IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/2001, Seite 72 f.


UNTERNEHMENSFÜHRUNG


Rating und Mittelstand

Konsequenzen des "Ratings" für Handwerksunternehmen

Dipl.-Betriebswirt Wolfram Weber

Was bedeutet eigentlich "Rating"?

Nach den Vorstellungen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel soll ab dem Jahr 2004 jeder Kredit, der von einer Bank vergeben wird, mit einem an der Bonität des Kreditnehmers gemessenen Eigenkapitalanteil durch die Bank abgesichert werden. Das bedeutet, dass die Banken zukünftig ihre mit Krediten zusammenhängenden Risiken anhand von "Ratings" bewerten werden.

Das Rating ist ein Urteil über die wirtschaftliche Fähigkeit des Kreditnehmers, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Dabei wird es die Kategorisierungen von "AAA" (sehr gut, höchste Bonität, praktisch kein Ausfallrisiko. Hierzu gehört z. B. die "Allianz AG") bis zu "D" (zahlungsunfähig, in Zahlungsverzug) geben. Die Folgen eines "schlechten" Ratings können für den Kreditnehmer erheblich sein, denn die höhere Eigenkapitalhinterlegung ist für die Bank teuer. Sie kann dadurch weniger Kredite vergeben und verringert damit naturgemäß ihre Zinseinnahmen. Der kaufmännisch denkende Bänker wird also versuchen, seine "Mindereinnahmen" durch höhere Zinsen wieder hereinzuholen.

Wer wird Ratings durchführen?

Besondere Agenturen (beispielhaft: Moodys, Standart & Poors oder Euroratings AG) beschäftigen sich mit dem Rating (externes Rating), aber auch die kreditgebende Bank kann ein solches (internes Rating) durchführen. Demnach kann sich ein Unternehmen von einer Agentur oder seiner Hausbank (gegen Entgelt) prüfen und dann in bestimmte Kategorien, siehe oben, einordnen lassen. Eine solche Kategorisierung soll dann auch für alle anderen Banken gelten. Die Kosten eines solchen Verfahrens können für ein Unternehmen mit 100 bis 200 Millionen Umsatz zwischen 30.000,- DM und 50.000,- DM liegen. Bei einer Milliarde DM Umsatz sollen die Kosten bis auf 100.000,- DM ansteigen.

Rating für Kleinunternehmen?

Schon diese Zahlendimensionen zeigen, dass ein "normales" Kleinunternehmen überhaupt nicht der Adressat eines Ratings sein kann. Für viele dieser Unternehmen fordert daher auch die Bundesvereinigung deutscher Handelsverbände, Berlin, eine Kostenbegrenzung auf 5000,- DM je Rating.

Der Umgang mit der Hausbank

Banken werden aber möglicherweise Kredite für Investitionen/Ausgaben von Handwerkern dann mit einem höheren Zinssatz vergeben, wenn sie der Auffassung sind, dass Konjunktur-, Branchen- und spezielle Unternehmensrisiken dies erforderlich machen. Die Kreditverhandlungen eines SHK-Handwerkers können sich daher unter dem Gesichtspunkt des Ratings zukünftig verändern. Bei genauerer Betrachtung ist dies aber nicht zwingend, denn es stellt sich m. E. die Frage, ob die Grundgedanken des Ratings in das Verhältnis "SHK-Handwerker zu seiner Hausbank" überhaupt hineinpassen und wenn ja, ob sie dann etwas grundsätzlich "Neues" sind. Meines Erachtens bleiben die Fragen der "Sicherheiten" und die Historie der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Handwerker und Hausbank, neben den zukünftigen Konjunktur- und Branchenaussichten, die entscheidenden Kriterien für die Kreditvergabe und der Zinshöhe. Hierbei werden die Gründe und die Risiken der Kreditaufnahme im Einzelfall (z.B. Vorfinanzierung von Wareneinkäufen für bestimmte Kunden, Finanzierung von Investitionen, Grundstücks- und Gebäudefinanzierung, etc.) sicherlich genauso geprüft werden, wie zur Zeit auch. Diese wichtigen Kriterien gab es schon immer, sie waren nur nicht in einer Buchstabenkombination kategorisiert. Auch für Existenzgründer im Handwerk wird es zukünftig genauso schwierig sein wie bisher, mit privaten Geldinstituten in Kreditverhandlungen einzutreten, da das Risiko des Scheiterns einer Investition bei Neueinsteigern ohne Geschäftserfahrung höher anzusetzen ist, als bei erfahrenen Geschäftsinhabern. Das ist für Banken zwar nichts Neues, würde aber durch eine Buchstabenkategorisierung klarer hervortreten.

Fazit: An den Grundsätzen der Kreditvergabe für SHK-Handwerker wird sich, auch unter Geltung der Gedanken des Ratings, so schnell nichts ändern. Sie ist und bleibt problembehaftet.


* Assessor jur., Dipl. Betriebswirt Wolfram Weber Geschäftsführer der Abt. Betriebswirtschaft im Fachverband Sanitär Heizung Klima NRW.


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