IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 11/2000, Seite 35 ff.


EDV


ZVSHK-Zertifizierung Technischer Berechnungsprogramme

Was steht dahinter?

Franz Josef Heinrichs, ZVSHK Sankt Augustin
Bernd Rickmann, Fachhochschule Münster

Eine Bemessung von haustechnischen Anlagen, die das Ziel eines wirtschaftlichen Optimums zwischen den Erstellungs- und den nachfolgenden Betriebskosten verfolgt, kann heute nicht mehr überschläglich mit Rechenschiebern oder Taschenrechnern durchgeführt werden. Das vorgenannte Ziel kann - insbesondere in größeren Anlagen - in der Regel nur auf Grundlage einer "differenzierten" Berechnung aller maßgebenden Anlagenteile erreicht werden. Da der Datenerfassungs- und der Berechnungsaufwand für die erforderlichen differenzierten Betrachtungen sehr groß ist, wird in der Planungs- und Ausführungspraxis in zunehmendem Maße spezialisierte Software zur Problemlösung eingesetzt.

Damit solche Programme Planungssicherheit vermitteln, müssen die Berechnungsergebnisse regelwerkskonform sein. Dem Anwender fehlen zur Zeit Auswahlkriterien mit einheitlichen Vorgaben, Grundlagen und Anforderungen für den Einsatz solcher Programme. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima hat aus diesem Grunde mit den Software-Anbietern Dendrit, G.O.L.D., MW Software, SOLAR-COMPUTER und WILLMS im August 1998 einen Initiativkreis gegründet. Dieser Kreis hat sich die Aufgabe gestellt, durch die Formulierung von Anforderungsprofilen einen Qualitätsmaßstab für Berechnungsprogramme aus den Fachgebieten Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zu definieren. Durch die Erfüllung des gemeinsam entwickelten Qualitätsstandards, nachgewiesen in einem Zertifizierungsverfahren, soll künftig eine größere Akzeptanz und Kompatibilität von SHK-Branchensoftware für technische und betriebswirtschaftliche Programme erreicht werden.

Die gesteckten Ziele sollen durch folgende Arbeitsschwerpunkte erreicht werden:

 Bewertung der Regelkonformität
Anhand von Checklisten werden die Ergebnisse der Berechnungsprogramme auf der Grundlage von bestehenden Normen, wie z.B. DIN 1986-2, DIN 1988-3, DIN 4108 überprüft und bewertet.

 Service und weitere Leistungsmerkmale
Neben den regelwerkskonformen Berechnungsergebnissen sind für den Anwender die weiteren Leistungen eines Softwareanbieters von Bedeutung. Deshalb werden für die Themenbereiche Schulung, Hotline, Projektverwaltung und Handling Bewertungsmaßstäbe erstellt.

 SHK-Zertifizierung von Softwareanbietern
Softwareanbieter, die diese gemeinsam erstellten Qualitätsstandards für Technische Berechnungsprogramme erfüllen, können sich von der SHK-ZERT eine Bestätigung durch die Ausstellung eines Zertifikats geben lassen.

Trinkwasserinstallationen

Am Beispiel der Bemessung von Trinkwasserinstallationen soll das der Zertifizierung zugrundeliegende Verfahren exemplarisch vorgestellt und in seinen wesentlichen Merkmalen erläutert werden.

Problemstellung

Mit Novellierung der Trinkwasserverordnung (TVO) im Jahre 1990 gelten die dort enthaltenen Regelungen zur Sicherung der "Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch" ohne Einschränkungen bis zu den Entnahmestellen. Aus dieser Festlegung heraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für die Planung und die Ausführung von Trinkwasserinstallationen in Gebäuden, da gerade in diesem Bereich die Erhaltung der Trinkwassergüte in erheblichem Maße von der Konstruktion der Leitungsanlage, der Auswahl der Rohrwerkstoffe, der handwerklichen Ausführung und der Bemessung der Rohrleitungen abhängig ist. Zur Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit und zur Aufrechterhaltung der Trinkwasserqualität muss die Bemessung einer Trinkwasserinstallation folgende Technische Regeln berücksichtigen:

- Trinkwasserleitungen (Kalt- und Warmwasser) nach DIN 1988-3

- Nachweis des Wasserinhalts in nicht zirkulierenden Leitungsteilen (DVGW Arbeitsblatt W 551)

- Bemessung der Zirkulationsleitungen gemäß DVGW Arbeitsblatt W 553

Zertifizierungsverfahren

Programminstallation und grundsätzliche Arbeitsweise

Die Programminstallation und die nachfolgende rechnergestützte Projektbearbeitung erfolgt auf einem Pentium Rechner mit 133 MHZ Taktfrequenz unter dem Betriebssystem Windows 95. Diese Rechnerkonfiguration wurde bewusst am unteren Rande der Leistungsfähigkeit momentan eingesetzter Rechnersysteme ausgewählt, um das zeitkritische Verhalten der Datenerfassung und der Berechnungen praxisnah beurteilen zu können.

Bild 1: Berechnungsstrangschema für Beispielberechnung.

In einem ersten Schritt soll zunächst der grundsätzliche Programmablauf an einem kleineren Projekt (Bild 1) aufgezeigt werden. Dazu ist im Zertifizierungstermin eine komplette Datenaufnahme mit Erläuterung der einzelnen Bearbeitungsschritte durch einen geübten Anwender vorgesehen. Die Möglichkeiten der Datenerfassung und der nachfolgenden Berechnungen sind unter Berücksichtigung der Checkliste und weiterer praxisorientierter Belange mit den Gutachtern zu diskutieren. Besonderer Wert soll dabei auf eine flexible Datenstruktur gelegt werden. Es wird im Einzelnen überprüft, ob eine schnelle Änderung einmal erfasster Daten möglich ist, z.B. durch Hinzufügen oder Löschen von einzelnen Entnahmestellen oder ganzer Installationseinheiten. Zur Umsetzung des Vorfertigungsgedankens soll die Datenstruktur ferner die Definition von Installationsstandards für Stockwerksinstallationen und/oder Steigleitungskonstruktion mit gleichen Ausstattungsmerkmalen und Nennweiten ermöglichen.

Neben dem reinen Programmhandling soll in dieser Phase aber auch der Zeitaufwand, von der reinen Datenerfassung bis zum fertigen Ausdruck der Berechnungsergebnisse und die Fehlerstabilität des Programms, aufgezeigt werden.

Bild 2: Vorgaben für die automatische Zuordnung von Einzelwiderstandsbeiwerten im Verlauf der hydraulischen Berechnung.

Musterprojekt

Während in der ersten Phase grundsätzliche Funktions- und Plausibilitätsprüfungen im Vordergrund stehen, ist in der nächsten Phase der Zertifizierung schwerpunktmäßig die Regelkonformität der Berechnungsergebnisse zu überprüfen. Basis dieser Prüfung ist ein von den Gutachtern auf Grundlage der Checkliste entworfenes Musterprojekt (Bilder 6 und 7), das dem Bewerber vor dem Zertifizierungsverfahren zur Verfügung gestellt wird.

Das vom Antragsteller komplett vorbereitete Projekt wird mit dem Programm auf dem Rechner installiert. Danach wird die vorgelegte Datenerfassung auf Vollständigkeit überprüft. Bei Abweichungen von der Aufgabenstellung sollen - soweit wie möglich - entsprechende Korrekturen vorgenommen werden, damit die Ergebnisse der programmgestützten Berechnung mit einer Musterlösung verglichen werden können. Mit Durchführung der hydraulischen Berechnung wird die dafür benötigte Rechenzeit festgehalten und protokolliert.

Gleichung 1

pminV = pminFl + Dpgeod + DpWZ + SDpAp + DpSt + S(l R + Z)

Gleichung 2

Dpverf = pminV - (pminFl + Dpgeod + DpWZ + SDpAp + DpSt)

hierin bedeuten:

pminV

minimaler statischer Überdruck an der Anschlussstelle an die Versorgungsleitung

pminFl

erforderlicher statischer Überdruck an der Anschlussstelle für eine Entnahmearmatur bei ihrem Mindest-Entnahmevolumenstrom

Dpgeod

geodätische Druckdifferenz, resultierend aus der Höhendifferenz zwischen Anschlussleitung und Entnahmearmatur

DpWZ

Druckverlust im Wasserzähler

DpAp

Druckverlust in Apparaten, wie Filtern DpFIL, Dosieranlagen DpDOS, Enthärtungsanlagen DpEH, usw.

DpSt

Druckverlust in Stockwerks und Einzelzuleitungen (nur im vereinfachten Berechnungsgang)

S(l R + Z)

Druckverlust aus Rohrreibung und Einzelwiderständen im Fließweg, beginnend in der Hausanschlussleitung bis zur jeweiligen Entnahmestelle bzw. bis zum Stockwerksanschluss

Dpverf

im Fließweg verfügbare Druckdifferenz für die Überwindung von Strömungsverlusten

Kalt- und Warmwasserleitungen (DIN 1988-3)

Auf Grundlage der erzielten Berechnungsergebnisse wird die Checkliste schrittweise abgearbeitet. Im ersten Schritt ist die Umsetzung der hydraulischen Grundgleichungen (Gleichung 1) im vorliegenden Programmkonzept zu überprüfen. Diese Überprüfung ist von grundlegender Bedeutung, da hydraulische Berechnungen nur längs einzelner Fließwege (Stromfäden) vorgenommen werden können. Die Fließwege beginnen in einer Trinkwasserinstallation definitionsgemäß in der "Hausanschlussleitung" und enden jeweils an einer Entnahmearmatur. Der erste Schritt der DIN 1988-Berechnung besteht darin, aus der Vielzahl der Fließwege den "ungünstigsten Fließweg" herauszufinden [1].

Die Bemessung der Leitungsanlage muss mit diesem ungünstigsten Fließweg beginnen, auf dessen hydraulische Eigenschaften der Berechnungsalgorithmus des Programms alle weiteren Fließwege - mit allen im System vorhandenen Teilstrecken - abgleichen muss. Diese grundsätzliche Vorgehensweise muss aus einer fließwegorientierten Dokumentation der Berechnungsergebnisse, gemäß der Formvorgaben der DIN 1988, erkennbar sein.

Der ungünstigste Verbraucher ist im Musterprojekt der Wandhydrant mit C-Schlauch im 4. Geschoss (Bild 7), da für dessen Betrieb ein Mindestfließdruck von pminFL = 3,0 bar gefordert wird.

Tabelle 1: Berechnungsgleichungen für die Umrechung des Summenvolumenstroms in einen zu erwartenden Spitzenvolumenstrom nach DIN 1988-3

Volumenstromberechnung

Für die Bemessung der Leitungsanlage und der zugehörigen Apparate und Armaturen, ist die Ermittlung des zu erwartenden Spitzenvolumenstroms in allen Teilstrecken des Systems erforderlich. Die Ermittlung eines regelkonformen Spitzenvolumenstromes ist komplex, da nach DIN 1988 der Spitzenvolumenstrom in einer Teilstrecke z.B. von der Anzahl und der Konstruktionsart der zu versorgenden Entnahmearmaturen, dem jeweiligen Berechnungsvolumenstrom der Entnahmearmaturen , von der Nutzungsart der Installationseinheit (Tabelle 1) usw. beeinflusst wird. Ferner müssen Entnahmearmaturen als "Dauerverbraucher" eingestuft werden, wenn sie betriebsbedingt länger als 15 Minuten genutzt werden.

Tabelle 2: Zulässige Fließgeschwindigkeiten in Trinkwasserinstallationen gemäß DIN 1988-3

Fließgeschwindigkeiten

Ein weiteres Qualitätsmerkmal für die Bemessung der Leitungsanlage [2] ist die Ausnutzung der im Fließweg jeweils verfügbaren Druckdifferenz Dpverf (Gleichung 2) unter Berücksichtigung von Mindestnennweiten und zulässigen Fließgeschwindigkeiten nach Tabelle 2.

Die Stichhaltigkeit der Volumenstromberechnung wird in einigen repräsentativen Teilstrecken des Musterprojekts untersucht. In der Hausanschlussleitung ist z. B. die Überlagerung unterschiedlicher Nutzungsarten Wohnhaus/Krankenhaus und die Einhaltung der dort zu berücksichtigten Maximalgeschwindigkeit von vmax = 2,0 m/s zu überprüfen. Eine weitere Schwierigkeit für den Algorithmus der Spitzenvolumenstromberechnung stellt die Kaltwasserzuleitung zum Bauteil mit "krankenhausorientierter" Nutzung dar. Hier ist zunächst die Verbundproblematik Trinkwasser-/Löschwasser gemäß DIN 1988-6 zu lösen, darüber hinaus werden über diesen Leitungsteil auch Druckspüler mit > 0,5 l/s mit dem Nutzungsmerkmal "Krankenhaus" versorgt und zusätzlich nehmen noch Dauerverbraucher für die Grünflächenberegnung auf dem Dach (Bild 7) Einfluss auf das Ergebnis für den Spitzenvolumenstrom.

Bild 3: Beispiel für den notwendigen Einbau eines Druckminderventils zur Reduzierung des Fließdruckes vor den Entnahmestellen in den unteren Geschossen.

Apparatedruckverluste

Wegen des großen Einflusses der Apparatedruckverluste auf die Ergebnisse der hydraulischen Berechnung, sollten die Druckverluste in Apparaten immer unter Verwendung der Herstellerangaben "differenziert" ermittelt werden (Gleichung 3).

Für die richtige Auswahl und eine nachfolgende "differenzierte" Berechnung des Apparatedruckverlustes durch das Berechnungsprogramm sind z.B. die Ergebnisse für den Hauswasserzähler als Woltmanzähler, einen Wohnungswasserzähler als Flügelradzähler, den Schmutzfilter in der Hausanschlussleitung zu überprüfen. Wegen des erheblichen Einflusses auf die erforderlichen Rohrleitungsdurchmesser - bzw. auf die Sicherstellung des Mindestfließdruckes an der Entnahmestelle - muss ferner die Schaltdruckdifferenz eines hydraulisch gesteuerten Elektro-Durchlauferhitzers festgestellt werden (Bild 6). Die regelkonforme Berücksichtigung ist im einfachsten Fall über die Berechnung der verfügbaren Druckdifferenz Dpverf im betreffenden Fließweg nachzuweisen (Gleichung 2).

Bild 4: Bezeichnungen an gedämmten Rohrleitungen.

Einzelwiderstandsbeiwerte

Die automatische nennweitenabhängige Zuordnung von Einzelwiderstandsbeiwerten im Verlauf der hydraulischen Berechnungen ist in erster Linie bei der Bemessung von Stockwerks- und Einzelzuleitungen erforderlich. Die Leistungsfähigkeit der Berechnungs- bzw. Erfassungsroutine wird im Musterprojekt vornehmlich über die Zetawertzuordnung für die Stockwerksabsperrarmaturen (Kugel-, Schrägsitz- bzw. Geradsitzventil) überprüft. Die Berücksichtigung bestimmter Systemtechniken, wie z.B. die Hintereinanderschaltung von Entnahmearmaturen über sogenannte "Doppeldosen" bei Rohr-in-Rohr-Installationen ist hier wünschenswert.

Bild 5: Graphische Darstellung der Abgleichbedingung.

Druckerhöhung bzw. Druckminderung

Der Vordruckbereich, in dem eine Entnahmearmatur betrieben werden darf, wird aus funktionalen Gründen nach unten durch den Mindestfließdruck und aus Schallschutzgründen nach oben durch pRuhe = 5,0 bar begrenzt. Darüber hinaus sollte aus Gründen einer komfortorientierten Nutzung der jeweilige Fließdruck am Kalt- bzw. Warmwasseranschluss einer Mischarmatur näherungsweise gleich groß sein.

In größeren Installationssystemen, in denen Verbundsysteme Trinkwasser/Löschwasser realisiert werden, sind die vorgenannten Zielsetzungen häufig nur durch Einrichten von Druckstufen zu erreichen. Im Musterprojekt werden sowohl die Druckgrenzen nach DIN 1988-3 überschritten als auch Mischarmaturen mit stark unterschiedlichen Fließdrücken beaufschlagt. Bei einer regelkonformen Berechnung des Musterprojekts muss daher das Überschreiten der Fließdruckgrenzen durch eine Fehlermeldung angezeigt werden, damit der Bearbeiter entsprechende konstruktive Maßnahmen, z.B. Einbau eines Druckminderventils (Bild 3), ergreifen kann.

Zirkulationsleitungen (DVGW W 553)

Aus trinkwasserhygienischen Gründen wird im DVGW Arbeitsblatt W 551 [3] gefordert, dass im zirkulierenden Wamwassersystem die Warmwassertemperatur um nicht mehr als 5 K gegenüber der Austrittstemperatur des Trinkwassererwärmers unterschritten wird. Mit der zusätzlichen Festlegung, dass bei Großanlagen am Warmwasseraustritt des Trinkwassererwärmers eine Temperatur von 60C eingehalten werden muss, die nur unter Berücksichtigung einer Schaltdifferenz des Temperaturreglers im Speicher bis auf 55C absinken darf, werden neuerdings konkrete Temperaturgrenzen für den Betrieb von Zirkulationsanlagen definiert. Mit dem in DIN 1988-3 enthaltenen Bemessungsverfahren für Zirkulationsleitungen können in größeren Anlagen diese Temperaturen nicht zuverlässig eingehalten werden.

Vor diesem Hintergrund wurde vom DVGW das Arbeitsblatt W 553 "Bemessung von Zirkulationssystemen in zentralen Trinkwassererwärmungsanlagen" herausgegeben, in dem leistungsfähigere Bemessungsverfahren auf thermodynamischer Grundlage beschrieben werden. Die Anwendung dieser Verfahren zeigt, dass für eine Temperaturhaltung in den geforderten Grenzen eine grundsätzlich andere Verteilung der Zirkulationsvolumenströme und eine Einregulierung über Zirkulationsregulierventile erforderlich sind [4]. Die jetzt zu realisierende Volumenstromverteilung führt in der Regel zu anderen Durchmessern als nach DIN 1988-3.

Bild 6: Musterprojekt mit einer Nutzungscharakteristik als Wohngebäude.

Dämmung

Grundlage der neuen Berechnungsverfahren für Zirkulationssysteme sind die Wärmeverluste, die über die Oberfläche der nach Heizungsanlagenverordnung gedämmten Rohrleitungen stattfinden. Im dort beschriebenen "differenzierten" Verfahren sind die Wärmeverluste des Systems unter Berücksichtigung der Dämmstoffdicke, der Dämmstoffeigenschaften, der Umgebungsbedingungen usw. gemäß Gleichung 4 zu ermitteln. Voraussetzung für eine regelgerechte Bemessung einer größeren Zirkulationsanlage ist daher die "differenzierte" Ermittlung des Wärmeverlustes und die Vorgabe von beliebigen Umgebungstemperaturen.

Es wird in einzelnen Teilstrecken überprüft, ob die Berechnung des Wärmeverlustes den Ansprüchen an eine "differenzierte" Berechnung genügt und ob die Ergebnisse regelwerkskonform sind (Heizungsanlagenverordnung).

Bild 7: Musterprojekt mit einer Nutzungscharakteristik als Krankenhaus.

Überprüfung der 3-Liter-Regel

Aus den bereits genannten trinkwasserhygienischen Gründen sollten der Leitungsinhalt mit niedrigtemperiertem Wasser und die daraus resultierenden Zapfzeiten möglichst gering gehalten werden. Gemäß DVGW Arbeitsblatt W 551 dürfen in Großanlagen nur Stockwerks- und Einzelzuleitungen mit einem Wasservolumen < 3 l im Fließweg ohne Temperaturhaltung realisiert werden.

Der kritische Wasserinhalt im Fließweg muss mit der Berechnung vom Programm automatisch kontrolliert werden. Mit Überschreiten des Grenzwertes soll eine Fehlermeldung erfolgen. Zur Überprüfung wird im Zertifizierungsverfahren durch nachträgliches Verändern der Leitungslänge in einer beliebigen Stockwerksinstallation der Wasserinhalt auf mehr als 3 Liter erhöht und ein neuer Berechnungsdurchlauf eingeleitet. Mit Überschreiten des zulässigen Wasserinhalts muss vom Programm eine Hinweis- bzw. Fehlermeldung ausgegeben werden.

Hydraulischer Abgleich

In einem verzweigten Zirkulationssystem stellen sich die berechneten Zirkulationsvolumenströme nur dann sicher ein, wenn die Zirkulationsanlage hydraulisch abgeglichen ist. Der "hydraulische Abgleich" setzt voraus, dass bei der angestrebten Volumenstromverteilung in jedem Zirkulationskreis die Summe der rechnerischen Strömungsverluste genauso groß ist, wie die von der Pumpe erzeugte Druckdifferenz Dpp. Da bei unterschiedlich langen Zirkulationskreisen das Gleichgewicht zwischen Pumpendruckdifferenz und Anlagendruckverlust nicht nur über die Strömungswiderstände in den Rohrleitungen und Rohreinbauten erreicht werden kann, müssen zusätzlich noch definierte Druckdifferenzen DpD in Zirkulationsregulierventilen aufgebaut werden (Bild 5).

Gleichung 5

DpD = Dpp - [S (l R + Z) + SDpRV + DpTH + DpAp]

Da die Funktion des Zirkulationssystems maßgeblich von einer gezielten Einregulierung abhängig ist, müssen geeignete Berechnungsprogramme die erforderlichen Einstellwerte für Regulierventile, wie Volumenstrom und Druckdifferenz bzw. kv-Wert oder die Sollwerttemperatur am Ventil berechnen und in einer Liste zusammenstellen.


Checkliste

Auf Grundlage der vorgenannten Normen und Arbeitsblätter wurde vom ZVSHK-Initiativkreis "Technische Berechnungsprogramme" folgende Checkliste für die Überprüfung der Regelkonformität von Berechnungsprogrammen aufgestellt und verabschiedet:

 Dimensionierung und Druckverlustberechnung aller Fließwege unter Berücksichtigung des verfügbaren Rohrreibungsdruckgefälles in der Reihenfolge ihrer Ungünstigkeit. Ermittlung der erforderlichen Dimensionen unter Einhaltung des verfügbaren Versorgungsdruckes. Im Hinblick auf Hygiene und Wirtschaftlichkeit allerdings auch unter größtmöglicher Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Druckes. Die maximale Geschwindigkeit ist ein begrenzender Faktor. (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 7 bis 10)

 Automatische Berücksichtigung der Geschwindigkeitsgrenzen für Fließwege zu einem Dauerverbraucher oder in der Hausanschlussleitung, auch wenn die Anwendervorgabe für normale Teilstrecken darüber hinausgeht. (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 8, Tabelle 5)

 Automatische Berücksichtigung von Dauerverbrauchern bei der Ermittlung des Berechnungsvolumenstromes. (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 5 und 6)

 Automatische Berücksichtigung der entsprechenden Gleichzeitigkeitsformel anhand von Nutzungsart und größtem Einzelverbraucher und Möglichkeit der Berechnung mit prozentualer Anwendervorgabe für die Gleichzeitigkeit. (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 6 bis 6.3)

 Durchgängige Berechnung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungsarten in einem Projekt (Addition der nutzungsartabhängig ermittelten Spitzenvolumenströme)

 Automatische Auslegung von Filtern, Zählern, Apparaten anhand der für die Berechnung erforderlichen Eckdaten. (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 7, Gleichung 16)

 Berücksichtigung bereits feststehender Bauabschnitte und/oder feste Nennweitenvorgaben, z.B. Sanierungen (siehe DIN 1988 Teil 3, Kapitel 11, bzw. Anforderungen der Praxis bei Umbau und Sanierungsmaßnahmen)

 Überprüfung des Ruhedruck an jedem Verbraucher und Warnung bei Überschreiten der Maximalvorgabe. (siehe DIN 1988, Teil 5 Absatz 5.1 und DIN 4109)

 Integrierte Auslegung von Hydrantenleitungen (siehe DIN 1988 Teil 6, Kapitel 3.1.10)

 Automatische nennweitenabhängige Berücksichtigung der zeta-Werte für Formstücke und Einbauteile (siehe DIN 1988 Teil 3, Tabelle 27)

 Zuordnung und Berechnung der Dämmung für jede Teilstrecke (DIN 1988 Teil 2 Kapitel 10.2 und Heizungsanlagenverordnung)

 Berechnung der Zirkulationsleitung anhand der Wärmeverluste nach DVGW Arbeitsblatt W 553

 Prüfung der "3-Liter-Grenze" für nicht zirkulierende Warmwasserleitungen und Angabe des Wasservolumens. (siehe DVGW Arbeitsblatt W 551)

 Abgleich der Zirkulationsleitung über Strangregulierventile und Ermittlung der erforderlichen Einstellwerte (siehe DVGW Arbeitsblatt W 553)

 Ermittlung der Eckdaten (Volumenstrom und Druck) für die Auswahl der Zirkulations-Pumpen

 Materialzusammenstellung

 UGS / ZVSHK Unterstützung

 Übersichtliche Dokumentation der anlagenspezifischen Daten und Ergebnisse in Anlehnung an die Formblätter nach DIN 1988 Teil 3 und DVGW Arbeitsblatt W 553

Wünschenswerte Optionen

 Automatische Ermittlung des Versorgungsdruck für Projekte (ggf. nach den Regeln der Druckerhöhungstechnik), sofern keine Vorgabe erfolgte. (siehe DIN 1988 Teil 5, Kapitel 4.3.1, Tabelle 2)

 Durchgängige Berechnung mehrerer Druckstufen, über Druckerhöhungsanlagen oder Druckminderer. (siehe DIN 1988 Teil 5)

 Verbraucherspezifische Zuordnung der Berechnungseckdaten nach DIN 1988 als Vorschlagswerte für die Entnahmearmaturen (siehe DIN 1988 Teil 3, Tabelle 11)

 Durchgängige Berechnung mit unterschiedlichen Maximalgeschwindigkeiten für die Bereiche Stockwerk und Steige- / Kellerleitung

 Unterschiedliche Arten der Trinkwassererwärmung in einem Projekt

 Mindestnennweiten projektspezifisch vorgebbar

 Einfach realisierbare Vergleichsrechnungen mit unterschiedlichen Eckdaten, z.B. für max. Geschwindigkeit, Versorgungsdruck, Nutzungsart, etc.


L i t e r a t u r :

[1] Der Planungsservice von Kemper und Mannesmann, "Zirkulationssysteme in der Trinkwasserinstallation", 3. Auflage

[2] Boger, Heinzmann, Otto, Radscheit; "Kommentar zu DIN 1988 Teile 1 bis 8 - Technische Regeln für Trinkwasserinstallationen (TRWI), Beuth Verlag

[3] VGW-Arbeitsblatt W 551, "Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums"

[4] VSHK Fachinformation, "Zirkulation und Begleitheizung - Planung und Bemessung nach DVGW Arbeitsblatt W 553", Ausgabe Januar 1999


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