IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 7/2000, Seite 82 f.


REPORT


Trinkwasser für Milos

Geothermie machts möglich

Die Venus von Milo kennt wohl jeder. Die Statue der Göttin Aphrodite kann man im Louvre bewundern. Ihre Heimat blickt auf eine 5000-jährige Kultur zurück und hat heute enorme Probleme: Auf der griechischen Kykladen-Insel Milos fehlt das Wasser.

Duschen wird zum Problem und Trinkwasser ist extrem teuer. So könnte man sagen, das heutige Wahrzeichen der Insel sei die 1,5-Liter-Kunststoffwasserflasche. Aus ihr trinkt die Bevölkerung. Eine durchschnittliche Familie mit zwei Kindern muss rund 15% ihres Einkommens für den Kauf von Trinkwasser einkalkulieren. Viele können das nicht bezahlen und sind gezwungen, Wasser schlechter Qualität aus dem Leitungsnetz zu nehmen. Die zahllosen Kunststoffbehälter stellen zudem ein enormes Abfallproblem dar.

Die Ebene von Zephiria, zukünftiger Standort der geothermischen Meerwasser-
entsalzungsanlage auf Milos.

Wasserversorgung

Zum Teil wird der Wasserbedarf aus Tankschiffen gedeckt, die das kostbare Nass vom Festland her transportieren. Es wird dann mit Lastwagen an die Inselbevölkerung weiterverteilt. Das ist extrem teuer. Zudem führen Lagerung, Transport und Umverteilung zwangsläufig zu Verunreinigungen. Das Grundwasser der Insel ist brackig und entspricht schon lange nicht mehr den z.B. von der EU geforderten Standards. Das hat seine Gründe. Wachsende Bevölkerungszahlen und zunehmender Tourismus führten nach und nach zu einer höheren Trinkwasserentnahme, zum Bohren neuer Trinkwasserbrunnen. Das führte und führt zu einem stetigen Ansteigen des Salzgehaltes, da von der Ägäis her Salzwasser nachdringt. Nicht nur das Wasser wird schlechter, auch die Korrosionsschäden am Leitungsnetz und an allen Geräten, die dieses Wasser nutzen müssen, nehmen zu. Der wirtschaftliche Schaden ist inzwischen enorm. Zudem sind die Temperaturen viel zu hoch: Das Wasser heizt sich im Untergrund auf, denn der Untergrund der Insel ist heiß.

Schema einer Organic-Rankine-Cycle-Turbine (ORC-Turbine), die für die geothermische Stromgewinnung eingesetzt werden soll.

Nachteile zum Vorteil umkehren

Und genau das ist der Vorteil. Warum also nicht die Energie des Wassers hernehmen und damit das Wasser entsalzen? Mit geothermischer Technologie soll es folgendermaßen funktionieren:

Über eine Bohrung wird rund 100C heißes Wasser gefördert und zu zwei hintereinander geschalteten Wärmeübertragern geleitet. Wärmeübertrager 1 betreibt die Turbine, Nummer 2 die Wasserentsalzungsanlage. Bei der Turbine handelt es sich um ein Aggregat, das nach dem Organic-Rankine-Cycle-Verfahren arbeitet. ORC-Turbinen nutzen keinen Dampf, sondern verfügen über ein Arbeitsmittel, das bereits bei sehr viel niedrigeren Temperaturen, etwa ab 90C gasförmig wird. Die Turbine erzeugt den Strom, den der Entsalzungsprozess benötigt. Das Wasser enthält danach mit etwa 80C immer noch reichlich Energie. Diese wird zum Vorheizen des Meerwassers für den Entsalzungsprozess genutzt. Auf 50C abgekühlt, wird das Wasser über eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund verpresst.

Die Investitionskosten für dieses Projekt betragen rund 12 Mio. DM. Etwa 4 Mio. steuert die EU bei, der griechische Staat finanziert weitere 2 Mio. DM. Der Rest wird von privaten Investoren aufgebracht. Das Projekt wird von einer Gruppe realisiert, bestehend aus:

Baubeginn dieses Mammutprojektes war Anfang Dezember 1999, voraussichtlich in zwei Jahren soll die Anlage fertig gestellt sein.


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