IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/1999, Seite 48 ff.


HEIZUNGSTECHNIK


Warmwasser-Fußbodenheizung im Altbau

Peter Wegwerth*

Einen Altbau mit einer Fußbodenheizung auszustatten, wirft von Fall zu Fall Schwierigkeiten auf. Wie erreicht man ausreichenden Trittschallschutz? Was ist zu tun, wenn der Fußboden Unebenheiten aufweist? Welche Fußbodenheizungssysteme gibt es? Diese und weitere Fragen beantwortet der Artikel.

Warmwasser-Fußbodenheizung - wichtiger Bestandteil einer Heizungsanlage

Wenn die Heizungsanlage erneuert wird, stellen sich Fragen nach der Energieeinsparung und nach der Amortisation des finanziellen Aufwands. Vielfach wird nur der Energieerzeuger betrachtet und nicht auch das nachgeschaltete Heizsystem. Oft wird ein energiesparender Wärmeerzeuger erst dann seine Aufgabe optimal erfüllen können, wenn die Heizflächen diese Sparmöglichkeit durch niedrige Heizmitteltemperaturen zulassen. Hierzu zählt in besonderem Maße die Warmwasser-Fußbodenheizung, die mit sehr niedrigen Heizwassertemperaturen von z.B. 45/35C (Vorlauf-/Rücklauftemperatur) auskommt.

Bild 1: Verlegesysteme mit Rohren unter den Estrich.

Wenn bei einer Radiatorenheizung die gleiche Betriebstemperatur gefahren werden soll, müßten die Heizkörper gegenüber einer sonst üblichen Systemtemperatur von 70/50C ganz erheblich vergrößert werden, nämlich um etwa das 2,5fache. Unabhängig von den Kosten würde der architektonische Freiraum in der Raumgestaltung stärker eingeschränkt als es im Raum oberhalb der Bodenfläche angeordnete Heizflächen ohnehin schon bewirken. Bei einer Warmwasser-Fußbodenheizung wird nahezu die gesamte Fußbodenfläche als Heizfläche genutzt; die Oberflächentemperatur liegt dabei unterhalb der Körpertemperatur.

Durch die großflächige, milde Fußbodentemperatur wird mit einem Minimum an Energie ein Raumklima erzeugt, das auf die besonderen Wärmeabgabebedingungen des Menschen abgestimmt ist, also optimale Behaglichkeit herstellt. Die Strahlungswärme verhindert, daß sich ein Warmluftpolster unter der Raumdecke aufbaut, wie bei stark konvektiven Heizkörpern. Der menschliche Körper soll nicht erwärmt werden - er muß in ausgewogenem Maße seine Wärme an die Umgebung abgeben können, um sich behaglich zu fühlen.

Bild 2: Verlegesysteme mit Rohren im Estrich.

In Anbetracht der durch den Regierungswechsel zu erwartenden weiter steigenden Energiesteuern werden wärmetechnische Renovierungen wieder eine besondere Bedeutung bekommen. Und dazu gehört auch der Einbau eines Heizsystems, das den Einsatz eines Wärmeerzeugers mit hoher Energieausnutzung möglich macht, auch noch zu einem späteren Zeitpunkt. Hierzu zählt z.B. ein Gas-Brennwertkessel, eine Wärmepumpe und andere umweltenergienutzenden Wärmeerzeuger. Sie arbeiten um so wirtschaftlicher, je niedriger die Heizsystemtemperatur ist.

Zwei Systeme

Wird in einem Altbau eine Fußbodenheizung vorgesehen, muß auf bauliche Belange Rücksicht genommen werden. Diese Kriterien sind im wesentlichen Aufbauhöhe, Gewicht und Möglichkeit des Trockenausbaus. Andererseits muß die Voraussetzung für die optimale Nutzung der Fußbodenheizung durch ausreichende Dämmung des Raumes geschaffen werden, was in der Regel durch den Einbau von Fenstern in einer hochwertigen Dämmklasse gegeben ist.

Der Warmwasser-Fußbodenheizungsmarkt bietet spezielle Systeme für den Einsatz im Altbau an. Dies sind leichte Konstruktionen mit wenig Aufbauhöhe. Überwiegend kommen Trockensysteme zum Einsatz, also "Verlegesysteme mit Rohren unter den Estrich" (Bild 1). Diese Fußbodenheizungssysteme sind deshalb vorteilhaft, weil sie mit gewichtssparenden Trockenausbauplatten als Last- bzw. Tragschicht abgedeckt werden können. Außerdem spart es Ausbauzeit, weil die Trocknungszeit des "nassen" Estrichs entfällt. Der Einbau eines dünnschichtigen kunstharzvergüteten Spezialestrichs (ca. 30 mm) ist aber ebenso möglich.

Die Heizrohre liegen innerhalb der Dämmschicht, die gleichzeitig das Rohr arretiert. Mit Wärmeleitblechen aus Metall (überwiegend Aluminium) wird die Wärme an die Last- und Wärmeverteilschicht geleitet. Je breiter und dicker diese Bleche sind, um so intensiver ist diese Wärmeleitung.

Aber auch einige Naßsysteme ("Verlegesysteme mit Rohren im Estrich", Bild 2), bei denen die Heizrohre auf Noppenplatten verlegt werden und eine reduzierte Estrichüberdeckung möglich machen, erreichen akzeptable Flächengewichte. Durch den direkten Kontakt des Estrichs mit den Heizrohren wird ein besserer Wärmefluß erreicht, jedoch gleichzeitig das Flächengewicht erhöht. Ebenso verlängert sich die Zeit bis zum Einbringen des Bodenbelags durch die erforderliche Trocknungszeit (Dauer abhängig vom eingesetzten Estrichmaterial).

Bild 3: Ausgleichsschicht (A) mit einer gebundenen Trockenschüttung.

Bauliche Rahmenbedingungen

Das jeweilige Fußbodenheizungssystem muß hinsichtlich Aufbauhöhe und Flächengewicht den baulichen Anforderungen entsprechen. Der tragende Untergrund, also die Geschoßdecke oder die Kellerdecke, muß ausreichend trocken sein und eine ebene Oberfläche aufweisen. Dies ist insbesondere bei Trockenestrichplatten wichtig.

Erfüllt der Untergrund nicht die Ebenheitstoleranzen, ist ein Niveauausgleich mit einer Ausgleichsschicht vorzunehmen. Diese Forderung gilt für Beton- und für Holzdecken. Voraussetzung bei Holzdecken ist, daß die Dielenbretter festliegen sowie "gesund" und tragfähig sind. Je nach Ausgleichshöhe sind verschiedenartige Schichten möglich, z.B. eine gebundene Trockenschüttung mit Abdeckplatte (Bild 3) oder eine Ausgleichsspachtelmasse (Bild 4). Damit der Holzboden "leben" kann, ist eine Unterlüftung sicherzustellen. Dies geschieht z.B. durch Luftschlitze im Bereich der Sockelleisten. Die Sockelleiste darf die Randfuge nicht in voller Länge verschließen. Entsprechend ist auch die elastische Abdichtung auszuführen. So entsteht zwischen der Raumluft und dem Rand des alten Dielenbodens (von dem die alte Sockelleiste entfernt wurde und somit wieder ein Spalt zur Wand vorhanden ist) ein Lüftungsausgleich.

Bei Betondecken wird der Ausgleich überwiegend mit Estrich hergestellt (Bild 5). Hierfür eignen sich u.a. Anhydrit-Fließestriche oder kunstharzvergütete Schnellestriche.

Bild 4: Ausgleichsschicht (A) mit Spachtelmasse.

All diese Maßnahmen sollten insbesondere bei Holzdecken Fachfirmen vornehmen. Denn bei unsachgemäßer Wahl der Materialien und Durchführung können die Folgeschäden erheblich sein. Nach Einbringung der Fußbodenheizung sind Nachbesserungen am Untergrund nur mit großem Aufwand vorzunehmen.

Bild 5: Bei Betondecken besteht die Ausgleichsschicht (A) meist aus Estrich.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einhaltung der Dämmvorschrift für Fußbodenheizungen auf Wohnungstrenndecken. Der Wärmeleitwiderstand muß mindestens 0,75 (m2 K)/W betragen. Hiervon übernimmt bereits die Systemdämmschicht, in der sich die Rohre befinden, den größten Teil. Den Rest muß eine darunter liegende Zusatzdämmung bringen. Bei Holzdecken ist oft zwischen der Balkenlage bereits eine Dämmung vorhanden, die entsprechend angerechnet werden kann. Oder sie wird zusätzlich eingebracht und spart damit Aufbauhöhe. Dies muß von Fall zu Fall systemabhängig geklärt werden.

Die Anforderung an eine Trittschalldämmung ist ein wesentlicher Faktor, der beachtet werden muß. Bei Holzdecken bleibt der ursprüngliche Trittschallschutz erhalten oder wird sogar durch die zusätzlich aufgebrachte Masse verbessert. Wird bei Betondecken der Bodenbelag einschließlich des alten schwimmenden Estrichs entfernt, muß ein Trittschallschutz hergestellt werden.

Bei Kellerdecken ist gem. Wärmeschutzverordnung ein k-Wert von mindestens 0,50 W/(m2 K) für die gesamte Deckenkonstruktion einzuhalten. Hier kann die erforderliche Dämmung so aufgeteilt werden, daß ein Teil über, ein Teil unter der Kellerdecke angebracht wird.

Bild 6: Beispiel für ein Trockenverlegesystem.

Rohrwerkstoff

Als Heizrohre werden sowohl beim Trocken- als auch beim Naßsystem ca. 90% Kunststoffrohre und etwa 10% Kupferrohre eingesetzt. Bei den Kunststoffrohren hat sich das Rohrmaterial "vernetztes Polyethylen PE-X" aufgrund seines hohen Qualitätsstandards mit einem Anteil von 85 bis 90% durchgesetzt.

Das am Markt angebotene Sortiment von Fußbodenheizungen bietet für die Altbaurenovierung ausreichende Konstruktionsvarianten, mit denen auch die besonderen Anforderungen für diesen Bereich zu erfüllen sind. Die Bilder 6 und 7 zeigen ein Trockensystem und ein Naßsystem auf einer Noppenplatte ohne Last- und Wärmeverteilschicht. 

Bild 7: Beispiel für ein Naßverlegesystem.

 


*) Peter Wegwerth: Repräsentant Technisches Marketing, D.F. Liedelt Velta GmbH, Norderstedt


B i l d e r :   velta, Norderstedt


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