IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 9/1999, Seite 3


EDITORIAL


Riskantes Kompetenzgerangel

Wolfgang Göck

Sprecher der Duscholux-Geschäftsführung

In der Kürze soll bekanntlich die Würze liegen. Ob das in der Praxis immer so ist, sei zwar dahingestellt, tut aber im konkreten Fall wenig zur Sache. Den lieferte die ehrwürdige "FAZ" mit einem "quantitativ" eher dürren 40 Zeilen-Kommentar zur "ISH 99". Er folgte dem beliebten Einerseits/Andererseits-Muster.

Einerseits lobte der Redakteur das gezeigte Produkt- und Systemangebot, bei dem "kaum ein Wunsch offen blieb". Andererseits fügte er direkt eine ebenso bange wie tatsächlich entscheidende Frage hinzu: "Aber was kommt von den Neuheiten bei den Verbrauchern an?" Das hängt, hieß es gleich im nächsten Satz, "vor allem von den Handwerkern" ab.

Läßt man diese Ansicht einfach mal so stehen, gilt es, nachzuhaken. Wer sind die Handwerker? Im Badbereich natürlich die Sanitärinstallateure. Doch so klar ist das - auch oder gerade bei genereller Betrachtung - offenbar längst nicht mehr. Statt dessen sehen sich besagte Verbraucher immer häufiger und heftiger von "alternativen" Gewerken umgarnt, die die Badkompetenz forsch als ihre (neue) Domäne vermarkten. Mit wachsendem Erfolg, müssen z.B. vertriebswegtreue Hersteller wie Duscholux leider registrieren.Vor Jahren starteten bereits die Glaser eine Daueroffensive im Duschwand-Segment. Frühe individuelle Warnungen an das sanitäre Fachhandwerk, den geschäftstüchtigen Wettbewerber nicht zu unterschätzen, waren, vorsichtig formuliert, kein Renner. Die zwischenzeitliche Entwicklung gab ihnen freilich recht: Die Glaserzunft hat heute einen starken Fuß in deutschen Badezimmertüren.

Nun droht weiteres Unheil, denn Schreiner und Tischler machen mobil. Und wie schaut man sich etwa die professionellen Aktivitäten einer Gruppe von 170 Betrieben an. Werbung in überregionalen Wohnmagazinen, "meisterliche" Internet-Auftritte mit Adreßverzeichnissen, kostenlose Telefoninfos - der Verbund geht in die Vollen. Sein markiges Versprechen an potentielle Kunden: "Wir statten Ihr Traumbad aus, ohne Kompromisse, mit raffinierten Details ganz nach Ihren Wünschen."

Mit den Hufen scharren auch schon die Trockenbauer. Von cleveren Fliesenlegern ganz zu schweigen. Es fällt einigermaßen schwer, da noch an das tröstende Motto zu glauben, daß Konkurrenz das Geschäft belebt. Zumindest dann, wenn es nur in deren Kassen klingelt. Die Sanitärbranche im allgemeinen und das Sanitärhandwerk im besonderen sollten sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.


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