IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/2000, Seite 25 f.


VERBÄNDE AKTUELL 


Thüringen


Erdgastagung zeigte Chancen und Hintergründe auf

Die Partnerschaft zwischen SHK-Handwerk und Gaswirtschaft nimmt seit Jahren im Freistaat Thüringen einen hohen Stellenwert ein. Grund genug, im Turnus von zwei Jahren eine Erdgastagung zu veranstalten. So geschehen zuletzt am 6. 10. 2000, als man zur Tagung "Erdgas und Handwerk in Thüringen" nach Weimar einlud. Veranstalter war der Fachverband SHK Thüringen, die Erdgasversorgungsgesellschaft Thüringen - Sachsen, Verbundnetz Gas und die Ruhrgas.

Prof. Dr. Wolfgang Richter: "Die Energie-Einsparverordnung öffnet der modernen Heizungstechnik Tür und Tor."

Hintergrundinformationen zur geplanten Energie-Einsparverordnung (EnEV) bildeten den Auftakt der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit rund zehn Referaten: Prof. Dr. Wolfgang Richter appellierte an die Handwerker, sich vor Baubeginn, also bereits während der Planungsphase eines Projektes, mit dem Architekten in Verbindung zu setzen. Denn die EnEV gibt dem Architekten gewisse Spielräume in Sachen Energieeinsparung, die von der Technischen Gebäudeausrüstung besetzt werden könnten. Das Ziel müsse es sein, frühzeitig auf die Anlagentechnik Einfluss zu nehmen, um moderne und zukunftsträchtige Heizungstechnik in Form von z.B. Gasbrennwertkessel oder Solaranlagen einzubauen.

In diesen Zusammenhang gehören die Ausführungen von Dipl.-Ing. Gerd Böhm (Buderus Heiztechnik GmbH, Wetzlar). Er zeigte auf, dass der Einbau einer Solaranlage als moderne und umweltentlastende Möglichkeit der Warmwasserbereitung eine Energie sparende Heizungsanlage in Form eines Brennwertkessels fordere. Die Praxis habe dies bestätigt. Neu- und Altbauten, die eine Solaranlage bekommen, würden meist gleichzeitig mit einem Brennwertkessel kombiniert. Ein Umkehrschluss könne aber daraus nicht gezogen werden. D.h. Brennwerttechnik, die in einem Gebäude eingebaut werde, ziehe nicht automatisch Solartechnik nach sich.

Brennwerttechnik und Solaranlagen passen ausgezeichnet zusammen, so Dipl.-Ing. Gerd Böhm (Buderus Heiztechnik GmbH, Wetzlar).

Aus dem Hause Junkers gibt es seit kurzem einen Brennwertkessel, der im Gebäudebestand an jeden Schornstein angeschlossen werden kann. Eine Anpassung des Schornsteins ist nicht erforderlich, trotzdem komme es zu keiner Versottung. Thomas Oelschlägel (Junkers, Wernau) erläuterte das Prinzip: Das Brennwertgerät arbeitet zunächst wie jedes andere auch, d.h. die Abgase werden so weit heruntergekühlt, dass sie kondensieren und diese Wärme an das Heizungswasser abgegeben wird. Nach dem Verlassen des Wärmetauschers werden die Abgase mit noch nicht kondensiertem Abgas vermischt, dass eine Temperatur von mindestens 80C gehalten wird. Dadurch werde eine Schornsteinversottung sicher vermieden. Der Einsatz dieses teilkondensierenden Gerätes mit Namen "Cerapur Kamin" liegt damit im Austauschgeschäft. Bei optimalen Verhältnissen erreicht die Brennwerttherme einen Normnutzungsgrad von 102%.

Durch den fortschreitenden Wärmeschutz im Gebäude geht der Erdgasverbrauch entsprechend zurück, so Heinz-Dieter Corsten (Ruhrgas). Um den Absatz dieses Brennstoffs zu sichern, könnten verschiedene Haushaltsgeräte mit Erdgas betrieben werden, die heute noch Strom als Energiequelle benötigen. Dazu gehören z.B. Koch- und Backherd, Wäschetrockner oder der Geschirrspüler mit Warmwasseranschluss. Bei Geräten mit Warmwasseranschluss übernimmt ein Gaskessel die Warmwasserbereitung, womit der Bezug zum Erdgas hergestellt ist. Der Vorteil für Gasversorger liegt auf der Hand: Der Absatz von Erdgas wird gesichert. Aber auch der Handwerker kann einen Vorteil erzielen, in dem er die Gas- und Wasserleitungen verlegt und die Wartung der Geräte übernimmt.

Rund 100 Gäste nahmen an der Tagung "Erdgas und Handwerk in Thüringen" teil. Vorn rechts: Dr. Siegfried Hörnlein, Geschäftsführer des Fachverbandes SHK Thüringen.

Über Neuerungen auf dem Gebiet der Gasinstallation berichtete Prof. Dr. sc. Klaus Kurth. Als wichtigste Veränderungen in letzter Zeit nannte er die Ergänzungen der TRGI hinsichtlich Manipulationssicherheiten an Gasanlagen. Danach sollen Leitungsenden vermieden werden. Eine andere Möglichkeit ist die, als Leitungsenden (Stopfen, Kappen) solche Formteile zu verwenden, die nur mit Spezialwerkzeug montiert werden können. Prof. Kurth blickte nicht nur in die Gegenwart, er zeigte in seinem Vortrag auch in die Zukunft: Demnächst könnten Verbundrohre als Gasleitungen zugelassen werden. Ein Zeitpunkt könne noch nicht genannt werden.

Bernd Scheibe informierte das Plenum auf die Sicherheitsinitiative des ZVSHK mit Namen "Gas ganz sicher". Dahinter verbirgt sich eine Verbandsidee, die vorhandene Gasanlage eines Nutzers auf Dichtheit zu überprüfen. Sind alle Verbindungen, Rohre und Fittings ordnungsgemäß dicht, so erhält der Kunde ein Zertifikat über seine einwandfreie Gasanlage. Sind dagegen Nachbesserungen notwendig, so dürfte der SHK-Unternehmer mit der Beseitigung der Undichtigkeiten beauftragt werden. Dieser sog. Gascheck ist Innungsbetrieben vorbehalten, da ein Kurs von etwa 11/2 Tage zu absolvieren ist, den der ZVSHK anbietet. Dadurch, dass nur ein Innungsbetrieb einen Gassicherheitscheck anbietet, hebt er sich von Nichtinnungsbetrieben ab. Nähere Auskünfte hierzu erteilt der ZVSHK (Tel. 0221/29056) und der Fachverband Thüringen (Tel. 0361/67590).


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