IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 13/2000, Seite 64 ff.


REPORT


Alle in einem Boot

Synergieeffekte

Unter diesem Motto segelt die Illbruck-Gruppe seit der Firmengründung durch Willi Illbruck in den fünfziger Jahren von Erfolg zu Erfolg. Nicht nur unternehmerisch - auch sportlich. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, die mit der Teilnahme am Volvo-round-the-world-race beim Start im September 2001, ihren nächsten Höhepunkt erreichen wird. Erklärtes Ziel: Gewinnen. Einen Hauch vom Leben auf einer Rennyacht konnten im Mai die vier erfolgreichen Teilnehmer unseres Gewinnspiels erleben.

Schnelles Boot, klasse Crew, Top-Skipper. Joachim, Heinz, Markus, Andreas, Michael und Stefan vor dem Auslaufen.

Illbruck, neben Schümann, Schütz und Friese einer der ganz großen Namen des deutschen Hochseesegelns, konnte sich mit seinen ehemals Pinta genannten Yachten bereits mehrfach in die Siegerlisten solch renommierter Veranstaltungen wie Admirals- oder Sardinias-Cup eintragen. Eine Pinta hat heute ihren Heimathafen in Strande an der Ostsee. Sie dient den Kunststoff-Spezialisten aus Leverkusen zu Test- und Promotion-Zwecken.

Alle wichtigen Details werden noch im Hafen erläutert.

Ein Glücksfall für die IKZ-HAUSTECHNIK-Leser Joachim Dietrich, Markus Hörmann, Andreas Herrmann und Stefan Jader, die gemeinsam mit Michael Stielow (Illbruck Sanitärtechnik), Skipper Heinz Reußwig (Illbruck) und dem Berichterstatter Günther Klauke ein gemeinsames Wochenende auf dem sensiblen Renngerät verbringen konnten.

Ein Glücksfall deshalb, weil heutzutage personal-power-trainings hoch im Kurs stehen und viel Geld kosten. Dazu gehören auch Segelausflüge, die allen anderen Veranstaltungen dieser Art eines voraus haben: Niemand kann die Gruppe verlassen. Schon nach wenigen Minuten des Zusammenseins an Bord zeigt sich, ob die Mitglieder einer Gruppe teamfähig sind oder nicht. Erfolg stellt sich aber, geschäftlich wie beim Segelsport, in aller Regel nur im Team ein. Passt die Gruppe nicht, ist der Erfolg von vornherein infrage gestellt. Das gilt umso mehr, je weiter man sich an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit herantastet.

Ein Wochenend-Segeltörn rund um Fehmarn kann diesbezüglich nur einen kleinen Vorgeschmack liefern. Zumal dann, wenn sich das Wetter entgegen aller Vorhersagen von seiner guten Seite zeigte.

Anfangs dauert es noch, bis jeder sein Lieblingsplätzchen gefunden hat.

Für die Profis, die im September 2001 mit der "Illbruck" an den Start zur Weltumsegelung gehen, sieht das ganz anders aus. Bereits seit einem Jahr sichtet man die Crew, plant und verwirft Strategien und Taktiken, testet Segel und optimiert die Bootsausrüstung. In sieben Etappen geht's bei den Spezialisten um alles oder nichts. Bis zu 30 Tage kann eine Etappe dauern. Eisige Stürme und glühende Hitze begleiten die Segler. Drei (!) Besatzungsmitglieder müssen sich aus Gewichtsgründen einen Schlafsack teilen, zu essen gibt's Astronautennahrung. Das war's. Alle persönlichen Dinge, auch Musik und Bücher, dürfen nicht mit an Bord gebracht werden. Nur unter diesen Bedingungen, so die Experten, ist eine erfolgreiche Teilnahme möglich.

Für uns Freizeitsegler stellte sich im Mai die Situation deutlich erfreulicher dar. Jeder bekommt eine eigene Koje und kann seinen eigenen Schlafsack verwenden. Musik und Bücher dürfen natürlich auch mit an Bord. Es gibt sogar eine richtige Pantry, die Käpt'n Heinz nicht nur für herrliche Frühstückseiervariationen nutzt. Selbst mehrgängige Menues in Topqualität zaubert der Skipper auf dem zweiflammigen Bordkocher.

Am nächsten Morgen ist es endlich so weit. Bewölkt, 16C, Südwest 3. Alle Mann an Deck, Großsegelpersenning herunter, Motor an. Auf Anweisung des Skippers lösen Joachim, Markus, Andreas und Stefan die Festmacher und endlich bewegt sich der Cupper aus der Box.

Langsam gleitet die Illbruck-Pinta aus dem Hafen in die Kieler Bucht. Dort wird die Nase in den Wind gedreht und mit viel Geduld bringt Heinz den Landratten die Vielfalt an Tampen und Streckern, Fallen und Schoten, Leinen und Backstagen näher. Die frühmorgendliche ausführliche Instruktion im Hafen zahlt sich aus. Problemlos gleiten Großsegel und Genua nach oben. Schoten dicht, leicht abfallen, Motor aus. Das Team besteht den ersten Einsatz mit Bravour: Illbruck-Pinta segelt!

Begeisterung zeigt sich in den Gesichtern, denn jede noch so leichte Windveränderung wird von diesem Renngerät gnadenlos in Geschwindigkeit umgesetzt. Sechs, sieben, acht, beinahe neun Knoten kitzelt die zusammengewürfelte Crew aus überwiegend Nichtseglern unter professioneller Anleitung aus dem Boot. Schnell wandelt sich bei allen die zurückhaltende Neugier in Spaß am Segeln. Auch kurze Regen- und Hagelschauer können die ausgezeichnete Stimmung nicht trüben. Wer nicht am Ruder steht findet schnell ein bequemes Ruheplätzchen an Deck.

Segeln macht nicht nur müde ...

Nach rund sieben Stunden Fahrzeit und 41 Seemeilen heißt es kurz vor der Einfahrt in den Fehmarner Hafen Burgtiefe: Motor an, Segel bergen und ab in die Box. "Der ultimative Kick!" ziehen Markus und Andreas Bilanz, als sie sich der Segelkleidung entledigen.

... sondern auch hungrig!

Was die beiden zu dieser Zeit noch nicht wissen konnten: besagter Kick folgt erst am nächsten morgen. Skipper Heinz legt die Route fest und entscheidet sich für "Fehmarn rund". Das bedeutet Spaß ohne Ende, steht doch der Wind nach wie vor auf Südwest und bläst mit akzeptablen 3 - 4 Beaufort. Spinnakerkurs! Nach der obligatorischen Einweisung - in diesem Fall besonders wichtig, denn von Vorschotern und Steuermann verlangen "Vor dem Wind Kurse" immer erhöhte Aufmerksamkeit. In diesem Fall natürlich ganz besonders von Skipper Heinz.

Segeln unter Spinnaker erfordert höchste Aufmerksamkeit.

Erfreulicherweise geht alles glatt. Fast geräuschlos gleitet das rund 100 m2 große weiße Tuch nach oben und entfaltet sich mit einem lauten "Plopp". Beinahe gleichzeitig glaubt man das Schiff duckt sich wie eine Katze auf Raubzug um im nächsten Augenblick wie von der Tarantel gestochen nach vorn zu schießen. Selbst die Laien an Bord verspüren einen Adrenalinstoß, und die Besatzungen mitlaufender Fahrtenyachten müssen glauben sie lägen vor Anker. Stundenlang geht es so voran, bis nach ca. 25 Seemeilen der Windeinfall keinen Spinnaker mehr erlaubt. Unter Groß und Genua geht es daher bis in den Hafen der dänischen Kleinstadt Bagenkop, aufgrund des späteren Kreuzkurses immerhin 62 Seemeilen vom Start in Burgtiefe entfernt.

Einen ausschweifenden Abend hat keines der Crewmitglieder mehr im Sinn. Nach dem excellenten Schweinefilet à la Heinz, mit Bratkartoffeln, Pfifferlingen und Bohnensalat, fallen stattdessen müde Krieger in die Kojen.

Sonntäglicher Höhepunkt: Markus (3.v.l.) hat Geburtstag.

Am Sonntag stehen dann noch einmal 25 Seemeilen zurück nach Strande auf dem Programm. Seglerisch anfangs wiederum mit dem Höhepunkt eines langen Spinnakerkurses, wartet auf sechs der Teilnehmer die eigentliche Überraschung: Markus Hörmanns Geburtstag! Der junge Mann vom anderen Ende der Republik (Friedrichshafen!) zaubert zwei leckere Fläschchen Champagner aus dem Kühlfach und kann bei strahlend blauem Himmel herzliche Geburtstagswünsche seiner Mitsegler in Empfang nehmen.

Um zwei Uhr mittags ist die ganze Herrlichkeit vorbei. Illbruck-Pinta gleitet unter den sachkundigen Skipper-Händen rückwärts in die Box. Leinen fest, Motor aus, lautet das letzte Kommando. "Wenn mir jetzt einer sagt "komm wir gehen segeln", fahren wir nicht nach Hause", fassen Joachim, Markus, Andreas und Stefan ihre Gefühle zusammen. Ein herzliches Dankeschön gilt abschließend dem Haus Illbruck Sanitärtechnik und speziell Skipper Heinz. Für alle steht fest: "Wenn wir dürfen, kommen wir wieder!"


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