IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/2000, Seite 86 ff.


REPORT


Fuchur fliegt unter Deckenstrahlplatten

Filmstudios und Filmpark in Babelsberg

Seit 1912 steht der Name Babelsberg als Synonym für erfolgreiche Filmproduktionen: "Der Totentanz", "Metropolis", "Nosferatu", "Der Blaue Engel" - Filme der legendären Ufa-Ära und den DEFA-Jahren, die Erinnerungen an eine lange Filmgeschichte wachrufen. Für die Beheizung des renommierten Filmstudios sind in den letzten Jahren Deckenstrahlplatten der Firma Zehnder installiert worden.

Geschichtliches von gestern und heute

1992 übernahm der französische Konzern Vivendi die Studios. Seitdem wird das traditionelle Gelände zu einem zeitgemäßen und wettbewerbsorientierten Standort ausgebaut. Dazu gehören zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Produktion, audiovisuelle Dienstleistungen, TV-Dienstleistungen und das Freizeitzentrum.

Im 40.000 m2 großen Freizeitzentrum erschließt sich die Welt der Film- und Fernsehmacher. Stuntshows, Dreharbeiten, individuelle Studio-Touren mit Blick hinter die Kulissen, Ausstellungen und verschiedene Themenparks gehören genauso zu den Attraktionen wie das Actionkino und das Prinz-Eisenherz-Restaurant.

Datenblatt

Gebäudegrundflächen

 

Caligarihalle

2400 m2

Actionkino

900 m2

Prinz Eisenherz Restaurant

800 m2

Werkstätten

4020 m2

Normwärmebedarf

560 kW

Deckenstrahlheizung

412 kW

Auslegungstemperatur

80/60C und 90/70C

Fabrikat

Zehnder

Typ

ZBN 750/5, ZBN 900/6 und ZBN 1310/8

Einzellänge

4 m bis 40 m

Gesamtlänge

977,00 m

Anzahl

44 Stck.

Montagehöhe

4 m bis 8 m

Der Filmpark ist in der Regel von März bis Oktober geöffnet. In den Wintermonaten werden die Gebäude nur zeitweise genutzt. Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsbedingungen erfordert die Beheizung der Gebäude ein flexibles System, das schnell und wirkungsvoll reagiert. Gleichzeitig muss es sich um ein einfach montier- und demontierbares System handeln, da einige der Gebäude als fliegende Bauten konzipiert sind und in der jüngsten Vergangenheit bereits mehrfach umgesetzt wurden.

Planungsbeteiligte

Bauherr

MHB Medienstadt Holding GmbH Babelsberg

HLS

Planer Medienstadt Babelsberg Energieversorgungs GmbH
Zehnder Wärmekörper GmbH, Lahr

Ausführung

ST - Gebäudetechnik, Potsdam
Heizungsbau Schneiderer, Potsdam-Babelsberg

Um in den einfachen, stählernen Hallenkonstruktionen ein entsprechendes Heizsystem zu integrieren, entschieden sich die Verantwortlichen für den Einsatz von Deckenstrahlplatten. "Deckenstrahlplatten haben in Babelsberg Tradition", erklärt Horst Geißler, Leiter des Bereiches Haustechnik. "Bereits in den 60er Jahren wurden die ersten Deckenstrahlplatten im Automobilwerk Ludwigsfelde montiert", erinnert sich Jürgen Wetzel, heute Ingenieur der Zehnder Wärmekörper GmbH, Lahr.

Schon zu jener Zeit arbeiteten Geißler und Wetzel zusammen. Die Vorteile der Deckenstrahlplattentechnik liegen damals wie heute in der flexiblen Nutzung der Hallen. "Außerdem entstehen keine Geräusche und Staubbewegungen durch das Heizungssystem. Die gute Kombinierbarkeit mit Lüftungssystemen, die schnellen Aufheizzeiten, das behagliche Raumklima und die beachtliche Energieeinsparung gegenüber anderen Heizungssystemen sind die entscheidenden und überzeugenden Kriterien, die die Deckenstrahlplatten als geeignetstes Heizungssystem für die Hallen im Filmpark prädestinieren", betont Wetzel.

Bild 1: Ausstellungsbereich von originalen Filmrequisiten.

Deckenstrahlplatten im Filmpark Babelsberg

Die Caligari-Halle, eine Mehrzweckhalle, beherbergt seit 1993 die Ausstellung "Cinefantastic" sowie den angeschlossenen Veranstaltungsraum. Die Fassade ist den expressionistischen Dekorationen des Filmes "Das Kabinett des Dr. Caligari" (1919/20) nachempfunden. Im Innern befindet sich die Ausstellung, die kontinuierlich mit einzigartigen Originalen und Dekorationen aus den verschiedensten Themen und Filmen erweitert wird. Auffallendste Bewohner sind derzeit der "Steinbeißer" und "Fuchur der Glücksdrache" aus der "Unendlichen Geschichte" von Michael Ende (Bild 1).

Über dem Glücksdrachen und dem Veranstaltungsraum wurden im März 1994 insgesamt 316 laufende Meter Deckenstrahlplatten vom Typ ZBN 900/6 und ZBN 750/5 installiert. Der gesamte Wärmebedarf der Caligarihalle beträgt knapp 130 kW. Die Innentemperatur ist auf 20C ausgelegt, die Vorlauftemperatur beträgt 80C, die Rücklauftemperatur 60C. "Dabei decken die Deckenstrahlplatten die Transmissionsverluste ab", betont Wetzel, "die Zuluftanlage sichert den Lüftungswärmebedarf."

Bild 2: Restaurant "Prinz Eisenherz": Essen und Trinken in einem angenehm-warmen Ambiente. Die Deckenstrahlplatten in dem Bereich Erlebnisgastronomie sorgen dabei für ein optimales Raumklima.

Das Restaurant "Prinz Eisenherz" bildet den kulinarischen Abschluss der Studio-Tour (Bild 2). Nach Motiven der internationalen Koproduktion "Prinz Eisenherz" (D/GB/IR; 1996) nahm im Frühjahr 1998 eine mittelalterliche Burganlage mit Rittersaal, Biergartenbastion, Burggraben, Verlies und Merchandising-Shop Gestalt an (Bild 3). Zahlreiche Dekorationsstücke und Requisiten wurden nach den Dreharbeiten übernommen. Zu den Besonderheiten der Innenausstattung gehören u.a. mittelalterliche Waffensammlungen, die Tafelrunde von König Arthus sowie eine Drehbühne mit umlaufendem Wassergraben und Wasserfall. "Die vielen Besucher, die hier zum Essen kommen, zeigen sich vom Ambiente beeindruckt und fühlen sich in dem behaglichen Raumklima durch die Deckenstrahlplatten wohl", sagt Geißler.

Bild 3: Shop-Zubehör für Besucher: Einfaches Pultdach mit untergehängten, braun lackierten Deckenstrahlplatten.

Einen weiteren Höhepunkt setzt das Showscan-Actionkino (Bild 4). Auf beweglichen Sitzen, bildsynchron zur 70-mm-Projektion, wird der Gleichgewichtssinn der Zuschauer auf die Probe gestellt. Mit 60 Bildern pro Sekunde und Mehrkanalton erlebt der Besucher ein völlig verändertes Kinoerlebnis.

In allen drei Räumlichkeiten (Restaurant, Kino, Shop) wurden insgesamt 100,8 laufende Meter Deckenstrahlplatten des Typs ZBN 900/6 eingebaut. Der Wärmebedarf liegt bei 55,44 kW. Die Vorlauftemperatur beträgt 90C, die Rücklauftemperatur 70C. Bei allen drei Projekten erfolgte die Planung gemeinsam zwischen Geißler und Wetzel.

Die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit wurde 1998 auch auf dem Gelände der Filmstudios fortgesetzt. Im Oktober 1998 wurden in den Werkstätten der Holzverarbeitung insgesamt 561,5 laufende Meter Deckenstrahlplatten des Typs ZBN 900/6 und ZBN 1310/8 montiert. Der Wärmebedarf umfasst rund 227 kW. Bei einer Raumtemperatur von 18C beträgt der Vor- und Rücklauf 80/60C.

Bild 4: Showscan Actionkino mit hydraulisch bewegten Sitzreihen (ähnlich Flugsimulation). Die Strahlplatten sind einfach an die Hauptkonstruktion angehängt und ebenfalls schwarz lackiert.

Die Wirkung von Deckenstrahlplatten

Die Verwendung von Deckenstrahlplatten für den Werkstattbereich entsprach dem Vorschlag der HLS-Planer. "Sie führen zu behaglichen Raumtemperaturen und lassen eine optimale Raumnutzung zu", erklärt Geißler. Wetzel ergänzt: "Durch die Wärmestrahlung werden alle Zonen erreicht, ohne den ganzen Raum aufheizen zu müssen. Die Mitarbeiter fühlen sich wohl unter der Deckenstrahlplattenanlage. Bei diesem Heizungssystem wird nicht die Luft als Wärmeträger benutzt. Die Deckenstrahlplatten geben ihre Wärmeenergie in Form von elektromagnetischen Wellen ab. Sie durchdringen den Raum und verwandeln sich überall wieder in Wärme, wo sie auf Menschen, Flächen und Gegenstände treffen".

"Deswegen kann bei gleichem Wärmeempfinden die Raumlufttemperatur etwa drei Grad niedriger gewählt werden als bei Konvektionsheizungen. Gegenüber anderen Heizungssystemen lassen sich so mehr als 20% Energie sparen und der Fußboden wird zu einem bedeutenden Wärmespeicher", erklärt Geißler die Entscheidung für die Deckenstrahlplatte.


B i l d e r :   Zehnder Wärmekörper GmbH, Lahr


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