IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/1999, Seite 27 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Brandenburg


2. Ölfachtagung

Expertengespräche rund ums Öl

Vom 3. bis 4. September dieses Jahres fand in Groß Dölln die 2. gemeinsame Ölfachtagung des Fachverbandes Land Brandenburg und der Innung Berlin in Kooperation mit dem IWO (Institut für Wirtschaftliche Oelheizung e.V.) sowie dem MHV (Mitteldeutscher Handelsverband für Brennstoffe, Mineralöle und Wärmeservice e.V.) statt.

Mehr als 130 Teilnehmer, davon gut 50% aus dem Berliner Raum, folgten der Einladung der SKH-Verbände, um, wie es LIM Wilfried Frohberg bei seiner Begrüßungsansprache formulierte, "die eigene Sach- und Fachkompetenz weiter auszubauen." Ziel dieser Veranstaltung sei es, so führte Frohberg weiter aus, den Erstellern von Ölheizungsanlagen zu helfen, die notwendigen Aufgaben sicherer und einfacher zu bewältigen. Umweltbewußtes Denken und Handeln sei keine Modeerscheinung, sondern eine selbstverständliche Erfüllung der Fürsorgepflicht an den uns überlassenen Naturschätzen.

Zur 2. Ölfachtagung Berlin/Brandenburg konnte LIM Wilfried Frohberg etwa 130 Teilnehmer begrüßen.

Fachprogramm

Wie bei jeder Ölfachtagung, standen auch diesmal wieder interessante Referate kompetenter Fachleute auf dem Tagungsprogramm. Den Anfang bildete der Beitrag "Marktentwicklung auf dem Wärmemarkt Berlin/Brandenburg" von Horst Gohling, Geschäftsführer des MHV.

Zahlen und Fakten zur Marktentwicklung auf dem Wärmemarkt Berlin/Brandenburg präsentierte Horst Gohling, Geschäftsführer des MHV.

Er vermittelte den Teilnehmern zahlreiche Daten und Fakten zur Entwicklung des Wärmemarktes in Berlin/Brandenburg. So sei z.B. der Absatzmarkt für Heizöl EL im Zeitraum von 1990 bis 1998 in den alten Bundesländern leicht zurückgegangen, während er in den neuen Bundesländern deutlich gestiegen sei. In Konsequenz dazu sank der Absatz auf dem Braunkohlemarkt in den neuen Bundesländern um etwa 90%. Trotz des allgemeinen Absatzrückgangs und auch nach der Einführung der Mineralölsteuer sei Heizöl aber immer noch die preiswertere Alternative; das bleibe sicher auch in Zukunft so, versicherte Gohling. Denn die Ölvorräte seien noch längst nicht erschöpft: "Alleine die Ölreserven, die bereits heute mit konventioneller Technik gefördert werden können, belaufen sich weltweit auf ca. 141 Mrd. Tonnen. Bliebe es bei den derzeitigem weltweiten Jahresverbrauch von rund 3,4 Mrd. Tonnen, würden alleine diese Reserven für gut 40 Jahre reichen. Nicht berücksichtigt sind die Felder, bei denen eine Ölförderung derzeit - aufgrund technischer Schwierigkeiten oder weil es zu aufwendig ist - nicht lohnt."

Selbst bei großzügiger Dimensionierung spiele der Platzbedarf für einen Öltank heute keine große Rolle mehr, so die Meinung von Dr. Christian Küchen, IWO.

Im Anschluß daran referierte Dr. Christian Küchen vom IWO über neue Techniken zur Ölverbrennung. Er erläuterte u.a. den Aufbau und die Funktionsweise von wandhängenden Öl-Brennwertgeräten mit raumluftunabhängiger Betriebsweise und externer Kondensation. Derartige Geräte seien zwar schon erhältlich, können aber aufgrund mangelnder Betriebserfahrung noch nicht generell empfohlen werden. Für die Zukunft würden derartige Systeme, so die Meinung des Referenten, gute Perspektiven bieten, denn im Vergleich zu anderen Energieträgern hätte Heizöl immer noch einige spezifische Vorteile. So entfällt z.B. im Gegensatz zu Erdgas der monatliche Grundbetrag. Auch die Möglichkeit der Bevorratung zählt dazu. Den Nachteil des großen Platzbedarfes für den Öltank ließ er nicht gelten. Küchen dazu: "Bei einem Energiebedarf von ca. 70 kWh/(m2 a) (Niedrigenergiestandard) und einer beheizten Grundfläche von 150 m2 benötigt man pro Jahr etwa 1050 Liter Heizöl plus Zuschläge für eine eventuelle Brauchwasserbereitung. Selbst bei großzügiger Dimensionierung zwecks ausreichender Bevorratung spielt der Platzbedarf für einen Öltank heute keine große Rolle mehr."

Dipl.-Ing. Erik Debertshäuser vom FV SHK Land Brandenburg zum Thema Störungen an Ölfeuerungsanlagen: "Die Probleme müssen von Handel und Handwerk gemeinsam gelöst werden."

"Betriebsstörungen an einer Ölfeuerungsanlage, gemeinsame Kundenbetreuung", zu diesen Themen referierte Dipl.-Ing. Erik Debertshäuser, technischer Referent beim Fachverband SHK Land Brandenburg. Er veranschaulichte den Teilnehmern anhand von Merkblättern die sinnvolle Vorgehensweise des SHK-Handwerkers und des Mineralölhändlers bei Betriebsstörungen an einer Ölfeuerungsanlage. Störungen seien selten und können vom Kundendienstmonteur in der Regel ohne größeren Aufwand behoben werden. Würden diese an einer Anlage jedoch häufiger auftreten, könne der Grund z.B. auch am gelieferten Heizöl liegen. Debertshäuser gab den Rat, daß Handwerk und Handel gemeinsam eine Lösung zur dauerhaften Beseitigung der Störung suchen sollten. "Gegenseitige Schuldzuweisungen sind in diesem Fall fehl am Platze", sagte der Referent.

Hier schloß sich, wie an den nachfolgenden Vortrag von A. Mühlberg (Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg) über die Novellierung der VAwS und der sich daraus ergebenden Fachbetriebspflicht für Heizölversorgungsanlagen ab 1000 Liter im Land Brandenburg, eine lebhafte Diskussion an.

Rechtsanwalt Franzke aus Berlin ging in seinem Vortrag auf Fragen zur VOB sowie der Gewährleistung und deren Verpflichtungen aus Wartungsverträgen ein.

Obermeister Chudek von der Berliner Schornsteinfegerinnung sprach sich ebenfalls in seinem Plädoyer für die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller mit der Ölheizung verbundener Handwerke aus.

Gespräche und Diskussionen gab es reichlich: selbst während der Kaffeepausen.

Der letzte Vortrag des Tages war ein rhetorisches "Feuerwerk" gepaart mit Witz und Wahrheiten. Prof. v. Cube von der Universität Heidelberg behandelte das Problem der Mitarbeiter-Motivation, der Mitarbeiterführung und des Mitarbeitereinsatzes im Rahmen seines Vortrages zum Thema "Lust auf Leistung". Basierend auf Erkenntnissen der Verhaltensforschung und der Evolution in der Tierwelt stellte er Parallelen zu den Verhaltensweisen des Menschen und deren großen und kleinen "Macken" sowie deren Stärken und Schwächen dar.

Rahmenprogramm

Für die mitgereisten Damen stand am Freitag ebenfalls ein interessantes Programm auf der Tagesordnung. Sie besichtigten das Kloster Chorin und genossen anschließend eine Barkassenfahrt auf dem Oder/Havelkanal zum Schiffshebewerk Niederfinow.

Zum Abschluß der Veranstaltung fand auf Einladung der IWO ein geselliger Abend statt, bei dem die Teilnehmer nicht nur fachliche Gespräche führten, sondern auch neue Kontakte und Freundschaften knüpfen konnten.


Fachunternehmerschulung nach WHG

Rund 100 Fachleute nahmen am darauffolgenden Samstag, den 3. September, an der von der Überwachungsgemeinschaft Technische Anlagen der SHK-Handwerke e.V. initiierten Fachunternehmerschulung nach 19 I WHG teil. Dipl.-Ing. Stephan David, technischer Berater der ÜWG, Dipl.-Ing. Andreas Mühlberg (MUNR) und Dipl.-Ing. Erik Debertshäuser, technischer Referent beim Fachverband SHK Land Brandenburg, führten die Schulung durch. Inhalte waren u.a. Übersicht über die anzuwendenden Rechtsgebiete, Bauarten, Zulassung und Ausrüstung von ober- und unterirdischen Tankanlagen, Anforderungen an Rohrleitungen von Heizölversorgungsanlagen sowie Aufbau, Funktion, Installation, Prüfung und Wartung von Leckanzeigesystemen und Grenzwertgebern.

Teilnehmer, die noch über keine Sachkundeprüfung als Voraussetzung zum Erwerb der Fachbetriebszulassung verfügten, konnten diese im Anschluß an die Veranstaltung ablegen.


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