IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 17/1999, Seite 80 ff.



Pumpen-Modul für Regenwassernutzung

Im Einfamilienhaus setzen sich Modul-Systeme durch

Dipl. Wirtsch.-Ing. Andreas Amft*

Eine Regenwassernutzungsanlage nach zukünftigem Stand der Technik funktioniert automatisch, ist kompakt und so leise, daß sie sich in jedes Wohngebäude integrieren läßt. Sie ist aber auch richtig dimensioniert, um das Waschmaschinenwasser für eine Familie ebenso zuverlässig zu liefern wie das Gießwasser für den Garten. Die DVGW-Zertifizierung bürgt für Betriebssicherheit. In regenarmen Zeiten oder bei leerer Zisterne sorgt die automatische Trinkwassernachspeisung dafür, daß die Betreiber nicht auf dem Trockenen sitzen.

Das Ganze klingt futuristisch und unbezahlbar! Doch für Branchenkenner zeichnet sich seit 1997 ein Trend ab, der auf der ISH 99 nun offensichtlich war und zeigt, daß die Zukunft bereits begonnen hat, mit völlig neuer, aber preiswerter Technologie: "Der Trend geht dahin, die komplette Filtertechnik im Speicher unterzubringen, die Trinkwassernachspeisung in die vormontierte Baugruppe der Druckerhöhung aufzunehmen. Das Ergebnis sind Module, eines für die Speicher- und eines für die Pumpentechnik, die komplett ausgestattet und steckfertig zur Montage angeboten werden.

Regenwasser-System mit zwei Komponenten: Speichermodul und Druckerhöhungsmodul.

Die Professionalität der Produkte und die anhaltend hohe Nachfrage am Markt sorgen für den Durchbruch der Regenwassernutzung als Bestandteil der etablierten Haustechnik in Deutschland und im benachbarten Ausland." [3]

Wer profitiert von der Modulbauweise?

Der Planer profitiert von einfacher grafischer Darstellung und kurzer Ausschreibung, unkomplizierter Bauleitung und weniger Reklamation: Vorbei die Detailplanung für sämtliche Peripherieteile der Druckerhöhung und Trinkwassernachspeisung und die mühsame Recherche, ob alles kompatibel ist. Vorbei die Ortstermine zur Kontrolle der früher üblichen 15 - 20 Einzelkomponenten oder zur Klärung der Zuständigkeit bei Gewährleistung.

Der Handwerksbetrieb profitiert von schneller Montage, zuverlässigem Betrieb, Lieferung aus einer Hand: Vorbei der Ärger, auf die Lieferung der letzten Komponente warten zu müssen, bevor die Anlage endlich in Betrieb genommen werden kann. Vorbei der Ärger mit der Bauherrschaft, den Freien Auslauf spritzwassersicher ausführen zu müssen.

Normalfall bei ausreichend durchlässigem Boden: Retentionsspeicheranlage mit nachgeschalteter Versickerung. Zeichnung: ZVSHK [5]

Der Anlagenbetreiber profitiert von geringem Wartungsaufwand, leisem Betrieb, Platzeinsparung: Vorbei die Belegung einer Kellerwand mit allen Komponenten wie Pumpe, Trichter, Magnetventil und Elektronik. Vorbei die Gefahr, starkem Frost im Außenbereich oder anderen Betriebsstörungen zwischen Speicher und Druckerhöhungsanlage, plötzlich ohne Betriebswasser dazustehen. Die im Modul integrierte Frischwassernachspeisung schaltet sich automatisch ein.

Das Wasserversorgungsunternehmen profitiert von der Sicherheit dieser DVGW geprüften Trinkwasser-Nachspeisung. Vorbei das Problem, unzulässige Querverbindungen zur Trinkwasserversorgung aufspüren zu müssen. Vorbei die wenig populäre Aufgabe, die Übereinstimmung mit der DIN 1988 bei den Betreibern durchzusetzen.

Ein Spiel bei dem es nur Gewinner gibt? Nicht ganz; auf der Strecke bleiben die Lieferanten von Einzelkomponenten, die dem Planer und dem Ausführungsbetrieb die Verantwortung überlassen für Systeme, die zeitaufwendig vor Ort montiert werden müssen und wie ein Prototyp jedesmal neue Risiken in sich bergen.

Die Modulbauweise ist daher eine logische Konsequenz bei allen Haustechnik-Systemen der Zukunft.

Auf-Wand-Modul für Druckerhöhung und Trinkwassernachspeisung, für den einfachen Einbau in Einfamilienhäuser, mit 22-Liter-Reservoir.

Wirtschaftlichkeit

Architekten und Ingenieure hatten keine besondere Vorliebe für die Planung der Regenwassernutzungsanlagen. Das ist verständlich: Wer aus ca. 20 Einzelkomponenten das System erstellen muß und dies in allen Leistungsphasen aktiv betreut, dem bleibt kaum ein attraktiver Verdienst. Abgesehen von einigen wenigen "Überzeugungstätern", die sich engagiert für das ökologische Bauen eingesetzt haben, gab es unter den Planern bislang keine breite Resonanz für dieses Thema. Das sieht mit der Modulbauweise nun ganz anders aus.

Der Handwerksbetrieb erhielt mit dem Thema der Regenwassernutzung die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit des privaten Bauherren zu erwecken. Seine so gewonnene Kompetenz und das hieraus resultierende Vertrauen seitens der Bauherren war nicht selten der Einstieg in die übrige Haustechnik des neugewonnenen Kunden.

Handwerksunternehmen die dies für sich entdeckt hatten, konnten sich so einen Wissensvorsprung zum Thema "Zweite Wasserleitung im Haus" sichern. Die Erfahrung war nicht immer gut. Je nach Haltung der Gemeindeverwaltung, des Wassermeisters und des Gesundheitsamtes gab es Ärger, unberechenbar und manchmal willkürlich.

Mit der Modulbauweise und den darauf sichtbaren Prüfzeichen verlöschen derartige Störfeuer. Rationelles Montieren und überzeugendes Argumentieren ist jetzt ein Leichtes.

Spezielles Wissen wird über Kundenschulungen vermittelt. Wagnis und Gewinn sind endlich kalkulierbar.

Der Anlagenbetreiber erhält einen hohen technischen Standard durch die serienmäßige Vorfabrikation. Die Module sind "auf Herz und Nieren" geprüft. Betriebsstörungen und "Kinderkrankheiten" sind weit weniger zu erwarten als bei individuell gefertigten Systemen. Bei weiter steigenden Arbeitslöhnen ist der Einbau solcher vorgefertigter Elemente auch preiswerter als eine Herstellung der gesamten Regenwassernutzungsanlage vor Ort. Und falls es zu Wartungsarbeiten im Speicher kommt: Die modulare Wasserversorgungsanlage läßt sich mühelos umschalten auf direkten Trinkwasserbetrieb, bis der Speicher wieder in Betrieb genommen wird.

Retentions-Erdspeicheranlage mit nachgeschalteter Rohrrigolenversickerung. Alternative für Umbau/Renovierung/Bauvorhaben in der Innenstadt.
Kellerspeicheranlage oberhalb der Rückstauebene. Zeichnung: ZVSHK

Wasserversorgungsunternehmen, die eine Abnahme von fertiggestellten Anlagen vornehmen oder diese delegieren, haben es einfach, wenn Module eingebaut werden. Für die Einhaltung des DIN-gerechten Trinkwassernachlaufes garantiert der Hersteller. Die Prüfzeichen sind am Produkt außen angebracht und gut sichtbar, das erleichtert eine Begutachtung. Zugleich ist bei derartig kompakter Technik, wie sie Module beinhalten, eine Manipulation durch den Betreiber so gut wie ausgeschlossen.

Die Optimierung der Kompaktmodule seitens der Industrie scheint weiter anzuhalten. Der letzte Stand der Technik dieser Systeme ermöglicht ein automatisches Abschalten von Funktionen, welche nicht ständig vom Anwender benötigt werden. So werden z.B. die Anzeigefunktionen im Energiesparmodus abgeschaltet und verhindern so unnötigen Stromverbrauch.

Bei der Ausstattung der Systeme wird mittlerweile nach dem Kostenoptimierungsgedanken verfahren. So sind investitionsbelastende, für die Funktion unerhebliche Ausstattungen der Kompaktmodule wie z.B. Abdeckhauben aus dem Lieferumfang herausgenommen und nur auf Wunsch lieferbar.

Hygiene

Wo gründlich untersucht und ausgewertet wurde, heißt es regelmäßig: ". . . für Verwendungszwecke wie Gartenbewässerung, Toilettenspülung und Wäschewaschen ist die Wasserqualität des gespeicherten Regenwassers geeignet. . .", so z.B. an der FH Fulda unter Prof. Lücke. Eindeutig auch "amtliche" Mitteilungen:

Das Gesundheitsamt der Stadt Hannover zusammen mit dem staatlichen Medizinaluntersuchungsamt des Landes Niedersachsen zu einem Gutachten 1995: "Die Anlagen liefen weitestgehend störungsfrei. Störungen traten insbesondere bei den Druckerhöhungsanlagen auf, so daß der Nutzer auf den Einbau einer hochwertigen Anlage achten sollte. Sofern die R.d.T. bei der Anlagenplanung und -erstellung eingehalten werden, können Regenwassernutzungsanlagen mit einer guten Brauchwasserqualität bei geringem Wartungsaufwand betrieben werden.

Das Gesundheitsamt der Freien und Hansestadt Hamburg in einer Mitteilung an die Mitglieder des Ausschusses für Umwelthygiene zu einem einjährigen Untersuchungsprogramm 1996: "Die Ergebnisse der Untersuchungen belegen, daß Nutzungsarten wie Toilettenspülungen und Wäschewaschen mit Dachablaufwasser aus hygienischer Sicht möglich sind.

Das Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises (Hessen) in eigener Broschüre 1997:

Alles in einem Speichermodul kombiniert mit beruhigtem Zulauf, Druckerhöhung und Trinkwassernachspeisung.

"Die Nutzung von Regenwasser als Betriebswasser im Haushalt, in öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten, Schulen, Dorfgemeinschaftshäusern, Friedhofsanlagen und Stadthallen für die Toilettenspülung und Gartenbewässerung ist bei Einhaltung der genannten, einfachen Maßnahmen kein hygienisches Risiko. Eine Aufbereitung und Desinfektion von Regenwasser ist aus ökonomischer und ökologischer Sicht nicht zu empfehlen. Vergleicht man Ergebnisse der Regenwasseruntersuchungen mit den zulässigen Keimzahlen aus dem Lebensmittelbereich, hat man den Eindruck, daß bei der hygienischen Beurteilung von Regenwasser mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.

Das Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen Südbayern lieferte 1998 mit seiner Stellungnahme zum Rechtsstreit zwischen einem Anlagenbetreiber und dem Wasserversorger Argumente, um das dort ausgesprochene Verbot der Regenwasserverwendung für die Wassermeister aufzuheben: ". . . daß mögliche Krankheitserreger weitaus häufiger über die Schmutzwäsche in die Waschmaschine eingebracht werden als über Regenwasser." - vgl. Pressemitteilung 14/98 der Fachvereinigung für Betriebs- und Regenwassernutzung e.V., Darmstadt.

Privatdozent Dr. Reinhard Holländer, in der Freien und Hansestadt Bremen zuständig für allgemeine Hygiene, bekennt sich seit mehr als zehn Jahren klar zur Verwendung von Regenwasser auch für die Waschmaschine im Haushalt. Er kann auf die umfangreichsten eigenen Untersuchungen zurückgreifen. Nach experimentellen Untersuchungen zur Verkeimung von Zisternenwasser stellt er 1998 fest, daß eine nachträgliche Aufkeimung von pathogenen Bakterien in Zisternenwasser selbst unter ungünstigen Bedingungen nicht zu erwarten ist. [2]

Ökologie

Unbestritten sind die Vorteile der Trinkwassereinsparung durch Regenwassernutzung: Kostbare Grundwasservorräte werden geschont, teure Aufbereitungsmaßnahmen bei Gewinnung von Oberflächen- und Quellwasser reduziert. Systemanlagen mit Modulen sorgen für eine bedarfsgerechte Trinkwasser-Nachspeisung, wenn der Regenspeicher leer ist - eine Optimierung des Spareffektes.

Die Sedimentation im Vorratsbehälter (Absetzen der Sink- und Schwebstoffe im ruhenden Wasservolumen) ist ein Beitrag zur Reinigung des Wassers und damit zur Reinhaltung von Boden und Grundwasser, wenn der Überlauf des Regenspeichers versickert. Die sedimentierten Stoffe beeinträchtigen die Regenwassernutzung nicht. Das vorübergehende Deponieren im Speicherbehälter entlastet aber wirkungsvoll die empfindliche Ökologie im Boden von Versickerungsanlagen. Voraussetzung ist ein beruhigter Speicherzulauf, vgl. Bild 5.

Auch der Einsatz im Mehrfamilienhaus ist möglich. Denn die Leistung dieser Doppelpumpenanlage beträgt max. 16 m3/h bis zu einer max. Förderhöhe von 60 m. Der Frischwassernachspeisebehälter hat in diesem Fall ein Volumen von 0,15 m3.

Die Ökobilanz einer Regenwassernutzungsanlage, das zeigt die Studie der Universität Hannover [4] ist günstiger als die der zentralen Trinkwasserversorgung, wenn der Kreislauf des Wassers von der Gewinnung über die Nutzung bis hin zur Kläranlage betrachtet wird.

Regenwasserbewirtschaftung im Sinne der Lokalen Agenda 21 ist ein aktuelles Thema in der Kommunalpolitik. Dazu gehört Trinkwasser-Einsparen ebenso wie Regenwasser versickern oder verzögert ableiten. Die Kosten für wirksame Regenwasserbewirtschaftung werden mehr und mehr von der Gemeinschaft auf den Einzelnen übertragen werden. Das Verursacherprinzip greift künftig stärker. Gut beraten ist derjenige, der sich bereits heute darauf einstellt und daraus einen Nutzen zieht, in dem er das anfallende Regenwasser nutzt.

Zusammenfassung

Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Auch wenn es zur Zeit noch zur Gartenbewässerung oder zur WC-Spülung verwendet wird! Dafür ist es nicht nur zu schade, sondern auch zu wertvoll! Die Hälfte des Trinkwasserbedarfs eines Haushalts kann durch Regenwasser ersetzt werden. Regenwassernutzung ist angewandter Umweltschutz.

Systeme mit Versickerung oder verzögerter Ableitung zum Kanal helfen doppelt: Trinkwasserversorgung und Entwässerung werden geschont. Wer heute in ein Kompaktsystem investiert, kann künftigen Bauauflagen und Gebührenänderungen gelassen entgegensehen.

Module als vormontierte Baugruppen für die Speicher- und Pumpentechnik erleichtern die Herstellung und den Betrieb von Regenwassernutzungsanlagen. Sie bieten außerdem zuverlässig und sicher die Trennung gegenüber dem Trinkwassernetz im Haus.


* Dipl. Wirtsch.-Ing. Andreas Amft Leiter Marketing Wasserversorgung Wilo GmbH, Dortmund


B i l d e r :   WILO GmbH, Dortmund


L i t e r a t u r :

[1] fbr Schriftenreihe Band 3, Beiträge der Fachtagung "Innovation Betriebs- und Regenwassernutzung". Hrsg.: fbr, Fachvereinigung für Betriebs- und Regenwassernutzung, Darmstadt. Frankfurt/Main, 1998.

[2] Holländer, R.: Regenwassernutzung - Hygienische Aspekte. Artikel in Wasserwirtschaft Heft Nr. 2, Seite 60 - 64. Verlag Vieweg, Wiesbaden, 1998.

[3] König, K.: Regenwassernutzung im Einfamilienhaus. Historische Entwicklung und Stand der Technik. Artikel in IKZ-HAUSTECHNIK 5/99. Strobel Verlag, Arnsberg. 1999.

[4] Müller, U. u.a.: Regenwassernutzungsanlagen - eine ökologisch sinnvolle Alternative? Überlegungen zu einer Bremer Produkt-Ökobilanz. Diskussionspapier Nr. 193, Institut für Ordnungs- und Prozeßpolitik, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Hannover 1995.

[5] ZVSHK, Merkblatt Regenwassernutzungsanlage. Planung, Bau, Betrieb und Wartung. Hrsg. Zentralverband Sanitär Heizung Klima. St. Augustin, März 1998.


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