IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 11/2000, Seite 73 ff.


REPORT


Marktchance Wellness

Wohlbefinden verkaufen

Wellness ist auch in der SHK-Branche zum Leitbegriff geworden. Kein Wunder: Er bringt ein umfassendes Lebensgefühl zum Ausdruck, das sich in den neunziger Jahren entwickelt hat und auch den Beginn des neuen Jahrtausends nachhaltig beeinflusst. Doch was steckt dahinter? Wie sieht ein adäquater Markt dazu aus und wie sind seine Chancen?

Die Frage, wie man gesund, fit und fröhlich bleibt, war früher recht einfach zu beantworten - damals, zu Beginn der Fitness-Welle, die auf Leistung baute und die man eigentlich bei Turnvater Jahn ansetzen könnte: "No pain, no gain" - Stöhnen aus Schmerz und Anstrengung denn aus Lust. Heute predigen Wellness-Experten von der allumfassenden Gelassenheit: Mehr Spiel als Kampf, mehr Lust als Leistung, mehr Entspannung als Anstrengung. Loslassen, träumen, sich gehen lassen und lernen, dass auch Passivität und Nichtstun Erholung bedeuten können, und dass erst danach wieder wirkliche Aktivität möglich und angenehm ist.

So werden hierzulande Entspannungs- und Heilmethoden aus allen Kulturen und Epochen zusammengetragen, hochgelobt und in die Charts aufgenommen, die fast jede Woche einen neuen Spitzenreiter präsentieren. Paradox: Die Suche nach Wohlbefinden wird zur Qual der Wahl, gepaart mit dem schlechtem Gewissen, von vielem zu wissen und wenig zu tun.

Entspannung total verspricht die Wellness-Liege "Bodyswing".

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: "Die Ziele der Wellness-Bewegung sind Entspannung und Gesundheit. Ein bisschen Abstand vom Alltagsstress, ohne viel Aufwand, das wünscht sich jeder", so Jochen Drewniok, Geschäftsführer von Hoesch, Metall+Kunststoffwerk, Düren. In seinem Unternehmen widmet man dem Bereich Wellness viel Aufmerksamkeit und gibt entsprechende Studien in Auftrag. Und die zeigen, wohin der Hase läuft: ins Private. Dort, in der Geborgenheit der eigenen vier Wände, sucht der moderne Mensch Entspannung und Erholung. Viele Hersteller aus der Sanitär-Branche haben diesen Trend erkannt und ihr Produktsegment dementsprechend ausgebaut.

Marktchancen

Eine Anfrage beim Wellness-Anbieter Hoesch ergab, dass der Markt tatsächlich noch mehr Potenzial bieten soll, als ursprünglich vermutet wurde. So habe sich die Anzahl der verkauften Dampfbäder im Unternehmen seit 1998 mehr als verdoppelt, ebenso die Anzahl verkaufter Großpools. Eine Tendenz, die man auch im Jahr 2000 noch für möglich hält. Mittel- und langfristig geht man von einem jährlichen Wachstum von mindestens 30 Prozent aus.

Wellness und Whirlwanne - zwei Begriffe, die auch heute noch eng verknüpft sind. Doch Wellness hat viele Gesichter

Vier Grundsäulen für einen besseren Lebensstil

Wellness bedeutet im Idealfall nichts anderes, als eine positive Einstellung zu sich, seinen Mitmenschen und der Umwelt zu finden sowie das Leben gelassen zu genießen. Ein Lebensstil, der auf vier Grundsäulen aufbaut: Ernährung, Bewegung, natürliche Schönheit und ausgeglichene Psyche. Sein persönliches Wellness-Rezept muss jeder schon selbst finden. Manch einer schwört auf eine Stunde Gymnastik täglich, ein anderer auf Yoga. Das heißt jedoch nicht, dass Hometrainer oder Whirlwanne schon ausreichen, um sich gleich ein "Wellness-geprägtes" Leben auf die Fahnen schreiben zu können. Ziel ist vielmehr eine innere Haltung, die alle Lebensbereiche - siehe oben - berücksichtigt. Wer sich die Möglichkeit schafft, beispielsweise regelmäßig Dampfbäder zu nehmen, macht einen positiven Lernprozess durch: Entspannung und Wohlbefinden werden nicht mehr so schnell aus dem Leben verbannt. Im Gegenteil. Der Wunsch, dieses Gefühl auch in andere Lebensbereiche zu übertragen und häufiger Abstand vom Alltagsstress zu finden, wächst.

Wellness bedeutet im Idealfall nichts anderes, als eine positive Einstellung zu sich, seinen Mitmenschen und der Umwelt zu finden sowie das Leben gelassen zu genießen.

Das Zuhause wird sich, zumindest in Teilbereichen, mehr und mehr zu einer "Wellness-Oase" entwickeln. Da es sich bei Wellness um eine äußerst sinnliche Angelegenheit handelt, ist das Spektrum an Möglichkeiten immens: Warum sollte man beim Whirlen oder Dampfbaden, auf der Sonnenbank oder auf der Entspannungsliege nicht Musik hören, sich mit ausgewählten Aromen verwöhnen oder gezielt Licht zur Beruhigung oder Belebung einsetzen? Warum also nicht ganze Wellness-Räume schaffen, sei es anstelle des klassischen Saunakellers oder im früheren Kinderzimmer, das nicht mehr gebraucht wird? Die Form des Wohnens ändert sich. Bei individuellen Neubauten werden diese Bedürfnisse mehr und mehr berücksichtigt. Seitens der Planer ist entsprechende Kompetenz gefordert.

... so verspricht auch der Gang in die Sauna Wohlbefinden und totale Entspannung (Quelle: Klafs Saunabau).

Chance für das Sanitärhandwerk

Eine historische Chance für die Sanitärindustrie, ihr klassisches Angebotsspektrum zu überdenken und neue Bereiche zu entwickeln bzw. zu besetzen. Diejenigen, die den Trend frühzeitig erkannt haben, können sich freuen - und mit ihnen die aufgeschlossenen Partner in Handel und Handwerk. Wobei gegenseitige Unterstützung unerlässlich ist. Denn auch hier gilt: Allein die Präsenz eines Whirlpools in der Ausstellung genügt nicht. Gefragt sind komplette Konzepte, sowohl in der Sortimentspolitik als auch in Beratung, Handel und Verkauf. Wobei die für Wellness offene Seite der Industrie bereits ein großes Stück Verantwortung übernimmt. Zu den umfassenden Marketingmaßnahmen zählen neben werblicher Verkaufsunterstützung auch Schulungen in Beratung, Planung und Service. Allen Beteiligten ist bewusst, dass vor allem in der Verkaufsberatung das Nadelöhr zum Erfolg liegt. Damit ist nicht in erster Linie die Weitergabe technischer Details gemeint, sondern vor allem das Verständnis und die Vermittlung von Wellness-Welten. Und eine angemessene Atmosphäre durch die Ausstellungsgestaltung dient sicherlich der Glaubwürdigkeit einer solchen Strategie.

Manche Unternehmen gehen schon einen Schritt weiter und laden ihre Kunden zum "Ausprobieren" ein. Verständlich, wenn man bedenkt, dass man bei anspruchsvollen Wellness-Oasen bzw. -bädern schnell über sechsstellige Summen spricht. Und wo wird ein Kunde heutzutage noch derart viel Geld investieren, ohne vorher wenigstens eine Ahnung davon zu haben, was er schließlich bekommt. Die Wellness-Karte ist also längst noch nicht ausgereizt - doch es ist zu vermuten, dass nur die Innovativen und Engagierten der Branche den Stich machen werden.

Ambiente schaffen

Zu einer umfassenden Planung eines Wellness-Bereiches gehören nicht nur die entsprechenden Produkte wie Whirlpool, Dampfsauna, Solarium oder Entspannungsliege. Vielmehr müssen auch die baulichen Rahmenbedingungen stimmen. Einige wesentliche Aspekte werden im Folgenden beschrieben.

Raumklima ...

... kann man günstig beeinflussen: Früher flieste man Bäder bis zur Decke. Heute verlegt man eher nur in den Nassbereichen. Die restlichen Wände können geputzt, gestrichen oder auch tapeziert werden. Vorteil: Die Wände sind nicht hermetisch abgeschlossen, sondern ermöglichen einen Feuchtigkeitsaustausch mit der Luft. Außerdem wirken solche Wände "wärmer". Achten sollte man auf eine Linie, d.h., z.B. Brust- oder Augenhöhe der Benutzer als Grenze nehmen.

Fliesen ...

... werden vielfach einfach von einer Raumecke in die andere verlegt, ohne den Zusammenhang von Anschlüssen der Sanitärobjekte - d.h. ihre Mittelachsen - zu berücksichtigen. Die Folge: Die Fliesen liegen z.B. nicht in der Mitte des Waschtisches. Besser, man koordiniert die Sanitärplanung im Vorfeld mit dem Fliesenleger und erstellt zusammen einen Fliesenplan. Übrigens: Große Fliesen lassen ein Bad größer wirken und eignen sich daher auch für den Einsatz in kleineren Bädern.

Farben ...

... können helfen, zur Harmonie von Körper, Seele und Geist zu finden. So können warme Farben wie Gelb, Rot und Orange eine positive Wirkung auf Menschen haben, die an Niedergeschlagenheit, Antriebsschwäche und depressionsartigen Zuständen leiden. Auch für geistige und kreative Arbeiten eignen sich vorzüglich Gelbtöne. Um Ruhe, Frieden und Harmonie zu erzeugen, empfehlen sich grundsätzlich Grün- und Blautöne.

Glas und Spiegel ...

... bringen Reflexe in den Raum. Ein großer Spiegel vergrößert zudem das Bad optisch.

Licht im Bad...

... macht Stimmung. Wichtig: Bei der Beleuchtung für Nassräume müssen sowohl technische als auch gestalterische Aspekte bedacht werden. Es gibt Schutzzonen im Bad, die berücksichtigt werden müssen. Genauso wichtig ist die Auswahl und Platzierung der Leuchten; zu bedenken sind die Zonen im Raum: In der Wanne möchte ich mich entspannen und nicht in eine blendende Leuchte sehen, also indirektes Licht, Sternenhimmel oder auch Wandleuchten. Verschiedene Lichtqualitäten schaffen Stimmung: Wechsel in der Lichtfarbe (warm oder kälter), Lichtrichtung, eng oder breitstrahlende Leuchten, aber auch die Lichtebenen im Raum bestimmen die Gestaltung der Beleuchtung im Raum. Schaffen Sie verschiedene Lichtinseln, es muss nicht überall taghell sein. Man kann über gemeinsam geschaltete Anschlüsse die gewünschte Szenerie erleuchten.

Eine gute Lichtplanung, die nicht nur Beleuchtungsstärken errechnet, sondern Beleuchtungsvarianten im Raum erarbeitet und auch bewusst unterschiedliche Lichtstimmungen einsetzt, beeinflusst die Gesamtwirkung des Raumes entscheidend.


* B i l d e r :  Hoesch Metall + Kunststoffwerk GmbH & Co., Düren