IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 4/2000, Seite 82 ff.


REPORT


INTERKLIMA-INTERCONFORT/COMAP

Französische Impressionen

Dass im zentralistisch strukturierten Frankreich die Metropole Paris eine abgehobene Sonderstellung einnimmt, ist wohl unumstritten. Man sollte meinen, dass dies auch in der dortigen Sanitär+Heizungsbranche so ist. Paris ist eben eine Megacity mit einem enormen Einzugsbereich und in vielen Dingen Trendsetter. So wollte auch die Messe Paris mit einem neuen Marketingkonzept, der ICC Interclima-Interconfort neue Zeichen setzen.

Trends, Entwicklungen und Innovationen ziehen die französischen Fachleute üblicherweise zu den Messen Interklima-Interconfort (ICC) / Batimat*, die vom 8. bis 13. November 1999 in Paris-Nord Villepinte stattfand. Von der Umstrukturierung des Messegeschehens versprach man sich eine stärkere Marktakzeptanz; 1997 waren es noch die getrennt durchgeführten Messen Interclima und Batimat. Von der führenden Baumesse Batimat wurden die Sanitärbereiche abgekoppelt und so entstand die Interconfort, die parrallel zur Interclima in Halle 7 durchgeführt wurde.

ICC Paris: In der Heizungshalle waren deutlich mehr Besucher ...

... als in der Halle 7 im Sanitärbereich. Lediglich an den ersten zwei Messetagen sollen zufriedenstellende Besucherzahlen die Hallen gefüllt haben.

Diese Stellung der "ISH" Frankreichs scheint zu bröckeln, denn die Redaktion der IKZ-HAUSTECHNIK konnte sich davon überzeugen, dass dieses Konzept nicht den Erwartungen entsprach, zumal die meisten deutschen Sanitär-Hersteller auf der Interconfort nicht vertreten waren. Im Heizungs- und Klimabereich stellte sich das Geschehen deutlich freundlicher dar, aber bis auf einige große Hersteller der Branche galt wohl eher Präsenzpflicht, denn bereits drei Tage vor Messeschluss waren nur noch an einigen Ständen kompetente Gesprächspartner anzutreffen.

Führungsteam: Pascal Lecordier, Frank F. Kreinberg und der Directeur Generale Bernard Bouillé (v.l.).

Über Besucherzahlen lässt sich leider nur spekulieren, da uns (auch auf Anfrage) keine genauen Angaben übermittelt wurden. Nach Messeangaben waren 1997 1600 Aussteller auf einer Standfläche von 65.000 m2 vertreten und wurden von etwa 100 000 Fachbesuchern, davon 15% aus dem Ausland, besucht. Unter Insidern spricht man aber von deutlichen Einbrüchen von über 10%. Möglicherweise lässt auch hier wie andernorts in Europa die Globalisierung, Konzentrationsbewegung und Konjunkturlage grüßen. Ob dieses neue Marketing-Konzept trägt, wird wohl leider erst die Zukunft zeigen.

Hoffnung macht jedoch, dass, so nach Informationen aus französischen Industriekreisen, die Mehrwertsteuersenkung für Baudienstleistungen in Frankreich zu einem deutlichen Zuwachs im Bereich Sanierung und Renovierung geführt haben. Ein Ansatz, der jüngst auch in Deutschland vom ZVSHK und den Handwerksverbänden gefordert wurde, aber der ermäßigte Mehrwertsteuersatz bei der Bundesregierung keine Zustimmung fand, und dies unter dem Zeichen der Liberalisierung der Märkte - Europa lässt grüßen.

Tradition: Nach 40 Jahren in der Produktion bei Comap macht es ihr immer noch Spaß mit dem Direktor ein Schwätzchen zu halten. Hier wird jeder Fitting auf Dichtheit geprüft.

Technisch interessantes ist allerdings von der Interklima zu berichten, denn der französische Hersteller Comap, einer der Marktführer bei Fittings, Thermostat- und Regulierventilen, stellte zwei Neuheiten vor, die auf dem deutschen Markt ab Frühjahr/Sommer 2000 eingeführt werden sollen. So zum Beispiel eine echte Innovation; der Steckverbinder aus Rotguss, der unterschiedliche Rohrsysteme verbinden kann - stecken und fertig. Zum anderen ein patentiertes selbstregelndes Heizungsmodul, das in Vor- und Rücklauf des Heizkörpers montiert wird - einbauen, Abgleich entfällt. Als führender Fittinghersteller bietet das Unternehmen außerdem ab Frühjahr 2000 Kupfer-Pressfittings an.

Meeting

Comap ermöglichte der Redaktion an einem Pressetreffen im Umfeld der Pariser Messe teilzunehmen, und so war die Reise durch ein zusätzliches Paket an Informationen bereichert.

Prefektion: Kupferfittingproduktion voll automatisiert - sauber, geräuscharm und effizient.

Pascal Lecordier, Directeur Europe, erläuterte die Entwicklung des 50-jährigen Unternehmens. Am Standort Saint-Denis-de-lHôtel wurde eine Produktionsstätte besichtigt, die von der alten Giesserei über Roboter-Fittingproduktion bis hin zur high-tech Computeranlage alles zeigte, was ein Industriebetrieb vorweisen kann. Vor Ort war nachzuvollziehen, dass die Modernisierungsphase in vollem Gang ist und Comap zu einer Innovationsschmiede umgebaut wird. In Saint-Denis-de-lHôtel sind derzeit etwa 300 Mitarbeiter in einer nach ISO 9000 zertifizierten Industrieanlage mit der Produktion von Fittings und Formteilen aus Rotguss, Kupfer und Messing beschäftigt.

Logistik pur war anschließend im Verteilzentrum in Checy in der "Plate-Forme Logistique" zu sehen. Dort wird der weltweite Vertrieb des Konzerns organisiert. Für Deutschland bedeutet dies kostengünstige und schnelle Lieferzeiten der Artikel. Expresslieferungen werden direkt angesteuert und können in 24 Stunden verfügbar sein. Frank Kreinberg, Geschäftsführer Comap Deutschland, sieht hierin einen wesentlichen Baustein zur Expansion auf dem deutschen Markt. Über die Niederlassung in Mörfelden-Walldorf (Frankfurt/Main) will er zusammen mit seinem Team Qualität, Lieferfähigkeit und Service sicherstellen und die Marktposition ausbauen.

Logistik: Computergesteuert, weltweit vernetzt und in 24 Stunden lieferfähig, die Logistikzentrale in Checy.

Die Artikelpalette umfasst Sanitär- und Heizungsfittings sowie -rohre und Heizungsarmaturen vom Thermostatventil bis zum selbstregelnden Heizkörpermodul.

Comap Deutschland hat zudem eine Gewährleistungsvereinbarung mit dem ZVSHK und dem BHKS. Neue innovative Produkte wie z.B. das Steckfittingsystem, "Sudofit" genannt, werden auch der Prüfung durch den DVGW unterzogen, um marktgerechte, geprüfte Produkte für den professionellen Vertriebsweg in Deutschland anbieten zu können.

Bon voyage!


* Batimat vom 8.-13. November 1999 in Paris Expo, Porte des Versailles, 1999 Zuwachs von 463.000 auf 502.000 Besucher.


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