IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 15/16/2000, Seite 38 ff.


KLEMPNERTECHNIK


Sanierung eines Wohnhauses in Berlin-Spandau:

Schöner Wohnen unter'm Treppendach

Friedolin Behning und Wolfgang Müller*

Die Vielseitigkeit des neuen Quick Step-Treppendaches zeigt sich auch bei seinem Einsatz in der Altbauerneuerung. Am Beispiel eines sanierten Wohnhauses in Berlin-Spandau wird dargestellt, wie der Dachbereich mit diesem interessanten Dachsystem funktionssicher und attraktiv neu gestaltet wurde. Im Zuge der Renovierungsarbeiten erhielten darüber hinaus die Außenwände eine neue metallische Hülle in Klempnertechnik. Auch, um den Wärmeschutz des Gebäudes heutigen Forderungen anzupassen. Durch beide Maßnahmen wurde der Nutzwert des Hauses gesteigert und sein äußeres Erscheinungsbild verbessert.

Bild 1: Gartenseite des renovierten Wohnhauses mit der Ansicht des neuen Daches in "vorbewittertem" Titanzink. Ausführungstechnische Einzelheiten, wie z.B. die Aufteilung der Dachfläche in vier Felder, die formschöne Randeinfassung und die Schornsteinbekleidung in Winkelstehfalztechnik, sind erkennbar.

Metallische Gebäudehülle: Wärme- und Wetterschutz

Wir befinden uns in einem Wohngebiet des Berliner Stadtteils Spandau, ca. acht km westlich des Flughafens Tegel. Das hier vorgestellte Wohnhaus unterscheidet sich nach der Renovierung, die im Herbst 1999 abgeschlossen wurde, insbesondere durch seine äußere Gestaltung von den Häusern der Nachbarbebauung. Zuerst fällt hier der deutlich vorspringende Dachbereich mit seiner dezent blaugrauen Außenbekleidung aus "vorbewittertem" Titanzink auf. Im Kontrast zu einigen angrenzenden Bauten mit konventionellen Satteldächern verfügt unser Beispiel über ein kubisch anmutendes, im vorderen Bereich steil aufgesetztes Dachgeschoss, welches erst im rückwärtigen Drittel mit einer Neigung von 28 zum Gartengeschoss hin abfällt. Während die vordere Dachpartie - hinter einer umlaufenden Aufkantung - als konventionelles Flachdach ausgeführt wurde, bildet die gartenseitige Schräge ein Pultdach, welches mit dem neuen Treppendachsystem gedeckt wurde.

Bild 2: Die Vorderansicht mit Giebelseite, vom Boltenweg aus gesehen, wird dominiert von den vertikal strukturierten Flächen der metallischen Außenwandbekleidung; alle Fensterausschnitte sind exakt dem Raster der Winkelstehfalze angepasst.

Dieses neue System besteht aus vorgefertigten Profilelementen, im Normalfall in 2 bzw. 3 m Standardlänge, 0,80 mm dick, hier gemäß Aufteilung jeweils 2,69 m lang, die einfach und schnell mittels präziser Steckverbindungen montiert werden. Zur verdeckten Fixierung werden spezielle Profilbefestiger eingesetzt. Sie werden zusammen mit keilförmigen Holzleisten auf der tragenden Unterkonstruktion aufgebracht. Die Verbindung der Deckprofile untereinander erfolgt durch einfaches Einhängen, Andrücken und Einrasten.

Durchlaufende Fugenprofile erlauben eine regensichere, funktionelle Unterteilung der Dachfläche. Zur Ausbildung von Traufe, First, Ortgang und Grat werden passende Systemkomponenten verwendet. Alle Metallprofile werden in "vorbewitterter" Qualität geliefert. Die interessante Stufenwirkung der fertig verlegten Profile entspricht der Bezeichnung "Treppendach"; durch die trauf- und firstparallele Ausrichtung der Deckprofile ergibt sich eine sehr ausgeprägte, horizontale Gliederung der Dachfläche. Das System eignet sich für Dachneigungen von 10 bis 60. Das Funktionsschema dieses patentierten Dachsystems mit seinen einfachen Verbindungen geht aus den Zeichnungen hervor.

Großflächige Metallanwendung

Lange und störungsfreie Nutzungsdauer, Wirtschaftlichkeit und ansprechende Optik standen im Lastenheft der Modernisierungs- und Umbauarbeiten. In Zusammenarbeit mit Bauherrn und Systemhersteller konzipierte die ausführende Firma Christian Kronmarck aus Rosenwinkel die verlegetechnischen Einzelheiten für den neuen Dachtrakt. Als besonderes Merkmal der Gestaltung fällt die verhältnismäßig großflächige Metallanwendung auf. Zum einen umfasst sie den asymmetrischen Dachbereich, zum anderen die beidseitigen Giebelflächen, die steile, obere Front, Abdeckungen, Verwahrungen, Einfassungen und natürlich die Dachentwässerung. Hintergrund dieser Entscheidung war auch die Forderung nach bestmöglichem Wetterschutz.

Bild 3: Aus dieser Teilansicht der Dachfläche wird die charakteristische horizontale Gliederung des Quick Step-Verlegesystems deutlich. Die stufenförmige Struktur der Profilelemente erinnert an eine weitläufige Freitreppe.

Bild 4: Hochpunktdetail mit Übergang in die Attika-Abdeckung. Die Trennlinie des markanten Fugenprofils ist bis unter die Abdeckung hochgeführt. Als Abschluss oberhalb des Dachknickprofils wurde ein entsprechend abgeändertes Basisprofil eingefügt.

Ausführung

Die ursprüngliche Deckung des Schrägdaches bestand aus Faserzement-Schindeln, die abgenommen wurden. Die vorhandene Mineralwolledämmung konnte als Vollsparrendämmung verbleiben. Ebenfalls konnte nach gründlicher Überprüfung die alte Vollholzschalung weiterverwendet werden. Sie erhielt eine neue Trennlage aus vliesverstärkter Dachbahn, die gleichzeitig eine Funktion als regensicheres Unterdach erfüllt. Hierauf wurde die erforderliche Konterlattung (30/50 mm) und rechtwinklig (in Richtung First-Traufe) dazu die Systemlattung aufgebracht. Zur Fixierung der Quick Step-Profile dienen spezielle, vormontierte Systembefestiger, die Bestandteil der Systemlattung sind.

Bereits im Vorfeld der handwerklichen Arbeiten war die optimale Aufteilung der Dachfläche einschließlich der Dachüberstände und der erforderlichen Überdeckungen ausgemittelt worden. Sie ergab eine Aufteilung in vier Felder, jeweils mit einem Achsmaß von 2,69 m.

Jedes Feld besteht aus einem Traufprofil, 13 Basisprofilen, einem Dachknickprofil sowie einem zusätzlichen Basisprofil, welches unmittelbar unter die obere Abdeckung zu führen war. Die vier Dachfelder sind gleichmäßig durch drei architektonisch wirkungsvolle Fugenprofile unterteilt.

Bild 5: Das Traufdetail zeigt die hinter dem vorderen Abdeckprofil verdeckt (außerhalb des Gebäudes) liegende Dachrinne und die abgekanteten Traufprofile. Mittig und im Hintergrund zeichnen sich die Konturen der Fugenprofile ab.

Bild 6: Dieses Ortgangdetail mit handwerklich sauber ausgeführten Übergängen stellt eine beispielhafte Lösung von hohem ausführungstechnischen Schwierigkeitsgrad dar. Nicht weniger als vier verschiedene Konstruktionselemente (Außenwandbekleidung, Attika- und Ortgangabdeckung sowie Treppendach) waren wettersicher und dehnungstechnisch einwandfrei zu verbinden.

Anstelle von Ortgangprofilen wurden ca. 30 cm breite Abdeckprofile ausgeführt, die formschön in die Abdeckprofile der Attika des vorderen Flachdachbereiches integriert sind. Diese Abdeckprofile dienen gleichzeitig zur Überdeckung der Außenwandbekleidung, die in Winkelstehfalztechnik ausgeführt wurde. Wie die Abbildungen zeigen, verstanden es die ausführenden Handwerker, alle Anschlussdetails, Übergangs- und Verbindungszonen funktionell und formschön auszubilden. Auch hierin zeigt sich die Vielseitigkeit des Verfahrens und seine besondere Eignung für schwierige, anspruchsvolle Detaillösungen.

Bild 7: Treppendach auf Systemlattung.

Außenbekleidung in Winkelstehfalztechnik

Die hinterlüftete Bekleidung der beiden Giebelseiten und der Dachgeschoss-Front wurde mit durchgehenden Scharen aus 3-m-Tafeln (Titanzink "vorbewittert", 0,70 mm) in Winkelstehfalztechnik ausgeführt. Aufgrund exakter Vorfertigung und geschützter (trockener) Lagerung ergab sich nach dem Einbau ein gleichmäßiges, sauberes Oberflächenbild. Das Achsmaß beträgt 430 mm.

Als Unterkonstruktion dienen Holzwerkstoffplatten (OSB) einschließlich Trennlage, auf Holzlatten montiert. Zur Verbesserung der Wärmedämmung wurden 60 mm dicke Hartschaumplatten eingesetzt. Die Fensteröffnungen sind - jeweils im Falzbereich - harmonisch in den vertikalen Raster der Winkelstehfalze integriert. Für den Luftzutritt wurden im Traufprofil kreisförmig angeordnete Lüftungsöffnungen ausgestanzt. Auch der dreizügige Schornstein wurde im Sockelbereich und über Dach mit 0,70 mm Tafelmaterial in Winkelstehfalztechnik bekleidet. Die obere Abdeckung im Kopfbereich besteht aus nichtrostendem Stahl.

Bild 8: Dachknickpunkt.

Zusammenfassung

Am Beispiel eines renovierten Wohnhauses in Berlin-Spandau wurde die Ausführung eines ungewöhnlichen neuen Metalldaches und handwerklich hergestellter Außenwandbekleidungen in Klempnertechnik aufgezeigt. Das hier zur Ausführung gelangte, patentierte Verfahren ist ein vielseitig einsetzbares, weitestgehend vorgefertigtes Dacheindeckungssystem. Es besteht aus wenigen, standardisierten Bauelementen und eignet sich für Dachflächen mit Neigungen von 10 bis 60. Seine Hauptmerkmale sind einfache und wirtschaftliche Verlegung sowie hohe Funktionssicherheit. Das Verfahren ergibt damit eine hochwertige Metallbedachung von beispielhafter technischer Lebensdauer und mit "maßgeschneiderten" Details. Wie unser Beispielobjekt zeigt, werden auch in gestalterischer Hinsicht hohe Ansprüche erfüllt.


Daten zum Objekt

Sanierung Wohnhaus Gelewsky, 13591 Berlin-Spandau

Fertigstellung: Oktober 1999

Metallarbeiten: Firma Christian Kronmarck, 16928 Rosenwinkel

Fachberatung: Anwendungstechnik der Rheinzink GmbH & Co. KG

Ausführung: Dach als Quick Step-Treppendach; Außenbekleidung in Winkelstehfalztechnik; Verwahrungen, Einfassungen etc. objektbezogen in Klempnertechnik

Verwendeter Werkstoff: Titanzink "vorbewittert", ca. 3,00 t

Fotos: Gelewsky, Müller, Rheinzink


* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH & Co. KG, Datteln


Z e i c h n u n g e n :   Rheinzink (Die Zeichnungen zeigen beispielhaft Einzelheiten der konstruktiven Ausführung beim Quick Step-Treppendach; bei der vorgestellten Arbeit ergeben sich geringfügige, objektbedingte Abweichungen.)


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