IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 21/1999, Seite 19 ff.


VERBÄNDE AKTUELL 


Bayern


Mitgliederversammlung 1999

Kontroverse Tagung in Nürnberg war ergebnisreich

Am 13. Oktober wurde in Nürnberg bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Fachverbandes SHK Bayern eine ganze Reihe wichtiger und wegweisender Entscheidungen für die Ausrichtung des Verbandes getroffen. Landesinnungsmeister Werner Obermeier und Hauptgeschäftsführer Helmut Mahr begrüßten 125 Delegierte auf der zukunftsorientierten Tagung im "Deutschen Hof".

Schlechte wirtschaftliche Daten, eine kaum mehr vorhandene Bautätigkeit der öffentlichen Hand und eine durch die Regierung verschleppte Verbesserung der Rahmenbedingungen führen auch in Bayern zu einer schwierigen bis kritischen Situation der SHK-Betriebe.

Erster Gratulant des einstimmig wiedergewählten Landesinnungsmeisters Werner Obermeier war Obermeister Hein, Innung Hof.

In seiner Begrüßungsrede ging LIM Obermeier auf diese Situation ein und sagte: "Wir haben eine Preissituation, die jedes unternehmerische Denken vermissen läßt. Ich traue mich schon gar nicht von Gewinnstreben zu reden. Allein den Gedanken daran halten in diesen Zeiten schon viele für obszön."

Aber er richtete sein Augenmerk auch auf Impulse für die Zukunft. "Positives vermag ich von mehreren Aktionen zum Thema "alternative Energien" zu vermelden. Nachdem unsere Wahl des "Solarkönigs" in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit gefunden hat, wurde die Solarthermie durch weitere regionale Aktivitäten gut vorangebracht. Wie Sie sicher aus der Fachpresse wissen, läuft derzeit die bundesweite Aktion "Solar - na klar!", die in der Bevölkerung ebenso große Beachtung findet. So erhält eine eigens hierfür eingerichtete "Verbraucher-Hotline" 800 bis 1000 Anrufe pro Tag."

Zur Aktion "Handwerkermarke", die zur ZV-Mitgliederversammlung am 29. September dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, erläuterte Obermeier die Hintergründe und stellte die besonderen handwerksunterstützenden Kriterien heraus. "Merkmale des Prädikats Handwerkermarke sind neben der Qualität:

- 10jährige Verfügbarkeit der Produkte sowie
- 10jährige Ersatzteil-Garantie und
- keine Belieferung der Baumärkte!

Es liegt allein in unserer Hand, daß die Handwerkermarke ein Erfolg wird.

Bei den bis jetzt in der Handwerkermarke engagierten Herstellern möchte ich mich ausdrücklich bedanken und besonders betonen, daß sie gegen einen spürbaren Widerstand des Großhandels mitmachen."

Zum Abschluß seiner Rede verabschiedete der Landesinnungsmeister Hauptgeschäftsführer Helmut Mahr, der 33 Jahre für den Verband tätig war, in den Ruhestand. "Es verläßt uns unser hochverdienter Hauptgeschäftsführer, der über drei Jahrzehnte die Geschicke des Verbandes lenkte und die Beschlüsse des Vorstands umsetzte."

Obermeier stellte fest, das 54 von 60 Innungen mit 125 Delegierten anwesend seien und konnte mit der Beteiligung von 90% hoch zufrieden sein.

Helmut Mahr setzte auf seiner letzten Mitgliederversammlung nochmals Zeichen, stand Rede und Antwort, agierte konzentriert am Thema und leitete zukunftsorientierte Beschlüsse ein.

Helmut Mahr trug seinen letzten Rechenschaftsbericht für den Verband des Jahres 1998 den Delegierten vor. "Die SHK-Betriebe sind in einer kritischen Phase von stagnierendem Markt und Konsolidierung." Er appellierte an die zuständigen Politiker in Bund und Land, "die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, daß Eigenverantwortung und Selbständigkeit gefördert werden, Erträge ermöglicht und bürokratische Bremsklötze weggeräumt werden. Der reale Umsatzanstieg im letzten Jahr betrug gerade einmal ein Prozent. Für die Betriebe hat sich die Auftragsauslastung um eine Woche auf sieben Wochen verringert." Allerdings sei die Lage im ersten Halbjahr 99 wieder etwas entspannter.

Zahlreiche Aktivitäten haben die Verbandsarbeit des letzten Jahres bestimmt. So galt es z.B. gegen die Ausdehnung der Tätigkeiten der Kommunen in Bereiche des Handwerks vorzugehen, was im übrigen auch ein klarer "Verstoß gegen die bayerische Gemeindeordnung" sei. Zukunftsorientierte Themen wie Gebäudemanagement, Einzelhandelsunterstützung und Berufsausbildung im SHK-Handwerk seien weitere Themen, die vom Fachverband umfassend bearbeitet wurden.

Zum Punkt Berufsausbildung fügte Mahr die Verlautbarung des einstimmigen Beschlusses der ZV-Mitgliederversammlung von Münster an, der im Kern ein Kompromiß zwischen der monostrukturalen- und der Fachrichtungsausbildung ist. Dem Lehrling werden sechs Wahlpflichtbausteine angeboten, von denen er mindestens drei Bereiche wählen muß. Eine Ausdehnung des Berufsschulunterrichts und der Überbetrieblichen Ausbildung (ÜBL) wird von der Handwerksseite abgelehnt. Gerade dieser Schlußsatz fand breite Zustimmung unter den Innungsvertretern.

Der Hauptgeschäftsführer berichtete über die weiteren Aktivitäten: Solarkönig, Berufsgenossenschaften, Informationswesen, Fachzeitschrift IKZ-HAUSTECHNIK (ab Januar an alle Mitgliedsbetriebe) und die Finanzsituation des Fachverbandes.

Mahr bedankte sich abschließend für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und merkte an: "Ich habe immer versucht, dem Verband auf meine Art zu dienen." Er wünschte seinem designierten Nachfolger Dr. Schwarz eine glückliche Hand und bat die Delegierten "diesen jungen und tüchtigen Nachfolger" zu unterstützen.

Die anwesenden Delegierten, die Helmut Mahr besonders als "Tarif-Fuchs", kompetenten Verwaltungs- und Rechtsberater sowie auch als technisch informierten Verbandsleiter schätzen gelernt hatten, applaudierten dem scheidenden Hauptgeschäftsführer mit einer lang anhaltenden "Standing Ovation".

Die Delegierten und der Vorstand dankten ihm mit einer "Standing Ovation".

Berichte

Im Anschluß an den Rechenschaftsbericht erläuterte Ernst Sauer, Betriebswirtschaftliche Kommission, die Punkte:

- Konzept Einzelhandelsförderung,
- Marketingmaßnahmen,
- Betriebswirtschaftliche Tagung,
- Bezirksversammlungen,
- Internet und Faxabruf sowie
- Kalkulationshilfen.

Die Kommission Aus- und Fortbildung vertrat Clemens Buchberger, der als Hauptthema den schon erwähnten Beschluß zur Ausbildung des Installateurs und Heizungsbauers noch einmal Revue passieren ließ. Er erläuterte den schwierigen Entscheidungsweg; einmal mit Tendenz zur monostrukturellen Ausbildung, dann wieder der Trend zur Fachrichtung und nun die aus betrieblicher Sicht vertretbare Lösung mit der Schwerpunktsetzung in der Ausbildung. "Wir erhalten so eine imagefördernde und zukunftorientierte Ausbildung," wobei der Betrieb der Mittelpunkt der Ausbildungsqualifizierung sein müsse.

Auch Erich Schulz (Bildmitte) wurde von den Delegierten in seiner Funktion als stv. Landesinnungsmeister bestätigt.

Erich Schulz, Vorsitzender der Tarifkommission SHK, sprach von der Ruhe an der "Tariffront". Auch von seiten der Betriebe gebe es keinerlei Probleme. Es habe ein Gespräch mit der IG-Metall stattgefunden, das im Ergebnis aber dazu geführt habe, "die Gespräche ruhen zu lassen" (z.Zt. keine Übereinkunft möglich).

Weiterhin gebe es einen Rechtsstreit zwischen der CGM und der IGM, der aber in der 1. Instanz für die CGM entschieden worden sei.

Günther Wolf, Kommission Kachelofen- und Luftheizungsbauer, erläuterte die Verhandlungen zur Anhebung der Löhne zum 1. Juli dieses Jahres und wünschte Michael Schmidt, seinem designierten Nachfolger, viel Glück.

Heinrich Köberlein, Sanitärkommission, bat um die verstärkte Teilnahme nach der Zusammenlegung der Berufe bei den Bezirksversammlungen. Weitere Themen waren:

- Verbandstag 2000,
- DIN 1986 / EN 1256,
- DIN19381,
- Auslegung von WW-Bereitern und
- Schallschutz nach DIN 4109 / VDI 4100.

Aus der Heizungskommission berichtete Werner Merkel.

Seine Themen:

- Institution IWO,
- Verbesserung der Heizölqualität,
- Kompressorgesteuerte Ausdehnungsgefäße (dürfen nicht mehr eingebaut werden),
- VBG-Richtlinien,
- Energiesparförderung,
- Wärme-Contracting sowie
- Veränderte Rabattierung eines Herstellers bei Heizungsersatzteilen.

LIM Obermeier und HGF Mahr gratulierten Dr. Schwarz zu seiner Wahl und Ernennung zum Leitenden Geschäftsführer.

Uli Leib, Spenglerkommission, wies auf die Bedeutung der Spenglerarbeiten in der Architektur hin. Es gebe zur Zeit einen positiven Trend in diese Richtung, dies sollten die Betriebe nutzen und umsetzen.

Leider sei von seiten der Hersteller keine ausreichende finanzielle Unterstützung erfolgt, um notwendige Marketingmaßnahmen zu fördern. Eindringlich bat der Vorsitzende um die zahlreiche Teilnahme am Klempnertag in Würzburg am 3. und 4. Februar 2000. Bei den Bezirksversammlungen sei die Teilnehmerzahl auf 285 verdoppelt worden, was eine erfreuliche Entwicklung darstelle.

Den Bericht der Kommissionen der Behälter- und Apparatebauer (neue Berufsbezeichnung) erläuterte Sigmar Scheiblich. Große Probleme seines Berufsstandes gebe es durch den zu geringen Meisternachwuchs, hier müsse man entsprechend aktiv werden, darüber hinaus sollten die Rundschreiben an die Betriebe verstärkt eingesetzt werden. Reparatur- und Änderungsarbeiten würden in seinem Berufsbereich an Bedeutung verlieren und dies bedeute Umorientierung.

Zum Abschluß berichtete Peter Straßberger, Kommission Ofen- und Luftheizungsbauer, über die Themen:

- Arbeitsseminar Bad Tölz,
- Ausstellung auf der IHM, München,
- Umsatzentwicklung bei den Kacheln stark rückläufig sowie über die
- Arbeitsgemeinschaft der Kachelofenwirtschaft AdK und die Initiative "Roter Hahn".

Ausrichtung Zukunft

Breiten Raum der Veranstaltung nahmen die zahlreichen Neuwahlen in Anspruch, da vom Landesinnungsmeister, über den Vorstand, dem Geschäftsführer bis hin zu den Kommissionen alle Ämter neu besetzt werden mußten. Die IKZ-HAUSTECHNIK wird in einer der nächsten Ausgaben die komplette Mitgliederliste veröffentlichen.

Mit einem Ergebnis, "besser als bei Stoiber", so LIM Werner Obermeier, wurde er wiedergewählt. Mit fast einstimmiger Mehrheit wurde auch sein Stellvertreter Erich Schulz in seinem Amt bestätigt. Der Vorstand blieb nahezu gleich, bis auf die ausscheidenden Mitglieder Werner Maul und Günther Wolf. Eduard Kröll, Region Oberbayern, wurde neu in den Vorstand gewählt.

Ein weiterer Schritt in die Zukunft wurde bei der Abstimmung über die Errichtung einer neuen Verbandsgeschäftsstelle vollzogen, die einstimmig beschlossen wurde.

Diese Entscheidung wird der neu gewählte Leitende Geschäftsführer Dr. Wolfgang Schwarz umsetzen müssen. Dr. Schwarz tritt die Nachfolge des aus Altersgründen in den Ruhestand getretenen bisherigen Hauptgeschäftsführers Helmut Mahr an.

Obermeister Förther, Innung Nürnberg, machte deutlich, daß die Betriebe und die Innungen eine Beitragserhöhung derzeit nicht verkrafteten, er plädierte für einen Sparhaushalt.

Zu Geschäftsführern des Fachverbandes SHK Bayern wurden für den Bereich Recht und Information Rainer Blaschke und für den Bereich Technik Jörg Schütz ernannt.

Der Rechnungsprüfungsbericht wurde von Christa Mayer vorgetragen, Genehmigung des Jahresabschlusses 1998 und Entlastung der Verbandsführung erfolgten jeweils einstimmig.

Ausgiebig wurde dagegen der Haushalt 2000 diskutiert, der eine Erhöhung der Beiträge vorsah. Nach mehrheitlicher Abstimmung wurde dieser Ansatz fallengelassen und durch eine Rücklagendeckung ersetzt.

Die Anträge von den Delegierten der Innung SHK Nürnberg/ Fürth, die Verbandstage wieder freitags und samstags durchzuführen und die Prüfung von technischer Software, wurden angenommen. Nach einer Diskussion zu dem Punkt Verschiedenes wurde die Sitzung durch den LIM Obermeier geschlossen.

Resümee: Kontroverse Tagung war fruchtbar!


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