IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 5/2000, Seite 61 ff.


INTERVIEW


ORAS

Kontakt zum Handwerk

Oras, einer der führenden Armaturenhersteller in Europa, geht im Bereich des Armaturenvertriebes einen konsequenten Weg. Basisprodukte mit entsprechender Funktionssicherheit aber auch elektronisch geregelte Armaturen für energiesparende Systeme sind die Kompetenzfelder dieses von Iserlohn aus agierenden skandinavischen Produzenten. Klaus Hager, Geschäftsführer der ORAS GmbH & Co. KG Deutschland, erläuterte dem IKZ-HAUSTECHNIK-Redakteur Volkmar Runte die Strukturen und die Ausrichtung des Unternehmens.

IKZ-HAUSTECHNIK: Mehr als 50 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Armaturen zeichnen die Produkte der Gruppe aus. Welche Konzernstruktur verbirgt sich hinter dem Namen Oras?

Hager: Von verbergen kann, entschuldigen Sie den direkten Bezug, gar keine Rede sein. Firmensitz des Oras Konzerns ist in Rauma, Finnland. Oras ist in Skandinavien Marktführer und einer der größten Armaturenhersteller Europas. Der Konzern steht für Qualität, kundenorientierte Entwicklungen und umweltschonende Technologien. In 18 europäischen Ländern durch Produktionsniederlassungen, Tochtergesellschaften und Verkaufsniederlassungen bzw. Vertretungen repräsentiert, bietet Oras zukunftsweisende Lösungen auf dem Sektor der Messing- und Kunststofftechnologie sowie der Elektronik. Mehr als 50-jährige Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Sanitärarmaturen sprechen darüber hinaus für sich.

IKZ-HAUSTECHNIK: Die Gruppe ist Marktführer in Skandinavien, welchen Stellenwert hat das Unternehmen in Deutschland?

Hager: Wie eingangs erwähnt ist Oras einer der größten Hersteller für Sanitärarmaturen Europas und, wenn Sie es in Zahlen haben wollen, steht er an vierter Stelle. Der Stellenwert des Unternehmens ist ein Aspekt den ich nicht in Zahlen, sondern an dem Markenbegriff Oras festmachen möchte. Das Unternehmen hat sich im Handwerk einen Namen im Hinblick auf Qualität und Zuverlässigkeit gemacht. Damit genießen wir beim Handwerk ein Renommee, das unsere Bedeutung für den deutschen Markt maßgeblich dokumentiert. Deutschland ist u.a. eine wichtige Logistik-Adresse für den mitteleuropäischen Raum, dennoch beschränkt sich das Werk in Iserlohn nicht allein auf distributorische Aufgaben.

IKZ-HAUSTECHNIK: Gute Kontakte zum Handwerk hat es in der Vergangenheit wohl deshalb nicht gegeben, da Oras als Handelsmarke im Großhandel auftauchte. Dieses Konzept ist im letzten Jahr beendet worden. Welche Größenordnung hatte dieses Geschäft?

Hager: Ich möchte Ihnen gleich zu Anfang widersprechen. Gute Kontakte hat es schon immer zum Handwerk gegeben und wir werden diesen Dialog auch weiterhin pflegen und fördern. Dass Oras nur noch in geringerem Umfang als Handelsmarke auftritt ist eine unternehmerische Entscheidung, die von vielen Handwerksbetrieben bedauert wird. Aber nichtsdestotrotz muss das Handwerk nicht auf die Qualität und Zuverlässigkeit verzichten. Oras hat sich neue Ziele gesteckt, die auch langfristig die Marke im Markt manifestieren werden. Dazu gehört z.B. auch das Gesamtkonzept der Handwerkermarke, das die Qualität der Marke und damit der Produkte nach außen nachhaltig dokumentiert.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wird die Ausrichtung im Bereich der mittelpreisigen Produkte beibehalten oder streben Sie eine Änderung des Sortiments an?

Hager: Natürlich ist es die Philosophie eines Unternehmens unserer Größenordnung hochqualifizierte Produkte in Großserie zu produzieren. Das heißt, das Volumengeschäft wird eindeutig bevorzugt. Allerdings bewegen sich die strategischen Entwicklungen im Rahmen einer zukunftsorientierten Technologie mit allen Aspekten des Wassersparens, des Energiesparens und verstärkt auf die Gebäudeleittechnik. Schon in naher Zukunft, aber auch langfristig, wird sie einen wesentlichen Part der unternehmerischen Ausrichtung einnehmen.

Oras ist viertgrößter Armaturenhersteller in Europa

IKZ-HAUSTECHNIK: Wo sind die Produktionsstandorte? Wird auch in Iserlohn eine Armaturenherstellung betrieben oder ist diese Niederlassung unter logistischen Gesichtspunkten zu betrachten?

Hager: Die Produktionsstandorte befinden sich in Finnland, Norwegen, Polen und Deutschland. Deutschland ist sicherlich auch ein logistisches Zentrum für den Raum Mitteleuropa, aber widmet sich nicht allein dieser Aufgabenstellung. Der Standort Iserlohn ist gleichzeitig auch vollwertige Produktionsstätte für Spezialserien.

IKZ-HAUSTECHNIK: Ausrichtung hin zum Handwerk, bedeutet auch Service, Lieferfähigkeit und Ersatzteilgarantie. Wie stellt sich Oras zu dieser Problematik?

Hager: Wir betrachten gerade diese Punkte als wesentliche Bestandteile des professionellen Vertriebsweges. In Zusammenarbeit mit den Marktpartnern ist bereits vor Jahren eine Gewährleistungsvereinbarung gemeinsam mit dem ZVSHK abgeschlossen worden. Diese gilt seit dem 1. September 1993. Selbstverständlich beinhaltet sie in ihrem Kriterienkatalog auch die von Ihnen angeführten Punkte. Dies macht bereits deutlich, welchen hohen Stellenwert diese für uns sehr bedeutenden Qualitätsmerkmale einer Marke bei uns schon immer eingenommen haben und in Zukunft auch einnehmen werden. Im Rahmen der Handwerkermarke werden wir diesen Stellenwert noch weiter unterstützen und dokumentieren.

IKZ-HAUSTECHNIK: Ihr Unternehmen macht sich stark für die Handwerkermarke und ist als einer der ersten Mitstreiter ins Boot gestiegen. Welche Chance sehen Sie in der Handwerkermarke?

Hager: Die wichtigsten Punkte sind kurz zusammengefasst: In der Handwerkermarke sehen wir erstens eine Stärkung des professionellen Vertriebsweges. Mit diesem ZVSHK-Konzept, das in einem Arbeitskreis aus engagierten, namhaften Unternehmen entwickelt worden ist, wird die Leistungsfähigkeit des Handwerks deutlich. Das uneingeschränkte Bekenntnis zum professionellen Vertriebsweg stärkt nicht nur die Kompetenz des Fachmanns, sondern ist Garant für die qualitätsgerechte Installation leistungsfähiger Markenprodukte. Zum Zweiten können wir durch die engere Zusammenarbeit mit dem Handwerk schneller die Bedürfnisse des Marktes erkennen und dementsprechend umsetzen. Und drittens können wir die Marke Oras natürlich damit noch stärker positionieren. Die Handwerkermarke beinhaltet ja nicht nur eine klare Definition über Liefer- und Ersatzteilgarantie, sondern bietet darüber hinaus die Sicherheit zahlreicher weiterer Vorteile wie z.B. einen gesicherten Kundendienst, Nachkaufgarantie, etc., - kurz Serviceleistungen, die eine optimale Produktqualität ergänzen. Diese Vorteile schaffen Vertrauen. Die Handwerkermarke ist somit auch ein vertrauensbildendes und -förderndes Instrument im Markt.

Eine Gewährleistungsvereinbarung mit dem ZVSHK besteht schon seit 1993

IKZ-HAUSTECHNIK: Armaturen unter der Produktbezeichnung Electra sollen das Angebot in Richtung Gebäudeleittechnik und berührungsfreie Systeme erweitern. Können Sie Details für diese innovative Linie benennen?

Hager: Gebäudeleittechnik und Systemtechnik werden einen steigenden Stellenwert haben - das steht außer Frage. Wir gehen davon aus, dass die Konzentrationsbewegungen in der Industrie noch längst nicht abgeschlossen sind. Wir gehen weiter von sich wandelnden Lieferantenstrukturen aus, bei denen mehr in Systemtechnik gedacht und gearbeitet wird. Die Elektronik ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Entwicklung. Entsprechend hoch werden die Prioritäten bei uns gesetzt. Berührungsfreie Systeme sind ein Hauptaufgabenfeld unserer Entwicklung und Fertigung. Wir denken dabei zum einen natürlich an den Einsatz in öffentlichen und halböffentlichen Bereichen sowie in Sanitärbereichen von Industrie, Gewerbe und Verwaltung. Aber wir unterstützen auch die Entwicklung im Hinblick auf die Wohnungswirtschaft im Rahmen gerontotechnischer und barrierefreier Aspekte. Der Weg zur Schnittstellenarmatur im privaten Badezimmer ist sicher erst gerade beschritten. Aber auch dort gehen wir von einer Bedarfsverstärkung aus. Insgesamt ist die intelligente Systemtechnik unser Weg in die Zukunft. Mit unserer EIB-fähigen Waschtischarmatur, die wir auf der SHK, Essen, in Funktion präsentieren, unterstreichen wir diese, ich würde sagen, Philosophie unseres Hauses.

IKZ-HAUSTECHNIK: Oras hat nach eigenen Aussagen die erste EIB-fähige Armatur entwickelt. Wie ist der Stand der Entwicklung, wird es eine Produktlinie geben?

Hager: Bereits im Frühjahr 2000 wird Oras als weltweit erstes Unternehmen eine zertifizierte EIB-fähige Waschtischarmatur liefern können, bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres wird es weitere Entwicklungen geben. Zum momentanen Zeitpunkt gehen wir davon aus, zur Mitte dieses Jahres als weltweit erstes Unternehmen eine komplette, zertifizierte EIB-fähige Sanitärarmaturenfamilie liefern zu können.

IKZ-HAUSTECHNIK: Wie wir selbst kürzlich gemeldet haben, hat Oras Finnland Kapital- und Stimmenanteile an Asko OYJ übernommen. Welche Bedeutung hat diese Transaktion langfristig für Oras Deutschland?

Hager: Inzwischen ist der Name Asko in die wohl bekanntere Bezeichnung Uponor geändert worden. Zum Konzern gehören darüber hinaus u.a. die Firmen Unicor, Hewing, Velta und M-Block (früher Mero-Block). Daraus wird sich, ohne den Entwicklungen jetzt vorgreifen zu wollen, auch für die Zukunft von Oras Deutschland ein großes Potential an Synergien erschließen, dass im Laufe der Zeit in den entsprechenden Formen und Möglichkeiten genutzt werden kann. Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich zum derzeitigen Stand sage, dass wir - und damit meine ich den Oras-Konzern - dieses Potential auch im Hinblick auf eine gemeinsame Effizienz nutzen werden.

Wir setzen auf die Fachinstallateure und fördern den Einzelhandel im Handwerk

IKZ-HAUSTECHNIK: Wo liegen ihre Zielsetzungen, wenn man die Konzentrationsbewegungen in Großhandel und Industrie als auch im Bereich der Baumärkte berücksichtigt?

Hager: Die Konzentration der Industrie habe ich bereits angesprochen. Die Konzentrationsbewegungen im Großhandel bergen natürlich die Gefahr, aufgrund der wachsenden Marktanteile dieser neuen Gruppierung, eines Ungleichgewichts. Gleichzeitig bieten sie aber auch den realen Vorteil innovativer Geschäftsideen für die Zukunft und können damit ein Gewinn für die Branche sein. Unsere Geschäftsidee wird getragen durch die Handwerkermarke. Das heißt, gemeinsam mit den Handelspartnern werden wir den Endverbrauchern ein starkes positives Leistungspaket bieten und können auf der Basis der Handwerkermarke und dem professionellen Vertriebsweg auch dem Endverbraucher die Vorteile deutlich machen. Gleichzeitig fördern und stärken wir, wie ich es bereits angedeutet habe und an dieser Stelle wiederholen möchte, die Aktivitäten des Einzelhandels im Handwerk. Damit sehen wir nicht eine kurzzeitige Marketingkampagne, sondern vielmehr eine langfristig orientierte Ausrichtung. Gleichzeitig ergibt sich daraus eine wiederum langfristige, zukunftsorientierte Stärkung und Orientierung am professionellen Vertriebsweg. Meiner Meinung nach können wir die Existenz der Baumärkte nicht wegdiskutieren. In einigen Bereichen haben sie wohl ihre Existenzberechtigung. Aber wir können das Vordringen der Baumärkte in Bereiche stoppen bzw. Marktanteile zurückgewinnen, wenn im professionellen Vertriebsweg das Vertrauen in eine Marke sowie das Vertrauen in den kompetenten Fachinstallateur gestärkt wird.


Vita

Klaus Hager, Geschäftsführer ORAS Deutschland,

53-jähriger Pragmatiker, verheiratet, ein Kind, gehört seit 1986 ORAS Armaturen an. Seit 1988 ist er Geschäftsführer des Iserlohner Unternehmens. Seine Aufgabe der Unternehmensführung sieht er eingebunden in eine ganzheitliche Unternehmensstrategie des ORAS-Konzerns: "Oras ist ein stark strategisch agierendes und in die Zukunft ausgerichtetes Unternehmen. Wir tun das, wovon wir überzeugt sind. Und - wir gehen unseren eigenen Weg, allerdings mit partnerschaftlichen Werten, wie z.B. Ehrlichkeit und Fairness. Diese Werte versuchen wir zu leben - das ist die Philosophie des Hauses ORAS, das ist meine Lebensdevise," kommentiert Hager den erfolgreichen Weg des viertgrößten Armaturenherstellers Europas.


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