IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 1/2/2002, Seite 36 f


REPORT


Kupferbranche tagt in Wiesbaden

Nach fast vierjähriger Pause hatte die Initiative Kupfer am 9. November 2001 wieder zu einem Informationsseminar eingeladen. Rund 130 Fachleute aus Handwerk, Handel und Industrie kamen ins Wiesbadener Dorint-Hotel, um sich über aktuelle Verordnungen und Regelwerke sowie Installationstechniken in Trink- und Regenwasseranlagen aus dem Werkstoff Kupfer zu informieren. Die Redaktion der IKZ-HAUSTECHNIK war vor Ort und hat die Erkenntnisse dieser Veranstaltung einmal zusammengefasst.

Einen besonderen Höhepunkt erfuhr der Wiesbadener Kupfertag durch den Gastvortrag von Dr. Ulf Merbold (links), den dreimaligen Weltraumfahrer. Seine Ausführungen zu den Erlebnissen und Gefühlen vor und während der Weltraumflüge begeisterten viele derart, dass sie noch auf dem abschließenden Weinfest ausgiebig darüber diskutierten.

"Nach wie vor ist Kupfer das am häufigsten verwendete Rohrmaterial in Deutschland und Europa. Rund 50 Prozent aller Trinkwasserinstallationen in der Bundesrepublik werden damit ausgeführt, in Frankreich sind es sogar nahezu 70 Prozent. Diese positive Entwicklung wird sich auch durch die novellierte Trinkwasserverordnung, die zum 1. Januar 2003 in Kraft tritt, nicht ändern", sind sich die in der Initiative Kupfer zusammengeschlossenen Rohr- und Fittinghersteller einig. Die Referenten erläuterten, dass die Umschreibung des bisherigen Richtwertes für Kupfer im Trinkwasser von bisher 3 mg/l nach 12 Stunden Stagnation auf zukünftig 2 mg/l im Wochenmittel und als Grenzwert praktisch keine Auswirkungen auf den Einsatz dieses traditionellen Rohrwerkstoffes haben wird. Dies hätten vergleichende Untersuchungen ergeben. Schließlich seien es in den seltensten Fällen die Kupferwerte, die in Trinkwasserinstallationen zu Problemen führen. "Nach einer bereits im Jahre 1997 vom Umweltbundesamt veröffentlichten Untersuchung in rund 4000 Haushalten gab es bei der so genannten Stagnationsprobe nur in 0,6 Prozent aller beprobten Haushalte eine Richtwertüberschreitung. Dagegen wurde der Grenzwert für Blei in 2,2 Prozent aller Haushalte überschritten, der Richtwert für Eisen sogar in 23,5 Prozent aller untersuchten Installationen", berichtete Dr. Gerhard Schüz von der Initiative Kupfer.

Die Referenten anlässlich des Wiesbadener Kupfertages: (v.l.) Dr. Peter Arens (Deutsches Kupferinstitut), Thomas Klümper (DVGW), Dr. Achim Baukloh (Vorsitzender der Initiative Kupfer), Dr. Gerhard Schüz (Wieland Werke), Heinrich Rausch (KME), Uwe Tomaschek (Deutsches Kupferinstitut).

"Grundsätzlich", erklärte Dr. Peter Arens vom Deutschen Kupferinstitut, "beeinflusst jede Installation bei Stagnation die Wasserqualität, unabhängig ob metallener oder nicht metallener Rohrwerkstoff". Die Ursache dafür liege in den allgemeinen Eigenschaften von Wasser, welches immer geringe Mengen von Bestandteilen aus der Rohrwand löse. "Je länger ein Wasser steht, desto mehr Bestandteile können sich im Rohrsystem aufkonzentrieren". Im Hinblick auf die hohen Anforderungen an das Lebensmittel Trinkwasser müsse einer stagnationsarmen Installation daher mehr Bedeutung beigemessen werden als bisher. "Überdimensionierte Leitungsnetze, wenig durchströmte Endstränge oder vorsorglich verlegte Versorgungsleitungen sind zu vermeiden", erklärte Heinrich Rausch von der Initiative Kupfer die zukünftige Richtung in Sachen moderne Installationstechnik. Diese Empfehlungen gelten natürlich für alle Installationen unabhängig vom eingesetzten Werkstoff.

Mit rund 130 Teilnehmern war das Informationsseminar der Initiative Kupfer gut besucht.

Apropos Werkstoff: Auch hier wird, bzw. hat es Veränderungen gegeben. Nachdem die neue DIN 50930-6* (Korrosion der Metalle...) im August 2001 im Weißdruck erschienen ist, muss die Rohrauswahl in Trinkwasseranlagen nun nach neuen Parametern erfolgen: Für den Werkstoff Kupfer gilt, dass er in allen Wässern eingesetzt werden kann, deren ph-Wert höher als 7,4 liegt. Bei ph-Werten von 7,0-7,4 kann der Werkstoff eingesetzt werden, wenn der TOC-Wert - das Maß für den organischen Kohlenstoff im Wasser - nicht höher ist als 1,5 mg/l.

Auswirkungen auf die Praxis seien indes nicht zu erwarten, auch in Zukunft wird der Einsatz von Kupferrohren für die Trinkwasserinstallation in über 90 Prozent aller Gebiete in der Bundesrepublik möglich sein. Für kritische Regionen stehe mit dem innenverzinnten Kupferrohrsystem Copatin überdies eine in allen Wässern einsetzbare Installationsalternative zur Verfügung, sodass auch in diesen Bereichen nicht auf den Werkstoff Kupfer verzichtet werden muss.

Die in der DIN 50930-6 aufgeführten Parameter gelten übrigens nicht für Regenwasseranlagen, stellte Uwe Tomaschek vom Deutschen Kupferinstitut klar und verwies auf zahlreiche Praxisversuche**, die den unbedenklichen Einsatz von Kupferrohren in Regenwasseranlagen bestätigten. "In keinem Fall hat es - auch nach jahrelangem Betrieb - einen Korrosionsschaden am Rohr gegeben."


Fachinformation: "Metallene Werkstoffe in der Trinkwasser-Installation"

In dieser in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima und dem Deutschen Kupferinstitut erstellten Fachinformation sind die wesentlichsten Kriterien für die Auswahl metallener Werkstoffe in der Trinkwasserinstallation aufgeführt. Sie ist in Einzelexemplaren kostenlos zu beziehen.

Deutsches Kupferinstitut e.V., Am Bonneshof 5, 40474 Düsseldorf, Tel: 0211/4796300, Fax 0211/4796310, E-Mail: info@kupferinstitut.de


**) Siehe Beitrag "Kupfer in Regenwassernutzungsanlagen" in Heft 8/01, Seite 38 ff.