IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 10/2001, Seite 68


REGELWERK


Abwasser aus Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen

Merkblatt der ATV-DVWK-M 775 erschienen

Aufgrund der verschiedenartigen Zusammensetzung der in Krankenhäusern anfallenden Abwasserteilströme sind die Anforderungen an die Abwasserbehandlung sehr hoch.
Das neue, 65 Seiten umfassende Merkblatt der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (ATV-DVWK) will Planer und Betreiber, aber auch Mitarbeiter von Genehmigungsbehörden einen Überblick über die in medizinischen Einrichtungen anfallenden Abwässer und deren Behandlung geben.

Beim Thema Krankenhausabwässer assoziiert man vornehmlich Gefahr durch infektiöse Keime. Um ein Seuchenrisiko auszuschließen, werden die kontaminierten Abwässer daher sterilisiert. Die Keimbelastung ist jedoch nur ein Aspekt, der bei der Behandlung von Krankenhausabwässern berücksichtigt werden muss. In Abhängigkeit von ihrem Entstehungsort in den verschiedenen Funktionsbereichen eines Krankenhauses können die einzelnen Abwasserteilströme sehr unterschiedliche Belastungen und Zusammensetzungen aufweisen.

Schilddrüsenpatienten auf nuklearmedizinischen Stationen beispielsweise bekommen radioaktives Jod verabreicht, das über die Ausscheidungen des Patienten ins Abwasser gelangt. Dieses wird in so genannten Abklingbehältern gesammelt und solange gelagert, bis die Strahlung den laut Strahlenschutzverordnung zulässigen Grenzwert unterschritten hat. An die Behälter und die zugehörigen Leitungssysteme werden besondere Anforderungen gestellt, diese müssen beispielsweise doppelwandig ausgeführt sein.

Ein völlig anderer Funktionsbereich sind die klinischen Laboratorien. Der Wasserverbrauch der Laborabteilung beträgt in der Regel weniger als 1% des Gesamtverbrauches im Krankenhaus. Für die Routinediagnostik zur Untersuchung von Blut, Urin, Stuhl usw. sind jedoch eine Vielzahl von Chemikalien erforderlich. Bei den heute üblichen Analyseautomaten reichen zwar geringste Chemikalienmengen, dennoch bildet das Laborabwasser einen Belastungsschwerpunkt, da es oft als ökotoxisch und mutagen einzustufen ist. Es ist daher wichtig, die hochbelasteten Reaktionsansätze von den gering belasteten Spülwässern getrennt zu erfassen und entsprechend zu behandeln.

Der am höchsten belastete Abwasserteilstrom stammt jedoch meistens aus dem Bereich der Zentralküche. Ins Abwasser gelangende Speisereste sorgen für eine hohe Belastung mit organischen Stoffen. Weiterhin wird das Abwasser durch Spül-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel verunreinigt.

Die Vielfalt der anfallenden Abwässer wird in dem Merkblatt durch detaillierte Angaben zu den Zusammensetzungen der einzelnen Abwasserteilströme und deren Anfallstellen berücksichtigt. Die Empfehlungen zur Behandlung der einzelnen Abwasserteilströme sind auf die verschiedenen Funktionsbereiche medizinischer Einrichtungen abgestimmt und sollen dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.

Internetinformationen:
www.atv.de