IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 19/2001, Seite 24 f


SANITÄRTECHNIK


UV-Licht gegen Legionellen

Sicherer Betrieb von Klima- und Warmwasseranlagen

In den vergangenen Wochen ließen Agenturberichte aufhorchen, die wiederholt über Legionellen-Epidemien oder zumindest Verdachtsfälle berichteten. So im spanischen Murcia, wo sich insgesamt etwa 800 Personen mit der Legionärskrankheit infizierten und mehrere Todesfälle zu beklagen waren. Und das, obwohl der eigentliche Infektionsherd, der in Raumluftbefeuchtern einer Klimaanlage ermittelt wurde, schnell als beseitigt galt.

Wie deutsche Agenturmeldungen belegen, ist die Gefahr einer Infektion nicht nur auf südliche Länder und deren Klimaanlagen beschränkt. In Deutschland erkranken nach Angaben des VDI jährlich etwa 30.000 Menschen an der Legionärskrankheit, für 4000 Menschen endet der Verlauf tödlich. Dabei liegt nach Meinung von Professor Martin Schata (VDI) die tatsächliche Zahl noch wesentlich höher. Die Zeitschrift Öko-Test veröffentlichte unlängst einen Bericht über einen bundesweit durchgeführten Test von Warmwasserduschen deutscher Freibäder, bei denen 12 von 24 getesteten Bäder Auffälligkeiten zeigten. Mehrere Schwimmbäder im Bereich des linken Niederrheins (Jüchen, Büderich) mussten in den vergangenen Wochen ihren Badebetrieb wegen des - inzwischen bestätigten Verdachts - einer Legionellenkontaminierung vorübergehend einstellen.

Bild 1: Elektromagnetisches Wellenlängenspektrum. Eingezeichnet ist die Wellenlänge der höchsten UV-Zellinaktivierung bei 254 nm, d.h. bei dieser Wellenlänge wird besonders viel Energie aufgenommen. Die Aufnahme der Energie führt zu strukturellen Veränderungen (Bild 2) der DNA. Bei der Replikation (Zellteilung) führt dies zu Informationsverlusten mit der Folge, dass der Organismus nicht mehr lebensfähig ist.

Die Legionellose, umgangssprachlich als Legionärskrankheit bezeichnet, ist eine durch Legionellen-Bakterien hervorgerufene schwere Form einer Lungenentzündung, die besonders bei älteren und immungeschwächten Menschen tödlich enden kann. Sie wird durch das Einatmen der in Wassertröpfchen vorhandenen Legionellen übertragen. Die Bakterien vermehren sich besonders gut im warmen Wasser (30-45C) beispielsweise nicht fachgerecht bemessener oder betriebener Warmwassersysteme oder in Luftbefeuchtern von Klimaanlagen. Werden diese Wasserreservate nicht täglich benutzt oder ausgetauscht, ist die Vermehrung der Bakterien stark begünstigt. Bei der Wasserentnahme, beispielsweise beim Duschen oder bei Verwendung eines Luftbefeuchters, gelangen die Legionellen über eingeatmete Aerosole* in die Atmungsorgane der Menschen. In der Lunge vermehren sich die Bakterien dann in den Monozyten. Eine akute Erkrankung tritt allerdings erst dann auf, wenn eine größere Anzahl der Bakterien eingeatmet wird oder der Mensch ein geschwächtes Immunsystem aufweist. Einen gesetzlichen Grenzwert für die Legionellen-Kontamination existiert nicht, jedoch wird eine Belastung ab 20 KBE/ml, d.h. 20 Kolonie-Bildende-Einheiten pro Milliliter, als kritisch angesehen, ab 100 KBE/ml werden z.B. Bäder geschlossen. Legionellen sind, im Rahmen gesundheitlich zulässiger Dosierungen, auch gegenüber chemischen Desinfektionsmitteln wie beispielsweise der Chlorung weitestgehend immun.

Bild 2: UV-Licht tötet Mikroorganismen ab, indem es die Erbinformation angreift.

Eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme stellt bei akutem Befall von Rohrleitungen die thermische Desinfektion dar. Dabei wird kurzzeitig das gesamte Rohrleitungssystem auf eine Temperatur von 70-80C gebracht, außerdem werden die Zapfstellen geöffnet und somit ebenfalls desinfiziert. Unter diesen Bedingungen sterben die Legionellen rasch ab.

Alternativ und auch als Präventivmaßnahme bietet sich der Einsatz der physikalischen Desinfektion mittels UV-Licht an. Direkt hinter dem Speicher wird eine Warmwasser-UV-Desinfektionsanlage installiert, die in den Zirkulationsleitungen kontinuierlich das Wasser desinfiziert und so einen sicheren Schutz vor einer erneuten Verkeimung bietet.

Bild 3: UV-Anlage für die Trinkwasser-Desinfektion.

Das Prinzip der UV-Wasserdesinfektion ist einfach: Das zu behandelnde Wasser wird an speziellen, temperaturstabilen und leistungsstarken UV-Strahlern vorbei geführt. Diese Strahler ähneln im Aussehen einer einfachen Leuchtstoffröhre und senden ein energiereiches UV-Licht mit einer Wellenlänge von 254 nm** aus. Diese Strahlung wirkt gezielt auf den Erbinformationsträger (DNA) der Mikroorganismen ein. Dadurch wird der Stoffwechsel und die Fortpflanzungsfähigkeit massiv beeinträchtigt und die Ausbreitung von krankheitserregenden Keimen wird nachhaltig und sicher unterbunden.

Klimaanlagen, die zur Befeuchtung der Raumluft mit Sprühverdunstern arbeiten, stellen ebenfalls eine hervorragende Brutstätte für Legionellen dar. Auch für diese Anlagen verspricht die physikalische UV-Desinfektion des bevorrateten Wassers auch außerhalb der Betriebszeiten einen sicheren Schutz vor Wiederverkeimung.

Internetinformationen:
http://www.wedecoag.com
http://www.bwt.de
http://www.gruenbeck.de


B i l d e r :   Wedeco AG, Düsseldorf


*) Aerosol: Bezeichnung für ein Gas (insbesondere Luft), das feinste feste oder flüssige Schwebstoffe enthält.


**) 1 nm = 0,000000001m


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