IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 23/2000, Seite 58 ff


REPORT


Preussag-Arena Hannover:

Kühle Luft auch wenns heiß her geht

Ein Gebäude der Superlative ist die Preussag-Arena auf der Expo-Plaza. Während der Weltausstellung wurde die Arena für Großveranstaltungen wie das Konzert der Scorpions benutzt. Doch auch nach dem Ende der Weltausstellung wird sie weiterhin Hannovers Großveranstaltungen beherbergen.

Die Halle hat eine Kapazität von bis zu 14000 Besuchern und gehört damit zu den größten Veranstaltungshallen in Deutschland. 425000 m2 Raum wurden umbaut, das Gebäude misst 128 m in der Länge, 115 m in der Breite und ist 34 m hoch.

Bei solchen Dimensionen werden an die haustechnischen Anlagen besonders hohe Anforderungen gestellt. Bei der Veranstaltungshalle ist die Klimatisierung des Zuschauerraums der Arena von zentraler Bedeutung: Das Gebäude muss warm sein, wenn die Zuschauer in die Halle kommen und während der Veranstaltungen enorme Kühllasten verkraften: Nicht nur die Zuschauer sorgen für Wärmeeintrag, sondern auch Beleuchtung, akustische Anlagen und die technische Ausstattung der oft auf Lichteffekte aufgebauten Shows. Bei alledem muss gewährleistet sein, dass die Temperaturdifferenz zwischen Innenluft und der zugeführten Frischluft zwei Kelvin nicht wesentlich überschreitet, da sonst für die Zuschauer unangenehme Zugerscheinungen auftreten.

Ihre erste harte Bewährungsprobe hat die Halle indes schon bestanden: Auftaktveranstaltung war ein Boxkampf, bei dem ein Hallenfeuerwerk entzündet wurde. Hier musste die Lüftungsanlage innerhalb kürzester Zeit dafür sorgen, dass der Innenraum der Halle wieder rauchfrei wurde.

Motorgesteuerte Luftauslässe erlauben die optimale Lenkung der Luftströme je nach Kühl- oder Heizfall.

Mehr als eine Million Kubikmeter Gesamtvolumenstrom

Kernstück der Klimaanlage sind insgesamt 28 verschiedene Geräte der Firma Wolf Heiztechnik. Dabei handelt es sich um separate oder kombinierte Zu- und Abluftgeräte, die einen Gesamtvolumenstrom von mehr als einer Million m3 Luft pro Stunde erzeugen können - 505000 m3/h entfallen auf die Zuluft und 545000 m3/h auf die Abluft.

Die Herzen der gesamten Anlage sind vier Teilklimageräte KG 800 von Wolf, die jeweils in einem der vier Haustechnik-Sektoren an den vier Gebäudeecken aufgestellt sind. Jedes dieser vier Geräte hat eine Leistung von 75000 m3/h für die Zuluft und 70000 m3/h für die Abluft. Die Geräte sind übereinander angeordnet und haben eine Höhe von 4,80 m bei einer Breite von 3 m. Alle Geräte sind mit einem Rotationswärmeaustauscher, Taschenfiltern in der Zu- und Abluft, Ventilatoren mit rückwärts gekrümmten Schaufeln, Mischkammern, Schalldämpfern sowie Pumpenregistern für Kalt- und Warmwasser ausgerüstet.

Die Kühlleistung jedes Gerätes beträgt 450 kW, die Wärmeleistung 970 kW. Davon stammen rund 65% aus der Wärmerückgewinnung, also den Rotationswärmeaustauschern. Jedes der vier Geräte ist 12,50 m lang und wiegt mehr als 12 Tonnen. Die insgesamt 24 kleineren Zu- und Abluftanlagen versorgen Nebenräume wie zum Beispiel die Umkleiden, Büros, Lagerräume, das Restaurant oder die Parkgarage.

Die Einbringung der Geräte war auch eine logistische Herausforderung. Bei einigen Anlagen konnte die Arbeit mittels Kränen nicht mehr bewerkstelligt werden. Hier musste die Montage mit Hilfe eines Hubschraubers erfolgen.

Montage per Hubschrauber

Bei diesen Ausmaßen war die Einbringung der Geräte durch den Anlagenbauer Kessler + Luch auch eine logistische Herausforderung. Die Klimageräte wurden mit Kränen in die Halle gehievt. Bei einigen kleineren Anlagen, die auf das Dach gestellt werden mussten, kam die Arbeit mit Kränen nicht mehr in Frage, weil die erforderliche Ausladung mit dem Autokran nicht erreichbar war. Hier musste die Montage mit Hilfe eines Hubschraubers bewerkstelligt werden.

Preussag Arena: Daten und Fakten

Erster Spatenstich:

24. Juli 1998

Fertigstellung:

April 2000

Bauzeit:

21 Monate

Abmessungen:

128 m lang, 115 m breit, 34 m hoch

Spielflächen:

variabel von 30 x 60 m bis 40 x 80 m

Drei Bühnenstandorte

Endbühne, Centerbühne, TV-Showbühne

Logen:

34 Clublogen, 6 Partylogen, 26 Cateringbereiche

Sitzplatzkapazitäten gesamt:

13500

Gebäudetechnik wird rund um die Uhr überwacht

Die Haustechnik der Arena wird im Rahmen eines Contracting-Vertrages für das gesamte technische Gebäudemanagement mit den Stadtwerken Hannover AG betrieben und von einer Leitzentrale rund um die Uhr fernüberwacht. Zudem haben die Stadtwerke speziell für diese Anlage eine Rufbereitschaft eingerichtet. Während der üblichen Arbeitszeiten sorgen ein Objektleiter sowie zwischen zwei und vier qualifizierte technische Mitarbeiter für eine reibungslose Funktion der Anlagen. Bei Veranstaltungen werden je nach Bedarf weitere Spezialisten hinzugezogen, die sich um die für die jeweilige Veranstaltung erforderliche Technik kümmern.

Fast fünf Meter hoch sind die vier Wolf-Klimageräte, die jeweils in einem der vier Haustechnik-Sektoren an den vier Gebäudeecken aufgestellt sind. Die Dimension lässt sich auch anhand der Anschlüsse für die Heiz- und Kühlregister nur erahnen.

Im Rahmen des Contracting werden weiterhin alle vier erdgasbetriebenen Heizungszentralen (zwei mit einer Leistung von 770 kW, zwei mit 950 kW Leistung) von den Stadtwerken unterhalten. Nach der Versammlungsstättenverordnung muss für die Arena eine Netzersatzanlage mit einer Leistung von 1000 kVA zur Verfügung stehen, die ebenfalls von den Stadtwerken bereitgestellt wird. Die Stromversorgung erfolgt mit einer 20-kV-Übergabestation sowie einer nachgeschalteten 20-kV-Transformatorstation. In der Arena kommen vier 1250-kVA-Gießharztransformatoren sowie ein separater Medien-Trafo (Gießharztransformator) mit einer Leistung von 630 kVA zum Einsatz. So wird eine hochwertige netzrückwirkungsarme Stromversorgungsqualität für die empfindliche Medientechnik erreicht.

Ein weiteres technisches Highlight der Halle ist das Eisfeld unter dem Hallenboden, das bei Bedarf aufgedeckt wird. Dessen erste Bewährungsprobe wurde mit dem Deutschland-Cup vom 10. bis zum 12. November dieses Jahres erfolgreich bestanden. Auch hierfür betreiben die Stadtwerke Hannover AG eine Eiskälteanlage mit einer Kälteleistung von 2 x 350 kW im Contracting. Das Betriebspersonal der Stadtwerke überwacht auch diese Kälteanlage fern.

Internetinformationen:
http://www.wolf-heiztechnik.de
http://www.preussag.de


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]