IKZ-HAUSTECHNIK, Ausgabe 8/1999, Seite 24 ff.


ISH '99


Gipfeltreffen

Hoffnung für das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk

Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation und des "Steuermanövers" der konzeptionell schlingernden Bundesregierung, konnte sich die ISH - Internationale Leitmesse für Haus- und Gebäudetechnik, die vom 23. bis 27. März 1999 stattfand, in dem sich globalisierenden Markt behaupten. Mit einer positiven Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten ist die diesjährige ISH in Frankfurt zu Ende gegangen.

Simone Probst, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, nach der Überreichung der Leitfäden "Integrierte Management Systeme" und "Energie Contracting". Heinz-Dieter Heidemann, Mitte, Präsident des ZVSHK und Michael von Bock und Polach, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK.

An der Schwelle zum Jahr 2000 zeigte sich die SHK-Messe mit ihrem Angebot in den Bereichen Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik, in der MSR und Gebäudeautomation, der Werkzeuge, Rohre, Flächenheizungen und Klempnertechnik bestens gerüstet. Innovative Techniken sowie zukunftsorientierte Haustechnikbereiche wurden professionell durch die Aussteller angeboten. Nicht nur fachliches, sondern auch Showteile und Sonderschauen machten die ISH zu einem Branchenereignis, an dem man als Fachmann nicht vorbeikommt.

"Innovationen aus einem Guß" lautete die Botschaft der Halberg Entwässerungs-Systeme GmbH.

Daß man bei dieser Messe von einem Gipfeltreffen der Branche sprechen konnte, beweist die Präsenz der 2200 Aussteller und die hohe Zahl der Fachbesucher. An fünf Tagen, so der offizielle Schlußbericht, zählte die Messe insgesamt mehr als 220.000 Besucher aus 130 Ländern. Den Löwenanteil stellten mit 193.000 die Fachbesucher (plus 3,0% gegenüber 1997). Am publikumsoffenen Samstag passierten 30.000 Besucher die Kassen.

Vergleicht man dieses Ergebnis mit den 1995 und 1997 genannten 230.000 Besuchern, so ergibt sich ein leichtes Minus. Zu beobachten war vor allem ein Rückgang bei den Berufsschülern. Diese minimalen Veränderungen konnten jedoch die überaus positive Stimmung in den Hallen nicht beeinflussen.

Das Quattro-Prinzip auf dem Stand von Geberit, ein brand- und schallschutzschlüssiges System.

Um die Menschenmassen in die einzelnen Hallen zu lenken, bewährte sich das Personenlaufband, die "Via Mobile", insbesondere in Verbindung mit dem neuen S-Bahn Anschluß im Gebäudekomplex des Torhauses.

Obgleich in den Ausstellungshallen eine positive Grundstimmung vorherrschte, mußte man feststellen, daß die vergangenen zwei Jahre nicht spurlos an der Branche vorübergegangen waren. So waren einzelne Hersteller nicht mehr vertreten, andere in neue Gruppen aufgegangen oder übernommen worden. Ein genereller Branchenkonsens scheint verloren, da in einigen Bereichen die offene Auseinandersetzung gesucht wurde. Dies führt in der Außendarstellung sicher nicht zu einem seriösen und professionellen Bild und bedeutet eine unnötige Störung des SHK-Vertriebswegs.

Daß in der Branche ein harter Wettbewerbswind bläst, mußten auch die Fachjournalisten zur Kenntnis nehmen, denn das Pressekonferenz-Terminierungs-Spektakel nahm ungeahnte Formen an. So wurden Pressekonferenzen abgesagt, kurzfristig einberufen, im kleinen Kreis durchgeführt, ohne informativen Inhalt beendet und über zahllose Referenten zeitlich überzogen. Häufig konnte aufgrund zahlreicher Terminkollisionen nur ad hoc gehandelt werden. Eine solche Vorgehensweise führt schlußendlich eher zu einer Desinformation als zu einer wichtigen Branchennachricht. Selbst intensivster redaktioneller Einsatz konnte nicht verhindern, daß so mancher Messestandbesuch durchs geplante Terminnetz fiel.

Sphinx: Damenurinal, eine Innovation von der Frau für die Frau?!

Positives Signal

Neue Hoffnung schöpft das SHK-Handwerk nach dem erfolgreichen Abschluß der internationalen Messe in Frankfurt. "Die erneut gestiegene Fachbesucherzahl auf der ISH und das Interesse an den Aktionen der Verbandsorganisation belegen eine positive Grundhaltung unserer Handwerke - trotz ungenügender politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen!" so der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), Michael von Bock und Polach.

Der Start der Solarkampagne "Solar - na klar!" fand überaus großes Medieninteresse. Im Bild (v.l.n.r.) Heinz-Dieter Heidemann und Andreas Müller, beide ZVSHK sowie Siegmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundes- wirtschaftsministerium.

BWT: AQA-total 2500 erhielt das DVGW-Prüfzeichen. Jetzt kann das Handwerk handeln.

 

Irgendwie zauberhaft: "Wonder Gliss" pflegeleichte Oberfläche von Duravit, Putzteufel unerwünscht.

Im Mittelpunkt des Interesses standen nach Angaben des ZVSHK dabei vor allem die Initiativen der Verbandsorganisation im Umweltschutz und zur Stärkung des dreistufigen Vertriebsweges. Zahlreiche Betriebe nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort für die Solarkampagne "Solar - na klar!" zu listen. Der Start der Kampagne durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf, fand in der Wirtschafts- und Tagespresse als auch im Fernsehen Aufmerksamkeit. Auch Simone Probst, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, hob in ihrer Eröffnungsrede und bei der Überreichung der Leitfäden "Integrierte Management Systeme" (IMS) und "Energie Contracting" die Bedeutung des SHK-Handwerks im Umweltschutz hervor.

Weitere Themen waren Kreislaufwirtschaft in Unternehmen und der Einzelhandel im SHK-Handwerk. Mit der Arge Handwerkermarke präsentierte sich darüber hinaus ein erster Kreis von interessierten Herstellern und stellte das gleichnamige Konzept vor (Siehe IKZ-HAUSTECHNIK, Heft 4/99, Seite 14 ff.)

V+B: Hat das Becken wirklich einen Haken?

Auf ministerieller Ebene fand diese deutsche Weltleitmesse keinen Anklang, obwohl der SHK-Bereich mit einem Umsatz von über 100 Mrd. DM ein volkswirtschaftliches Schwergewicht darstellt. Gerade die SHK-Betriebe haben bewiesen, daß sie mit etwa 500.000 Mitarbeitern ein arbeitsmarktpolitischer Garant sind und die Unternehmen zudem eine tragende Säule bei den Steuereinnahmen bilden!

Aussteller mit der ISH hochzufrieden

Die Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche habe durch die internationale Leitmesse für Haus- und Gebäudetechnik einen "positiven Schub und eine zusätzliche Nachfragestimulation" erfahren, resümiert der Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, Michael von Bock und Polach. Er zeigte sich zuversichtlich, daß von der ISH ein deutliches Signal zur Konjunkturbelebung ausgehe: "Die Aussteller sind höchstzufrieden."

Technik pur. Wie mag das wohl funktionieren?

Nach Aussagen von Beobachtern habe sich im Messeverlauf die Stimmung unter den insgesamt mehr als 2200 Ausstellern aus 42 Ländern deutlich aufgehellt: "Die ISH ist eine Winner-Messe', die durch die Internationalität und Qualität der Besucher neue Impulse freisetzen wird", bestätigt Franz Kook, Vorsitzender der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS). Gründe dafür seien die stark gestiegene Präsenz ausländischer Einkäufer auf der ISH sowie eine vitale Nachfrage aus dem Inland.

Hansa: Ein Treffpunkt für die Fachwelt.

Dornbracht, Duravit, Hoesch: Kooperation der "post-modernen" Art. Michael Graves Entwürfe zu "dreamscape".

Sonderschau "Design Plus".

Nach Angaben von Messe-Geschäftsführer Dr. Michael Peters resultiert das Fachbesucher-Plus zu "zwei Drittel aus dem In- und zu einem Drittel aus dem Ausland." Jeder fünfte Fachbesucher reiste aus dem Ausland an. Peters: "Die ISH hat durch die gestiegene Internationalität ihre Stellung als Weltleitmesse bestätigt, ohne aber ihre Bindung zum Handwerk zu verlieren." Aus dem Handwerk kamen rund 40 Prozent der Fachbesucher, aus dem Einzel- und Großhandel weitere 25 Prozent. Den Rest teilen sich die Wirtschaftszweige Industrie, Planer, Behörden, Architekturbüros und sonstige Dienstleistungszweige.

Viegener: Verpressung für Gas, Wasser und Heizung in Kupfer-Technik.

 

Pumpenwechsel auf Zeit: Geschicklichkeit war bei diesem Gewinnspiel gefragt, das von Grundfos ausgerichtet wurde.

Die ISH habe gezeigt, daß von der Konvergenz und Vernetzung von Technologien und Einzelkomponenten entscheidende Fortschritte in der Haus- und Gebäudetechnik zu erwarten sind. "Die Innovationen der jüngsten Vergangenheit und der nahen Zukunft - etwa Neuerungen in der Brennwerttechnik, Solarenergie und die integrierte Gebäudetechnik - waren bestimmende Themen der ISH '99", so Hans-Joachim Leydecker, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in Frankfurt.

Duo Sitz: Innovation auf dem "Stillen Örtchen".

 

Düker: Baden gehn und Internet sehn!

 

Fachgespräche führen, Produkte begutachten, Informationen zusammentragen: Für den Fachmann/-frau Sinn und Ziel einer Messe.

Nach Einschätzung von Horst Eisenbeis, dem Geschäftsführer der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft e.V. (VdZ), könnten allein in Deutschland langfristig bis zu 60 Prozent des Jahreswarmwasserbedarfs durch Solaranlagen gedeckt werden. Auch der Trinkwasserverbrauch ließe sich durch getrennte Kreislaufsysteme um bis zu 60 Liter pro Person und Tag reduzieren. Voraussetzung dafür seien vernetzte Lösungen in der Gebäudetechnik.

Günther Mertz, Geschäftsführer vom Fachinstitut Gebäude-Klima e.V., zeigte sich zuversichtlich: "Das Systemdenken setzt sich hier durch. Die Etablierung der light + building ist daher ein logischer Schritt, von dem wir uns viel versprechen."

"The show must go on", dachte sich auch dieser Dämmstoffhersteller.

 Manfred Freudenberg, Vorstandsmitglied der Fachgruppe Allgemeine Lufttechnik im VDMA, pflichtete ihm bei: "Wir blicken mit Optimismus auf die light + building."

Zielsetzung der neuen Fachausstellung sei es, so Peters, "alternierend zur ISH eine zentrale Verbundmesse anzubieten, die an einem Ort das gesamte Breitbandspektrum der Licht-, Elektro- und Klimatechnik sowie der Gebäudeautomation darstellt." Zur ersten light + building, die vom 19. bis 23. März 2000 in Frankfurt stattfinden wird, erwartet die Messe Frankfurt zwischen 800 und 1000 Aussteller. 

So gut besucht wie hier bei den Werkzeuge-Ausstellern, war die Messe nicht immer.

 


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