IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 22/1999, Seite 82 f.



Progas GmbH

Nutzfahrzeuge mit Flüssiggas-Antrieb im Einsatz

Die Progas GmbH & Co. KG, Flüssiggas Versorgungsunternehmen mit Sitz in Dortmund, hat im Frühjahr dieses Jahres vier neue Kundendienstfahrzeuge in Betrieb genommen, die mit moderner, zukunftsorientierter Antriebstechnik ausgestattet sind. Es handelt sich hierbei um Fahrzeuge des Typs Mercedes-Benz Sprinter 314 KA, die bivalent, d.h. wahlweise mit Flüssiggas (Autogas) oder Benzin, betrieben werden können.

Während von Mercedes ein Sprinter mit Erdgasantrieb bereits serienmäßig angeboten wird, gilt dies für den Flüssiggasantrieb nur für das Ausland, vor allem für die Niederlande, Belgien und Dänemark. Daher mußte zunächst eine Musterzulassung für Deutschland beantragt und durchgeführt werden. Mit Unterstützung der Mercedes-Benz Zentrale Stuttgart, die einen Prototypen zur Verfügung stellte, erfolgte im Herbst 1998 die TÜV-Baumusterprüfung. Der Startschuß für weitere Produktionen bzw. Umrüstungen für den deutschen Markt war so gegeben.

Die eigentliche Umrüstung der Progas-Kundendienstfahrzeuge wurde vom Mercedes-Benz Kooperationspartner L.P.G. Techniek Zevenaar in den Niederlanden vorgenommen. Dieser lieferte bereits über 1000 Einheiten von gasbetriebenen Motoren, speziell für die Fahrzeugtypen Mercedes-Benz 180, 200 und Sprinter. Allein im vergangenen Jahr wurden insgesamt - hauptsächlich für den niederländischen Markt - 250 Fahrzeuge umgerüstet.

Eines der vier neuen flüssiggasbetriebenen Fahrzeuge der Progas-Flotte. Rechts unten im Bild zu erkennen: Der Flüssiggastank (rot) im Innenraum des Fahrzeuges.

Moderne Fahrzeugtechnik mit Garantie

Die Fahrzeugtechnik entspricht dem aktuellen Stand der Entwicklung. Die sehr niedrigen, von der EU für 1999 vorgeschlagenen Schadstoffgrenzwerte EURO 3, werden deutlich unterschritten. Sämtliche Komponenten der Autogastechnik entsprechen den Qualitätsanforderungen von Mercedes-Benz. Daher gelten auch für das komplette, umgerüstete Fahrzeug die Gewährleistungs- und Garantiebedingungen des Hauses. Den technischen Service und die Watung übernehmen die örtlichen Vertrags-Werkstätten.

Der 100-Liter-Flüssiggastank soll eine Reichweite von 450 km garantieren.

Für die Umwelt: fahren mit Flüssiggas

Nach Berechnungen von Progas amortisieren sich die Mehrkosten für die Umrüstung auf Flüssiggasbetrieb in vier bis fünf Jahren. Ausschlaggebend für die Anschaffung der vier Fahrzeuge war allerdings nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern der Umweltvorteil. Progas will mit den neuen Kundendienstfahrzeugen einen wesenlichen Beitrag zur Entlastung der Umwelt leisten. Um den guten Willen auch nach außen zu beweisen, sind alle Fahrzeuge seitlich beschriftet: "Für die Umwelt fahre ich mit Flüssiggas".

Die bivalent betriebenen Fahrzeuge besitzen zwei Einfüllstutzen an der Fahrerseite: links oben für Benzin, rechts unten für Gas.

Flüssiggas als Kraftstoff

Flüssiggas wird als besonders leichtes Mineralölprodukt in den Raffinerien und bei der Förderung von Erdgas und Rohöl gewonnen. Mit seiner typischen Eigenschaft, bereits bei niedrigen Temperaturen zu Gas zu verdampfen, aber noch bei relativ geringem Druck flüssig zu bleiben, ist Flüssiggas in der Reihe der Kohlenwasserstoff-Verbindungen zwischen dem leichten Erdgas und den schweren Produkten Benzin und Diesel einzuordnen.

Europaweit ist die Kraftstoffqualität von Autogas, zu dem Flüssiggas zählt, in der europäischen Norm EN 589 einheitlich vorgeschrieben. Dadurch ist der grenzüberschreitende Einsatz von Autogasfahrzeugen problemlos möglich.

Unter normalen atmosphärischen Bedingungen ist Flüssiggas gasförmig. Doch bereits unter geringem Druck (6-8 bar) verflüssigt es sich und hat im flüssigen Zustand nur noch ca. 1/260 seines Gasvolumens, was sich positiv auf die erforderliche Größe des Fahrzeugtanks auswirkt. Im Vergleich zu Erdags als Kraftstoff ergeben sich daher bei Flüssiggas die Vorteile der einfacheren und kostengünstigeren Konstruktion des Tanks, der wesentlich niedrigere Druck im Füllschlauch (6-8 bar bei Flüssiggas/200 bar bei Erdgas) und daß keine Kompressionsenergie erforderlich ist.

Durch die hohe Klopffestigkeit und die günstigen Verbrennungseigenschaften von Flüssiggas ist der Zusatz von Additiven nicht erforderlich. Es ist nahezu schwefelfrei und Flüssiggasmotoren arbeiten so gut wie rußfrei. Der Ausstoß an CO2-Kohlenwasserstoffen, Benzol oder Aldehyden und weiteren toxischen Abgasen wird wesentlich gemindert. Zudem haben die Fahrzeuge eine bis zu 60 Prozent niedrigere Geräuschabstrahlung als Dieselfahrzeuge.

Ein weiterer Vorteil gegenüber Benzin/Diesel: Beim Tanken entstehen keine Schadstoffemissionen durch Verdunstung oder Versickern, denn die Betankung erfolgt über ein abgeschlossenes System.

Das Armaturenbrett mit Umschalter "G/B" - Flüssiggas/Benzin.

Weltweiter Einsatz

Flüssiggas als Kraftstoff wird weltweit eingesetzt, über 4 Mio. Flüssiggas-Fahrzeuge können an rd. 22.000 Tankstellen betankt werden. In den USA wird es bereits seit 1920 verwendet. In Italien beträgt der Anteil flüssiggasbetriebener Fahrzeuge 5 Prozent (rd. 1.000.000 Fahrzeuge), in den Niederlanden und Polen sind es sogar etwa 9 Prozent (500.000 Fahrzeuge). In Deutschland werden derzeit etwa 3500 Kraftfahrzeuge mit Flüssiggas betrieben.