Klassen sind für uns tabu", schränkt das Management ein.

Und die Hoffnung auf zusätzlichen Rückenwind durch eine 2002 in Deutschland wieder anziehende Badkonjunktur? Sie spielt in der Kalkulation der Duscholux-Chefs im Unterschied zur eigenen Kräftemobilisierung keine entscheidende Rolle. Trotzdem glauben sie eher an eine langsame Nachfragebelebung. Das schon deshalb, "weil es in der Sanitärbranche genug Schwarzmaler gibt". 


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