IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 23/1999, Seite 51 ff.


SHK-TECHNIK


0 + 0 = 3 ?

Ausführungsbeispiele

Dipl.-Ing. Willi Mantz* Teil 3

In dem dritten Teil geht es um das Luftschallschutz- und Trittschallschutzmaß. Was ist darunter zu verstehen? Auf welche Art und Weise erreicht man Schalldämmung. Beispiele aus der Praxis verdeutlichen, wie auch schon im 1. und 2. Teil, die Ausführungen.

Im nachstehenden Beispiel wird auf die Ausbreitungsdämpfung im Freifeld eingegangen. Es muß jedoch klar und deutlich gesagt werden, daß dies nur Einzelfälle sind, da die Geräusche bei haustechnischen Anlagen eben nicht im Freifeld auftreten. Dieses Verfahren hilft dann, wenn die Nachbarschaft durch Geräusche von haustechnischen Anlagen gestört wird. Das können Abluft- und Zuluftöffnungen sein. Es kann sich um einen Kaltwassersatz handeln, der auf einem Dach aufgestellt ist und die Nachbarschaft nicht zur Ruhe kommen läßt, oder um einen Dachlüfter. Es muß jedoch bei einer solchen Rechnung immer mit berücksichtigt werden, daß sich das Rechenbeispiel auf eine ideale Schallausbreitung bezieht und daß Gebäude und Wände diese Schallausbreitung nicht stören. Wird jedoch der Schall reflektiert, kann es sein, daß in die betrachtete Richtung viel mehr abgestrahlt wird als nach den Freifeldbedingungen zugrunde gelegt wird.

Bild 1: NR- Kurven.

Geometrische Ausbreitungsdämpfung

Wie groß ist der Schalldruckpegel in z.B. 1 m Abstand bei gegebenem Schalleistungspegel LW = 80 dB (Bild 1)? Die Bezugsfläche S0 beträgt 1m2; das entspricht einer Halbkugel mit einem Radius von 0,4 m.

W = I S
LW
= 10 log (I S/(10 S0))

Das hier angegebene Verfahren bezieht sich nur auf Schallausbreitung im Freifeld ohne Störeinflüsse. Bei der Aufstellung eines Dachventilators kann z.B. nach diesem Verfahren gerechnet werden:

LW = LI + 10 log (S/S0)
80 = LI + 10 log (2 p r2/1)
80 = LI + 10 log (2 p 12/1)
80 = LI + 10 log 6,28
80 = LI + 8
LI = 80 - 8
LI = 72

Daß der Wind Geräusche mitträgt, ist von einer Bedeutung, die nicht unterschätzt werden darf. Weiterhin spielt die Temperatur und damit die Jahreszeit eine wesentliche Rolle. Je kälter und feuchter es ist, um so besser leitet Luft den Schall. Solche Anlagen stören dann meist im Winter, wenn die relative Luftfeuchtigkeit bei 100 % liegt.

Die Ausbreitung von Schallwellen in Räumen

In geschlossenen Räumen wird der Schall in der Regel reflektiert. Durch Mehrfachreflektion kommt es zur Akkumulation des Schalles, so daß der Schallpegel eines Gerätes wesentlich höher sein wird als im Freien bei gleichem Abstand.

Bild 2: Schall-
ausbreitung im Freifeld.

Ganz anders ist es bei Räumen, deren Begrenzungsflächen und Einrichtungsgegenstände den Schall absorbieren. Auch reduziert sich der Schallpegel mit zunehmendem Abstand. Für eine überschlägige Ermittlung der totalen Absorption A aus einem geschätzten mittlerem Absorptionskoeffizienten aM dient das Bild 2. Die Richtwerte für am können den Tabellen 4 und 5 aus Teil 2 entnommen werden.

Bild 3: Ermittlung der totalen Absorption aus dem Absorptions-
grad.

Ein weiteres Hilfsmittel ist das Bild 3. Auch mit ihm kann die totale Absorption A ermittelt werden. Hier dient jedoch die Nachhallzeit T. Sie muß gemessen werden. Es ist die Zeit, in der ein Absinken des Schalldruckes um 60 dB stattfindet.

Bild 4: Ermittlung der totalen Absorption aus der Nachhallzeit.

Der Richtungsfaktor Q für Abstrahlwinkel von ca. 45 wird nach den Bildern 4, 5 und 6 ermittelt. Für Abstrahlwinkel von 0 sind zu dem ermittelten Wert Q ein Zahlenwert von 2 zu addieren, wenn ist.

Das nachfolgende Beispiel soll den Gebrauch des Diagramms verdeutlichen.

Bild 5: Einfluß von verschieden angeordneten Ein- und Auslässen im Raum.

Gegeben:
- Büroraum V = 50 m3,
- Gitteranordnung "C",
- freier Querschnitt des Gitters F = 0,1 m2,
- Entfernung vom Gitter r = 2 m,
- Abstandswinkel = 45

Gesucht: Schallpegeldifferenz bei 250 Hz

Lösung:
nach Tabellen 4 und 5 (aus Teil 2) am = 0,12

aus Bild 3 A = 10 m2 Sabin

aus Bilder 5 und 6 Q = 3,5 für f F = 79 Hz m

aus Bild 7 Schallpegeldifferenz: = 3 dB

Bild 6: Ermittlung von Richtungs-
faktoren.

Geräusche messen

Wenn man die Geräusche beurteilen oder wenn man feststellen möchte, wie laut es tatsächlich ist, muß man diese Geräusche messen. Nur dann kann man eine Aussage über ein Geräusch treffen.

Geräusche sind aus vielen Frequenzen zusammengesetzt. Oder anders ausgedrückt, erst dann ist ein Geräusch ein Geräusch, wenn in ihm einige oder viele Frequenzen vorhanden sind. Gibt es nur eine einzige Frequenz, so spricht man von einem Ton.

Bei der Messung von Geräuschen geht man so vor, daß man das jeweilige Geräusch zunächst in die einzelnen Frequenzen auflöst. Dann stellt man fest, wie laut es in den einzelnen Frequenzen ist, wobei man sinnvollerweise als Abstand von Frequenz zu Frequenz eine Oktave oder eine Terz wählt.

Tabelle 1: Bezugswerte für die Luftschalldämmung

Frequenz
[Hz]

Bezugswert
[dB]

1. Oktav

100

33

 

125

36

 

160

39

2. Oktav

200

42

 

250

45

 

315

48

3. Oktav

400

51

 

500

52

 

630

53

4. Oktav

800

54

 

1000

55

 

1250

56

5. Oktav

1600

56

 

2000

56

 

2500

56

6. Oktav

3150

56

Die Tabellenwerte entsprechen der DIN 52210 Teil 4, Ausgabe 1984.

Geräusche addieren sich logarithmisch. Dies gilt auch für Geräusche, die in einem Terzband gemessen werden. Drei Terze sind eine Oktave. Es fallen also bei dieser Meßart in einer Oktave drei Einzelgeräusche an. Diese Einzelgeräusche summieren sich zu einem Gesamtgeräusch in einer Oktave. Wenn nun für den Oktavwert z.B. 50 dB gefordert sind, so muß die einzelne Terz in ihrem Geräusch um 5 dB unter diesem geforderten Wert liegen, denn drei etwa gleichlaute Geräusche zusammen ergeben eine Pegelerhöhung von ca. 5 dB. Man muß sich bei der Auswertung und der Betrachtung von schalltechnischen Diagrammen immer klar machen, ob dieses Diagramm als Oktavpegel-Diagramm oder als Terzpegeldiagramm aufgetragen ist. Bei der bauakustischen Prüfung nach DIN 52210, auf die sich die Bezugskurven zur Berechnung des Luftschallschutzmaßes und des Trittschallschutzmaßes beziehen, werden nur Terzfilter verwendet. Das bedeutet, daß in jeder Terz gemessen werden muß. Die entsprechenden Werte pro Terz zeigen für das Luftschallschutzmaß die Tabelle 1.

Bild 7: Bezugskurve zur Berechnung des Luftschall-
schutzmaßes und des bewerteten Schalldämm-Maßes.

Die Kurve des Luftschallschutzmaßes (Bild 7) weist eine Besonderheit auf. Hier sind zwei Kurven eingezeichnet, die um 3 dB auseinanderliegen, und zwar einmal die Kurve der Schallausbreitung ohne Nebenwege und einmal die Kurve der Schallausbreitung mit Nebenwegen. Die Schallausbreitung ohne Nebenwege ist diejenige, die im Labor gemessen werden kann, und mit Nebenwegen diejenige die auf der Baustelle anzutreffen ist. Eine Kurve, die also im Labor ermittelt wird, muß um 3 dB besser liegen als die Kurve, die auf der Baustelle nachgemessen wird.

Die Sollkurve für Luftschalldämmung ist mit der Lage ihres Nullpunktes auf die Mindestanforderungen für Wände und Decken in Bauten für den dauernden Aufenthalt von Menschen abgestellt. Um das ganze ein wenig zu vereinfachen, gibt man für Bauteile nicht die komplette Kurve an. Man nennt statt dessen nur den Wert, der sich bei einer Kurve des Luftschallschutzmaßes bei 500 Hz ergibt oder anders ausgedrückt: Die Werte beziehen sich immer auf 500 Hz.

Die Schalldämmung von einschaligen Bauteilen hängt in erster Linie von ihrem spezifischen Gewicht ab. Ein mittleres Schalldämm-Maß von 50 dB erhält man bei einem Gewicht von etwa 400 kg/m2. Dieses kann natürlich selbstverständlich durch Schallübertragung auf Nebenwegen negativ beeinflußt werden.

In diesem dB-Bereich bedeutet die Verminderung eines Geräusches um 10 dB eine Forderung nach nur noch "halb so laut": Deshalb ist die Herabsetzung der Sollkurve um 8 dB eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Die Rechtsprechung der vorangegangenen Jahre machte eine solche Herabsetzung zwingend notwendig, da in vielen Urteilen der bis dahin normale Schallschutz als nicht ausreichend bezeichnet wurde.

Verfahren zur Ermittlung von LSM bzw. TSM

1. Die aus den Einzelmeßwerten zusammengesetzte Meßkurve wird in das jeweilige Diagramm eingezeichnet.

2. Die Sollgruppe wird soweit verschoben, bis daß die mittlere Unterschreitung der Meßkurve gegenüber der verschobenen Sollkurve gerade 2 dB beträgt. Dann wird festgestellt, um wieviel dB die Sollgruppe in Richtung günstig bzw. ungünstig zu verschieben war (+ = günstig, - = ungün-stig). Muß die Sollkurve dabei in den ungünstigen Bereich gezogen werden, so sind LSM negativ, also mit einem Minuszeichen zu versehen, z.B. LSM = - 5 dB. Kann die Sollkurve unverschoben bleiben, sind die Mindestwerte erreicht (LSM = 0). Kann die Sollkurve jedoch in den günstigen Bereich verschoben werden, sind die Ergebnisse positiv (z.B. LSM = 10 dB). Die Sollkurven sind mit der Lage ihrer Nullpunkte jedoch auf die Mindestanforderungen für Wände und Decken in Bauten für den dauernden Aufenthalt von Menschen abgestellt. Dabei müssen die Anforderungen natürlich dem Schallschutz der jeweiligen anderen Partei angepaßt sein. Aber viele Bauteile brauchen diesen trennenden Schalldämmanforderungen gar nicht zu entsprechen (z.B. Türen, Fenster, Zwischenwände usw.). So wird also bei Messungen stets ein negatives Vorzeichen (z.B. LSM - 12 dB) herauskommen, obwohl der Schallschutz durchaus im jeweiligen Einsatzbereich gut sein kann. Das stört, und deshalb hat man wie folgt abgeholfen:

Man schuf das bewertete Schalldämm-Maß Rw (für den Luftschallschutz). Dabei hat man die Sollkurve für den Luftschallschutz um 52 dB nach unten verschoben. Die Vorzeichen entfallen. Die Umrechnung aus dem Luftschallschutzmaß LSM ist denkbar einfach: Rw = LSM + 52 dB.

Ein Bauteil, das also der Kurve des Luftschallschutzmaßes entspricht und bei einer Frequenz von 100 Hz ein Schalldämm-Maß R von 52 dB aufweist, hat ein Luftschallschutzmaß LSM von 0. Denn es gilt die Beziehung Schalldämm-Maß Rw = LSM + 52 dB oder LSM = Schalldämm-Maß Rw - 52 dB (A). Da die anfordernde Kurve bei 500 Hz für das Schalldämm-Maß R = 52 dB ist, ergibt sich: LSM = Rw (52) -52 dB = 0.

Dieses bedeutet nun nicht, daß ein Bauteil, das ein Luftschallschutzmaß LSM von 0 aufweist, überhaupt keinen Schallschutz hat, sondern es bedeutet nur, daß dieses Bauteil die Mindestanforderungen erfüllt, die die Kurve für das Luftschallschutzmaß nach DIN 4109 bzw. DIN 52210 festschreibt, und dieses sind bei 500 Hz eben 52 dB.

Ein Bauteil mit einem Luftschallschutzmaß LSM von + 4 ist somit um 4 dB besser als die Mindestanforderungen. Dieses Bauteil hat somit insgesamt ein Schalldämm-Maß von 56 dB. Aber dies wird nicht erwähnt, da 52 dB diejenige Anforderung ist, die überhaupt zu erfüllen ist und die als LSM = 0 angesetzt wurde.

Bild 8: Luftschall-
schutzmaß einer Wand (R = 55 dB) 3 dB besser als Normkurve.

Die beiden Bilder 8 und 9 zeigen das Luftschallschutzmaß einer Wand, die einmal um 3 dB besser und einmal um 7 dB schlechter ist als die Normkurve, wobei die erste Wand mit einem Schalldämm-Maß von 55 dB den Wert LSM + 3 aufweist, während die Wand mit dem Schalldämm-Maß 45 dB einen LSM-Wert von - 7 aufweist.

Bild 9: Luftschall-
schutzmaß einer Wand (R = 45 dB) 7 dB schlechter als Normkurve.

Die Probleme der Schalldämmung gehören genauso in die Gebiete Heizung und Lüftung, wie sie auch in das Gebiet Sanitär gehören, wobei sie nicht allgemein spezifisch zuzuordnen sind. Aber nicht nur die Luftschalldämmung ist ein Thema, auch die Trittschalldämmung. Sie soll nicht nur Geräusche dämmen, die durch Laufen oder Gehen entstehen, sondern sie soll auch Geräusche dämmen, die z.B. von einem Ventilator, einem Brenner oder einer Armatur herrühren.

Die Angabe einer Dämmung ist nicht möglich, wenn man nicht weiß, wie hoch das Ausgangsgeräusch war. Wenn man die vorstehenden Kurven betrachtet, die das Schallschutzmaß von Decken und Wänden angeben, müßte man hier im ersten Moment den Verdacht haben, daß doch der Versuch gemacht wird, eine Dämmung anzugeben, ohne das Ausgangsgeräusch zu kennen. Dem ist jedoch nicht so. Denn in diesem Fall ist das Ausgangsgeräusch bekannt und definiert. Es wird mit einem Hammerwerk erzeugt, wobei ein Automat die Wand oder Decke beklopft. Die Angabe des Schallschutzmaßes ist deshalb so zu verstehen, daß die Dämmung bei genau diesem Geräusch erfolgt.

Der Lärm eines solchen Normhammerwerkes ist nun nicht aus der Luft gegriffen. Es soll Geräusche simulieren, die durch die Bewohner eines Hauses entstehen. Das gelingt eigentlich ganz gut. Die Geräusche reichen vom lauten Sprechen und Singen bis zum Poltern und Krachen.

Die Vorausberechnung und Vorausbestimmung eines Luftschallschutzmaßes ist nur sehr schwer möglich. Aus diesem Grunde sollte nur auf Teile zurückgegriffen werden, für die eine gemessene Kurve vorliegt, wie bei den beiden vorstehenden Diagrammen, wo einmal das Luftschallschutzmaß besser als die Normkurve und einmal schlechter als die Normkurve ist.

Genaue Richtlinien für den Schallschutz im Hochbau enthält die DIN 4109 in ihren einzelnen Teilen wobei bei der DIN 4109 zwei Hauptbereiche unterschieden werden:

1. Luft- und Trittschalldämmung von Bauteilen zum Schutz gegen Schallübertragungen aus einem fremden Wohn- oder Arbeitsbereich.

2. Luft- und Trittschalldämmung von Bauteilen zum Schutz gegen Schallübertragungen aus dem eigenen Wohn- und Arbeitsbereich.

Zu dem Problem Luft- und Trittschalldämmung sind noch einige Ausführungen nötig. Die Anforderungen an das Schallschutzmaß der Wände und Decken sind so hoch, daß der Nachbar nicht durch Geräusche gestört und belästigt wird, die normalerweise bei der Nutzung einer Wohnung auftreten, und daß Geräusche aus dem eigenen Wohn- und Arbeitsbereich so gedämpft werden, daß sie nicht stören. Hier sei an den Brenner des Heizkessels im Keller erinnert, der nicht so laut sein darf, daß er die Bewohner dieses Einfamilienhauses nicht in den Schlaf kommen läßt.

Ein anderes Beispiel soll diese Problematik noch ein wenig verdeutlichen. Wenn jemand im Zorn seinen Toilettendeckel zuwirft, so muß sichergestellt sein, daß der Nachbar hierdurch nicht gestört wird. Gleichzeitig ist dies auch eine Schallübertragung aus eigenem Wohn- und Arbeitsbereich. Aber hier kann der Installateur keine Vorsorge treffen, daß derjenige, der den Deckel zuwirft, nicht gestört wird. Denn dieses Geräusch liegt in seiner eigenen Verantwortung, während sich das Geräusch des Brenners sich seiner Beeinflussung entzieht.

Die DIN 4109 beschäftigt sich mit diesen Problemen so intensiv, daß hier auf weitere Ausführungen verzichtet werden soll.

Dämmstoffe

Dämmstoffe besitzen je nach Art mehr oder weniger große Hohlräume, die vom Dämmwerkstoff umgeben sind. Der Schall breitet sich sowohl im Werkstoff als auch in den Hohlräumen aus, wird aber auch vom Dämmstoff absorbiert. Schallabsorbierende Oberflächen sind porös bzw. rauh. Treten Schallwellen in diese absorbierenden Materialien ein, so werden sie innerhalb der Poren durch vielfache Reflektion in ihrer Energie abgebaut. Dieses nennt man Dissipation. Bei jeder dieser Vielfachreflektionen treten Energieverluste durch Reibungseffekte auf. Dabei tritt eine Umwandlung der Bewegungsenergie des Schalles in Wärmeenergie auf. Der Temperaturanstieg im Material ist jedoch sehr gering und läßt sich nur mit empfindlichen Meßgeräten unter Laborbedingungen nachweisen.

Ist eine Wand oder eine Decke inhomogen aufgebaut, so kann man nicht mehr von ihrem Flächengewicht aus auf ihre Schalldämmung schließen. Werden zum Beispiel auf eine Platte einzelne weit auseinanderliegende punktförmige Massen aufgesetzt, wird die Schalldämmung dadurch nicht nennenswert erhöht, obwohl das mittlere Flächengewicht u.U. stark zugenommen hat. Bei derartigen Konstruktionen ist nicht mehr das mittlere Flächengewicht, sondern das der leichten Flächenanteile für die Schalldämmung maßgebend, wenn diese Anteile die hauptsächlichen Flächen darstellen.

Hat ein Bauteil größere Hohlräume, kann durch Resonanzeffekte eine Verschlechterung der Schalldämmung eintreten. Je kleiner die Hohlräume, desto geringer die Gefahr derartiger Resonanzeffekte.

Sollen zweischalige Wände oder Decken im Vergleich zu einschaligen Bauteilen Vorteile bringen, muß durch geeignete Konstruktion dafür gesorgt werden, daß die Resonanzfrequenz möglichst unter 100 Hz liegt. Die Resonanzfrequenz ist um so niedriger, je schwerer die einzelnen Schalen sind, je größer der Luftabstand zwischen den Schalen ist und je geringer die Steifigkeit der zwischen den Schalen liegenden Dämmschicht ist.

Bild 10: Schall-
angabe eines Herstellers von Wärme-
pumpen.

Beispiele aus der Praxis

Wie in vielen Fällen mit Schallangaben umgegangen wird, soll das nachstehende Beispiel verdeutlichen. Denn auch hier läßt sich sagen, nichts ist so schlecht, daß es nicht noch als abschreckendes Beispiel dienen kann. Im übrigen handelt es sich hierbei um einen recht renommierten Hersteller, der diese Angaben für ein Produkt gemacht hat, das mit einem Verbrennungsmotor angetrieben wird (Bild 10): "Schalleistungspegel nach DIN 456351 dB (A)". (Anmerkung des Herstellers: Die Schall-Leistungspegel werden nach DIN-Normverfahren ermittelt und ermöglichen den Vergleich verschiedener Geräte. Die Schalldruckpegel liegen in der Regel niedriger und sind vom Ort und Art der Aufstellung abhängig.)

Als Schalleistungspegel wird ein Wert in dB (A) angegeben. Dieser Wert ist nicht konstant, sondern er steigt, abhängig von der Drehzahl von 70 auf 79 dB (A).

Mit dieser Aussage ist absolut nichts anzufangen. Wichtig wäre hier der unbewertete Verlauf in den einzelnen Frequenzen, wobei man sich ein Diagramm für die Drehzahlen 1000, 1500, 2000, 2500 und 3000 Umdrehungen pro Minute vorstellen könnte. Es ist nicht gesagt, daß der Verlauf der Kurve in den einzelnen Frequenzen in den jeweiligen Drehzahlbereichen deckungsgleich ist.

Als weiteres wird in diesem Diagramm ein Schalldruckpegel angegeben, der ca. 15 dB (A) unter dem Schalleistungspegel liegt. Als Erklärung heißt es: "Die Schalldruckpegel liegen in der Regel niedriger und sind vom Ort und der Aufstellung abhängig". Nach diesem Satz einen Schalldruckpegel aufzutragen, der 15 dB unter dem Schallleistungspegel liegt, ist schlicht und einfach unmöglich und zeugt von wenig Seriosität.

Diese Geräte sollen in Kellerräumen aufgestellt werden. Bei glatten Betonwänden, die in Kellerräumen üblich sind, ist es sogar möglich, daß der Schalldruckpegel höher als der Schalleistungspegel liegt, da, wie bereits ausgeführt, hier in der Regel eine Reflektion stattfindet.

Dieses Beispiel zeigt mit Deutlichkeit, was von den meisten Schallangaben selbst von renommierten Herstellern zu halten ist: Nämlich überhaupt nichts.

Auch hier sollte versucht werden, selbst mit harter Argumentation, die notwendigen Angaben zu bekommen, um eine Beurteilung eines solchen Gerätes durchzuführen. Sind keine anderen Angaben als die vorstehenden zu bekommen, sollte ein anderes Fabrikat zum Einsatz kommen. Vielleicht hat man da ja mehr Glück.

Wenn nach den Angaben, die hier erläutert werden, bei diesem Gerät vorgegangen wird, kann auch hier ohne Raterei eine zufriedenstellende Anlage errichtet werden. Ohne den Verlauf der unbewerteten Schalleistung in den einzelnen Frequenzen ist jedoch die Herstellerangabe das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist.

Bild 11: Bewertetes Brennergeräusch.

Das Bild 11 zeigt das Frequenzband eines Brenners (von diesem Hersteller erfolgte eine ausreichende Angabe). Gemessen wurde 0,3 m nach Kesselaustritt im Abgasrohr. Die einzelnen Werte wurden in dB (A) gemessen (bewertet).

Bei dem Brennergeräusch handelt es sich hauptsächlich um das Flammengeräusch. Das Lüftergeräusch ist von dem Flammengeräusch so stark überlagert, daß es nicht in Erscheinung tritt. Wie bereits gesagt, handelt es sich um ein bewertetes Geräusch.

Aus diesem Grunde sind im 63-Hz-Band bereits 26,1 dB abgezogen, wie auch in den anderen Frequenzbereichen die entsprechenden Werte. Wie man aus dem Diagramm erkennt, sind trotzdem im niederen Frequenzbereich bis ca. 400 Hz die höchsten Spitzen. Eventuelle Schalldämm-Maßnahmen bei diesem Brenner, die durch einen Schalldämpfer im Abgasrohr erfolgen können, sind sicher in dem niederen Frequenzbereich nötig.

Die Schalldämpfung des Kamins sowie die Dämpfung am Kaminende sind in diesem Diagramm nicht berücksichtigt, da, wie bereits erwähnt, die Messung 0,3 m nach dem Kesselaustritt erfolgte. Die Tendenz der Kurve wird jedoch durch die Kamindämpfung sowie die Auslaßdämpfung nicht wesentlich beeinflußt. Sollten Reklamationen durch die Nachbarschaft auftreten, müssen die niedrigen Frequenzen auf jeden Fall gedämpft werden. In einem solchen Falle wäre es zu empfehlen, den Kessel einschließlich Abgasrohr so zu montieren, daß anstatt des zuerst montierten Abgasrohres später ein Schalldämpfer eingesetzt werden kann. Die Belästigung durch ein solches Brennergeräusch erfolgt fast immer nur in der Nachbarschaft durch Schallabstrahlung aus dem Kamin und kaum beim Nutzer dieses Brenners.

Bild 12: Schallangabe eines Brenner-
herstellers.

Die Geräuschangabe eines weiteren Brennerherstellers zeigt das Bild 12. Bei dieser Angabe sind keine Werte in den einzelnen Frequenzen angegeben worden. Aus diesem Grunde reicht auch hier die Angabe zu einer endgültigen Beurteilung nicht aus, trotzdem diese Angabe schon etwas mehr Aussagekraft hat. In diesem Diagramm sind die Werte der Richtlinie VDI 2715 aufgetragen. Aus den Angaben des Herstellers ist zu ersehen, daß seine Brenner um ca. 10 dB niedriger liegen als die Richtlinie VDI 2715 es vorschreibt. Gleichzeitig ist auch ersichtlich, daß die Geräusche mit zunehmender Brennergröße ansteigen.

Bild 13: Schallangabe eines Brennerherstellers.

Die links am Diagramm angebrachte Bezeichnung A-Schallpegel LAH (dB (A)) sagt nichts anderes aus, als daß es sich um dB (A)-Werte handelt. (Jeder schreibt hier etwas anderes hin...)

Daß von diesem Hersteller auch weitere Angaben zu erhalten sind, zeigt das nächste Diagramm (Bild 13). Wenn man die drei vorstehenden Diagramme über Brennergeräusche betrachtet, so fällt auf, daß das erste Diagramm eine Aussage darüber macht, welche Schalleistung in den einzelnen Frequenzen vom Brenner in das Abgasrohr bzw. in den Kamin abgestrahlt wird. Dieses ist eine wichtige Unterlage, um das Geräuschverhalten eines solchen Brenners zu überprüfen. Hier muß evtl. nachgeprüft werden, ob die zulässigen Schalldruckpegel für die einzelnen Gebiete nicht überschritten sind. Für Wohngebiete ist auf jeden Fall der Wert für nachts zu berücksichtigen!

Mitunter geben Hersteller zwei Diagramme heraus: Einmal die Schalleistung, die in den Kamin abgestrahlt wird und einmal Schalldrücke, die im Aufstellraum auftreten. Von der einen Aussage ist grundsätzlich nicht auf die andere zu schließen, d.h. es kann nicht abgeleitet werden, welche Leistung in den Kamin abgestrahlt wird, wenn man den Schalldruckpegel im Raum hat und umgekehrt.

Aus diesem Grunde muß man prüfen, welche Aussage der Hersteller gemacht hat, bzw. man muß dem Hersteller genau mitteilen, welche Angaben man erwartet. Also ob man nachprüfen will, ob durch den Brenner der maximale Schalldruck in der Nachbarschaft überschritten wird oder ob Störgeräusche beim Nutzer auftreten. Beides sind vollkommen verschiedenartige Probleme, die nicht zusammenhängen. Ein Brenner, der die Nachbarschaft stört, muß den eigenen Nutzer noch lange nicht belästigen und ein Brenner, der den eigenen Nutzer nicht zur Nachtruhe kommen läßt, braucht beim Nachbar noch lange keine Beschwerden hervorzurufen.

Von den drei Bereichen Heizung, Lüftung, Sanitär sind bis jetzt zwei, nämlich Heizung und Lüftung ausführlich behandelt worden. Beim Fachgebiet Lüftung wurde eigentlich nur auf Ventilatoren eingegangen, die in einer Anlage die wesentlichsten Geräuschquellen sind. Beim Teil Heizung wurde das Geräuschverhalten von Brennern analysiert und beurteilt. Wenn man diese beiden Fachgebiete betrachtet, so muß man feststellen, daß jedesmal auf die Schalleistung dieser Bauteile bzw. auf den Schalldruckpegel, den sie hervorrufen, eingegangen worden ist. Anschließend wurden Maßnahmen angeführt, die diese Geräusche dämpfen, wenn sie zu hoch sind.

Im Grunde wird bei dem Gebiet Heizung und Lüftung immer nur davon ausgegangen, daß diese Geräusche vorhanden sind und daß man sie mit geeigneten Maßnahmen so weit dämpft, bis die geforderten Werte erreicht sind. Dieses geschieht in den Kanälen von Lüftungs- und Klimaanlagen mit Schalldämpfern ganz genauso wie im Abgasrohr von Heizungsanlagen. Aus diesem Grunde unterscheiden sich die Betrachtungen und Maßnahmen eigentlich gar nicht so weit voneinander.

Auch die Überlegungen, die bei der Luft- und der Trittschalldämmung angestellt werden, sind hiervon eigentlich gar nicht so weit verschieden. Denn auch hier wird davon ausgegangen, daß ein Geräusch (Normgeräusch) vorausgesetzt wird. Die Bauteile haben eine gewisse Dämpfung aufzuweisen, damit auf der anderen Seite nicht mehr soviel Lärm ankommt.

Es handelt sich hier eigentlich um die gleiche Philosophie: Geräusche sind nun einmal vorhanden, und man muß sie so gut wie möglich dämpfen. Selbstverständlich wäre es logischer und viel besser, Teile zu bauen, die einen geringeren Schalleistungspegel aufweisen. Aber es scheint nun einmal so, daß die gebräuchliche Methode, die vorhandenen Geräusche auf das gewünschte Maß herabzudämpfen, die bessere und billigere ist.

Ganz anders stellt sich das Problem dar, wenn man den Fachbereich Sanitär betrachtet. Die Geräusche, die hier auftreten, sind eigentlich in einer einzigen großen Kategorie zusammenzufassen. Es handelt sich um Strömungs- bzw. Plätschergeräusche von Wasser in Rohren oder Behältern. Diese Geräusche pflanzen sich als Luftschall oder als Körperschall fort. Bei dieser Art von Geräuschen versagt die bisher in den Gebieten Heizung und Lüftung angewandte Technik, die Geräusche sofort nach ihrem Entstehen zu dämpfen.

Der Einbau von Schalldämpfern in Wasserleitungen ist nicht zu verwirklichen. Genauso unmöglich ist die nachträgliche Dämpfung von Plätschergeräuschen in Wannen, Spülbecken und Klosettschüsseln. Aber zum Fachbereich Sanitär sind schalltechnisch eigentlich nicht nur die hier angesprochenen Dinge hinzuzurechnen, sondern von ihrem Geräuschverhalten und ihrer Problematik auch die Teile von Heizungs- und Lüftungsanlagen, die außer den bereits angesprochenen Ventilatoren und den Brennern in solchen Anlagen installiert sind. Es sind dies die Pumpen, die Ventile, Schieber usw., kurz: alle Teile, die im Wassernetz installiert sind. Für alle diese Teile gilt eines grundsätzlich: Geräusche, die über den festgesetzten Grenzwerten liegen, dürfen erst einmal gar nicht entstehen, da sie anschließend so gut wie unmöglich gedämpft werden können.

Weiterhin sind alle Teile so einzubauen und zu installieren, daß entstehende Geräusche als Körperschall nicht weitergeleitet werden können.

Es sei deshalb noch einmal für den Fachbereich Sanitär grundsätzlich festgehalten, daß eine Sanitärinstallation, die ein zu hohes Geräuschverhalten zeigt, so gut wie niemals durch Schalldämpfmaßnahmen nachgebessert werden kann. Es ist fast immer eine komplette Demontage und anschließende Neuinstallation mit allen daraus resultierenden Kosten nötig.

Wenn in einer Lüftungs- und Klimaanlage der Ventilator immer noch hörbar ist, kann in den meisten Fällen ohne größere Schwierigkeiten für ein Stück Kanal ein Schalldämpfer eingefügt werden. Die Kosten hierfür sind in den meisten Fällen vernachlässigbar klein. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn in einem fix und fertig eingerichteten Badezimmer die Wanne herausgerissen werden muß, weil der Nachbar die Badefreuden regelmäßig mitbekommt.


*) Dipl.-Ing. Willi Mantz, VDI, Energie- und Wärmetechnik, Heizung - Kälte - Klima


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