IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 16/1999, Seite 48 ff.


KLEMPNERTECHNIK


Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Ästhetik:

Das "Quick Step"-Treppendach setzt neue Akzente in der Metallbedachung

Friedolin Behning und Frank Neumann*

Zu Beginn der Zeit, als sich Metallbedachungen immer häufiger in das Bewußtsein der Fachöffentlichkeit drängten, standen Doppelstehfalzdeckungen, Leistendächer und gelegentlich rautenförmige, kleinformatige Dachdeckungen im Mittelpunkt des Interesses. Diese Techniken haben als bewährte Standardlösungen ihren festen Platz. Aber die Entwicklung bleibt nicht stehen. In der kontemporären Architektur sind neue Akzente gefragt. Dachlösungen zum Beispiel, die mit wenigen vorgefertigten Basisteilen eine Vielzahl von Bauaufgaben erfüllen. Die sich schnell und einfach verwirklichen lassen und - nicht zuletzt - neue Gestaltungsmöglichkeiten mit einfacher Handhabung verbinden. Die Antwort auf diese Herausforderung kommt jetzt von Rheinzink aus Datteln, wo man mit dem "Quick Step"-Treppendach ein neuartiges Verlegesystem für anspruchsvolle Metalldächer schuf.

Jenseits von Falz- und Leistendeckung: das neue Treppendach Quick Step

Als "neue Stufe einer langen Tradition" bezeichnet man bei Rheinzink im westfälischen Datteln ein völlig neuartiges Verlegesystem für praxisorientierte und intelligent vorgefertigte Metalldächer, das bisher in dieser Form nicht auf dem Markt war. Aus der nüchternen Sicht des technisch orientierten und wirtschaftlich agierenden Planers bietet sich das bereits patentierte Quick Step-Treppendach als überzeugende Lösung zur Ausführung innovativer Metalldachaufgaben an. Dem kreativen Architekten, der neben dem funktionellen Detail die Ablesbarkeit der Konstruktion und nicht zuletzt auch die gebaute Ästhetik zum Ziel hat, steht mit Quick Step ebenfalls ein vielseitiges Instrument abwechslungsreicher Dach- und Gebäudegestaltung zur Verfügung.

Ein wichtiges Merkmal des neuen Dachsystems ist seine Eigenschaft, eine Dachfläche horizontal zu gliedern. Dies resultiert einerseits aus der trauf- und firstparallelen Anordnung der Dachprofile, zum anderen, weil mit dieser Profilform und der entsprechend vorbereiteten Unterkonstruktion eine ausgeprägte Stufenwirkung erzielt wird. Aus dieser interessanten Formvariante leitet der Hersteller die Bezeichnung "Treppendach" ab. Die ausgeprägte Stufenwirkung des fertig verlegten Systems sorgt für eine kraftvoll-elegante Strukturierung des Daches. Die Oberfläche des Quick Step-Treppendaches hat einen gleichmäßigen, matt-blaugrauen Farbton, die natürliche Optik des werkseitig "vorbewitterten" Rheinzink-Materials, die mit vielen anderen Baustoffen harmoniert.

Die charakteristische, stufenförmige Struktur des neuen Quick Step-Treppendaches ergibt eine deutlich horizontale Gliederung der Metalldachfläche.

Konstruktiver Aufbau

Gute Ideen zeichnen sich häufig durch Einfachheit aus. Das gilt auch für das hier beschriebene neue Verlegesystem, für "das andere Metalldach". Es erfüllt alle Forderungen nach einer modernen, industriell vorgefertigten Metallbedachung. Seine Verarbeitung stellt die Ausführenden nicht vor Probleme: Die nach Maß verlegefertig auf die Baustelle gelieferten Profile werden einfach und schnell mittels präziser Steckverbindungen montiert. Zur verdeckten Fixierung dienen spezielle Profilbefestiger, die zusammen mit keilförmigen Holzleisten auf der tragenden Unterkonstruktion aufgebracht werden. Die eigentlichen Deckprofile bestehen aus objektbezogen, nach Maß hergestellten Dachelementen unterschiedlicher Abmessungen, die durch rückseitige, wulstähnliche Aufkantungen mit Wasserfalz und vorderseitige Abkantungen miteinander verbunden werden. Ihr wettersicherer Halt wird durch die schon erwähnten Profilbefestiger gewährleistet, auf die die Quick Step-Deckprofile schnell und einfach manuell aufgesteckt werden. Zur Verbindung der Profillängen im Bereich der Querstöße stehen optisch anspruchsvolle, wasserführende Fugenprofile zur Verfügung. Das Gesamtkonzept ist so aufeinander abgestimmt, das auch wichtige bauphysikalische und sicherheitsrelevante Forderungen, wie Durchlüftung, Dehnungsausgleich und Sicherheit gegen Windangriff erfüllt werden.

Im Detail wird die treppenförmige Anordnung der Profile sehr schön erkennbar. Zu ihrer Verbindung dienen formschöne, wasserführende Fugenprofile.

Zur Beurteilung der Windsicherheit der Deckelemente und deren praktischer Bewährung unter rauhen Alltagsbedingungen wurden von der Ingenieurgemeinschaft WSP, Aachen, mehrere Versuche durchgeführt. Die Ergebnisse überzeugen auf der ganzen Linie. Professor Dr.-Ing. H.J. Gerhardt von der WSP: "Die Lagesicherheit des Systems gegen Windsog ist mit großer Sicherheit gegeben."

Das System eignet sich für praktisch alle Dachneigungen von 10 bis 60 und für die meisten vorkommenden Dachformen. Die Vorfertigung der Systemelemente für die kompletten Dachflächen erfolgt nach genauem Aufmaß und detaillierter Stückliste, so daß sich alle Arbeitsabläufe auf der Baustelle mit hoher Genauigkeit und in kurzer Zeit durchführen lassen. Die Standard-Metalldicke beträgt 0,80 mm, die Standardlänge 2000/3000 mm. Abhängig von der jeweiligen Bausituation werden auch Sonderabmessungen geliefert.

Durchdachtes Zubehör und Regelprofile für First, Traufe, Grat, Ortgang, Durchdringungen etc. vervollständigen das neue Treppendach.

Durch Temperaturwechsel bedingte Längenänderungen der Deckprofile werden durch Begrenzung der Dachfelder im zulässigen Bereich gehalten. Dazu empfiehlt der Hersteller maximal 3000 mm Feldbreite. Für Traufen, Firste, Ortgänge, Grate, Kehlen und Querstöße (Nähte) liefert Rheinzink exakt abgestimmte Systemkomponenten als Fertigteile. Aus dem Zeichnungstableau sind einige typische Details erkennbar.

Müssen Dachdurchdringungen, zum Beispiel Schornsteinköpfe, angeschlossen werden, kommen systemkonforme, regensichere Eindeckrahmen zum Einsatz. Sie werden mit geringem arbeitstechnischen Aufwand schnell und ohne Löt- bzw. Falzarbeiten eingebaut. Von den Dachflächen ablaufendes Niederschlagswasser wird seitlich am Schornsteinkopf vorbeigeführt und abgeleitet. Je nach Dachneigung stehen zwei Ausführungen dieses Eindeckrahmens zur Verfügung; einer für den Neigungsbereich von 10 bis 35, der andere für 36 bis 60. Wie die Abbildung zeigt, bildet der sachgerecht montierte Eindeckrahmen mit dem Quick Step-Treppendach eine harmonische Einheit.

Perfekt abgestimmt und regensicher: Dachdurchbruch mit dazu passendem Eindeckrahmen im Quick Step-System.

Technische und gestalterische Merkmale

Mit Ausnahme der geschilderten, patentierten Details kommen für die Dachentwässerung (Rinne, Rohr, etc.), den Dachrand und Zubehör, wie zum Beispiel Schneefangvorrichtungen, auch die normalerweise üblichen Metalldachdetails zur Ausführung.

Die Verlegung der Deckelemente ist nicht richtungsgebunden und kann wahlweise von oben nach unten erfolgen, wodurch ein Begehen der fertiggestellten Flächen vermieden wird. Selbstverständlich ist aber das Betreten der Dächer, beispielsweise zu Kontroll- und Wartungszwecken problemlos möglich.

Für den Planer ist wichtig, daß die Formate der horizontalen Dachgestaltung präzise auf den Gebäuderaster abgestimmt werden können. Weiter von Interesse dürfte die Tatsache sein, daß sich aufgrund der ausgewogenen, funktionellen Detailvorgaben die Planungszeit verkürzen und die Planung selbst vereinfachen läßt. Das konstruktive Konzept ermöglicht bei Bedarf, durch Aneinanderreihen einzelner Felder mittels der schon erwähnten Fugenprofile auch sehr große Dächer formschön und funktionssicher zu decken. Letztlich sei angemerkt, daß aufgrund weitestgehender Vorfertigung und zeitgemäßer Organisation die Kostenkalkulation vereinfacht, Montagezeiten reduziert und Gerüststandzeiten verkürzt werden.

Einfacher und schneller Einbau, am Modell vorgeführt, in der Praxis realisiert: oben Einhängen, Herunterschwenken, Andrücken, fertig!

Ein Beispiel aus der Praxis

Ergänzend zur technischen Beschreibung des neuen Systems soll abschließend als Praxisbeispiel ein Wohnhaus vorgestellt werden, dessen Dach - noch handwerklich - nach dem konstruktiven Prinzip des Quick Step-Treppendaches gestaltet wurde. Daher weichen manche Abmessungen und Einzelheiten noch von dem jetzt auf den Markt gekommenen Verlegesystem ab. Das Prinzip des Treppendaches und wesentliche konstruktive Einzelheiten stimmen aber mit der inzwischen abgeschlossenen Entwicklung überein.

Das Bauwerk erhielt ein geschwungenes Segmentbogendach, dessen spannungsreiche Ausformung erst von oben sichtbar wird. Zwei Segmentbogenabschnitte an den Längsseiten umschließen einen inneren Lichthof, der an den Kopfseiten von zwei keilförmigen Dachausbauten durchdrungen wird. Die Dachlinien - im Gebäudezentrum durch einen Patio getrennt - zeigen an den Traufseiten wieder ihren durchgehenden Duktus. Als gestalterische Besonderheit entstehen regelmäßige, stufenförmige Abtreppungen, die jeweils von der Traufe zum Scheitelpunkt gegenläufig ansteigen. Hier wird die charakteristische, stark horizontale Gliederung erkennbar, die im deutlichen Gegensatz zu herkömmlichen Falzdächern mit ihrer typischen vertikalen Traufe-First-Gliederung steht.

Schematische Darstellung des segmentbogenförmigen Daches eines Wohnhausprojektes, ausgeführt als Treppendach. Entwurf: Partnerschaft Kohl & Kohl, Architekten.

Flexibilität des neuen Dachsystems

Der Dachaufbau unseres Praxisbeispiels basiert auf der tragenden Stahlbetonkonstruktion der gewölbten Dachschale. Diese nimmt Dampfsperre und Holzunterkonstruktion sowie eine zweite Dichtungsebene, Holzschalung und diffusionsoffene Trennlage aus Strukturmatten auf. Die Stufenstruktur zur Aufnahme der Deckelemente aus "vorbewittertem" Rheinzink wurde bereits in der hölzernen Unterkonstruktion ausgebildet. Schon hier zeigt sich die Flexibilität des neuen Verlegesystems, das auf die jeweilige Bausituation abgestimmt wird.

Die Technik des neuen, patentierten Quick Step-Treppendaches im Detail. (Zeichnungen: Rheinzink)

Zusammenfassung

Das patentierte Quick Step-Treppendach ist in der Metalldachszene eine bemerkenswerte Neuheit, die mit praxisgerechten, technischen Features und attraktiver Optik zu überzeugen weiß. Zielvorgaben bei der Entwicklung waren ein hohes Maß an Vorfertigung sowie einfache und wirtschaftliche Verlegung bei größtmöglicher Funktionssicherheit. Diese Ziele wurden erreicht. Mit dem neuen Verlegesystem lassen sich hochwertige Metalldächer mit langer Nutzungsdauer und ausgefeilten Details in vielen Formen und in kurzer Zeit realisieren. Ihre charakteristische, ausgeprägt horizontale Treppenstruktur eröffnet dem planenden Architekten interessante Gestaltungsmöglichkeiten; ebenso wie die ansprechende Metalloberfläche im matten Blau-grau des "vorbewitterten" Rheinzink-Materials.


* Die Autoren sind Mitarbeiter der Rheinzink GmbH, Datteln


L i t e r a t u r :   Technische Information Quick Step-Treppendach


F o t o s   und   Z e i c h n u n g e n : Rheinzink GmbH, Datteln und Partnerschaft Kohl & Kohl Architekten, Duisburg/Essen


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