IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/2000, Seite 74 ff.



Barrierefreie Badgestaltung

Ein Wachstumsmarkt wartet auf Ihren Einstieg!

Der Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung wird in den nächsten Jahren erheblich zunehmen: Sind jetzt 15 Prozent der Deutschen älter als 65 Jahre, werden es im Jahr 2040 schon 30 Prozent sein. Die Menschen leben länger, und sie wollen ihr Leben auch im hohen Alter trotz eventueller körperlicher Einschränkungen vital gestalten. Gradmesser für die Selbstständigkeit und Sicherheit im empfindlichsten Wohnbereich - dem Bad - ist die richtige Ausstattung.

Dass ein hoher Bedarf an Lösungen für verschiedene Altersstufen besteht, zeigt auch der Blick auf die Statistik, stellen doch jüngere Familien mit bis zu zwei Kindern und Menschen über 55 Jahren mit jeweils rund 15 Millionen etwa den gleichen Anteil an der Bevölkerung Deutschlands.

Der Weg zur individuellen, raumökonomischen Möbeleinrichtung innerhalb des Vorwandinstallationssystems GIS von Geberit. Schon bei der Planung können Stauraum und Gestaltungselemente logisch berücksichtigt werden. Die komplette Integration in das vorhandene Trägerelement bietet ein Optimum an Bewegungsfreiheit.

Das Badezimmer hat sich zum Raum für individuelle Lebensqualität entwickelt und ist mehr und mehr ins Bewusstsein von Planern und Entscheidern gerückt. Das Ergebnis dieser veränderten Sichtweise ist, dass sich das Bad immer häufiger durch eine gelungene Verbindung von Ästhetik und Komfort auszeichnet. Bewährte Produkte und Systeme wurden aufeinander abgestimmt und werden unter Nutzung des konzentrierten Hersteller-Know-hows weiterentwickelt.

Dennoch sind Bäder vielfach nicht auf die unterschiedlichen Lebensphasen und Gewohnheiten ihrer Nutzer abgestimmt. So das einheitliche Urteil von Architekten, Designern, Soziologen und Gerontologen, die sich mit dem Thema "Barrierefreies Wohnen" beschäftigen. Wer gestaltet schon so, dass alle sich wohl fühlen: Kinder, Senioren, Menschen mit körperlichen Einschränkungen - die ganze Familie? Bäder sind nur im Hinblick auf eine bestimmte Zielgruppe konzipiert, nicht jedoch für die Bedürfnisse vieler.

Vor diesem Hintergrund haben sich führende Markenhersteller zusammengeschlossen, mit dem Ziel, harmonische Lösungen im Sinne schöner und funktionaler Bäder für verschiedene Generationen und Präferenzen zu entwickeln und dabei ästhetisches und barrierefreies Wohnen miteinander in Einklang zu bringen.

Raumökonomie, Einrichtungsharmonie, Nutzungskomfort und funktionelle Bedienungsvorteile: Das flexibel einsetzbare Möbelsystem GIS DIMENSION von Geberit, hier im WC-Bereich. Das Programm geht beliebig und individuell auf unterschiedliche Ausstattungs- und Einrichtungsansprüche auch im barrierefreien Bereich ein. Unterschiedliche Anführungen mit fugenlosfolienummantelter Trägerplatte oder in Multiplex-Schichtholz in der Version Birke edel-funiert sind lieferbar.

Bäder für verschiedene Lebensphasen

Die Realisierung einer qualitativ hochwertigen Ausstattung von privaten Bädern (DIN 18 025) und öffentlich-gewerblichen Sanitärräumen (DIN 18 024) ist nicht zuletzt auch aufgrund künftiger demographischer Gegebenheiten wünschenswert.

Ob es um die Planung des Familienbades, die Gestaltung von Bädern in Seniorenresidenzen oder von Waschräumen in Kindergärten geht, immer steht die Frage der speziellen Anforderungen im Vordergrund. Durch die maßgeschneiderten Komplementärprodukte wird die Planung barrierefreier Sanitärräume für alle Beteiligten - Architekten, Bauherren, Handel, Handwerk, Modernisierer - einfach gemacht. Stimmt die Basis für eine ästhetische Verknüpfung von Komfort und Funktionalität, so kann das "Vitale Bad" entsprechend der Lebenssituation und Nutzungsgewohnheit mitwachsen und sich flexibel verändern. Wie, das zeigt Ihnen der Innungsfachbetrieb mit seinem Komplettangebot sich ergänzender Produkte.

Wichtige DIN-Normen

DIN 18024 -

öffentliche Gebäude, Gebäudeteile und Arbeitsstätten
Ausnahmen: Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten (Landesrecht)

DIN 18 025/1 -

rollstuhlgerechter privater Bereich, neue Wohnungen

DIN 18 025/2 -

Wohnungen

Basisanforderungen für barrierefreie Bäder nach DIN 18025, Teil 2

  • Bewegungsflächen von 1,20 m x 1,20 m vor WC, Waschbecken und Duschen
  • Grundsätzlicher Abstand von 0,30 m zwischen Sanitärobjekten und Wand.
  • Durchgangsbreite der Türen mindestens 0,80 m (Hauseingangs- und Wohnungseingangstüren mindestens 0,90 m)
  • Bewegungsflächen für Rollstuhlfahrer von 1,50 m x 1,50 m zur Benutzung von Dusche, Waschtisch, Wanne und WC.
  • Seitliche Abstände vom WC 0,95 m bzw. 0,30 m sowie 0,70 m Abstand der WC-Front zur Wand hin
  • Sitzhöhe von 0,48 m für WC (inklusive Sitz)
  • Ergonomisch geformte und unterfahrbare Gestaltung der Waschtische (Kniefreiheit von 0,67 m in 0,30 m Tiefe und mindestens 0,67 m Höhe)
  • Halte- und Stützgriffe sowie Armaturen in Höhe von 0,85 m
  • Thermostate und leicht bedienbare, ergonomisch geformte Einhebelmischer
  • Boden ebenerdig und rutschfest
  • Dusche abgesenkt und schwellenfrei

Halte- und Stützgriffe müssen auch im Bereich vom WC in individueller Abstimmung auf die Erfordernisse der Benutzer angebracht werden.

Die kindgerechte Badausstattung

Kleine Kinder brauchen Sicherheit und sind auf Orientierungshilfen angewiesen. Insbesondere im Bad stoßen sie jedoch gewöhnlich auf Barrieren: Das WC ist zu groß, Spiegel und Waschtisch hängen zu hoch, die Armaturen lassen sich nur über eine Fußbank erreichen. All dies schränkt Kinder erheblich in ihrem Bewegungsdrang ein und macht die ständige Präsenz der Eltern erforderlich.

Kinderfreundliche Ausstattungen fördern die Selbstständigkeit der "Kleinen" und bedeuten eine Erleichterung für die Erwachsenen: zum Beispiel farbenfrohe und die Phantasie anregende Kinderstützgriffe neben WC und Waschtisch. Bei der Erprobung in integrativen Kindergärten sahen Kinder die Griffe als "kleinen Freund", an dem sie sich festhalten können.

Eine andere Variante von GIS-DIMENSION - hier attraktives Stauelement direkt auf der gefliesten Wand.

Genauso wichtig wie die Schaffung einer kindgerechten Atmosphäre ist die Anpassung der Ausstattungen an die Körpergröße der Kinder. Sind Ablagen und Seifenschalen seitlich von der Keramik aus versetzt, so können auch kleine Kinder ihre Zahnpastatube ohne Hindernis erreichen.

Das Waschtisch-Standventil in Kombination mit einem zentral gesteuerten Thermostat, der die Temperatur des Wassers vorgibt, wirkt wie eine "Kindersicherung" gegen Verbrühungen. Durch den hohen Auslauf und die einfache Betätigung kann Waschen richtig Spaß machen. Und die bei Hebelmischern integrierte Wasserbremse sorgt dafür, dass Kinder schon früh an einen sparsamen Gebrauch von Wasser und Energie gewöhnt werden.

Neben einem Kinderwaschtisch aus Keramik in Wellenform mit vorgezogener Armaturenbank gibt es auch kindgerecht gestaltete WCs in wandhängender oder bodenstehender Ausführung. Das Tiefspül WC mit den "Löwenfüßen" eignet sich für Kinder unterschiedlicher Altersstufen. Die lustigen Pfoten dienen den "Kleinen" dabei als Fußstütze und sorgen für entspanntes Sitzen. Nicht nur Kinder freuen sich hierüber ...

Das barrierefreie Waschtisch-Programm "Vitalis Pro" wurde vom Design-Zentrum NRW ausgezeichnet. Gelungene Verbindung von Form, Funktionalität, Ergonomie und Komfort.

Das Bad ohne Barrieren

Wenn sich unser Leben verändert, passt sich das Bad an - die ideale Voraussetzung für Sicherheit und Komfort bis ins hohe Alter. Im Bad ohne Barrieren schlägt die Tür nach außen auf. Die Dusche mit ebenerdigem Bodenablauf ist schwellenlos erreichbar. Leicht bedienbare Armaturen mit integrierter Heißwassersperre schützen die ganze Familie vor Verbrühungen. Ein verstellbarer Kippspiegel und ein untersitzbarer Waschtisch mit körpergerecht nach innen gestalteter Front ermöglichen das Frisieren, Rasieren etc. auch im Sitzen.

Dank vorgefertigter Vorwandinstallations-Systeme - in denen die Sanitärtechnik "verschwindet" und die zudem besonderen Schallschutz bieten - wird der Traum eines barrierefreien Bades nicht mehr zum Alptraum und ein Umbau ohne den sonst üblichen Bauschutt möglich.

Um das WC herum ist genügend Platz einzuplanen, damit man auch mit dem Rollstuhl heranfahren kann. Der unterfahrbare Waschtisch erhält zum bequemen Haarwaschen im Sitzen eine Armatur mit ausziehbarem Schlauch. Und das WC mit einer Ausladung von 70 cm ermöglicht ein seitliches Übersetzen vom Rollstuhl aus.

Im Alter spielt die Funktionalität von Details eine entscheidende Rolle. Das Stand-WC wird daher durch ein höheres ersetzt bzw. das Wand-WC höher montiert. Wandhängende WCs haben zusätzlich den Vorteil, dass man den Boden leichter reinigen kann. Wannenbereich und Dusche erhalten Haltestangen sowie Armaturen mit extra langen und ergonomisch geformten Hebeln für mehr Komfort. Der einhängbare Sitz verwandelt die Dusche auf Wunsch rasch in eine Sitzdusche. Stützgriffe, die in Universalholzleisten im Vorwandelement befestigt werden, geben bei Bedarf Halt und Sicherheit neben WC und Waschtisch. Und falls Hilfe beim Duschen benötigt wird, sorgt der hochklappbare Duschspritzschutz dafür, die Intimsphäre unter der Brause zu bewahren.

Spiegel müssen im barrierefreien Bad entweder bis auf die Höhe Waschtischoberkante zu montieren oder als Kippspiegel vorgesehen werden. Kippspiegel bieten den Vorteil, dass oberhalb der Waschtischoberkante notwendiges Sanitärzubehör in Reichweite angebracht werden kann.

Finanzierungsmöglichkeiten

Möbel umzustellen oder Stolperfallen zu beseitigen kostet nur einige Handgriffe und bringt mehr Platz und mehr Sicherheit. Auch weitere Veränderungen lassen sich mit wenig Geld realisieren. Bei kleineren Reparaturen und Installationen hilft vielleicht der handwerklich geschickte Nachbar oder ein Verwandter.

Wenn Umbauten, Hilfsmittel und Einrichtungsgegenstände die finanziellen Möglichkeiten der Betroffenen übersteigen, können zusätzliche finanzielle Unterstützungen helfen. Staat und Krankenkassen stellen in vielen Fällen Gelder zur Verfügung. Manche Städte und Kreise haben eigene Mittel für die finanzielle Unterstützung von Wohnungsanpassung. Auch der Hauseigentümer ist vielleicht bereit, sich am altengerechten Umbau des Treppenhauses oder der Wohnung zu beteiligen.

Die Waschtischarmatur besitzt einen ausziehbaren Auslauf. Bedienungskomfort der nicht nur im barrierefreien Bad nützlich ist.

Finanzierung von Maßnahmen und Hilfsmitteln bei Wohnungsanpassungen

Was kann finanziert werden?

Kostenträger können sein:

Krankenkassen finanzieren ausschließlich nichtbauliche Maßnahmen, vor allem Hilfsmittel. Leistungen werden nur aufgrund einer ärztl. Diagnose und Verordnung (Rezept/Attest) bewilligt.

Pflegekassen finanzieren Maßnahmen zur Wohnraumanpassung. Leistungen erhalten nur Pflegebedürftige.

Sozialämter finanzieren Hilfsmittel und Umbauarbeiten. Leistungen werden übernommen, wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist (Grundsatz der Nachrangigkeit)

Sonderprogramme der Kommunen und Bundesländer finanzieren ausschließlich bauliche Maßnahmen. Auskunft über aktuelle Fördermöglichkeiten erteilen örtliche Beratungsstellen.

Sonstige Kostenträger können sein:

Ein barrierefreies Bad, das in seiner sympathisch-frischen Einrichtung und Ausstattung alle Badbenutzer anspricht. Es demonstriert überzeugend: Barrierefrei heißt spezifische Funktionalität und Ergonomie geht mit Ästhetik und Ambiente einher.


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