IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 13/2001, Seite 70 ff.


WERKZEUGE


Stichsäge kontra Säbelsäge?

Markus Mundl*

Die Stichsäge und die Säbelsäge dienen dem Trennen verschiedenster Werkstoffe. Doch welches Werkzeug ist wann das richtige? Welche Vorteile bietet die Stichsäge - welche die Säbelsäge? Worauf sollte man achten? Reicht im Sanitär- und Heizungsbau nur ein Produkt? Oder benötigt man sowohl die Stichsäge als auch die Säbelsäge? Der Beitrag gibt Antworten auf all diese Fragen.

Die Stichsäge für den Installateur und Heizungsbauer

Stichsägen eignen sich vor allem zum exakten Sägen und Kurvenschneiden auf engstem Raum. Moderne Technik ermöglicht heute beim Sägen in Holz Schnitttiefen von über 100 mm (Bild 1). Neben Holzarbeiten sind Stichsägen bei der Werkstoffbearbeitung im Sanitär- und Heizungsbau als multifunktionale und handliche Elektrowerkzeuge unentbehrlich. Für die Werkstoffe NE-Metalle und Stahl bieten gute Geräte die Möglichkeit Materialdicken von 30 bzw. 10 mm zu sägen (Bild 2).

Bild 1: Stichsäge beim Schneiden von 105 mm dickem Holz.

Eine ergonomisch gut gestaltete Form sowie ein tiefsitzender Schwerpunkt ermöglichen es einer guten Stichsäge problemlos, mit einer Hand geführt zu werden. Ein leistungsstarker Motor sowie ein optimal gelagertes, stabiles Getriebe garantieren Langlebigkeit auch bei härtestem Einsatz.

Unverzichtbar ist eine mehrstufige Pendelhubeinrichtung. Durch die Pendelbewegungen des Sägeblatts werden die Sägespäne besser ausgeworfen und ermöglichen dadurch ein wesentlich schnelleres Arbeiten. Ein positiver Nebeneffekt: Die Lebensdauer der eingesetzten Sägeblätter wird erheblich verlängert, weil sie bei der Vorwärtsbewegung vom Werkstück abheben und dadurch die Reibung verringert wird. Ebenso günstig ist die Tatsache, dass durch die Pendelbewegung weniger Anpresskraft der Bedienungsperson von Nöten ist und somit ein einfaches und Kräfte schonendes Arbeiten garantiert wird. Mit einer guten Stichsäge muss das Arbeiten aber auch ohne Pendelhub möglich sein, da vor allem bei der Bearbeitung von sehr harten Werkstoffen und beim Sägen von engen Radien die Pendelhubbewegung eher nachteilig ist. Außerdem werden beim Arbeiten ohne Pendelhub die besseren Schnittbilder erreicht. Das Material reißt weniger aus.

Bild 2: Stichsäge beim Sägen von Metall.

Darüber hinaus zeichnet sich eine Stichsäge im professionellen Einsatz vor allem durch die Möglichkeit einer elektronischen Einstellung der Hubzahl aus. Dieses Feature ist Voraussetzung dafür, dass der Anwender die Hubzahl individuell auf die Anwendung und das zu sägende Material einstellen kann. Beim Sägen von Metallen und Kunststoffen ist z.B. eine niedrige Hubzahl als beim Sägen von Holz unabdingbar.

Eine hochwertige Stichsäge sollte darüber hinaus eine schnell arretierbare Führungsplatte besitzen, die Schrägschnitte in 15, 30 und 45 Winkelstellungen ermöglicht. Ebenso sollte eine professionelle Stichsäge eine Absaugmöglichkeit für Sägespäne bieten. Ein sauberes Arbeiten in entsprechender Umgebung, wie z.B. in bewohnten Räumen, wird dadurch gewährleistet. Die Absaugung erfolgt mit Hilfe eines Allessaugers, der die Späne durch einen Kanal an der Stichsäge absaugt. Es werden auch Stichsägen mit integrierter Eigenabsaugung angeboten. Diese eignen sich insbesondere dann, wenn ein Saugschlauch bei der jeweiligen Anwendung hinderlich ist.

Bild 3: Stichsäge mit Führungsschiene. Sie erlaubt einen geraden Schnitt.

In den letzten Jahren haben sich zunehmend Stichsägen mit bedienerfreundlichen Schnellwechselmöglichkeiten der Sägeblätter im Markt etabliert. Zeit ist bekanntlich Geld, und so dient der Schnellwechsel letztlich der Kostenreduzierung.

Beim Kauf einer robusten Stichsäge sollte der Anwender darauf achten, dass das Sägeblatt an mehreren Punkten geführt wird. Diese zusätzlichen Sägeblattführungen vermindern ein Ausweichen des Sägeblattes durch übermäßigen Druck, stumpfe Sägeblätter und ungleichmäßige Beschaffenheit des Werkstoffes und garantieren somit einen geraden Schnitt. Wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass eine Stichsäge nie in der Lage sein kann, die Geradheit des Schnittes einer Kreissäge zu gewährleisten.

Normalerweise sägt man mit einer Stichsäge nach Anriss. Für sehr lange, vor allem gerade Schnitte, sollte man sich eines Hilfsmittels bedienen, dass solche Schnitte nicht nur ansehnlicher aussehen, sondern vor allem exakter ausführen lässt. Wir sprechen hier von einer sog. Führungsschiene (Bild 3). Überprüfen Sie vor dem Kauf, ob der Hersteller der Stichsäge dieses Zubehör im Programm hat und ob die ins Auge gefasste Stichsäge in einer Führungsschiene eingesetzt werden kann. Kreise lassen sich unter Zuhilfenahme eines Kreisschneiders problemlos realisieren. Ein Kreisschneider arbeitet wie ein Zirkel. Die Stichsäge wird um einen fixen Punkt herumgeleitet.

Bild 4: Eine Auswahl an Sägeblättern für verschiedene Materialien.

Beim professionellen Einsatz unterscheidet man zwei Griffarten von Stichsägen. Die Stichsäge mit Knauf- oder Fäustlingsgriff wird aufgrund des tief liegenden Schwer- und Führungspunktes gerne von Profis bevorzugt (Bild 1). Ein Gerät mit einem solchen Design kann mit zwei Händen sehr gut geführt werden. Ein schlankes Motorgehäuse ermöglicht es zudem, die Maschine auch mit nur einer Hand zu umfassen und zu führen. Des Weiteren ist die Stichsäge mit Fäustlingsgriff ideal für Überkopfarbeiten.

Stichsägen mit Bügelgriff ermöglichen und bedingen einen Einhandbetrieb (Bild 2). Die Hand ist weiter vom Schwerpunkt des Gerätes entfernt. Welches Gerät der Kunde bevorzugt, obliegt seinen persönlichen Empfindungen. Deshalb sollte man in jedem Fall das Gerät seiner Wahl vor dem Kauf in die Hand nehmen.

Sägeblätter - so wichtig wie die Maschine selbst

Die beste Maschine der Welt kann nur so gut sein wie die Qualität des benutzten Zubehörs. Dieser Satz gilt natürlich auch für Stichsägen, und hier insbesondere für die gewählten Stichsägeblätter (Bild 4). Denn nur ein richtiges, dem zu sägenden Werkstoff entsprechendes Sägeblatt, ermöglicht ein optimales Schnittergebnis. Geeignete Stichsägeblätter zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass das verwendete Material den Anforderungen des zu bearbeitenden Werkstoffes gewachsen ist.

HSS (Hochleistungs-Schnellstahl)-Stichsägeblätter eignen sich hervorragend zur Bearbeitung von Kunststoffen, Nicht-Eisen-Metallen und Stahl. HM (Hartmetall)-Stichsägeblätter eignen sich vor allem zur Bearbeitung von Stahlblechen und ähnlichen Materialien. Die HS-Bimetall-Sägeblätter setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: dem weichen Blattkörper (in der Regel aus Werkzeugstahl) und harten Zähnen aus HSS.

Des Weiteren unterscheiden sich die Sägeblätter hinsichtlich Zahnabstand und Schnittwinkel. Speziell bei harten Werkstoffen in den Bereichen Sanitärhandwerk und Heizungsbau empfiehlt sich ein Sägeblatt mit großem Schnittwinkel und engen Zahnabständen. Ideal ist es, wenn beim Arbeiten wenigstens immer drei Zähne im Eingriff sind. Das heißt, dass man bei einem 5 mm dicken Werkstoff, einen Zahnradabstand von ca. 1,5 mm wählen sollte.

Ferner gibt es eine Vielzahl weiterer Unterschiede in der Gestaltung von Stichsägeblättern, die im Wesentlichen ideale Problemlösungen bei speziellen Anwendungen versprechen. Deshalb sollte man sich sehr genau im Vorfeld über die Beschaffenheit des Sägeblatts informieren, da diesem Faktor eine wesentliche Rolle am Schnitterfolg zukommt. Selbstverständlich muss gewährleistet sein, dass der Aufnahmeschaft der Sägeblätter zur Stichsäge passt.

Die Säbelsäge: Einsatzspektrum und Qualitätsmerkmale

Die Säbelsäge (Bild 5) kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Notwendigkeit besteht, größere Schnitttiefen zu realisieren. Die Schnitttiefe hängt bei diesen Geräten ausschließlich von der Länge der Sägeblätter und der Kraft des Motors ab. Säbelsägeblätter sind in Längen bis knapp unter 300 mm lieferbar.

Bild 5: Säbelsäge beim Trennen eines Behälters.

Im Gegensatz zur Stichsäge darf die Exaktheit der Schnitte nicht die entscheidende Rolle spielen. Eventuell ist es notwendig, den Schnitt bezüglich Exaktheit nachzubearbeiten.

Das Prinzip der Säbelsäge ist ähnlich dem der Stichsäge. Das Sägeblatt wird mittels einer Hubbewegung durch das zu sägende Material gezogen. Unterschiedlich ist die Richtung. Während bei der Stichsäge die Hubbewegung senkrecht nach unten geführt wird, bewegt sich das Sägeblatt bei der Säbelsäge waagerecht nach vorne.

Die Säbelsäge als Allroundsäge

Dazu tragen auch die vielen unterschiedlichen Sägeblätter bei, die heute angeboten werden. Prinzipiell gilt für die Sägeblätter das bei der Stichsäge gesagte: Nur mit dem richtigen Blatt kann ein optimales Ergebnis erzielt werden. Eine Besonderheit sind flexible Blätter die es ermöglichen, das Material bündig an einer Wand abzusägen (Bild 6). Ein axial verstellbarer Anschlag zur Begrenzung der Schnittlänge sollte in jedem Fall verlangt werden. Er gibt die Möglichkeit, zum Beispiel beim Sägen vor einer Wand das Sägeblatt vom Anstoßen an die Wand zu bewahren und gestattet ein wirtschaftliches Ausnutzen der gesamten Schnittlänge des Sägeblattes.

Bild 6: Eine Säbelsäge mit flexiblem Blatt ermöglicht das wandbündige Abschneiden von z.B. Rohren.

Im Zubehörbereich ist auf den Rohr-Sägeanschlag hinzuweisen. Der Anschlag sorgt dafür, dass die Säge weniger vibriert und darüber hinaus für einen geraden Schnitt. Da mit Säbelsägen häufig Rohre gesägt werden, rentiert sich die Anschaffung dieses nützlichen Zubehörs in jedem Fall.

Vibrationsarmut sollte bei der Auswahl der richtigen Säbelsäge eine wichtige Rolle spielen, denn der Anwender arbeitet frei Hand. Es gibt in der Regel keine Auflagemöglichkeit. Die Führung der Maschine wird nur von der Hand und dem Arm des Bedieners bestimmt. Somit muss er alle Vibrationen aufnehmen (Bild 7).

Deshalb ist auch die Motorisierung sehr wichtig. Ein genügend starker Motor mit entsprechendem Drehmoment sorgt nicht nur für zügiges Arbeiten, sondern garantiert auch weniger Vibrationen und eine lange Lebensdauer der Säbelsäge.

Bild 7: Bei einer Säbelsäge übernimmt der Anwender die Führung der Maschine.

Fazit

Es heißt also nicht Säbelsäge kontra Stichsäge. Beide Produktgruppen ergänzen sich in idealer Weise. Jede hat ihre besonderen Vorteile. Ob Sie also eine Säbelsäge oder eine Stichsäge oder beide benötigen hängt allein von den Arbeiten ab, die anfallen. Deshalb informieren Sie sich bitte vor dem Kauf.

Internetinformationen:
www.metabo.de


*) Markus Mundl, Produktmanager bei Metabowerke GmbH, Nürtingen


B i l d e r :   Metabowerke GmbH, Nürtingen


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]