IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 5/2002, Seite 34 f.


REPORT


In der Bornaischen Straße in Leipzig entstand kürzlich das erste behindertengerecht ausgestattete Studentenwohnheim des Leipziger Studentenwerks.

Wohnen ohne Barrieren

Studentenwerk Leipzig baut behindertengerechtes Studentenwohnhaus

Mit einem neuen Konzept will das Studentenwerk Leipzig - als öffentlich rechtliche Landesanstalt zuständig für die Unterbringung und Verpflegung von rund 32.000 Studenten - der steigenden Konkurrenz durch die privaten Wohnungsbaugesellschaften begegnen. Weg von den Mehrbettzimmern hin zum Einzelquartier, so lautete in der Vergangenheit die Zielsetzung. Das neueste Projekt geht sogar noch einen Schritt weiter: der Bau eines behindertengerechten Studentenwohnheims.

Aus der Ferne präsentiert er sich eher unscheinbar, der Bungalow in der Bornaischen Straße 138 in Leipzig. Und auch innen fällt nicht jedem sofort auf, was dieses Gebäude von vielen anderen unterscheidet. Erst wenn der Blick auf die deutlich tiefer sitzenden Lichtschalter und Türdrücker, auf die breiten Türen, den ebenerdigen Eingangsbereich oder den Waschtisch im Bad fällt, wird deutlich: Die gesamte untere Etage ist behindertengerecht ausgestattet. "Insgesamt sechs Wohnungen stehen hier seit kurzem für geh- oder sehbehinderte Studenten zur Verfügung. Dazu gibt es noch Zimmer für Betreuer, ebenfalls Studenten, die sich der Sache ehrenamtlich annehmen", erklärt Günter Schneider, im Studentenwerk zuständig für die Abteilung Technik, gegenüber IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteur Markus Sironi. Bedarf sei durchaus vorhanden, angesichts der steigenden Zahl geh- oder sehbehinderter Studenten an der Universität Leipzig, meint der Sanitärmeister. "Deshalb haben wir bereits vor fünf Jahren angefangen, die ohnehin zu sanierenden Gebäude behindertengerecht auszustatten. Zugegeben, im Verhältnis zu den insgesamt mehr als 5000 Studentenwohnhausplätzen erscheint die bis jetzt erreichte Anzahl behindertengerechter Quartiere als Wassertropfen auf den heißen Stein", so Schneider. Doch seien weitere Objekte bereits in Planung.

In den behindertengerecht ausgestatteten Bädern sorgt die Armaturenserie Oras Vega-Combidetta mit seitlicher Handbrause für mehr Bewegungsfreiheit. Besonderer Clou: Bei geschlossener Armatur ist der 1,65 m lange Brauseschlauch drucklos. "Wasserschäden sind somit ausgeschlossen", versichert Oras-Außendienstmitarbeiter Dieter Trautwein.

Umgestaltung aus wirtschaftlichen Zwängen heraus

Die Sanierung und Umgestaltung der Gebäude des Leipziger Studentenwerks folgt nicht nur technischen Zwängen, vielmehr erfordert es die wirtschaftliche Lage, den Studenten komfortable Wohn- und Clubräume zur Verfügung zu stellen. Denn angesichts der angespannten Situation auf dem freien Wohnungsmarkt mit Leerständen von bis zu 20 Prozent wächst der Druck durch die privaten Wohnungsunternehmen ständig. "Will man konkurrenzfähig bleiben, so muss den gestiegenen Ansprüchen der Studenten Rechnung getragen werden", konstatiert Schneider.

WC- und Duschbereich.

In dem Studentenheim in der Bornaischen Straße hat sich die Umsetzung des neuen Konzeptes bereits vollzogen. Internet- und Telefonanschluss gehören hier ebenso zum Standard wie eine moderne Einbauküche. Besonderen Wert wurde auf die Gestaltung der Sanitärräume gelegt, schließlich sollen auch Rollstuhlfahrer sich darin ohne fremde Hilfe bewegen können. Ein großzügig bemessener Duschbereich mit Rollstuhlabstellplatz gehört daher ebenso zum Konzept wie das auf 48 cm Sitzhöhe angebrachte WC oder der Waschtisch mit UP-Flachsifon. Bei der Auswahl der Armaturen gab es ebenfalls wesentliche Vorgaben: sie sollten dauerhaft leicht zu bedienen sein und über einen Verbrühungsschutz verfügen, außerdem sollten sie durchgängig mit Durchflussbegrenzern ausgestattet sein.

Praktisch und doch formschön: der Einhebelmischer mit langem Bedienhebel, Durchflussbegrenzer sowie integriertem Verbrühungsschutz.

Entschieden haben sich die Verantwortlichen letztlich für die Produkte des Armaturenherstellers Oras, wohl nicht zuletzt deshalb, weil man bislang nur gute Erfahrungen damit gemacht habe, wie Schneider betonte. "In früheren Zeiten hatten wir beispielsweise immer wieder Ärger mit tropfenden Wasserhähnen aufgrund des kalkhaltigen Wassers hier in Leipzig. Seitdem wir die mit einem keramischen Dichtungssystem ausgestatteten Oras-Armaturen einsetzen, gehören derartige Probleme der Vergangenheit an." Dass es nach Jahren hier und da durchaus einmal zu einer Funktionsstörung an den Armaturen kommt, will der Techniker gar nicht verleugnen. Doch für solche Fälle gäbe es schließlich den technischen Kundendienst, und auf den hätte man sich in der Vergangenheit stets verlassen können. Dieter Trautwein vom Halleschen Vertriebsbüro des Armaturenherstellers sieht gerade im Bereich des barrierefreien Bauens einen großen Vorteil für Oras: "Grundsätzlich können wir jede unserer Armaturen behindertengerecht umrüsten. Ob Einhebelmischer oder Badethermostat, für jeden Typ gibt es unterschiedliche Bedienhebel oder Ausläufe. So kann aus einer vorhandenen Standardarmatur ohne großen Aufwand eine behindertengerechte Ausführung geschaffen werden. Natürlich ist auch der umgekehrte Weg möglich."

Bislang gibt es in dem in Niedrigenergiebauweise erstellten Gebäude noch freie Quartiere, doch die positive Resonanz von Seiten der Studenten lässt erwarten, dass es auf lange Sicht in diesem Gebäude keinen Leerstand geben wird.

Grundriss Bad und Gäste-WC, ausgestattet nach DIN 18025 (Zeichnung:Ingenieurbüro Hoffmann & Hofmann GmbH, Leipzig).

 

@ Internetinformationen:
www.oras.com
www.myshk.com
www.studentenwerk-leipzig.de


B i l d e r :   IKZ-HAUSTECHNIK, Arnsberg