IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 20/1999, Seite 98 ff.


UNTERNEHMENSFÜHRUNG


Betriebsoptimierung per Kollegenrat

Erfakreis und seine Wirkungen auf das Betriebsergebnis

Immer mehr Fachhandwerksbetriebe schließen sich zusammen, um durch einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch voneinander zu lernen und miteinander Ideen für bessere Unternehmenserfolge zu sammeln. Die IKZ-HAUSTECHNIK sprach mit Veranstaltern, Teilnehmern und Moderatoren, um zu erfassen, wie Erfa-Arbeit funktioniert und ob die investierte Zeit sinnvoll eingesetzt ist.

Rund 130 der inzwischen über 500 Gesellschafter der Einkaufsgemeinschaft SHK nutzen heute das Angebot ihrer Zentrale, in regionalen Erfa-Gruppen mitzuarbeiten. Bundesweit ergehen die Einladungen zum SHK-Juniorenkreis: Zweimal jährlich treffen sich dort angehende oder bereits integrierte Junior-Chefinnen und -Chefs. Für die 75 Mitglieder der Gruppe bad & heizung ist die aktive und regelmäßige Teilnahme an den Erfa-Tagungen verpflichtend. Aus zufälligen Begegnungen entstand die eingeschworene Gruppe "forum bad + kultur", die erst seit rund drei Jahren miteinander arbeitet. Einhellige Meinung der meisten Erfa-Mitglieder: "Wenn alle wüßten wie guts mit Erfa geht, dann wollt es jeder."

Aus Erfa-Gruppen entstand das Franchise-System bad & heizung, dessen Mitglieder auch heute noch in fünf festen Gruppen organisiert sind.

Starthilfe: Moderation

Unternehmensberater, die in der Beratung von Handwerks- und Handelsunternehmen jahrelange Erfahrung haben, hat Elfi Fuchs von der SHK als Moderatoren für elf Erfa-Kreise verpflichtet, die zentral von der Geschäftsstelle initiiert wurden. "Einzelne Gesellschafter haben sich bereits vor Jahren eigenständig zu Erfa-Gruppen zusammengeschlossen und wir konnten erkennen, daß diejenigen, die kontinuierlich in der Gruppe arbeiten, einen deutlichen Vorsprung in nahezu allen Betriebsbereichen haben", erzählt Elfi Fuchs. "Diese Betriebe waren im Durchschnitt einfach erfolgreicher als andere."

Das brachte das Team der SHK-Zentrale darauf, die Gründung von Erfa-Gruppen nicht mehr dem Zufall zu überlassen, sondern systematisch zu fördern. 15 Betriebe, die in einem Radius von maximal 200 km zueinander liegen, sich aber gegenseitig keine Konkurrenz machen, können Mitglied in einer Gruppe werden. Zweimal pro Jahr wird getagt. Themen wie Werbung, Personalführung oder Rechtsfragen stehen dann ebenso auf der Tagesordnung wie Betriebsvergleiche auf Heller und Pfennig. Bernd Gries von der Unternehmensberatung Becker & Co. überläßt noch nicht einmal den Besuch in der Ausstellung des Kollegen dem Zufall.

Mit Hilfe einer vorbereiteten Checkliste werden verschiedene Aspekte wie Fernwirkung, Preisauszeichnung und Warenbestand von allen Mitgliedern der Gruppe bewertet und später diskutiert. Durch eine präzise inhaltliche Vorbereitung der Treffen und den Einsatz erfahrener Unternehmensberater will die SHK dafür sorgen, daß für die zweimal zwei Tage Erfa pro Jahr ein hohes Maß von Informationsaustausch garantiert ist.

Auch Büffeln und Brüten gehören zur Erfa-Arbeit. Im Bild Mitglieder des Junioren-Kreises der SHK.

Studienbegleitend: Junioren-Kreis

Eine Mischung aus Wissensvermittlung und gemeinsamen Unternehmungen bevorzugen die Junioren der SHK: Unter Anleitung von Unternehmensberater Wilhelm Peter Flender arbeiten sie sich systematisch durch die verschiedenen Disziplinen des Handwerkermarketings und das auch am zweiten Seminartag trotz massiven Schlafdefizites mit voller Aufmerksamkeit.

Die meisten Mitglieder des Kreises haben die traditionelle Ausbildung im Handwerk absolviert oder studieren Versorgungstechnik bzw. andere branchennahe Fachrichtungen, die alle eines gemeinsam haben: Betriebswirtschaftliches Know-how steht selten auf dem Lehrplan.

Entsprechend begeistert sind die Junioren von der Chance, innerhalb der SHK mit anderen jungen Menschen, die sich entschieden haben, im elterlichen Betrieb Verantwortung zu übernehmen, Marketing-Theorie zu pauken und mit Erfahrungen aus der Praxis der eigenen Betriebe abzugleichen. Schon nach nur vier Treffen, die es bisher gab, spürt man in der Gruppe einen sehr offenen und vertrauensvollen Umgang miteinander - eine gute Beziehungsebene ist entstanden, auf der sich inhaltlich effizient und praxisnah arbeiten läßt. Auch das Franchise-System bad & heizung bietet seit neuestem den Junioren seiner 75 Mitgliedsbetriebe die Chance, in einer eigenen Erfa-Gruppe zusammenzukommen. "Die Junioren sind die Zukunft von bad & heizung", gibt Geschäftsführer Klaus Wagner zu Protokoll. Klar, daß diese Zukunft zum Wohle aller Mitglieder systematisch vorbereitet sein will.

Begegnungen mit bildenden Künstlern sucht die Erfa-Gruppe bad + kultur, die seit zwei Jahren miteinander arbeitet.

Erfa-Know-how: Franchise-System bad & heizung

Daß mit dem Vertrauen ineinander alles beginnt, weiß auch Klaus Wagner, der seit zwanzig Jahren in der Erfa-Arbeit zuhause ist und aus bestehenden Erfa-Gruppen das Franchise-Konzept bad & heizung entwickelt hat, das 1998 aufgrund seines Angebotes auf Platz Eins der Hitliste deutscher Franchise-Geber landete. Die Voraussetzungen für diesen Erfolg schuf seiner Meinung nach der Ursprung des Franchise-Konzeptes in der Erfa-Arbeit: "Unser System ist aus einer Initiative von Handwerksunternehmern entstanden, die zunächst im Erfahrungsaustausch und zunehmend in der gemeinsamen Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen ihre Zukunft sahen."

Heute sind seine 75 Mitglieder in fünf Gruppen organisiert, die sich zweimal jährlich oder nach Bedarf auch öfter treffen. Wagner moderiert sie alle selbst und stellt damit sicher, daß auch zwischen den Gruppen ein Know-how-Transfer möglich ist. Da die "Erfas" nach Gründung der Franchisegeber-Gesellschaft 1990 kontinuierlich durch neue Mitglieder des Systems wuchsen, profitierten diese vom bereits bestehenden Vertrauensverhältnis innerhalb der Gruppen. Das erlaubt einen offenen Austausch von Informationen, ohne den Erfa-Arbeit nach Meinung von Klaus Wagner "nur die Hälfte wert" ist.

Geteilte Kosten, doppelter Erfolg - die Vermarktungs- und Qualifizierungsoffensive der "9-Sterne-Garantie" stärkt die 75 Mitglieder von bad & heizung.

Dennoch oder gerade deswegen kann sich Wagner die Arbeit ohne Erfa nicht mehr vorstellen: "Keine Systemzentrale allein und auch kein Unternehmensberater kann so fachkundig und detailliert die Probleme von Handwerksbetrieben erkennen und analysieren wie dies die Kollegen im Gespräch miteinander leisten." Entsprechend gingen die Teilnehmer der Tagungen in der Regel mit gefüllten Blöcken nach Hause, die zahllose neue Ideen beinhalten - schnell umsetzbar und in anderen Betrieben erprobt und bewährt.

Erfolgsmerkmal: Beziehungskultur

Über Veranstaltungen eines Iserlohner Herstellers von Edelarmaturen lernten sich eine Handvoll Handwerksunternehmer kennen, die sich im Winter 1996 zur Gruppe "forum bad + kultur" zusammenschlossen. Ihr Programm unterscheidet sich auffällig von dem "traditioneller" Erfa-Gruppen.

Durch gemeinsame Ausflüge in die Welt von Kunst und Kultur wollen sie sich mit neuen Anstößen für die kreative Arbeit im eigenen Unternehmen versorgen. Gegenseitige Beratung und Analyse kommen dennoch nicht zu kurz. Sie werden sowohl zwischen den gemeinsamen Terminen als auch in konzentrierten "Arbeitseinsätzen" während der Treffen geleistet. Die besondere Stärke dieser Gruppe erwuchs, so Gerhard Beuttenmüller, der Sprecher des Kreises, durch den völlig "untypischen" Einstieg in die Arbeit.

"Wir haben uns zunächst die Zeit genommen, uns kennenzulernen, haben uns Muße für Privates genommen und so entstand eine Basis, auf der ein berufliches Miteinander möglich wurde, das ständig parallel zum Tagesgeschäft stattfindet." Drei der Gründungsmitglieder fanden sich aufgrund dieses regen Gedankenaustausches im März 1998 denn auch gleich im Gründungskreis der Initiative Einzelhandel Bad wieder, die den Anstoß zum inzwischen verabschiedeten Berliner Modell zur Einzelhandelsförderung gab.

1. Gebot: Geben und Nehmen

Jüngstes Mitglied des Forums ist bad & heizung Kreuz aus Schnaittach, ein SHK-Fachbetrieb mit 38 Mitarbeitern. Ingrid und Werner Kreuz sind es seit vielen Jahren gewohnt, in Erfa-Gruppen zu arbeiten. Als Mitglieder von bad & heizung und Gesellschafter von SHK sind sie mit den beiden großen Anbietern dieses Modells verbunden. Trotzdem freuen sie sich auf die Arbeit in einer weiteren Gruppe.

Mit Schwung ins Unternehmertum: Die SHK verschafft ihren Junioren per Erfa die nötigen "PS" für einen kraftvollen Start.

Ingrid Kreuz: "Unsere Erfa-Mitgliedschaften bedeuten uns genausoviel wie regelmäßige Fort- und Weiterbildung. Es ist nicht immer leicht, sich die Zeit für die Treffen der Gruppen zu nehmen, aber es kostet viel mehr Zeit, schlechte Erfahrungen, die andere schon gemacht haben, auf eigene Kosten und unter Einsatz von viel mehr Zeit noch einmal zu machen." Und wie stehts um das Thema Vertraulichkeit: "Jeder, der sich entschließt, in einer Erfa-Gruppe zu arbeiten, sollte wissen, daß er nur profitieren kann, wenn er bereit ist, selbst etwas einzubringen. Aber er sollte auch wissen, daß Informationen vertraulich zu behandeln sind. Wir haben es in unseren langen Jahren Erfa-Arbeit noch nicht erlebt, daß es zu einem Vertrauensbruch gekommen wäre. Wahrscheinlich gilt auch hier: Nur wer Mißtrauen sät, wird auch Mißtrauen ernten."


[Zurück]   [Übersicht]   [www.ikz.de]