IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/2001, Seite 46 ff.


HEIZUNGSTECHNIK


Kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung

Hinweise zu Planung, Installation und Wartung

Dipl.-Ing. Eberhard Paul*

Die gute Dämmung und die luftdichte Bauweise moderner Niedrigenergiehäuser (NEH) führt zwar zu einer Reduzierung der Wärmeverluste, aber häufig auch zu einer ungenügenden Lüftung - Mensch und Bauwerk können nicht mehr ausreichend "atmen". Daraus resultiert die inzwischen leidvolle Erfahrung, dass die Bewohner über muffig-stickige Raumluft klagen und im Extremfall Feuchteschäden und Schimmelpilzbefall im Gebäude auftreten. Werden solche Gebäude nach herkömmlicher Methode über die Fenster belüftet, geht zudem rund die Hälfte der Heizenergie über die Lüftungswärmeverluste verloren.

Dieser Widerspruch zwischen Energieeinsparung und Wohnqualität kann durch eine Anlage zur kontrollierten Lüftung mit einer hochwertigen Wärmerückgewinnung gelöst werden. Dabei wird die Luft mittels Ventilatoren über flache Kanäle oder Wickelfalzrohre in die Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer gefördert währenddessen verbrauchte Luft aus Küche, Bad und WC abgesaugt wird. Ein Wärmerückgewinnungsgerät ermöglicht es, die Wärme der Fortluft an die kalte Frischluft zu übertragen. Die kontrollierte Lüftung bietet bei optimaler Planung günstige raumlufthygienische Bedingungen und bei zweckmäßiger Auswahl eines Wärmerückgewinners eine energiesparende Variante für modernes Wohnen.

Bild 1: Problemkreis Wohnklima.

Viele unterschiedliche Varianten

Wie der Einbau eines Wärmerückgewinnungsgerätes (WRG) in einer Etagenwohnung aussehen könnte, zeigen die Bilder 3 und 4. In Einfamilienhäusern sind verschiedene Einbauvarianten möglich, die sich hinsichtlich Leitungsführung und Aufstellung des WRG-Gerätes unterscheiden (siehe Bilder 5 bis 10). Für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern gibt es im Wesentlichen drei Varianten:

1. Beide Ventilatoren (Frischluft und Abluft) be-/entlüften alle Wohnungen. Das heißt, es gibt eine Zentraleinheit im Dachboden oder Kellerraum. Die Wärmetauscher (ohne Ventilatoren) befinden sich in den Wohnungen.

2. Die beiden Ventilatoren und der Wärmetauscher befinden sich an zentraler Stelle (Dachboden oder Keller). Diese Variante wird nach der Wärmeschutzverordnung Anlage 1, Pkt. 2.1.3. nicht empfohlen, ist aber erlaubt.

3. Ventilatoren und Wärmetauscher dezentral. Die WRG-Einheit befindet sich komplett in der Wohnung. Ein zentraler Luftschacht ist nicht notwendig. Die Lüfterregulierung ist wohnungsweise möglich (individuell nach den Bedürfnissen der Bewohner).

Besonders für Passivhäuser ist - aufgrund der hohen Anforderungen an die Gebäudedichtigkeit - eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung zwingend erforderlich. Wie ein solches System aussehen könnte, zeigt Bild 14.

Bild 2: Haus mit Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung.

Querdurchströmung von Aufenthalts- und Nassräumen

Anlagen zur kontrollierten Lüftung sollen grundsätzlich die Nassräume entlüften und die Aufenthaltsräume (Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer) belüften. Dabei ist eine Querströmung der Wohnung von den Aufenthaltsräumen hin zu den Nassräumen (Bad, Küche, WC) zu verwirklichen. Die Feuchte und in den Nassräumen entstehende Gerüche werden auf diese Weise nicht in der Wohnung verteilt, sondern gezielt abgeführt.

Da in einem Wohnhaus die Aufenthaltsräume in der Regel wesentlich größer sind als die Nassräume, wird sich durch die Querströmung in den Nassräumen automatisch eine viel höhere Luftwechselrate einstellen. Daher reicht es aus, die gewünschte Luftwechselrate nur auf die belüfteten Aufenthaltsräume zu beziehen, da Flure und Nassräume bei der geforderten Querdurchströmung gleichzeitig mit be- bzw. entlüftet werden. Erfahrungsgemäß sind 30 m3 Außenluft pro Stunde und Person völlig ausreichend. Daher ist es auch zweckmäßig, eine Lüftungsanlage nach der vorgesehenen oder möglichen Personenzahl einer Wohnung auszulegen und entsprechend regelbar auszuführen.

Bild 3: Wärmerückgewinner (Typ "WRG-90-multi") über dem Küchenschrank (hinter der Verblendung).

Aus den genannten Richtwerten ergibt sich folgende Luftmengenberechnung für ein Beispielhaus mit 4 Personen und 150 m2 Gesamtfläche, d.h. 100 m2 für Aufenthaltsräume:

Da die Gebäude nie 100% dicht sind - es bleibt immer ein Teil von Undichtigkeit - erhöht sich die Luftwechselrate durch Infiltration; diese liegt bei b ~ 0,17 h-1 (im Passivhaus bei b ~ 0,04 h-1) - daher müssen etwa 5 - 20 m3/h zu der o.g. Luftmenge (über Lüftungsanlage) hinzugerechnet werden.

Bild 4: Wärmerückgewinner (Typ "WRG-90-multi") im Sanitärschacht (oder Nische).

Wärmetauscher

Das "Herzstück" eines Wärmerückgewinners ist der Wärmetauscher. Seine Bauart ist maßgebend für die Effizienz der Wärmerückgewinnung. Folgende Typen werden vorwiegend angeboten:

WT-Typ

Temperaturwirkungsgrad

a) Kreuzstrom-Plattenwärmetauscher

50 - 70%

b) Kreuz-Gegenstrom-Plattenwärmetauscher (auch als Spiral-WT)

70 - 80%

c) Gegenstrom Kanalwärmetauscher (System PAUL)

85 - 99%

Stromverbrauch der Ventilatoren

Um ein gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis zu erzielen, ist auf den Einsatz energiesparender Ventilatoren zu achten (Gleichstromventilatoren). Für eine Luftmenge von 100 m3/h sollten im Mittel nicht mehr als 30 bis 50 W elektrische Leistung verbraucht werden (zusammen für beide Ventilatoren). Dabei ist nicht der Stromverbrauch für frei ausblasende Ventilatoren zugrunde zu legen, sondern der Verbrauch mit eingebautem Kanalnetz (ca. 80 bis 100 Pa), der oft 50 bis 100% höher liegen kann als ersterer.

Bild 5: Einfamilienhaus mit Abseitwand - WRG-Gerät im Kellergeschoss.

Bild 6: Einfamilienhaus mit Dachdrempel - WRG-Gerät im Kellergeschoss.

Auswahlkriterien für Wärmerückgewinnungsgeräte

Neben dem Temperaturwirkungsgrad und Stromverbrauch ist bei der Auswahl des Gerätes auf Folgendes zu achten:

a) gute Wärmedämmung

Nicht selten stehen WRG-Geräte auf kalten Dachböden oder im kühlen Keller, wo bei ungenügender Dämmung des Gerätes (20 mm) bereits ein beträchtlicher Anteil der Wärme verloren geht - eine der häufigsten Fehlerquellen. Zudem lassen sich bei Geräten mit Blechgehäuse Wärmebrücken nicht vermeiden. Daher werden Neuentwicklungen von Geräten bereits mit einem geschäumten Gehäuse und verstärkten Dämmdicken (80 mm) angeboten (siehe Bild 17). Der Wärmetransport über das Gehäuse und über Leckage kann bei der Geräteprüfung (Grundlage der bauaufsichtlichen Prüfung) zu einem Wärmebereitstellungsgrad führen, der bis zu 20% höher liegt als die tatsächliche Wärmerückgewinnung (Gerät mit Kreuz-Gegenstrom-Plattenwärmetauscher).

Bild 7: Einfamilienhaus mit Abseitwand - WRG-Gerät im Ergeschoss.

Bild 8: Einfamilienhaus mit Dachdrempel - WRG-Gerät im Erdgeschoss.

b) Geräuschemissionen

Die Bewohner reagieren oft sehr empfindsam, wenn durch die Anlage Geräusche zu hören sind. Zu achten ist bei der Gerätekonstruktion auf:

- die Anordnung der Ventilatoren im Gerät (straßenseitig - nicht wohnungsseitig!);

- Anbau von Schalldämpfern am Gerät;

- Dämpfeigenschaften des Gehäuses;

- Schwingungsisolatoren, insbesondere bei Aufstellung auf Holzfußböden in Abhängigkeit von den Körperschwingungen, die vom Gerät ausgehen.
Die beiden letztgenannten Punkte werden in Geräten mit einer Gehäusekonstruktion aus Schaum sehr gut erfüllt.

Bild 9: Einfamilienhaus mit Abseitwand - WRG-Gerät im Dachbereich.

Bild 10: Einfamilienhaus mit Dachdrempel - WRG-Gerät im Dachbereich.

c) automatische Ventilatorsteuerung

Eine gute Regelung ermöglicht eine zeitabhängige Steuerung der gewünschten Lüfterstufe. Um auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner eingehen zu können, sollte die Regelung frei programmierbar sein. Gemäß der Wärmeschutzverordnung 95 sollen " . . . Lüftungsanlagen . . . durch den Nutzer beeinflussbar und in Abhängigkeit von einer geeigneten Führungsgröße selbsttätig regelnd sein." (die WSchVO 95 schreibt dies in Anlage 1 Pkt. 2.2 für mechanisch betriebene Lüftungsanlagen - dort ohne Wärmerückgewinnung - vor.)

d) Sommer-Bypass

Im Sommer ist es sinnvoll, wenn Frischluft ohne "Wärmerückgewinnung" am Wärmetauscher vorbei (im Bypass) geführt wird. Bei komfortablen Regelungen ist es möglich, die Bypass-Klappe temperaturgeführt anzusteuern. Um die Frischluft im Sommer möglichst kühl der Wohnung zuzuführen, wird ein Erdwärmetauscher empfohlen.

e) Ü-Zeichen

Ü = Übereinstimmung der Prüfkriterien für die technischen Untersuchungen in einer zugelassenen Prüfeinrichtung (derzeit zugelassen: TZWL Dortmund, Universität Essen und Stuttgart, TÜV Bayern) vom Deutschen Institut für Bautechnik Berlin erstellt. Ohne dieses Ü-Zeichen ist der Einsatz von WRG-Geräten für die kontrollierte Wohnungslüftung rechtswidrig.

Die Prüfungen berücksichtigen z.Z. noch nicht die Messwert-Verfälschung (ca. 20% zu hohe Werte) durch die Wärmeaufnahme über die Gehäuseoberfläche und Leckagen. Hier muss exakterweise eine Messwertkorrektur vorgenommen werden, wie sie auch in der neuen Energie-Einsparverordnung im Zusammenhang mit DIN 4701-10 vorgesehen ist. Bei Geräten mit einem Vollschaumgehäuse (ohne Blechkonstruktion) und zuluftseitigem Überdruck im Gerät reduziert sich der o.g. Korrekturwert auf ca. 5%.

Varianten für den Einsatz von Wohnungslüftung in Mehrfamilienhäusern

Bild 11: WRG in Wohnung und Ventilator zentral in Dach oder Keller (Variante 1).

Bild 12: WRG und Ventilatoren dezentral (Variante 2).

Bild 13: WRG und Ventilatoren zentral(Variante 3).

Luftleitungssystem

Für die Luftführung sind verschiedene Systeme bekannt. Eine Übersicht zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1:

System

Material

Vorteile

Nachteile

1. Wickelfalzrohr

verzinktes Blech

- Kreisrunder Querschnitt
hydraulisch günstig -   geringer Druckverlust
- Handelsüblich
- gut reinigungsfähig mit Bürsten

- runder Querschnitt
platzaufwendig für die Integration im Decken- und Wandaufbau

2. Flachkanal

Kunststoff

- sehr gut integrierbar in Decken und Wänden durch flache Bauform
- viele Formteile
- sehr beständig (keine Rostgefahr)

- geringfügig höherer   Druckverlust

3. Flexschlauch Flexkanal

Aluminium und Kunststoff

- Preisgünstig
- Weniger Formteile   erforderlich

- Höherer Druckverlust
- Schlechter reinigbar (verletzlich)

4. iso-Kanal

Styropor

- bereits isoliertes System
- leicht verlegbar (Verkleben an Wand)
- geeignet für Rekonstruktionen und Sanierung

- weich und daher   mechanisch wenig belastbar

Verlegung der Kanäle

Luftkanäle können verlegt werden

- im Dachbereich in der Dachschräge - eingebettet in die Dämmung (hier sind besonders Flachkanäle geeignet);

- in der Abseitwand der Dachschräge bzw. im Dachdrempel;

- im Holzständerbau zwischen dem Ständersystem auf der Gebäudeinnenseite (Flachkanäle);

- in massiven Gebäudekonstruktionen in einer Aussparung; im Schacht;

- im Deckensystem längs der Deckenträger; bei filigranen Holzdeckenträgern ist auch die Querverlegung möglich;

- im Estrich des Deckenaufbaus.

Kanäle, die Warmluft führen und durch kalte Räume (Dachboden, Keller, an Außenwänden) führen, müssen gut gedämmt sein (ca. 100 mm dick). Ebenso sind Kaltluft führende Kanäle in warmen Räumen zur Vermeidung von Schwitzwasser zu dämmen.

Auf diese Aspekte ist besonders zu achten, da Isolierarbeiten aus Kostengründen häufig aus dem Leistungspaket gestrichen werden. Da sich in der Praxis gezeigt hat, dass Dämmungen zudem häufig schlecht ausgeführt werden (Kältebrücken zum Mauerwerk oder an Befestigungsschellen) ist zu empfehlen, zwischen Rohr und Befestigungsschelle eine wärmedämmende Schicht zu legen oder bereits isolierte Kanäle und Rohre zu verwenden - einige Neuentwicklungen sind sogar recht preisgünstig und zudem montagefreundlich. Beispiele für die Leitungsverlegung im Einfamilienhaus sind in den Bildern 5 bis 10 enthalten. Gerätevarianten für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern zeigen die Bilder 11 bis 13.

Bild 14: Lufterwärmung im Passivhaus.

Dimensionierung der Luftkanäle

Richtwerte für die Strömungsgeschwindigkeit in Kanälen und Rohren sind:

w = 3 m/s Hauptstränge

w = 1,5 m/s Nebenstränge, d.h.

ø 100 - 160 mm

Bild 15: Querdurchströmung von Aufenthalts- zu Nassräumen.

Luftfilter

Besonderes Augenmerk ist auf eine gute Filterung der Luft zu legen. Die Außenluft sollte möglichst zweimal gefiltert werden, d.h. bereits an der Luftansaugstelle sollte ein Vorfilter vorgesehen werden (Bild 20). Für den Vorfilter können die Filterqualitäten G3 oder G4, für den Gerätefilter G4 oder F8 (Pollenfilter) eingesetzt werden (siehe hierzu: DIN 1946/6 Abschn. 4.2.3.4). Ein Vorsatzfilter am Abluftventil (Küche, Bad, WC) dient dazu, die Abluftleitungen sauber und fettfrei zu halten.

Die Filterüberwachung im Gerät erfolgt durch

a) eine Filterstandszeitüberwachung (zeitprogrammiert) oder

b) eine Differenzdruckmessung oder

c) einen Sensor

Bei richtiger Zeitprogrammierung ist a) die beste Variante.

Pollen, Stäube und sonstige Schmutzteilchen sollten nicht über einen längeren Zeitraum im Filter "aufbewahrt" bleiben! Ein regelmäßiger Filterwechsel ist daher zwingend notwendig. Auf einen dichten Sitz des Filters im Gehäuse ist zu achten, um Leckageströme (vorbei am Filter) zu vermeiden.

Bild 16: Wärmetauscher-Typen in Wärmerückgewinnungsgeräten.

Schalldämpfer

Am WRG-Gerät sind Schalldämpfer vorzusehen: in jedem Fall auf der wohnungszugewandten Seite (Zuluft, Abluft) und, falls erforderlich bzw. gewünscht, nach außen hin (Außenluft, Fortluft) - je nach Geräuschpegel des Gerätes (Luftschall im Rohr) und zulässiger Geräuschemission. Eine besonders gute Schalldämmung weisen schalldämpfende Schläuche (Meterware) auf, die zudem sehr flexibel verlegt werden können, was gerade im Bereich des WRG-Gerätes von Vorteil ist. Um eine Schallübertragung zwischen den Zimmern zu vermeiden, ist auf ein gut verzweigtes Luftnetz (keine direkte Kurz-Rohr-Verbindung zwischen den Zimmern) und den Einbau von Schalldämpfern im Luftkanal zwischen den Zimmern zu achten.

Bild 17: Foto WRG-Gerät "WRG-90-thermos".

Dunstabzugshauben

Zum Schutz des Wärmerückgewinnungssystems (Wärmetauscher) vor Verschmutzung (Fett) sollte trotz Filter von einem Anschluss der Dunstabzugshaube an ein Lüftungssystem mit WRG abgesehen werden.

Begründung:

- Handelsübliche Dunstabzugshauben erreichen häufig Fördermengen von 300 m3/h bis 600 m3/h. Das führt zu hohen Luftgeschwindigkeiten im Kanalnetz, nicht zuletzt auch in den Filtern. Da bei diesen Geschwindigkeiten Fett- und sonstige Filter nicht 100% wirkungsvoll arbeiten, wird der Wärmetauscher durch Fettablagerungen auf Dauer nicht mehr den hohen Wirkungsgrad haben. Er müsste zudem häufiger gereinigt werden.

- Die an der Dunstabzugshaube in das Abluftnetz hineingedrückte hohe Luftmenge könnte evtl. in Bad und Küche austreten (dort wären zusätzlich Rückschlagklappen erforderlich).

- Bei Einbindung von Ablufthauben in das Lüftungssystem müsste eine Absperrvorrichtung vorhanden sein, die die Übertragung von Feuer und Rauch verhindert (DIN 1946/6, Pkt. 5.2.2).

Lösung: Den Dunstabzug im Umluftbetrieb fahren und die Küche separat am Abluftventil über das WRG-System absaugen.

Bild 18: Foto Steuerungseinheit vom WRG-Gerät "WRG-90-multi".

Erdwärmetauscher

Ein Erdwärmetauscher kann im Winter die angesaugte Außenluft vorwärmen bzw. im Sommer kühlen. Für Einfamilienhäuser wird dazu ein etwa 30 bis 50 m langes Kunststoffrohr mit einem Durchmesser von 150...200 mm in ein bis zwei Meter Tiefe mit zwei Prozent Gefälle verlegt (günstiger ist die Verlegung zweier paralleler Rohre mit mindestens 1 m Abstand). Der Energiegewinn hängt dabei von vielen Faktoren wie Beschaffenheit und Feuchte des Erdreiches, Grundwassertiefe u.a. ab. Bei einem Luftvolumenstrom von beispielsweise 150 m3/h und Erwärmung der Luft durch den Wärmetauscher von -10C auf +2C würde dies einem Energiegewinn von ca. 0,6 kW entsprechen.

Weitere Hinweise:

- Durch den Einsatz des Erdwärmetauschers wird kaum noch Luft mit Minustemperaturen in den Wärmetauscher gelangen, wodurch sich das Abtauen erübrigt.

- Im Sommer dient der Erdwärmetauscher der Kühlung warmer Sommerluft; dabei fällt Kondenswasser an, welches abgeleitet werden muss.

- Wichtig ist eine gute Filtration der angesaugten Außenluft.

- Bei hohen Außentemperaturen ist es sinnvoll, die Frischluft direkt (ohne Erdwärmetauscher) anzusaugen. Für die Umschaltung der Frischluftansaugung ist eine motorisch betriebene 3-Wege-Klappe sinnvoll.

Bild 19: iso-Lüftungskanäle.

Luftdichtigkeit des Gebäudes

Nicht nur zur Minimierung des Energieverbrauches, sondern auch für die Funktion des Lüftungssystems ist eine luftdichte Gebäudehülle unabdingbar, da ansonsten kalte Außenluft durch Undichtigkeiten unkontrolliert angesaugt würde und in Aufenthaltsräumen Warmluft nach draußen entweicht. Beim Entweichen dieser Warmluft durch Fugen kann je nach Außentemperatur der Kondensationspunkt unterschritten werden - Kondensat durchnässt die Bauhülle, die dann ihrerseits eine geringere Wärmedämmung hat. Deshalb muss bei Einsatz von mechanischen Lüftungsanlagen die Gebäudedichtheit bei 50 Pa (Über-)Druck geprüft werden. Ein Luftwechsel von maximal n50 = 1 h-1 ist dabei einzuhalten.

In der neuen Energie-Einsparverordnung wird für die rechnerische Ermittlung der Lüftungswärmeverluste Gebäuden mit nachgewiesener Dichtheit (Blower-Door-Test) ein verminderter Luftwechsel zugestanden. Demnach beträgt der Lüftungswärmeverlust mit 90% Wärmerückgewinnung nur noch 34% von dem bei Fensterlüftung (ohne Dichtigkeitsnachweis).

Vorteile der kontrollierten Wohnungslüftung

1. Mehr Wohlbehagen

Die verbrauchte Luft wird ständig abgesaugt und gegen gereinigte Frischluft ausgetauscht.
Schadstoffe, Staub und Blütenpollen werden dabei weggefiltert. Mücken und sonstige Insekten bleiben draußen.

2. Weniger Heizkosten

Ein großer Teil der Wärme aus der verbrauchten Luft wird mittels Wärmetauscher zurückgewonnen und der Frischluft zugeführt, ohne dass sich die Luftströme vermischen.
Ergebnis: Heizkosteneinsparung von 20 bis 50%

3. Wirtschaftlich-ökologische Gesamtlösung

Heizung und Lüftung
Durch die Reduzierung der Heizenergie kann eine kleinere Heizungsanlage installiert werden.

4. Ruhiger Wohnen

Bei kontrollierter Lüftung können die Fenster geschlossen bleiben - und trotzdem ist frische Luft in allen Räumen. Lärm von Nachbarn und belebten Straßen bleibt draußen.

Feuerstätten und Kamine

Feuerstätten wie Öfen, Kamine, Gasthermen usw. bedingen entweder

a) eine gesonderte Zufuhr von Verbrennungsluft oder

b) eine über die Lüftungsanlage überhöhte Luftzufuhr (Zufuhr > Abluft).

Die Angaben der (Ofen-)Hersteller und Lüftungsgeräte-Anbieter sind dabei zu beachten. Sind Feuerstätten nicht in Betrieb, sollte ein sicherheitstechnisch relevanter Verschluss des Rauchgasabzuges vorgesehen werden. Daher sind raumluftunabhängige Feuerstätten (siehe a) zu bevorzugen. Die Volumenstrom-Balance (Zu- und Abluft) ist durch Sensoren zu überwachen.

Bild 20: Außenluftfilterbox für Erdwärmetauscher DN 200.

Keine lufthygienischen Bedenken

Lufthygienische Bedenken bestehen bei einem richtig ausgeführten Wohnungslüftungssystem nicht, da über das Kanalnetz nur gelüftet wird. Deshalb ist die Frischluft bis zur Wohnung hin relativ trocken. Nur wenn Feuchtigkeit hinzukäme, könnte es zur Bildung von Bakterien und Schimmelpilzen kommen. Die einzig relevante Stelle, wo an sehr kalten Tagen Wasserdampf auskondensieren könnte, liegt im nach außen führenden Abluftbereich des Wärmetauschers, was jedoch auf die Raumluft keinerlei Einfluss besitzt. Selbst bei sehr einfachen Systemen wird zumindest ein Teil des Staubes herausgefiltert, der bei Fensterlüftung in die Wohnräume gelangen würde. Auch Pollen (wichtig für Allergiker) können herausgefiltert werden, wenn entsprechende Filter eingesetzt werden. Bei richtig geplanten und fachmännisch ausgeführten Anlagen treten keinerlei Zugerscheinungen auf. Die Bewohner brauchen auch nicht das Gefühl zu haben, eingesperrt zu sein, denn gelegentliches Öffnen der Fenster ist möglich. Falls dies nicht zu oft geschieht, wird die Effektivität einer solchen Lüftungsanlage kaum beeinträchtigt. Außerhalb der Heizperiode können die Bewohner die Lüftungsanlage abstellen und zur konventionellen Fensterlüftung übergehen.

Einige Geräte ermöglichen einen Sommerbetrieb, wodurch entweder Frischluft ohne Wärmerückgewinnung im Bypass geführt wird oder nur Abluft abgesaugt wird und der Zuluftventilator ruht.

Bild 21: Luftfilterbox DN 200.

Wartung

Lüftungsanlagen sollen gemäß DIN 1946/6 regelmäßig (mindestens alle zwei Jahre) gewartet werden. Die Wartungsarbeiten sollen beinhalten:

- Filterkontrolle, -reinigung oder -tausch im WRG-Gerät, an den Abluftventilen (mit Filtervorsatz), an der Außenluft-Ansaugstelle (Vorfilter) sowie möglicherweise an den Dunstabzugsfiltern.

- Überprüfung der Volumenströme an den Zu- und Abluftventilen gemäß dem Luftvolumenprotokoll bzw. den Planungsunterlagen. Für eine eventuelle Luftvolumenkorrektur sind auch die Erfahrungen der Bewohner und eine veränderte Nutzung zu berücksichtigen (Luftqualität, Geräusche an den Ventilen durch zu engen Luftspalt, usw.).

- Prüfung und eventuelle Reinigung der Luftkanäle, insbesondere des Zuluftkanals (Luftqualität). Anmerkung: Das schwedische Regelwerk (Code of Statutes 1992: 15) enthält Vorschriften, wonach Lüftungskanäle in Wohngebäuden in einem Intervall von neun Jahren zu reinigen sind.

- Überprüfung des Lüftungssystems hinsichtlich Schallquellen und -dämpfung, Wärmedämmung und Dichtheit.

- Prüfung des Wärmerückgewinnungsgerätes auf Verschmutzung (Wärmetauscher alle zwei Jahre reinigen), Dichtheit (interne und externe Leckage), Laufruhe der Ventilatoren, Stromaufnahme (Stromverbrauch messen und vergleichen mit den Kennlinien)

Überprüfung des Regelsystems.


*) Dipl.-Ing. Eberhard Paul, Fa. PAUL - Wärmerückgewinnung, Mülsen St. Jacob


B i l d e r :   Fa. PAUL - Wärmerückgewinnung, Mülsen St. Jacob


L i t e r a t u r :

[1] Lüftung im Passivhaus - Protokollband Nr. 4 Dr. Feist - Passivhaus-Institut Darmstadt


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