IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 18/2001, Seite 46 ff.


REPORT


Arena "AufSchalke"

Multifunktionales Stadion der Superlative

Die Arena "AufSchalke", ein multifunktionales Megastadion mit etlichen augenfälligen Besonderheiten. Im Vordergrund der verschiebbare "heilige Rasen" der Königsblauen.

Für den FC Schalke 04, seine Fans und Mitglieder, hat mit dem offiziellen Baubeginn am 21. November 1998 ein neues Zeitalter begonnen: Mitten in Gelsenkirchen, im Herzen des Ruhrpotts, entstand die modernste Sportstätte Europas. Die Arena "AufSchalke", ein Stadion für das neue Jahrtausend, bietet Platz für 62.000 Zuschauer. Nach der Eröffnung am 13./14. August dieses Jahres steht sie nunmehr für Großveranstaltungen aller Art wie Fußballspiele, Popkonzerte, Opernaufführungen oder Kirchentage zur Verfügung.

Trotz vieler moderner Stadien in Deutschland sowie in ganz Europa bezeichnen die Macher der Arena "AufSchalke" das rund 360 Mio. DM teure Projekt als "ein Vorzeigeobjekt", das internationale Maßstäbe setzt und ein "Vorbild für weitere Projekte dieser Art sein wird". Die multifunktionale Arena, die durch den Generalunternehmer HBM Bau GmbH errichtet wurde, soll alle Erkenntnisse des modernen Stadionbaus sowie fast alle Wünsche der Fußballfans erfüllen. So verfügt sie beispielsweise über eine ausschiebbare Rasenfläche mit den Ausmaßen von 105 x 68 m. Des Weiteren kann das Dach oberhalb des Spielfeldes innerhalb von 30 Minuten geöffnet bzw. geschlossen werden.

Endphase der Bauarbeiten etwa zwei Monate vor der Eröffnung der "Arena AufSchalke".

Die Dachkonstruktion ist eine selbsttragende 3.700 Tonnen schwere Konstruktion, die durch vier Windverbände in der Betonkonstruktion des Bauwerks verankert ist. 35 Pendelstützen sorgen zusätzlich für den nötigen Halt des in 40 Meter Höhe filigran wirkenden Dachgiganten, der eine Fläche von 225 x 186 m überspannt.

Unterhalb der Dachkonstruktion ist eine 32 Tonnen schwere "Vidiwall" installiert, die mit vier Video-Großbildschirmen die königsblauen Fans auf jeweils 35 m2 über jedes Detail des Spiels informiert. Diese Technologie ist in einem Fußballstadion weltweit einmalig!

Versorgungstechnik als Herausforderung

Besondere Herausforderungen gab es auch im Bereich der Haustechnik. Die spezielle Segment-Bauweise und die unterschiedliche Nutzung der "Arena" stellen hohe Anforderungen an die Systeme. "Für eine solche Anlage gibt es wenig Berechnungsgrundlagen, sodass die Planung und Ausführung eine echte Herausforderung an alle Beteiligten war", erklärte ein verantwortlicher Mitarbeiter der Firma Rudolf Otto Meyer GmbH & Co. KG (ROM), die für die gesamte Gebäudetechnik verantwortlich zeichnet.

Vor der Errichtung des Stadions wurden zahlreiche Analysen erstellt. So hat man beispielsweise untersucht, was den Besuchern am Stadion der Zukunft besonders wichtig ist. Dabei rangierte die bedarfsgerechte Verfügbarkeit gepflegter Sanitäranlagen mit 93 Prozent der Nennungen auf Platz zwei der Top Ten-Liste, hinter dem Wunsch nach Sicherheit. Das zeigt die große Bedeutung dieses Themas für die Akzeptanz von modernen Sportstätten.

 

Bauphasen von 1999 bis 2001.

In die großzügig geplanten Wasch- und Toilettenräume des Projekts wurde daher hochwertige Sanitärkeramik eingesetzt: 270 Waschtische, 362 Urinale und 400 Wasserspar-WCs (4,5 l Spültechnik). Die sieben behindertengerechten Sanitärräume wurden mit barrierefrei gestalteten Waschtischen und WCs ausgerüstet. Weitere 72 Logen der Arena erhielten spezielle Gäste-WC-Serien. Alle Waschtische der Logen haben zusätzlich das Arena-Logo im neuen "Kerabrand-Verfahren" erhalten.

Basis der Zusammenarbeit mit dem Bauherrn und den vor Ort verantwortlichen Technikern war das Produktkonzept. "Von Anfang an haben wir mit allen beteiligten Firmen an einem Tisch gesessen und gemeinsam eine für den Bauherrn optimale Lösung erarbeitet," so Thomas Deipenbrock vom Sanitärhersteller Keramag. "Dabei standen die Herausforderungen wie Wirtschaftlichkeit im Verbrauch, vereinfachte Montage, Hygiene und Schutz vor Vandalismus durch optisch ansprechende Lösungen im Vordergrund." Andreas Steiniger, Leiter Marketing des FC Schalke 04, konnte den Vorschlägen der Keramikhersteller bei der Bemusterung nur zustimmen. "Für uns als Betreiber des Stadions war es besonders wichtig, ein in sich schlüssiges Konzept zu bekommen. Der Baustein sanitäre Anlagen wurde eindrucksvoll umgesetzt." Besonders begeistert zeigten sich Bauherr und Architekt von den Sanitäranlagen im Business-Bereich. Hier kamen z.B. "Preciosa" Waschtische des Ratinger Herstellers mit der Glasur Keratect zum Einsatz.

Thomas Deipenbrock, Keramag, wies bei der Keramik auf das Arena-Logo nach dem "Kerabrand-Verfahren" hin.

Auf die Frage wie man an solche Objekte kommt, nannte Thomas Deipenbrock gegenüber der IKZ-HAUSTECHNIK vor allem zwei Gründe: "Durch die nun mehr als zehn Jahre erfolgreiche Arbeit der bundesweit tätigen technischen Fachberater unseres Unternehmens haben wir stets gute Kenntnisse über Bauvorhaben in allen Bereichen, angefangen vom Krankenhaus bis zu großen Wohnungsbauprojekten. Dieses erreichen wir nur, indem wir den persönlichen Kontakt zu Planern, Architekten, Kommunen und Wohnungsunternehmen auf den unterschiedlichsten Entscheiderebenen pflegen. Dazu gehört eine umfangreiche planungsunterstützende Kompetenz und natürlich eine Produktpalette, welche für alle Einsatzgebiete in der Ausstattung von sanitären Räumen die optimale Lösung vorhält."

Baugespräch unter Fachleuten über den Fortschritt bei den Fliesenarbeiten im Sanitärbereich. Im Hintergrund vormontierte Urinalanschlüsse mit Sifonsteuerung.

Technische Umsetzung

In einem Gespräch des IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteurs Volkmar Runte mit Ulrich Unthan, Projektbearbeiter Sanitär für ROM-Düsseldorf, wurde die Dimension der haustechnischen Herausforderung besonders deutlich. "Eine echte Basis für die sanitärtechnische Planung gibt es nicht. Wir haben deshalb verschiedene Modelle durchrechnen müssen." So wurde beispielsweise die ursprünglich geplante 100er-Ringversorgungsleitung auf das übliche Strangverteilsystem geändert und mit einer Fließgeschwindigkeit von 0,7 bis 0,8 m/s berechnet. Hauptproblempunkt war die Einschätzung der Gleichzeitigkeit z. B. in den Spielpausen. Genaue Erkenntnisse werde eine Untersuchung durch die Fachhochschule Gelsenkirchen unter Leitung von Prof. Demiriz, Bereich Versorgungstechnik, ergeben.

Abwasserführung von 32 Damen- und 36 Herrentoiletten. In den gesamten Sanitärräumen sind 4,5 Liter WCs angeschlossen, die den Verbrauch um 25% senken.

Für die Arena gab es durch den FC Schalke 04 einen klar definierten Kostenrahmen und daher fiel ein Gebäudeleitsystem mit entsprechenden Verknüpfungen und Netzwerken aus Kostengründen dem Rotstift zum Opfer. Aufgrund dieser Vorgabe baute Unthan z.B. eine sifongesteuerte, d.h. durchflussgeregelte, Spülung für jedes der Urinale ein. So konnte er in den einzelnen Segmenten des Stadions unterschiedliche Steuerzeiten eingeben und einen Teil der Volumenströme reduzieren. Des Weiteren wurde durch den Einbau der 4,5 Liter-WCs im Sanitärbereich für eine deutliche Reduzierung des Wasserverbrauchs gesorgt. Wenn die Ergebnisse der FH Gelsenkirchen dennoch andere Spülintervalle und -mengen ergeben sollten, so ist jederzeit eine Änderung der Intervallspülung der Urinale sowie die Spülmengenveränderung über die Spülkästen bis zu neun Litern je WC möglich.

Haustechnik live: Heizzentrale und Übergabestation für Trinkwasser und Feuerlöscheinrichtungen.

"Mit der 4,5 l-Technik der von Keramag eingesetzten Renova Nr.1 Plus WCs können wir die Wasser- und Abwasserkosten um rund 25 Prozent reduzieren. Vereinfachte Montage dank spezieller Urinalbefestigungen ermöglichen den schnellen Zugriff bei Wartungsarbeiten," so Unthan, der die Arbeiten koordinierte.

Abwassertechnisch ging der Sanitärplaner einen neuen Weg, denn er ließ 80er-Abflussleitungen für die WCs einsetzen. Dies ist aus seiner Sicht aufgrund der 4,5 Liter-Spültechnik möglich. Positiver Effekt: Die Baukosten wurden deutlich verringert.

Die Trinkwasserversorgungsleitungen wurden übrigens in Kupferrohr (Verbindungsart: Pressverfahren), das Abwassersystem in PAM-Global- (früher SML) sowie Teile der Lüftungssysteme in RML-Rohrleitung verlegt. Dies kommt auch dem Brandschutzkonzept dieses Objektes entgegen, das auf einer einheitlichen E 90 Schutzlösung basiert und Teile der Anlage wie Passagen und die Promenadenbereiche brandlastfrei ausgeführt wurden.

Sammellüftung DN 300 als Ringlüftung im Obergeschoss für die Be- und Entlüftung aller Fallleitungen des Abwassersystems. Insgesamt wurden 7.500 m Gussrohr in den Dimensionen DN 50 bis DN 300 verlegt.

 

Entspannungsbecken

In die Sanitärtechnik sind zwei Entmüdungsbecken für die Heim- und Gastmannschaft einbezogen.

Technische Daten:

Ausführungsart WU-Beton gefliest

L = 5,35 m
B = 5,35 m
T = max. 1,35 m

Ausführungsmerkmal nach DIN 19643 Teil 1
Warmbecken nach Tabelle 4 > 20 m2
Wasserfläche, Betriebstemperatur ~ 35° C
Umwälzleistung 46 m3/h bei max. 20 Personen

Über eine PC-Visualisierung und ein Modem für Teileservice wird die gesamte Anlage überwacht und die für das Gesundheitsamt maßgebenden Parameter dokumentiert. Gleichzeitig kann über diese Visualisierung von extern eingegriffen und die Hygieneparameter den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden.

Die Hygieneparameter, wie Chlorgehalt, pH-Wert und Redoxpotenzial sowie die Temperatur werden durch eine Elektronik und die zugeordnete Dosiereinheit gemessen, geregelt und eingestellt.

Zur Energieeinsparung werden die Becken in ungenutztem Zustand mit PVC-Hohlkammerprofilen abgedeckt.

Blockschema

Detaillösung des Problems Segmentbauweise. Panzerschläuche und Faltenbälge gewähren dem Bauwerk die nötige Flexibilität auf dem aufgeschütteten Bergwerksuntergrund.

Konzept für die Zukunft

Das spezielle Konzept des FC Schalke 04 beinhaltet ein Sponsoring durch zahlreiche Unternehmen. Hauptsponsor der "Königsblauen" ist die Victoria Versicherung, Düsseldorf. Das Konzept bietet in der Arena Business-Logen für weitere 72 Sponsoren. In dieses Konzept ist Keramag vertraglich eingebunden und somit fördern die Ratinger die Kicker aus dem Kohlenpott. Rudi Assauer hatte als Vorgabe für ausführende Firmen die Losung ausgegeben: "Die Region ist das Standbein und die wird auch unterstützt."

Na denn, hau rein Kumpel.

Logen-Mustereinrichtung: Mit Attrappenausblick auf den Innenraum der Arena. Arbeitsbereiche der Küchenzeilen wurden in dem vielseitig verwendbaren Mineralguss-Werkstoff "Varicor" ausgeführt.

 

Internetinformationen:
www.arena-auf-schalke.de
www.gruenbeck.de
www.keramag.de
www.myshk.com
www.saint-gobain-hes.de


B i l d e r :   FC Schalke 04
IKZ-HAUSTECHNIK,
Keramag AG, Ratingen
Saint-Gobin, Köln


G r a f i k :   Grünbeck Wasseraufbereitung, Höchstädt


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